Was ist schlimm an Tierrechten? – Eine neue antihumanistische Strömung

Wörter: 1092; Linkslevel: +1+2 Sozialdemokratisierte Linke (geändert)
Es gibt im Kapitalismus viele Verrücktheiten (siehe »Zum geistigen Zustand der deutschen Bevölkerung« (in Arbeit)) eine der neueren ist die Tierrechterei. „Tierrechtler“ wollen Tieren Rechte verleihen.

 

Grundlegende Aussagen

Es gibt verschiedene Vertreter, der Tierrechterei, die z. B. behaupten, man würde Tiere „willkürlich“ aus der „vorhandenen“ Moral ausschließen.
Dazu ist zu sagen, daß Moral eine von der Gesellschaft erworbene Norm menschlicher Verhaltenswertschätzung ist, die sich nach Kulturen und Epochen ändert. (Definition von Evariste) Es ist absurd Tiere in Moral einzubeziehen, da Tiere keine Moral verstehen. Tiere können niemals moralisch sein. Trotzdem wollen Tierrechtler den Tieren Rechte zugestehen. Dabei wird die Leidensfähigkeit „der Tiere“ angeführt. Um welche Tiere es dabei geht, wird nicht gesagt.
Einige Tierrechtler erwähnen Tiere und äußern, daß es einen Widerspruch darstelle, daß einige Haustiere wie Familienmitglieder behandelt würden, während andere geschlachtet und gegessen würden. Stellen wir also mal fest, daß „Tiere“ – und man beachte, daß die meisten Tierrechtler Angelsachsen sind – wahrscheinlich immer „Wirbeltiere“ meint.
Tierrechtler gehen soweit, Tieren Würde, oder Recht zuzusprechen. Das bedeutet, daß sie weder wissen, was Recht (Linkes Lexikon Recht), noch was Würde (»Was ist Würde?«) ist.

 

Eine greifswalder Veranstaltung über Tierrechte

Am 18. Oktober fand im greifswalder IKuWo eine Veranstaltung statt, in welcher ein Prof. Dr. Haferbeck einen Vortrag über die Entwicklung der Tierrechte hielt.
Im Vorraum war eine Fahne der „Antispeziezistischen Aktion“, welche die Symbolik der Antifaschistischen Aktion nachahmte, dabei jedoch die roten Farben der Fahnen durch blaue ersetzte.
(Nachahmung und Eklektizismus in Einheit mit inhaltlicher Verfremdung sind – nebenbei bemerkt – Merkmale faschistischer Organisationen. )

Im Laufe der Veranstaltung wurden sowohl rechtliche Aspekte, des Umgangs der Justiz mit Gewissenstätern beleuchtet, als auch inhaltliche Probleme angerissen. Erstere erinnerten stark an den Umgang der Justiz mit Linksradikalen, wodurch der Eindruck eines gewissen Märtyrertums entstand. Letztere hatten es dann in sich. So outete sich Prof. Haferbeck selbst als Tierrechtler.
Die Argumentation war widersprüchlich bzw. mehrgleisig. Zum einen wurde Leidensfähigkeit als Grund für Tierrechte (Tiere mit ZNS) herausgestellt. Über eine Definition des Begriffes Tier wurde nicht gesprochen. Da diese Position jedoch von den meisten Tierschützern nicht geteilt wird und somit angreifbar bzw. nicht stimmig ist, wurden in einer späteren Äußerung „ethische Prämissen“ geltend gemacht. Es wurde jedoch in der Diskussion klar, daß das Streben der Tierrechtler letztlich auf ein totales Fleischverbot hinauslaufen würde. Es war deutlich zu spüren, daß einige der Anwesenden dieses befürworten würden. Es wurde gar das Wort „Ermordung“ erwähnt.
Unterscheidungen zwischen Tierreichen oder Deuterostomiern und Protostomiern wurden nicht getroffen. Auf Nachfrage: – Auch Insekten haben Tierrechte! Die tierischen Mikroorganismen habe ich ihm dann geschenkt.

 

Kompatibilität mit Rechtsetremismus

Tierrechte schließen Rechtsextremismus nicht aus. Tierliebe finden wir bei der Le-Pen-Wählerin Bigitte Bardot genauso, wie beim letzten Reichskanzler. Tierrechte sind tatsächlich auch mit Antihumanismus kompatibel. Daher ist Tierrechteterei per se nicht gegen rechts gerichtet, sondern nach rechts offen.
 

