Warum es keinen Dritten Weg (I) gibt

Wörter: 2791; Linkslevel: +3 Linke

Die echte Sozialdemokratie möchte die Marktwirtschaft mit Humanität – also mit Menschenrechten vereinbaren. Nichtbürgerliche Linke sagen darüber: sie möchten dem Kapitalismus ein menschliches Antlitz geben. Hier wird beschrieben, warum das nicht möglich ist.

 

Dritter Weg I und II

Der „Dritte Weg“ ist eine mehrfach gebrauchte Vokabel. Die erste Begriff (I) bezeichnet einen angenommenen Weg zwischen der kapitalistischen Marktwirtschaft und der sozialistischen Planwirtschaft und
der zweite Begriff (II) bezeichnet einen streik- und gewerkschaftsfeindlichen beschäftigungspolitischen Weg der Kirche außerhalb des deutschen Arbeitsrechts.
Hier geht es um den ersten der beiden Begriffe, um den anderen geht es in »Warum es keinen Dritten Weg (II) gibt« (unfertig).
 

 

Was ist der Dritte Weg?

Prinzipielles über den Kapitalismus

Trennung von den Produktionsmitteln
Der Kapitalismus mit all seinen ihn prägenden Eigenschaften ist eine Folge des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Trennung der Arbeiter von den Produktionsmitteln aufgrund des Privateigentums daran. Diese Trennung der Arbeiter von den Produktionsmitteln ist einerseits aufgrund der kapitalistischen Produktionsweise erforderlich, andererseits jedoch die Grundlage der Ausbeutung der Arbeiter. Die Demagogie des Eigentums an Produktionsmitteln fällt aufgrund der Komplexität der Produktionsweise bis heute kaum jemandem auf.
 

Marktwirtschaft und Eigentum
Obwohl Eigentum ohne Marktwirtschaft existieren kann, kann Marktwirtschaft nicht ohne Eigentum existieren, da ohne Eigentum nicht getauscht werden kann. Das Eigentum an Produktionsmitteln ist die Grundlage des Kapitalismus, weil ohne es die Aneignung des Mehrwertes nicht möglich ist und erst durch den Handel mit Produktionsüberschüssen der Übergang von Ware-Geld-Ware-Zyklus zum Geld-Ware-Geld-Zyklus (WGW –> GWG) möglich ist. Erst der Geld-Ware-Geld-Zyklus begründet den Kapitalismus.

Die Marktwirtschaft selbst ist also eine Folge des Geld-Ware-Geld-Zyklus. Alles beruht auf der Anerkennung dieses Eigentums.
 

Akkumulation
Voraussetzung für einen Akkumulationsbeginn bei Gleichverteilung in einer Marktwirtschaft sind kleine Ungleichheiten1 bei der Verteilung von Abhängigkeiten. Ungleichheiten selbst können eingesetzt werden um die Bedingungen des Handels zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Stärke wächst schneller. U. a. dadurch ist die Marktwirtschaft ein Konkurrenzprozeß.
 

Definition
Den Dritten Weg nennt man eine beliebige Strategie, die zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und Revolution liegt. (Z. B. Reformismus)
 

 

Was wollen Sozialisten, was Sozialdemokraten nicht wollen?

Sozialisten wollen die Marktwirtschaft abschaffen, weil Marktwirtschaft unethisch ist. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen soll abgeschafft werden.

 

Einschub{
Warum ist Marktwirtschaft unethisch?

In der kapitalistischen Marktwirtschaft sind die Arbeiter von den Produktionsmitteln getrennt und gezwungen ihre Arbeitskraft als Ware zum Markt zu tragen und bestmöglich zu verkaufen. Da es im Kapitalismus aufgrund von Rationalisierung einen zunehmenden Überschuß an Arbeitskraft gibt, wird diese jedoch immer billiger. Die unethische Lösung der Kapitalisten (der Fans der Marktwirtschaft) für dieses Problem ist es, den Arbeitsmarkt in hoch- und niedrigqualifizierte Tätigkeiten zu zerteilen und einige Leute gut, andere schlecht und noch andere gar nicht zu bezahlen.
Der Mensch selbst in all seinen ausbeutbarten Aspekten erscheint im Kapitlismus als Überschußprodukt und verliert zunahmend an Wert. Da er finanziell gemessen wird, hat er seinen (unmeßbaren) Wert als Mensch schon längst verloren.
Die Akkumulation des Reichtums – eine andere Betrachtungweise – bewirkt, daß die Reichen reicher und die Armen zahlreicher werden.
Dieser Logik kann man nicht entkommen, da auch Grund und Boden angeeignet (der Allgemeinheit entzogen) werden.
Fehlende Rückzugsmöglichkeit Der Versuch, sich in die Wildnis zurückzuziehen um der Kapitalverwertungslogik zu entkommen, muß scheitern, da der Kapitalismus so aggressiv ist, daß auch entfernte Landstriche soweit sie noch nicht erobert sind, erobert werden. (Kolonialismus)

