Was ist Verelendung?

Wörter: 1612; Linkslevel: -1 Nichtlinke

Definition

Wenn man ein Problem hat, daß negativ auf die Lebensumstände wirkt, und sich aufgrund dieser Wirkung selbst verstärkt, wodurch eine schier ausweglose Lage entsteht, dann ist das e/Elend. Wenn das Problem dabei die Handlungsoptionen verringert, spricht man von Elend.

 

Elendssorten

Verelenden kann man – wie erwähnt – in verschiedener Hinsicht :

  • finanziell
  • geistig, intellektuell,
  • gesundheitlich,
  • bezüglich der Wohnsituation,
  • bezüglich der freien Zeit,
  • bezüglich des sozialen
  • oder familiären Umfeldes,
  • bezüglich der Akzeptanz,
  • psychisch,
  • durch Sucht,
  • bezüglich der Sauberkeit,
  • bezüglich des Antriebs
  • oder nur durch Bewegungsmangel

Elend bedeutet, daß es einem schlecht geht. Elend beeinträchtigt die Handlungsfähigkeit. Bezüglich der Verelendungsart kann man sich allein nicht oder kaum helfen.
In der Regel zieht eine Elendssorte leicht weitere nach sich. Daher gibt es Elendskomplexe

sind einige davon.
Elend ist also gefährlich. Wer bereits von einer Elendssorte betroffen ist, muß strikt darauf achten, weiteres Elend zu vermeiden.

 

Die bekannten Elendssorten

Die finanzielle Verelendung – Armut betrifft alle Armen. Die kapitalistische Klassengesellschaft ist so konstruiert, daß Arme sich aus diesem Elend nicht durch die durch das System zugelassenen Mittel befreien können. Hierzu gehört auch die Verschuldung. Armut und Arbeitslosigkeit sind eng verbunden.

Die Sucht ist von großer Bedeutung bei der Verelendung. Die eigene Kritikfähigkeit wird herabgesetzt, der gesamte Handlungs- und Motivationsrahmen auf ein einziges (schädliches) Ziel verengt. Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheit drohen.

Durch Sucht, andere Verelendungen und Verzweiflung kann Antriebslosigkeit entstehen, wodurch die persönliche Hygiene und häusliche Ordnung in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Die gesundheitliche Verelendung kann sehr leicht verstanden werden. Gesundheitliche Beeinträchtigungen verringern Lebensqualität und Möglichkeiten. Insbesondere Gehbehinderungen sind ein sehr häufiger und gefährlicher Einschnitt im Leben. Gerade im Alter kann eine Krankheit so eine andere nach sich ziehen.

Bildungsferne ist in der Regel ein Komplex, der mit dem Elternhaus verbunden ist. Dieses Problem kann nur systematisch und bewußt aus der Welt geschafft werden. Wer in einem bildungsfernen Haushalt aufwächst, ist nicht nur benachteiligt, er hat auch in Zeiten von Krankheit und Arbeitslosigkeit schlechtere Karten.

 

Die wenig diskutierten Elendssorten

Die geistig-intellektuelle Verelendung fällt niemandem auf. Die intellektuelle Verelendung betrifft eigentlich die gesamte Bundesrepublik. Die geistige Verelendung ist weit verbreitet. Niemand weiß eigentlich mehr, wie es anders sein könnte. Der Massengeschmack infantilisiert die Massenmedien, sachliche oder verwissenschaftlichte Zeitschriften sucht man fast umsonst. Wissenschaftliche Publikationen sind so teuer und selten, daß man sie nicht im Zeitungskiosk kaufen kann. Jeder Zeitungsladen ist wie ein Jahrmarkt. Selbst viele Buchhandlungen sehen heute aus wie Kinderzimmer, da sie nicht nur Bücher, sondern auch buchbezogene Devotionalien anbieten. Dieses Elend wird von der Gesellschaft selbst noch nicht einmal wahrgenommen.1

Die arbeitszeitliche Verelendung – eigentlich freizeitliche Verelendung – ist eine in jedem Ausbeuterstaat akute. Wer den ganzen Tag arbeiten und sich trotzdem zwangsweise noch um seine Existenz sorgen muß, ist unfrei. Freie Zeit wird dadurch zu einem hohen Gut, das leider aufgrund des Erwerbsarbeitszwanges und niedriger Preise für die Arbeitskraft für Geld veräußert werden muß.

Das soziale Umfeld kann sehr unterschiedlich sein. Probleme bereiten asoziale (→ hier unbedingt »Was ist für Linke asozial?«) = unsolidarische Umgebungen. Asoziale oder gewalttätige Umgebungen und Bildungsferne können die Entwicklung und Entfaltung nachhaltig verhindern.