Nazis und Tierrechtler

Nazis wollen, daß Menschen Tiere sind, Tierrechtler wollen, daß Tiere wie Menschen werden. Beide Bestrebungen relativieren den Humanismus und können auch schon mal zusammenfallen.

 

Wertung

So wie sich in den letzten Jahren Rechtsextremismus, Sekten und beispielsweise auch christlicher Kreationismus in Deutschland ausbreiten, So breitet sich neuerdings auch diese neue Verrücktheit unter den Tierschützern aus.
Ein besonderes Augenmerk möchte ich daher auf die Vereinbarkeit von Tierschutz und Rechtsextremismus legen. Tierschutz kann antihumane Formen annehmen. Tierrechte sind gegen den Menschen gerichtet. Dabei werden auch in der Form Handlungen nachvollzogen, wie wir sie bisher nur bei Rechtsextremen kennen: als Entwendung und Entfremdung humanistischer und antifaschistischer Symbolik. (siehe auch: »Was ist Demagogie?«) In Ermangelung geistiger Originalität sind z. B. Rechtsextreme eklektisch.
Ein Humanist ist für Tierrechtler ein „Speziesist“. Tierrechtler wollen daher ganz offensichtlich Tierrechte neben Menschenrechte stellen und ich sage voraus, daß sie ab einer gewissen Stärke genau deshalb eines Tages über Leichen gehen werden.
Tierrechte wären eine Schwächung des Humanismus.
 

Echte Linke wissen: Im Kern ist Tierschutz dekadent.
Extremistischer Tierschutz mit Rechtsbildung ist ein Phänomen energieverschwendender Gesellschaften.

 

Spezialbeitrag für Leute, die außerhalb ihres Level lesen

Für niedere Linkslevel:
Die Barbarei an den Tieren entsteht im Kapitalismus durch erbarmungslose Konkurrenz und durch rücksichtslose Profitgier, sowie eine die Ausbeutung rechtfertigende Kultur, die Skrupellosigkeit als erfolgreich verehrt.

Die Linkslevel haben einen Sinn – nämlich den, daß Texte, wenn man sich an die Level nicht hält – nicht verstanden werden. Leider ist der Einstufungstest noch nicht fertig. Trotzdem werden gerade Leute, die z. B. Tierrechte wollen, vom Autor angehalten, sich an die Level zu halten bzw. einfach bei -3 zu beginnen. Wer es genauer möchte, sollte bei der Linkslevelauswahl oben links auf die Seite „Linkslevel und Parteien“ gehen. Bei dieser Seite ist zu beachten, daß die Parteien (etwa) so eingezeichnet sind, wie sie sind und nicht so, wie sie der Masse erscheinen. (Sie erscheinen den meisten einen halben bis einen Level weiter links, als sie es wirklich sind.) Der Autor hat keine Zeit auf dumme Kommentare einzugehen.

Wir stellen also mal ein paar grundlegende Sachen für diese Leute klar:
Es geht hier nicht um Tierschutz, sondern um Tierrechte.
Recht ist eine demagogische und nichtemanzipative Kategorie.
Recht ist ein Unterdrückungsinstrument.
Recht ist Interessenwahrung der Herrschenden.
Recht bedeutet die Inanspruchnahme der verschleiert bewaffneten Gewalt des Staates.
Wer sagt: „Recht auf …“ beruft sich auf den öffentlichen Fassadencharakter, den das Recht im Kapitalismus hat. Das Recht in Anspruch zunehmen bedeutet, sich zunächst seiner Rechte bewußt zu sein und im weiteren Sinne auch dafür zu kämpfen. Das versuchen Linke den Unterdrückten beizubringen, denn „positive Rechte“ im Sinne von Diskriminierungsfreiheit kriegt man nicht geschenkt.
Tiere sind zu alledem in keiner Weise befähigt. Wäre das so, würden Gazellen Hyänen verklagen. Raubtiere dürften nicht existieren oder müßten Kartoffelköße fressen. Das gälte dann auch für Spinnen und Marienkäfer. Man müßte dann allerdings Spinnen, deren Exkremente sich in den Ecken unsere Heime ins Linoleum ätzen, auf Schadenersatz verklagen und diese müßten dann Sozialhilfe beantragen. Die Definition von „Tier“ sieht vor, daß auch dissimilierende Einzeller betroffen sind. Würden öffentliche Verwaltungen für diese Einzeller nur ein einziges Blatt zur Registrierung erstellen, wäre die Erdoberfläche von einer dicken undurchdringlichen Papierhülle bedeckt, die sich unter ihrem Druck zersetzen würde. Es gäbe keine Ozeane und keine Berge mehr.
Recht ist eine menschliche Konstruktion zur Sicherung und Verschleierung von Herrschaft und Diskriminierung.
Wer das nicht versteht, liest im falschen Level.
Wer also z. B. der Ansicht ist, daß privat Leute zu beschäftigen und auszubeuten (Mehrwertaneignung) (LL < 0) in Ordnung ist, an der Börse zu spekulieren Ok ist (LL < -1,5), daß Aktien zu besitzen ok ist (LL < -0,5) oder an der Börse zu spekulieren Ok ist (LL < -1,5), kann das nicht verstehen. Wer sogar der Ansicht ist, daß die Kriege, die die BRD führt, voll Ok sind und das sogar richtig sympathisch findet, hat bei den positiven Linksleveln schon gar nichts zu suchen.