Fazit: Zunehmende Rationalisierung läßt den Preis der Arbeitskraft beliebig weit sinken, was unethisch ist. Es entsteht immer mehr Elend. Die bereits unethisch gewordenen Kapitalisten verteilen das Elend pragmatisch auf zu marginalisierende Gruppen um, um sich an der Macht und die Verhältnisse aufrecht zu erhalten.
Die Menschen werden in der Marktwirtschaft mit Gewalt der Kapitalverwertungslogik unterworfen.
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Wer keinen Widerstand gegen die Marktwirtschaft leistet, tut nichts gegen Akkumulation, Verelendung und die Herrschaft des Kapitalverwertungszwanges.
 

 

Privateigentum

Privateigentum an Produktionsmitteln

Dieses ist der Trick um die Aneignung von Mehrwert zu rechtfertigen. Für Eigentum an Grund und Boden gilt das gleiche.
 

Mieteigentum

Jedoch nicht nur Eigentum an Produktionsmitteln, sondern auch Mieteigentum wird benutzt, um Menschen auszubeuten. Da die Menschen in diesem Lande nicht einfach irgendwo ein Haus bauen können (Wagenburgen und Slums werden ungeachtet, entstehender Obdachlosigkeit abgerissen.) sind die meisten durch die gesellschaftlichen Verhältnissen gezwungen Miete zu zahlen. Diese Miete niedrig zu halten, war Politik der sogenannten Sozialdemokraten, solange die Marktwirtschaft ihre Existenz noch rechtfertigen mußte. Heute interessiert entstehendes Elend keinen bürgerlichen Politiker mehr. Der Kapitalismus ist kenntlich geworden.
 

Geistiges Eigentum

Eine noch teuflischere Idee ist es, das schon in vielfältigen Formen existierende private Eigentum durch das geistige zu ersetzen. Hierdurch können geistige Prozesse illegal werden, soweit sie bereits „geschützt“ sind.

 

Aussöhnung der feigen Opportunisten mit der Marktwirtschaft

Die Kapitalisten wissen genauestens über die Grundlage ihres Akkumulationsvermögens Bescheid, denn sie vergleichen genau dieses auch mit dem anderer Kapitalisten. Das persönliche Akkumulationsvermögen ist ja auch Quelle kapitalistischen Ansehens. Diese Grundlage ist ihr persönliches Eigentum an Produktionsmitteln oder an Geldkapital. Daher sind sie sich trotz der Konkurrenz in der Ausbeutung der Habenichtse einig. Aus diesem Grunde entstehen durch Selbstorganisation organische Selbstverteidigungsmechanismen der herrschenden Klasse, die alle Ideen der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln entschieden bekämpfen und sie nach Möglichkeit ausrotten wollen.
Dieser Kampf gegen Ideen wird auf allen Ebenen und mit allen Mitteln geführt. Gegner der Marktwirtschaft können je nach Situation, Land und Wehrhaftigkeit entlassen, diffamiert, eingesperrt oder ermordet werden.
Da unbedarfte Legalisten Macht als Autorität wahrnehmen, entsteht – insbesondere durch Strafe – ein psychologisches Moment der Schuld. Dieses Schuldempfinden setzt den unvorbereiteten Linken seiner eigenen Weltanschauung wegen unter Druck. Bleibt dieser Druck unreflektiert, resultiert eine Rechtsentwicklung durch Scham.
Diesem Druck hält nicht jeder Linke stand. Aus diesem Grunde entstehen unbewußte Ausweichstrategien, die eine teilweise Aussöhnung mit dem zu bekämpfenden System ermöglichen sollen. (→ »Der politische Verrat« Sie sind die Ursache revisionistischer Anschauungen.
Eine dieser Ausweichstrategien ist die Aussöhnung mit der Marktwirtschaft. Der Abweichler halluziniert die Möglichkeit einer menschenfreundlichen Marktwirtschaft. Wir bezeichnen alle ernsthaften Bestrebungen, die Marktwirtschaft menschenfreundlich zu gestalten verächtlich als Sozialdemokratismus oder als echte Sozialdemokratie (→ »Was ist Sozialdemokratismus?«).