Die soziale Akzeptanz ist ein sehr wichtiger Faktor. Fehlt sie, kann dies je nach Stärke zu Ausgrenzung, Diskriminierung und gar bis zur völligen Lähmung (sogar mit vorgeschriebener Ernährung) des geistigen, beruflichen kulturellen Potentials führen. Beispiele sind Berufsverbote, quasi Berufsverbote oder Residenzpflicht und Lebensmittelpakte (bei Asylbewerbern).

Daraus und aus anderen Traumatisierungen können dann z. B. auch
psychische Verelendungen resultieren, die ihrerseits (man könnte sie teilweise auch unter die gesundheitlichen Verelendungen einordnen) eine grobe Einschränkung des Lebens und der Handlungsfähigkeit darstellen können.

Unterbezahlung und Vieljobberei (Prekarität) In Großbritannien müssen bereits heute (durch die neoliberale Flexibilisierung) viele Leute drei bis vier Jobs ausüben, da das Geld sonst nicht reicht. Ob diese Amerikanisierung des Arbeitsmarktes auch zur Zukunft der Deutschen gehört, hängt von ihrer politischen Widerstandskraft ab.

Arbeitslose sind von verschiedener Verelendung bedroht – z. B. von Alkoholismus. Weiß man all das, wird man sich als Arbeitsloser besonders gesund ernähren, sich regelmäßig bewegen und Gefahren, wie Zigaretten und Alkohol strikt meiden. Kennt man die intellektuelle Verelendung, wird man dafür sorgen, daß man immer noch etwas dazulernt. Hier hat der Vorgebildete es leichter. Allen Arbeitslosen, die keine Arbeit bekommen, ist daher zu raten, irgendwelche Abschlüsse anzustreben.
 

Behinderungen und Benachteiligungen sind Elendsursachen, die oft nicht berücksichtigt wird. Insbesondere, wen sie erst im Laufe des Lebens eintreten, bemerkt man den Unterschied.

Wohnelend bedeutet, verseuchten, extrem unordentlichen oder zu kleinen Wohnraum. Derzeit steuert die BRD aufgrund fehlenden Sozialwohnungsbaus auf einen Wohnungsmangel zu.
 

Bewegungsmangel Seit es Bücher gibt, ist die tägliche Bewegung schon verringert. Die Schul- und Hochschulbildung, sowie sitzende Tätigkeiten verringern die Bewegung weiter. Im Elektronikzeitalter sind jedoch kommen Fernsehen, Video, Computerspiele und das Internet hinzu. Bewegungsmangel ist ein Elendskomplex, der sich im Zusammenwirken mit falscher Ernährung schnell vertieft.
 

Gefährlichkeit

Wichtig ist nun, zu wissen, daß jede der geschilderten Formen des Elends andere Formen nach sich ziehen kann. Jede Art von Verelendung ist daher gefährlich. Die Aufklärung über diese Gefahren kann sehr viel bedeuten.
So ist es wichtig, im Kapitalismus möglichst keine Schulden zu machen. Gegen arbeitszeitliche Verelendung hilft gewerkschaftliche Organisation. Kennt man die Gefahren der Sucht, weiß man, daß die größte Gefahr darin besteht, daß bereits Jugendliche die ein extrem hohes Suchtpotential haben, ihr anheim fallen. Weiter unten haben wir Elendsvermeidungsregeln (Antiverelendungsregeln) aufgestellt.

 

Was ist nun links an diesem Text?

Links ist, daß wir Linken (von Sozialisten bis Kommunisten) die freie Entwicklung und Entfaltung aller anstreben. Das kommt, weil wir Linken sozial (→ »Was ist für Linke asozial?«) denken. Die Kraft unseres Engagements speist sich aus der Sorge. Deswegen, weil Elend die Behinderung dieser freien Entfaltung ist, sind wir Linken es, die das Elend betrachten und bekämpfen. Elend ist der Feind des Glücks.
Politik und Produktionsverhältnisse in der BRD verursachen ständig vielfältiges Elend.

Die größte bekannte Ursache praktisch aller Elendssorten ist der Kapitalismus!

Im Sozialismus gab es all das nicht. Der Sozialismus hat an der Abschaffung sämtlichen Elends – auch in anderen Ländern – gearbeitet. In der DDR gab es kein Elend!

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Antiverelendungsregeln

Im Kapitalismus

  • Niemals Kredite aufnehmen, wenn man sie braucht!
  • Niemals Waren per Leasing kaufen!
  • Niemals Alkohol zur Betäubung von Leid trinken!
  • Niemals um Geld wetten!
  • Geldforderungen gleich bearbeiten (Widerspruch (Wort muß vorkommen) schreiben oder gleich zahlen.
  • Niemals um Geld wetten!
  • Niemals kaufen, was in der Werbung kommt! (Nicht ohne Grund Markenware kaufen! Siehe »Demokratie und Reklame«)

 

Als Arbeitslose/r

  • Wenn man keine Arbeit findet, sollte man unbedingt rechtzeitig Arbeitslosengeld beantragen. Man hat ein Recht darauf!
  • Niemals allein Alkohol trinken! (Siehe auch »Als Süchtiger«)
  • Regelmäßig bewegen!
  • Niemals Zigaretten oder andere Tabakwaren kaufen!
  • Unbedingt etwas lernen! (Sprachen, Computerkurse, …)
  • Miete pünktlich zahlen.