Der Autor ist allerdings gegen eine Gleichstellung von Mensch und Tier.
Der Level des Textes wird von +1 auf +2 geändert. Damit ist ein Puffer von einem Level eingefügt. Tatsächlich gibt es beim Recht eine große Levellücke, die noch nicht geschlossen ist.
Der Text setzt stillschweigend Begriffsbildungen wie Faschismus, Antifaschismus, Sozialchauvinismus und Dekadenz voraus. Vorausgesetzt wird ebenfalls ein minimaler Humanismus. Der Humanismus entstand durch bürgerliche Bildung und die daraus resultierende faktische Widerlegung des Adels. Wer nun meint, daß die Entwicklung in der Richtung weitergehen würde, daß nun Tiere von der Herrschaft des Menschen befreit würde täuscht sich und versteht (logischer Weise) (noch) nicht, wie die gesellschaftliche Entwicklung funktioniert. Die Barbarei resultiert aus den Produktionsverhältnissen. Für Leute, die das nicht verstehen, sei stellvertretend die Barbarei der Ökonomie erwähnt. Ist die Barbarei beseitigt, wird auch der Tierschutz größtenteils eingehalten.

Wer keinen Sinn für Menschenrechte hat,

  • hat schon gar keinen Sinn für Ökologie und Artenschutz

und wer keinen Sinn für Ökologie und Artenschutz hat,

  • hat erst recht keinen Sinn für Tierschutz.

Wer also Tierschutz vor den Menschenrechten will, ist dekadent und rechts.

Infolgedessen erwarte ich, daß Kommentare von Tierrechtlern für die nächste Zeit entfallen, da sie mit lesen beschäftigt sein sollten. Des weiteren seien alle ermahnt, die sich hier tummeln wollen, um sich zu vergnügen. Wer immer Einsprüche hat, halte sich an die tatsächliche Argumentation, die hier einen sarkastischen Unterton für ein linkes Publikum trägt. [Evariste]

Der Originalartikel wurde auf dkp-greifswald.de/de/ am 19.12.2009 veröffentlicht.

5 Kommentare zu “Was ist schlimm an Tierrechten? – Eine neue antihumanistische Strömung

  1. Ich bin wirklich erschüttert über diesen Artikel. Tierrechte sind keine Schwächung des Humanismus, sondern stellen eine Erweiterung dar. Tiere werden derzeit genauso aus der vorhandenen Moral ausgeschlossen, wie Frauen, Schwarze, Menschen mit Behinderungen in vergangenen Zeiten ausgeschlossen wurden, bzw. in manchen Teilen der Welt noch immer ausgeschlossen werden. Und wenn wir manche Tiere verhätscheln und andere Essen, bzw. wenn wir uns über die „grausamen“ Menschen in anderen Teilen der Welt echauffieren, weil sie Hunde und Katzen essen, was dort so „normal“ ist wie in Europa der Verzehr von Kühen und Schweinen, dann ist das in der Tat höchst widersprüchlich. Einziges Kriterium sollte doch sein, ob ein Lebewesen Leidensfähig ist. Tiere haben keine Moral, das ist richtig, aber wir Menschen haben eine Moral und diese verpflichtet uns. Tiere sollen keineswegs die gleichen Rechte bekommen wie Menschen, wie leider immer wieder behauptet wird. Zur Verdeutlichung verlinke ich mal einige Texte, die dies verdeutlichen. http://asatue.blogsport.de/2010/07/27/ein-gespenst-geht-um-das-gespenst-des-antispeziesismus/

    Tierreichte als Ausgeburt des Kapitalismus zu bezeichnen ist echt das krasseste, was ich jemals gehört habe.