 

Varianten

Varianten, sich mit der Marktwirtschaft auszusöhnen, gibt es mehrere.
 

Sandkastenmitarbeit
Zum einen kann man versuchen Mitbestimmung zu erreichen (z. B. betriebliche). Man kann versuchen, das Lohnniveau zu erhöhen. Man kann versuchen die Meinungsfreiheit zu verbessern und die Bürgerrechte bei gesamtgesellschaftlichen Planungen zu verbessern. Dabei arbeitet man jedoch im System mit, verwaltet Elend, und handelt Kompromisse aus.
Man kann sogar versuchen, Eigentumsarten einzuschränken (Rüstungs- Energiekonzerne, …) Man kann versuchen, Eigentum zu begrenzen, dabei jedoch Kompromisse eingehen (Tauschhandel). Alle diese Varianten drücken sich natürlich vor der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Sind diese Politikansätze bereits irgendwo erfolgreich gewesen?
Betrachten wir die letzten 20 Jahre in der BRD, können wir einen Abbau an Mitbestimmung auf allen Ebenen, eine systematische Verringerung der Realeinkommen, Eine Verringerung der Meinungsfreiheit (Meinungsfreiheit gibt es nur formal und ohne Verstärker, da alle Medien privat sind), Versuche Einspruchsmöglichkeiten bei Planungen zu verringern, Versuche, die Versammlungsfreiheit einzuschränken, ständige Aktivitäten, zur Abschaffung des Datenschutzes, strikte Diskriminierung sozialer Minderheiten und neue Angriffskriege feststellen. In der Praxis stellen wir eine politische Regression fest.
Da es noch eine Partei gibt, die sich „sozialdemokratisch“ nennt und eine Linke, die stark sozialdemokratisiert ist, kann man sagen, daß der Sozialdemokratismus in Deutschland historisch gescheitert ist. Wie bereits in „Sozialdemokratischer“ Imperialismus und in »Was ist falsche Sozialdemokratie? (±0)« beschrieben, ist die sich selbst sozialdemokratisch nennende Partei SPD heute auf initiative Weise selbst an den Verbrechen des Kapitalismus beteiligt. Das bedeutet Selbstaufgabe. Mitarbeit bedeutet heute Gestaltung des Elends und Beteiligung an Verbrechen.
Fassen wir also zusammen, daß der Versuch, sich mit der Marktwirtschaft auszusöhnen und Teilziele zu erreichen, vollständig gescheitert ist. Der schlimmste Rollback setzte dabei erst ein, als das sozialistische Weltsystem zusammengebrochen war. Die ursprünglichen “Sozialdemokraten” haben sich dabei immer als Feinde des Sozialismus verstanden.
 

Honigtopfmitarbeit – Aufstieg und Korruption
Eine der Varianten sich auszusöhnen, ist die, gesellschaftlich aufzusteigen. Das ist besonders infam, wenn der Aufstieg über linke Politik erfolgte. Man muß jedoch konstatieren, daß auch Landtagsmandate schon mit einer attraktiven Bezahlung einhergehen. Wie in »Was ist falsche Sozialdemokratie? (+2)« und in »Der politische Verrat« erläutert, gibt es materielle und ideelle Bestechungsmöglichkeiten.
 

Verrat
Man kann unter Aushandlung klarer Konditionen Verrat begehen. Ein solcher Verrat will gut vorbereitet sein, denn man kann ihn nur einmal begehen. Beispielsweise ist in den 90ern ein karrieristischer VL-Politiker medienwirksam zur FDP übergetreten. (Siehe »Der politische Verrat«)

 

Aufgabe
Eine weitere Variante ist es, sich gesellschaftlichem oder politischem Druck zu beugen und das vor sich selbst nicht zuzugeben. Eine solche Selbstaufgabe betrifft vor allem Menschen ohne besonders gefestigte Überzeugung.
Man kann sich strafrechtlichem Druck beugen um Strafmilderung zu erreichen. Manche sind dabei so schwach, daß sie nicht einmal das zugeben (z. B. Günter Schabowski) .