 

Als Langzeitarbeitslose/r

Disziplin ist notwendig um alle dringenden Sache zu erledigen, die Wohnung in Ordnung zu halten und um gesund zu bleiben.
Tägliche Pflichtaufgaben durchorganisieren!

  • Ein striktes Gesundheitsmanagement ist vonnöten.
  • Auf vielseitige Ernährung achten. Obst Gemüse und Hülsenfrüchte essen. Kohlenhydrate und Zucker (Mono- und Disaccharide) konsequent reduzieren.
  • Jegliche Sucht konsequent bekämpfen.
  • Statt Nahverkehr Fahrrad nutzen!
  • Eine schwierige Aufgabe suchen.
  • Unbedingt etwas lernen! Tipp: Wohnt man an einer Universität, kann man mit einem Gasthörerschein (Studentenbeitrag zahlen) Sprachkurse machen. Je mehr Kurse man belegt, desto mehr lohnt sich die Investition. (Volkshochschule ist meist viel zu teuer.)
  • Bibliotheken benutzen! (Da kann man kostenlos Bücher einsehen.)

 

Als Beschäftigte/r

Wer im Kapitalismus keine Produktionsmittel besitzt, muß Bewerbungen schreiben und seine Arbeitskraft verkaufen. Dadurch wird er automatisch ausgebeutet. Nur Dumme verstehen nicht, daß sie in dieser Situation für ihre Interessen eintreten müssen.
In die Gewerkschaft eintreten!

  • In die Gewerkschaft eintreten!
  • Niemals in christliche oder gelbe Scheingewerkschaften eintreten!
  • Niemals für Verbrecher arbeiten! Wenn man doch bei einem Verbrecherunternehmen arbeiten muß, muß man in Arbeitsrechtssachen ein eigenes Protokoll führen.
  • Bei Mobbing Hilfe holen! Bei Mobbing ist man sonst in der Regel allein.
  • Die Arbeitskraft immer so teuer wie möglich verkaufen!

 

Als prekär Beschäftigte/r

Der Biliglohnsektor weitet sich aus. Jeder Ausbeuter, der von prekärer Beschäftigung lebt, lebt von der Verelendung anderer Menschen. Schlauer und entschiedener Widerstand ist notwendig.

  • Kollegen kennenlernen und vorsichtig Betriebsräte gründen. Gewerkschaften helfen dabei.
  • Lange Arbeitswege, bei gleichzeitiger kurzer Arbeitszeit sind inakzeptabel
  • Links wählen und für Mindestlohn kämpfen.
  • Zeitarbeit unterhalb des Tarifs gehört verboten!

 

Als illegal Ausgebeutete/r

Es gibt legale und illegale Ausbeutung. Illegale Ausbeutung ist in der Regel mit irgendeiner Erpressung verbunden. Aber auch die legale Ausbeutung erpreßt mit der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen Elend.

  • Man stärkt seine Position, in dem man genauestens Protokoll führt.
  • Hilfe durch Gewerkschaften und linke Organisationen holen und einfordern.
  • Klagen, wenn man kann.
  • Protokoll über weitere Verbrechen des „Arbeitgebers“ führen.

 

Als Süchtige/r

Kindern und Jugendlichen Drogen anzubieten ist hoch kriminell. Je jünger man ist, um Drogen auszuprobieren, desto höher ist das Suchtpotential. Im Kinder- und Jugendalter sind alle Sorten von Drogen extrem gefährlich. Über 25 ist das Suchtpotential deutlich geringer. Leider wird an Sucht auch gut „verdient“.

  • Hilfe suchen!
  • Sucht sofort abgewöhnen!!
  • Sucht erkennt man an der Regelmäßigkeit des Konsums und daran, daß man extra deswegen losgeht und Geld dafür ausgibt.
  • Niemals um Geld spielen!
  • Gebt nicht den Kriminellen Geld!
  • Alkoholiker sind Leute, die keinen Alkohol trinken dürfen. Wer süchtig nach Alkohol ist, ist Alkoholiker – für immer!

[Evariste]
 

1 Als zwangsweiser Staatsbürger der BRD (also von außen kommend) nehme ich diese intellektuelle Verkommenheit und ihre schmutzige skrupellose Ausnutzung besonders deutlich wahr.

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