    Zu Deiner Aussage:“Ein besonderes Augenmerk möchte ich daher auf die Vereinbarkeit von Tierschutz und Rechtsextremismus legen“ möchte ich Dir die folgenden Texte ans Herz legen, der die Unvereinbarkeit von Antispeziesismus (um den es Dir wohl geht, auch wenn Du hier von „Tierschutz“ sprichst) und Rechtsextremismus verdeutlichen.
    http://asatue.blogsport.de/2013/04/17/ist-antispeziesismus-strukturell-antifaschistisch/
    http://www.tvg-saar-vegan.de/literatur/emil-franzinelli-hauptsache-f%C3%BCr-die-tiere/antispeziesistisches-pl%C3%A4doyer-f%C3%BCr-die-befreiung-des-menschen/
    http://www.tierbefreier.de/tierbefreiung/67/hauptsache_fuer_die_tiere.html

    Um es mit einfachen Worten zu sagen:Der Mensch ist ein (Säuge)Tier und somit schützenswert, auch wenn dies von Nazis oder Kritiker_innen des Antispeziesismus gerne unterschlagen wird.

  2. Du wirst leider Tierrechte und Tierschutz durcheinander. Tierschutz ist mit jeder Ideologie vereinbar. Bei Tierrechten wird es da schon schwieriger, da Nazis bestimmten Menschen Rechte absprechen, was mit der Idee der Tierrechte per se unvereinbar sind, nichtsdestotrotz es einige, überwiegend dem bürgerlichen Lager entstammende, Strömungen gibt, die leider nicht davor zurückschrecken, sich mit totalitären (=antiemanzipatorischen) Sekten oder auch Nazis einzulassen, unter dem Motto:“Hauptsache für die Tiere“. Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist genausowenig homogen, wie es Linke sind. Jede_r Marxist_in ist links, aber nicht alle Linken sind Marxist_innen. Dass es in der „Tierrechterei“, wie Du es nennst, menschenfeindliche Tendenzen gibt, steht außer Frage, hier kann jedoch nicht von einer Mehrheit gesprochen werden.

    Im weiteren erwähnst Du „Tierliebe“. Tierrechte setzen keine Tierliebe voraus. Ich muss auch Menschen nicht lieben, um ihnen (Menschen)rechte zuzugestehen.

    Für mich ist Humanismus (den ich Nazis abspreche) die Grundvoraussetzung für Antispeziesismus, Antispeziesismus schließt Antihumanismus also aus.

    Zum Abschluss konstatierst Du, dass „echte Linke“ wissen, dass Tierschutz dekadent ist. Wie genau definierst Du „echte Linke“?

    Es wäre schön, wenn Du die verlinkten Texte lesen würdest, so dass wir auf dieser Basis weiterdiskutieren können. Offensichtlich hast Du einiges missverstanden.

  3. Ich bin auch einigermaßen irritiert über die Reflexionsverweigerung und die Vorurteile, die man derzeit leider in vielen linken Kreisen in Bezug auf den Veganismus und die antispeziesistische Bewegung findet. Auch wenn mir klar ist, welche rechtsoffenen und reaktionären Protagonisten dieser insgesamt sehr heterogenen Bewegung für diesen Ruf verantwortlich sind: Singer & Co.

    Fakt ist natürlich, dass es unter den AntispeziestInnen (oder all jenen, die sich selbst so bezeichnen) durchaus auch rechtsoffene bis rechtsextreme Strömungen gibt. Die praktische Ethik von Peter Singer und die unsäglichen Holocaustvergleiche sind nur zwei Beispiele dafür. Peter Singers Ethik basiert aber – das sei hier nur kurz erwähnt – auch auf einer ganzen Reihe von logischen Brüchen und Fehlschlüssen. Daraus aber zu schlussfolgern, dass Antispeziesismus als solcher rechts sei, ist eine fatale Pauschalisierung, die v.a. auf Stereotypen basiert. Denn dem Grundsatz nach handelt es sich zunächst einmal um ein progressives Anliegen.

    Dass sich der Mensch als Krone der Schöpfung berachtet, ist in der Tat ein historisches Relikt religiöser Weltanschauungen und weder naturwissenschaftlich noch philosophisch begründbar. Vor solchen kulturellen Einflüssen schützt eine(n) eben auch der Atheismus nicht automatisch.