 

Für wen stellt sich überhaupt die Frage des dritten Weges?

Z. B. für Gregor Gysi.
Warum stellt sich für einige rechts stehende Linksparteimitglieder die Frage des dritten Weges? Entsprechend den Erläuterungen des vorangegangenen Unterkapitels ist Opportunismus meist ein Zeichen fehlender Diskurs- fähig- oder willigkeit. Bei Gregor Gysi muß man eine Unwilligkeit konstatieren, die Abschaffung des Privateigentum an Produktionsmitteln zu fordern. Selbst bei Sarah Wagenknecht gibt es leider erste Aufgabeerscheinungen. So spricht sie sich nicht mehr gegen die Marktwirtschaft aus und geht in Talkshows, die der Unterhaltung dienen.

 

Warum gibt es keine soziale Marktwirtschaft?

 

Sozial geht nicht, weil sozial zu sein, den Prinzipien des Kapitalismus und den Interessen der Herrschenden zuwiderläuft. Ausführliches steht im Artikel »Warum gibt es keine soziale Marktwirtschaft?«
Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit können im Kapitalismus nicht beseitigt werden.

Die Kapitalisten selbst haben den Sozialdemokraten den Ausdruck „Soziale Marktwirtschaft“ entwunden. Heute ist dieser Ausdruck ein Lieblingsausdruck eben gerade der konservativsten und reaktionärsten Politiker. Was dabei den „Sozialdemokraten“ ein Ziel war, ist den konservativen Politikern eine demagogische Behauptung, die nur den rezenten Kapitalismus bemänteln und rechtfertigen soll. Diese Politiker streben beileibe keine soziale Marktwirtschaft an. Sie sind an der Verhinderung des Sozialismus interessiert.

 

Klassengesellschaft

Universelles Geld

Universelles Geld hat einen universellen Wert. Man kann von ihm Äpfel, Computer, Werkzeugmaschinen, Land, Computerprogramme, Energie oder Arbeitskraft kaufen. Vorausgesetzt, man besitzt genug. Der universelle Wert des Geldes führt dazu, daß beispielsweise die Lebenshaltung von der selben Sorte Geld bestritten werden muß, von der im Kapitalismus auch Arbeitskraft gekauft werden muß. Die Energie, die im Haushalt verbraucht wird, wird von der gleichen Sorte Geld gekauft, mit der auch die Energie, die in einem Chemiebetrieb verbraucht wird, bezahlt wird. Dadurch kommt es zu ökonomischen Relationen zwischen allem, was mit Geld bezahlt werden kann. Die Lebenshaltung von Arbeitern steht in einer Relation zu ihrem Produkt. Es kommt automatisch zu Konflikten, die durch den durch ökonomische Relation bestimmten Wert und der Nützlichkeit einer Sache für verschiedene Interessengruppen entstehen. Theoretisch kann sich ein bettelarmer Mann dadurch natürlich Geld vom Munde absparen, Aktien kaufen und reich werden. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht, da es Klassenschranken gibt, die genau das verhindern. In »Warum die BRD eine Klassengesellschaft ist« ist das für die BRD erläutert. Sie gibt dem ausgebeutetsten Sklaven die theoretische Chance der aller-reichste zu werden, sogt dabei jedoch für Ungleichheit, denn umgekehrt können die reichsten durch Lebensmittelspekulation eben den Ärmsten das Leben zur Hölle machen. Beim nächsten mal investieren sie das dabei gewonnene Geld vielleicht in Stahl, von dem man dann Bücken oder auch Waffen produzieren kann.
Das universelle Geld ist eine Folge der Marktwirtschaft. Wollte man das universelle Geld abschaffen, z. B. Geld einführen, von dem man ausschließlich Energie kaufen kann, so müßte dieses Geld entweder anteilmäßig von allen ausgezahlt oder offiziell zugewiesen werden. Innerhalb der Marktwirtschaft würde das als Einschränkung der Freiheit verstanden werden. Der erstere Fall wäre völlig unpraktikabel. Würde man eine administrative Zuweisung durchsetzen, könnte man auch gleich eine Zuweisung von allem wessen Menschen bedürfen zuweisen. Man hätte bereits Sozialismus.
 

