Was bewirkt der Sozialchauvinismus?

Wörter: 802; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke
Voraussetzungen

LL = -2
In »Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?« wurde bereits erläutert, daß der Sozialchauvinismus das wichtigste Werkzeug der Unterdrückung ist.

LL = -1
»Was ist Sozialchauvinismus?« (-1)«

LL = ±0
»Was ist gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit?«

LL = +1
Warum gibt es Kriminalität?«)

LL = +2
In »Was ist für Linke asozial?« wurde der Begriff des Sozialen bzw. Asozialen begründet, der von der gesellschaftlichen Ebene her wirkend, auf der Ebene des Persönlichen für Mitgefühl und Solidarität bzw. Feindschaft, Egoismus und auch Kriminalität konstituierend ist.

 

Wiederholung
Was ist der Sozialchauvinismus?

Ressentiments sind notwendige Instrumente, wenn man anderen systematisch Schaden zufügen muß. Der Sozialchauvinismus ist das Ressentiment der sozial Bessergestellten gegenüber den sozial Benachteiligten. (Arme, Dumme, Verelendete)
Unabhängig davon kann es aber – wie jedes Ressentiment, die von ihm Betroffenen selbst infizieren, wenn sie sich dumm machen lassen.

 

Der Sozialchauvinismus ist das zentrale Ressentiment des Kapitalismus.

Der Kapitalismus entstand, weil der Gedanke, daß Menschen zu besserem geboren sind und deshalb Waffen tragen und ganze Ländereien besitzen dürfen, abgelöst wurde von der Idee des Geldadels und der Idee der Kapitalverwertung, wodurch ein Bürger ein Händler ist, der mit Dingen zum Zwecke des Profits handeln darf und der Folge, daß jeder wenigstens mit seiner eigenen Arbeitskraft oder mit der anderer handelt. Im Feudalismus wurde der über die Waffengewalt verfügende Adel nicht besteuert. Im Kapitalismus wird die Bourgeoisie wenig und die Großbourgeoisie gar nicht besteuert. Die Tendenz zur Akkumulation des Reichtums ist im Kapitalismus ungleich größer, da sie im Feudalismus noch stark an Zugewinn an Grund gekoppelt war. Der Trick, sich aufgrund des Besitzes von Produktionsmitteln den Mehrwert der Produktion anzueignen, wird schwerer durchschaut, als die Idee, daß einige Menschen höher geboren sein würden. Die neue herrschende Klasse ist am Anfang zumindest sehr viel breiter angelegt, als der Adel.
Doch auch hier entstehen wieder Zweifel, versucht man daher Reiche als erfolgreich oder fleißig darzustellen. Da auch das angesichts realen Elends zu wenig ist, braucht es neben der Ideologie ein starkes emotionales Hilfsmittel – den Sozialchauvinismus.
Um das unterdrückerische Eigentum an Produktionsmitteln und die Tatsache, daß die meisten gezwungener Maßen nur mit ihrer eigenen, einige jedoch immer mit der Arbeitskraft anderer, dafür aber nie mit ihrer eigenen handeln, zu verschleiern, ist die Verachtung derer erfunden worden, die Ihre Arbeitskraft verkaufen müssen.
Diese Verachtung bewirkt, wenn sie auf die Betroffenen selbst übergeht, Scham. Scham bedeutet Selbstunterdrückung. Daher ist das sozialchauvinistische Ressentiment von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus.

 

Verderbnis der Menschen

Ganz nebenbei ist dieses für die Aufrechterhaltung von Ausbeutung und Unterdrückung notwendige Ressentiment ein Training für weitere Ressentiments. Es bereitet den Boden für alle anderen Sorten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, für die der Kapitalismus sehr sehr anfällig ist.
Aus diesem Grunde gibt es
Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, jede Form von Ausländerfeindlichkeit, Homophobie, Antiziganismus, Antiislamismus, Antikommunismus, …
und viele weitere Ressentiments.

Besonders hervorzuheben ist der für den Kapitalismus ebenfalls sehr wichtige Antikommunismus, der mit dem Sozialchauvinismus praktisch Hand in Hand geht und sich gegen jede Form von Befreiungsbewegung richtet.

 

Verschleierung

Der Sozialchauvinismus begegnet uns jedoch auch in verschleierter Form. So ist z. B. das Statusdenken verschleierter Sozialchauvinismus.
Das Statusdenken führt zur Verehrung der Reichen als “Leuten, die es zu etwas gebracht haben” und zum Streben nach Reichtum und Macht.
Das Statusdenken bewirkt auf der einen Seite Dünkel und auf der anderen Seite Verächtlichkeit. Es ist ein verführerisches Gift.
Eitelkeit, Bigotterie und Überheblichkeit sind genauso seine Folgen, wie (auf der anderen Seite) Scham und Selbstverachtung.
In jeder dieser Formen richtet das sozialchauvinistische Ressentiment großen Schaden an. Als Überheblichkeit führt es zur Benachteiligung und Schädigung breiter Massen. Als Scham führt es zur Selbstverletzung und Weitergabe der Verachtung an andere Gruppen. Weitere Ressentiments – Ressentiments der Unterdrückten und stärkere Empfänglichkeit für ihre ideologischen Rechtfertigungen (z. B.) Nationalismus sind ihre Folgen.
 

Anzeichen
Ganz plump (schon für Nichtlinke erläutert) ist Dünkel. Typisch ist die Abschottung (verdrängte Existenzangst) bzw. auch das zu verdrängende Schuldgefühl („Die sind ja selbst schuld.“).
Der Traum vom Reichtum fordert eine rechtfertigende Weltanschauung.
Eitelkeit oder das Streben nach Reichtum, nach höherem (nach oben) und das besser sein wollen als andere sind Zeichen von beginnendem oder verschleiertem Sozialchauvinismus.
Die Eitelkeit ist der Feind des Mitgefühls, das Streben nach oben – der Feind der Solidarität. Wer eitel ist, unterdrückt leichtfertig, wer nach oben strebt, verrät die ihm gleichgestellten leicht an die gemeinsamen Unterdrücker.
Das Nutzen von und Streben nach Statussymbolen ist ein sicheres Anzeichen für Entsolidarisierung und das Streben nach oben.
 

Befreiung

Eine Befreiung vom Kapitalismus kann notwendiger Weise nicht ohne Bekämpfung des sozialchauvinistischen Ressentiments stattfinden.
Ordnung: Eine Befreiung vom Kapitalismus kann auch nicht ohne Befreiung vom Antikommunismus stattfinden. Eine Befreiung vom Antikommunismus jedoch kann nicht ohne Befreiung vom sozialchauvinistischen Ressentiment stattfinden.
Der Kampf gegen Sozialchauvinismus ist von zentraler Bedeutung für alle Linken.
Der Sozialchauvinismus ist eine Grundvoraussetzung für die Ungleichbehandlung der Menschen. Ohne dieses Ressentiment würde man fragen, wo denn die Reichen ihren Reichtum herhaben.

 

Kampf

Kampf gegen Sozialchauvinismus ist Bewußtmachung!
 
[Evariste]

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