    Meiner Ansicht nach ist es aber dennoch wichtig hervorzuheben, dass Menschen höhere kognitive Fähigkeiten haben als andere Tiere, die dazu führen, dass sowohl ihr Glück als auch ihr Leid komplexer und umfassender wird. Zumindest gilt das im Vergleich zu fast allen anderen Tierarten; bei höheren Primaten relativiert sich dieser Unterschied allerdings. Diese kognitiven Fähigkeiten (z.B. unser Selbstkonzept) ermöglichen es dem Menschen, nach Selbstverwirklichung und anderen höheren Zielen zu streben, während man ihn, indem man ihn leiden lässt, zugleich auch psychisch demütigen kann, weil er versteht, dass die Tatsache, DASS man ihn leiden lässt, darauf beruht, dass man ihn geringschätzt und ihm seine Würde abspricht. So viel zu den wesentlichen Unterschieden. Kurzum: Menschen leiden qualitativ anders und intensiver. Ja.

    Davon unberührt bleibt allerdings die Tatsache, dass eine aufgeklärte Ethik gleiche Rechte für gleiche Interessen fordern muss. Andere Spezies haben insofern teilweise andere Interessen als Menschen, als sie z.B. kein Interesse an einer freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit haben. Solche Menschenrechte kann man ihnen sinnvollerweise nicht verleihen – und sie hätten auch gar nichts davon, denn sie wüssten nichts damit anzufangen. Sie haben aber gleiche Interessen wie Menschen in Bezug auf das Bedürfnis nach Schmerzfreiheit und ihren Überlebenstrieb, und zwar selbst dann, wenn sie das Konzept „Tod“ kognitiv nicht erfassen können. Demnach sind ihnen solche Rechte zuzugestehen, und es gibt einfach keine rationale Begründung dafür, warum z.B. der gleiche körperliche Schmerz eines Tieres weniger wert sein sollte als der eines Menschen.

    Während praktisch alle anderen Unterdrückungsformen darauf basieren, dass sie Unterschiede postulieren, wo es keine gibt, hat der Speziesismus eine Besonderheit: Er teilt Lebewesen dichotom in Menschen und Tiere ein, verleiht Menschen besondere Rechte, unterscheidet aber – überspitzt gesagt – bei den Tieren kaum zwischen Stubenfliegen und Schimpansen. In die Einheitskategorie „Tiere“ fallen demnach alle anderen tierischen Lebewesen außer dem Menschen. Der Speziesismus basiert also gerade darauf, dass moralisch relevante Unterschiede zwischen anderen Spezies verwischt werden, während zwischen Menschen und allen (anderen) Tieren eine Kluft gezeichnet wird. Obwohl wir z.B. mit Schimpansen mehr Gene teilen als diese mit Gorillas.

    Zu den wesentlichen Einwänden gegen den Antispeziesismus:

    1. „Tiere könnten keine Rechte haben, weil sie Moral nicht verstehen und keine Träger von Pflichten sein können. Nur Träger von Pflichten können auch Träger von Rechten sein.“

    Das ist ein Argment aus der Vertragsethik, das die Rechte von Indviduen im Grunde davon abhängig macht, ob sie sich für den Rest der Welt moralisch „nützlich“ verhalten können. Mit anderen Worten: Ich gestehe Dir Rechte nur dann zu, wenn ich im Gegenzug auch etwas von Dir erwarten kann. Das ist nicht nur egoistisch und amoralisch, sondern in der letzten logischen Konsequenz auch zutiefst antihumanistisch: Denn Säuglinge und Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen können Moral ebenfalls nicht verstehen und besitzen auch nicht die Fähigkeit, sich moralisch zu verhalten. Wer nun argumentiert, Tiere könnten keine Rechte haben, weil sie keine Träger von Pflichten sein können und Moral nicht verstehen, der müsste – wenn dieses Argument denn gültig wäre (was es nicht ist) – in der letzten Konsequenz auch Menschen mit schweren geistigen Behinderungen alle Rechte absprechen. Daher ist dieses Argument ethisch hochproblematisch, denn man kann Argumente nicht losgelöst von ihren logischen Implikationen analysieren.