Freie Marktwirtschaft“

Einige politische Gegner glauben, daß die Marktwirtschaft nur nicht frei genug wäre, daß man „nur“ Monopolbildung verhindern müßte. Sie argumentieren, daß Monopolbildung der Marktwirtschaft den Charakter einer Planwirtschaft geben würde. Weiter behaupten sie, daß gerade eine relative Unfreiheit der Marktwirtschaft zu dieser Monopolbildung führen würde.
Diese Monopolbildung kann in der Praxis eben gerade nicht verhindert werden, wie in »Warum gibt es keine soziale Marktwirtschaft?« und »Was ist Akkumulation? – Warum der Kapitalismus tödlich ist« gezeigt wird. Tatsächlich sind große Konzerne im Inneren Planwirtschaften. Deswegen beuten sie jedoch trotzdem aus. Und die Tatsache, daß sie Privatinteresse vertreten, führt auch dazu, daß sie ihre Monopolstellung weiter auszubauen trachten. Diejenigen, die eine „freie Marktwirtschaft“ verfechten, verfechten normaler Weise auch die Akkumulation. Denn die Skalengesetze der Ökonomie führen immer dazu, daß die größten am schnellsten wachsen. In dem seltenen Falle, in dem ein Marktwirtschaftsfreund die Akkumulation bekämpfen will, scheint dieses ein Dritter-Wegs-Versuch zu sein. Akkumulation gehört zu Kapitalismus, bzw. zur Marktwirtschaft, wie der zweite Hauptsatz der Thermodynamik zur Physik. Die Akkumulation ist der Antrieb jeglichen Handels. Ein Handel findet nicht statt, wenn nicht wenigstens einer der beiden Handelspartner glaubt, akkumulieren zu können. Deswegen sind Ansichten über eine „noch freiere“ Marktwirtschaft Blödsinn. Sie führen in die Katastrophe. Freiheit darf es nur für Menschen geben! Unternehmen müssen unfrei sein!
 

Klassenkompromiß mit Ausbeutung der dritten Welt

Der Klassenkompromiß ist im rechten Teil des politischen Spektrums zuhause. Es gibt jedoch Ausläufer, die sich in Vokabeln wie „Wirtschaftsstandort“ oder „Wettbewerbsfähigkeit“ niederschlagen und bis in das (echte) sozialdemokratische Lager (LL = +1) reichen.
Realer Weise gibt es die Vorstellung eines auf nationaler Ebene sozialen Staates, der in einem imaginierten Konkurrenzkampf der Länder triumphiert und seinen Angehörigen den Einwohnern oder auch nur den Trägern des richtigen Passes ein schönes Leben auf Kosten der dritten Welt ermöglicht. Da das nicht alle romantisch finden, müßte man sich dem Elend der dritten Welt gegenüber abschirmen, was eine gewisse strukturelle Ausländerfeindlichkeit erfordert. Wir zeigen hier schnell, daß das der kapitalistische Normalfall ist und keineswegs ein dritter Weg und weiter, daß die schlimmen Auswirkungen der Konkurrenz trotzdem noch im Inland wirken und früher oder später gerade auf die nationalistischen Malocher zurückfällt.
Zunächst sehen wir, an den Roma in unserem Land, daß die Dritte Welt bereits in der ersten ist. Das Elend ist schon da. Wer also einen Paß-Faschismus befürwortet, muß versuchen, gegenüber diesen Volksgruppen keine solidarischen Gefühle aufkommen zu lassen. Wir können durch Nachdenken feststellen, daß die Bereitschaft selbst auszubeuten auch zu einer Entsolidarisierung mit Leuten gleichen Paßes führt – selbst wenn Rechtsextreme sich auf die heiligste Weise eines völkischen Nationalismus befleißigten, denn nationalistische Völkerfeindschaft und Entsolidarisierung bedeutet letzten Endes nur, daß man der notwendigen Auseinandersetzung mit den Ausbeutern aus dem Wege geht. (»Was ist Nationalismus? – Was ist schlimm an Nationalismus?«) Wenn man bereit ist, Ressentiments gegenüber wirklich Bedürftigen aufrecht zu erhalten, dann ist man entweder erst recht bereit gegenüber weniger Bedürftigen, oder man braucht ein sozialchauvinistisches Ressentiment. Der Sozialchauvinismus ist jedoch die Grundlage für praktisch alle anderen Ressentiments. Er trainiert die Erbarmungslosigkeit. Daher ist ein Ausbeuter auch bereit andere Gruppen auszubeuten und zu unterdrücken. Diese anderen Gruppen werden zunächst Obdachlose, Arbeitslose, Alte, Behinderte, Patienten, Schwule oder Frauen, eines Tages jedoch seine Nachbarn, Kollegen oder Freunde sein.
 