    2. „Menschen sind ein besonderes Produkt der Evolution.“

    Das stimmt schon. Aber damit kann man nur begründen, dass sie zusätzliche Rechte haben sollten (z.B. Wahlrecht, Meinungsfreiheit, etc.), die andere Spezies nicht haben, weil Letztere keine diesbezüglichen Interessen haben. Man kann damit nicht argumentieren, dass daher das Interesse des Menschen an „leckerem“ Fleischgenuss höher zu gewichten wäre als das Interesse anderer Spezies an einem leidfreien Leben und am Leben an sich. Wäre das anders, müssten wir z.B. auch Folgendes akzeptieren: Wenn es irgendwann eine Spezies gäbe, die uns evolutionär „überholen“ würde (oder alternativ eine hypothetische Begegnung mit kulturell und evolutionär überlegenen Außerirdischen), dann könnte die demnach ein Recht daran anmelden, uns auf engstem Raum zu halten, zu töten und zu essen, weil wir ihnen geistig und kulturell unterlegen wären. Dieses Argument steht also auf sehr wackeligen Füßen. (Der Einwand stammt von Richard David Precht.)

    3. „Menschen sind die einzige Spezies, die echte kulturelle Leistungen hervorbringen kann.“

    Ja, aber es gibt auch Menschen, die aufgrund schwerster geistiger Behinderungen keine kulturellen Leistungen hervorbringen können. Davon abgesehen, dass es antihumanistisch ist, den Wert und die Rechte eines Indviduums an seiner Produktivität gleich welcher Art festzumachen (auch an kultureller Schaffenskraft), würde dieses Argument – wenn es gültig wäre (was es nicht ist) – darauf hinauslaufen, dass man entweder Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen keine Rechte zugestehen dürfte, oder aber, dass man (wie auch oft argumentiert wird) ihre Menschenrechte damit begründen würde, dass sie eben einer Spezies (Mensch) angehören, deren andere Angehörige besondere kulturelle Leistungen erbringen können. Das ist aber aus zwei Gründen problematisch: Erstens ist es zutiefst diskriminierend und erniedrigend, wenn man die Rechte eines geistig behinderten Menschen gar nicht mit dem begründet, was er selbst ist, sondern aus dem ableitet, was andere Mitglieder einer Gruppe sind, der er zugerechnet wird. Und zweitens ist es philosophisch sehr schwierig zu begründen, dass man Person X so und so behandeln müsse, weil sie einer Gruppe angehört, in der andere Personen bestimmte Eigenschaften haben. Relevant für die Rechte eines Individuums können immer nur die Eigenschaften sein, die es selbst hat. Selbstverständlich müssen daher auch Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen Rechte haben – aber eben nicht, weil sie einer Spezies angehören, deren ANDERE Angehörige kulturelle Leistungen erbringen können, die sie selbst nicht erbringen können. Sondern weil sie empfindungsfähige Wesen sind und weil alleine das ausreicht, um sie mit Achtung zu behandeln.

    In diesem Sinne ist ein antispeziesistischer Ansatz, der Lebewesen gleich welcher Spezies bestimmte Grundrechte zugesteht und diese ausschließlich mit ihrer Glücks- und Leidensfähigkeit, also ihrer Empfindungsfähigkeit, begründet, weitaus egalitärer als ein Ansatz, der sich aus einem falsch verstandenen Humanismus ableitet. Dieser Pseudo-Humanismus ist nämlich letztlich dabei, durch die Art und Weise, wie er argumentiert, sich selbst und seine wichtigsten Errungenschaften zu dekonstruieren – ironischerweise durch die logischen Implikationen und konsequenten Fortführungen seiner eigenen Argumentation, die letztlich u.a. zwingend auf die Diskriminierung und Abwertung von Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen hinausläuft.

    4. „In der Natur haben Menschen immer Tiere gegessen, daher ist es auch ethisch OK.“

    Das ist ein sog. naturalistischer Fehlschluss, der bekannteste logische Fehlschluss in der Philosophie: Der unzulässige Brückenschlag von der Natur, der Welt des Seins, auf die Moral, die Welt des Sollens. Im Übrigen sind andere Tiere, außer dem Menschen, eben nicht fähig, moralisch zu handeln. Das kann den Menschen aber nicht von der Pflicht entbinden, eben dies zu tun.

    5. „Antispeziesismus ist eine bürgerliche Bewegung“, Eklektizismus, etc. (siehe oben):

    Klar gibt es auch bürgerliche TierschützerInnen, und die hatte Marx mit seiner Kritik wohl im Auge. Es gibt aber z.B. auch bürgerliche Feministinnen, und das macht den Feminismus als solchen nicht zu einer reaktionären Bewegung. Tatsächlich ist die Ausbeutung von Tieren durch Menschen nirgendwo so perfektioniert wie im Kapitalismus. Daher sind große Teile der antispeziesistsichen Bewegung explizit antikapitalistisch und antifaschistisch. Ihnen deshalb Eklektizismus vorzuwerfen, ist absurd. Auch andere Befreiungsbewegungen, etwa die der Homosexuellen, haben an das, was vorher schon in der Linken bestand, angeknüpft und aufgebaut, und ihren Kampf gegen Unterdrückung argumentativ damit verbunden. Sind die jetzt deshalb etwa auch faschistoid?