Marktwirtschaft bedeutet Konkurrenz und Konkurrenz – Elend! Konkurrenz selbst ist unethisch. In der Konkurrenz wird die wirtschaftliche Existenz der Konkurrenten vernichtet. Selbst Konservative Befürworter der Konkurrenz sprechen daher höchstens von Chancengleichheit, um der kapitalistischen Marktwirtschaft einen Anstrich von Fairness zu geben.
Durch Akkumulation von Marktanteilen und von Reichtum muß sich automatisch eine Klassengesellschaft bilden (wenn sie nicht bereits existiert). (»Was ist eine kapitalistische Klassengesellschaft?«) Denn relativer Reichtum muß sich sonst rechtfertigen. In einer Klassengesellschaft werden zunächst nicht die Klassen, sondern höchstens die eigene Zugehörigkeit zu einer Klasse infrage gestellt.

 

Was würde passieren, wenn man versuchen würde, die Marktwirtschaft menschlich zu reformieren

Da Konkurrenz herrscht würden Marktzwänge die Reformen verhindern. Es sind die konservativen Parteien selbst,die ständig darauf aufmerksam machen, daß zu viel Soziales dem Wirtschaftsstandort schaden würde. Tatsächlich würde es weniger dem Wirtschaftsstandort, als vielmehr einzelnen Unternehmen schaden. Um tatsächlich etwas mehr Menschlichkeit in der kapitalistischen Marktwirtschaft zu erreichen, müssen ganze Branchen gleichzeitig unter Druck gesetzt werden. Am wirksamsten wäre ein kontinentaler Streik. Das aber leisten nur unangepaßte echt sozialistische Gewerkschaften. Sozialdemokraten sind bereits zu opportunistisch, da viele in Unternehmenskategorien oder in Kategorien, wie nationaler Konkurrenz denken.

 

Ethik

Die Existenz der Marktwirtschaft dient der Aufrechterhaltung der Klassengesellschaft. Solange Privateigentum an Produktionsmitteln und der freie Handel mit universellem Geld akzeptiert wird, ist auch die aus ihr folgende Ungleichheit akzeptiert.
Die Marktwirtschaft tarnt sich als Freiheit. Durch die Okkupation aller lebensnotwendigen Dinge, wie Fläche, Trinkwasser, usw. entsteht jedoch tatsächlich Unfreiheit. Die Protagonisten der Marktwirtschaft arbeiten dabei daran diese Unfreiheit noch zu erhöhen, um lebensnotwendiges zu veräußern und Ausbeutungsarbeitsverhältnisse als erwünschte Wohltat anbieten zu können. Marktwirtschaft ist also immer unfrei. Sie funktioniert nur durch bewaffnete Flankierung, Kontrolle, Bewachung des Eigentums und bewaffnete Aneignung neuer Ressourcen.

 

Der Widerspruch

In der Theorie bedeutet kapitalistische Marktwirtschaft Privateigentum an Produktionsmitteln. Dieses ermöglicht die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Durch die hierfür typischen Produktionsverhältnisse und durch Ausbeutung und Unterdrückung ist der Kapitalismus charakterisiert. Will man den Kapitalismus mit all seinem Elend abschaffen, muß man das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen.
Das Ergebnis ist zwangsläufig der nur durch Volksherrschaft zu erreichende und daher dadurch charakterisierte Sozialismus. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten beweist, daß es einen Dritten Weg nicht geben kann. Privateigentum an Produktionsmitteln — ja oder nein!

Ehemalige Dritte-Wegs-Schlagworte halten heute höchstens noch einige Leute davon ab konsequente Schlüsse aus ihrer Analyse des Systems zu ziehen, jedoch bleibt die opportunistische Suche nach einem Dritten Weg ein Problem.
 

[Evariste]
 

1 Tatsächlich bilden Verbrechen, Eroberung und Adel den Akkumulationsbeginn.

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