    6. „Tierrechte führen im Gegenzug zu einer Entwertung oder Relativierung von Menschenrechten.“

    Das ist bei genauerer Betrachtung von der Struktur her ein klassisches konservatives Argument, das sich in ähnlicher Form auch bei Leuten findet, die behaupten, dass die volle Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe die heterosexuelle Ehe entwerten würde. Die Analogie ist offensichtlich. Natürlich sollte uns die Aufklärung aber gelehrt haben, dass Rechte niemals weniger werden, sondern immer nur mehr, wenn man sie mit anderen teilt. Im Übrigen ist es ein bekanntes Phänomen, dass immer dann, wenn eine Gruppe in einer Gesellschaft vollständig (!) entrechtet ist, die Bestrebung, dies als Unterdrückung und Diskriminierung anzuerkennen, als unzulässige und empörende Relativierung der Unterdrückung anderer Gruppen begriffen wird – da diese ja so viel schlimmer seien, während die konkrete Unterdrückungsform, um die es geht, doch vermeintlich legitim, natürlich und normal, oder zumindest weitgehend harmlos sei. Ähnliche Diskussionen gab es historisch bei den ersten Versuchen, die Unterdrückung von Homosexuellen mit anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (z.B. Rassismus) gleichzustellen. Und zwar ganz einfach deshalb, weil vor den Emanzipationserfolgen der Homosexuellenbewegung das vermeintliche Recht, Homosexuelle „abartig“ und „pervers“ zu finden, von vielen als so „natürlich“ und „selbstverständlich“ betrachtet wurde, dass man es geradezu als eine Beleidigung anderer Minderheiten empfand, diese auch nur in einem Atemzug zusammen mit den vermeintlich „perversen“ und „minderwertigen“ Homosexuellen zu erwähnen. Und diese Art zu denken war damals, vor 1968, auch in großen Teilen der Linken verbreitet. Hier wird offensichtlich, dass immer dann, wenn der Vorwurf der Relativierung hervorgeholt wird, der- oder diejenige, die/der ihn äußert, dieser Logik eigene unreflektierte diskriminierende Tendenzen zugrundelegt, die sie oder er als selbstverständlich betrachtet. Und die Bereitschaft, eigene unbewusste „-ismen“ (Sexismus, Rassismus, Heterosexismus, Ableismus, Klassismus, Speziesismus) zu reflektieren, ist bei denen, die ihre Privilegien verteidigen wollen, meist sehr begrenzt. Von dieser Tendenz sind Linke bedauerlicherweise eben auch nicht automatisch ausgenommen.

    Und zum Abschluss:

    „Echte Linke wissen: Im Kern ist Tierschutz dekadent“.

    Davon abgesehen, dass „Dekadenz“ ein historisch vorbelasteter Begriff ist, da er im Nationalsozialismus synonym zu „Entartung“ gebraucht wurde (siehe Wikipedia), ist Tierschutz als solcher erst einmal progressiv und die Ablehnung jeglichen Tierschutzes eindeutig reaktionär und ein Ausdruck von Gegenaufklärung. Dass es unter TierschützerInnen auch rechte Bewegungen gibt, ist klar – da hat die Linke aber auch andere potenzielle Schnittstellen mit Faschisten, etwa beim Antikapitalismus – aber niemand (außer ein paar Bürgerlichen) würde deshalb auf die Idee kommen, Antikapitalismus im Kern für rechts zu halten. Die Aufklärung wird auch im Bereich der Tierrechte nicht aufzuhalten sein, und der Verlauf der Geschichte und der damit einhergehende Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins wird irgendwann für sich sprechen. Ich schätze, dass spätestens in ca. 50 Jahren die Infragestellung von Tierrechten in der Linken geschlossen als Ausdruck einer rechtsautoritären und chauvinistischen Weltanschhaung begriffen wird. Bei anderen Unterdrückungsformen, etwa der Homophobie, hat es auch gedauert, bis sich dieser Konsens durchgesetzt hat. Mit diesen Analogien soll nicht behauptet werden, dass es gar keine moralisch relevanten Unterschiede zwischen Menschen und Tieren gäbe – diese Ideologie ist tatsächlich rational nicht zu rechtfertigen. Ebenso irrational und voraufgeklärt ist es aber, tatsächlich bestehende Unterschiede heranzuziehen, um damit gigantische Diskrepanzen in den zugeschriebenen Rechten zu begründen – ohne dabei zu überprüfen, ob die jeweiligen Unterschiede für die Begründung der jeweiligen Rechtsunterschiede tatsächlich aus philosophischer Sicht moralisch relevant sind. Natürlich kann eine aufgeklärte Ethik nur darin bestehen, dass es für gleiche Interessen gleiche Rechte gibt.

    Es liegt aber in der Natur des Menschen, dass er die soziokulturellen Einflüsse auf sein eigenes Denken nur sehr bedingt erkennt und reflektieren kann. Das ist zum einen die Grundlage von Ethnozentrismus, erklärt zum anderen aber auch, warum wir heute dazu neigen, über die Vorurteile früherer Generationen den Kopf zu schütteln, während wir für unsere eigenen weitgehend blind sind und uns die Phantasie fehlt, uns vorzustellen, wie spätere, noch sehr viel aufgeklärtere Generationen über uns und die vermeintlich selbstverständlichen Grundlagen unserer gegenwärtigen Weltbilder denken werden. Das ist dann das historische Pendant zum Ethnozentrismus. Der/die gemeine EuropäerIn neigt heute eben dazu, sich schon per definitionem für durch und durch aufgeklärt zu halten. Tatsächlich ist Aufklärung aber ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, gesellschaftlich wie individuell. Und Antispeziesismus hat auch nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern dass immerhin immer mehr Menschen die Bereitschaft zeigen, ihre eigene Sozialisation zu hinterfragen, ist eine Konsequenz von Aufklärung und Individualismus.

  4. Nachtrag:

    Zu meinem Verweis darauf, welche logischen Implikationen sich für die Rechte von Menschen mit schwersten (!) geistigen Behinderungen aus der gängigen pseudo-humanistischen Begründung des besonderen Werts menschlichen Lebens ergeben würden, möchte ich noch Folgendes ergänzen, um gängigen Missverständnissen vorzubeugen: Selbstverständlich geht es mir hier nicht darum, diese Menschen mit Tieren zu vergleichen, und ich hoffe, dass das klar ist. Es ist ja gerade diese implizite Gleichsetzung, die ich an der im Humanismus gängigen (und ausgrenzenden) Begründung der Menschenrechte mit den besonderen kognitiven und kulturellen Fähigkeiten des Menschen kritisiere. Vielmehr geht es mir also darum aufzuzeigen, dass die unter vielen HumanistInnen gängige Argumentation letztlich auf die von mir kritisierte Konsequenz hinausläuft, dass man (- wenn diese Argumentation denn gültig wäre, was sie nicht ist -) Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen keine Menschenrechte zugestehen könnte, oder aber diese eben nur mit Eigenschaften begründen könnte, die ANDERE Menschen haben, aber nicht mit Eigenschaften, die diese selbst haben. Daher lehne ich diese Argumentation ja entschieden ab. Ich schreibe das nur vorbeugend, weil ich aus Erfahrung weiß, dass einige Leute sehr ungehalten reagieren, sobald sie bestimmte Reizworte hören oder lesen, und dass sie dann gar nicht mehr bereit sind, dem eigentlichen Inhalt der Argumentation zu folgen. Ich hoffe, es ist auch klar geworden, dass es hier nicht um eine Überwindung des Humanismus geht, sondern darum, aus dem Humanismus und der Aufklärung die notwendigen Konsequenzen auch für die Rechte von anderen Spezies zu ziehen. Es geht also nicht um eine Infragestellung des Humanismus, sondern um eine notwendige Erweiterung.

  5. „Tierrechte schließen Rechtsextremismus nicht aus. “ das schreiben die leider intellektuell benachteiligten Verfasser dieses Hasskommentars. Zur Frage: wen man ausschließt, kann ich mit der Gegenfrage beantworten, ob die selbsternannte Linke und „Antifas“ die Fleischfresser aus der eigenen reihe ausschließen. Nein. Sind die Fleischfresser keine Mörder?
    Isaac Singer der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger sagt:“Wenn es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi“. Er hat Recht. Deshalb hat die großartige Tierrechtsorganisation Peta die Kampagne gestartet: „Holocaust on your plate“.
    Leute überlegt euch selber wer hier ein Faschist ist. Ihr oder wir? Die Antwort ist eigentlich klar, wenn man ehrlich ist.

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