Warum gibt es den Kopftuchstreit?

#0066cc;">Wörter: 1342#0066cc;">; #0066cc;">Linkslevel: +1 #cf780e;">Echte Sozialdemokraten
In der Fernsehsendung “Menschen-bei-Maischberger” ging die Hetze gegen muslimische Migranten in der Sendung unter dem unglaublichen Titel “Kopftuch und Koran – hat Deutschland kapituliert” in eine neue Runde. Es ging um islamische Kopftücher, Machokultur und Schweinfleischbasching gegen “Deutsche” auf Schulhöfen.
Die Linke waren nicht eingeladen.
Die Sendung war geschickt konstruiert, so daß die Kombination, aus einer Muslimin, die behauptet, sich frei für den Islam und das Kopftuch entschieden zu haben und für Dialog zwischen den Religionen eintritt, und vier Islamfeinden, von denen eine als Feministin (Schwarzer), eine andere als kritische Filmemacherin (Balci), ein weiterer als gemäßigter Islambefürworter getarnt waren und ein CSU-Mann (Herrmann), der ungehemmt gegen den Islam vom Leder ziehen durfte. Immerhin war noch Hans-Christian Ströbele da, der allerdings entweder sehr schlecht in Form war oder heimlich zu den Ausländerfeinden übergelaufen1 ist.2
Bürgerliche Medien stellen die Geschichte verfälscht dar. Die „zum Kopftuch“ konvertierte Frau Yilmaz erläuterte am Anfang, warum Sie das Kopftuch trägt.
Sie war nicht-religiös erzogen worden. wurde jedoch im Alltag diskriminiert. Sie hat darauf eine Antwort gesucht und sich schließlich zwischen Marxismus und Islam für den Islam entschieden. Bürgerliche Medien stellen das etwas verändert dar. Die Sendung findet ihren nachträglichen Niederschlag auch in der Presse und im Internet. Insbesondere die real existierende Diskriminierung wird dabei von den bürgerlichen Medien unterschlagen oder nicht diskutiert. Man stellt das Problem als Problem der Rückständigkeit des Islam dar. Aus den Äußerungen von Frau Yilmaz geht jedoch klar hervor, daß sie, die hier aufgewachsen ist, sich aufgrund fehlender Akzeptanz für das Kopftuch entschieden hat. Sie hat wegen des Kopftuches ihre Lehramtsausbildung abgebrochen, (was sie natürlich tiefer in den Teufelskreis der Abschottung hineinbingt – die Hauptsache ist jedoch, daß die Ausgrenzung Auslöser dieser Entwicklung ist. ).

 

Wie funktioniert das?

Zunächst noch einmal zur fehlenden Akzeptanz des Islam. Der (schamlose) Titel der Sendung beweist es, wie auch die sowohl von S. Maischberger selbst und dem notorischen J. Herrmann gemachte Bemerkung von einer “schleichenden Islamisierung” beweisen, daß Islamfeindlichkeit salonfähig ist noch nicht einmal eine Verhandlung der Islamfeindlichkeit selbst möglich ist. Der Titel der Sendung ruft zur Verhandlung des Islam selbst auf. Was das Wort “schleichend” angeht (→ hierzu »Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?«), so erfüllt es gleich zwei der vier Punkte (3,4), die das Ressentiment zum Keimen braucht.
Aufgrund einer objektiv vorhandenen Ausgrenzung erfährt der oder die Ausgegrenzte, sich als zu den anderen unterschiedlich. Es entsteht ein Identitätsproblem3. Der Ausgegrenzte kann nicht allein bleiben, da Menschen gesellschaftliche Wesen sind. Er braucht mit seinen Leidensgenossen zusammen ein neues Selbstverständnis – eine geistige Heimat, mit der er dem Ausgrenzungsdruck standhalten kann. Es versteht sich von selbst, daß er innerhalb dieser neuen geistigen Heimat – eben der “Identität” moralisch besser dasteht, als diejenigen, die ihn diskriminieren. Eine Identität wird extra so konstruiert bzw. ausgewählt. Sie schützt das diskriminierte Individuum, das vor der Diskriminierung keine solche Identität nötig hatte, sondern durch Familienbeziehungen, Freundschaften, Beruf, Kenntnisse, Sport oder Hobbys ausreichend definiert war.
Hat man eine “neue Identität” angenommen, zieht man sich auf sie zurück. Plötzlich schließt man die ursprünglichen Diskriminierer selbst aus. Durch gegenseitigen Ausschluß entstehen voneinander getrennte gegnerische Minderheiten, die teilweise diskriminierend auch “Parallelwelt” genannt werden.
Ein Ressentiment kann in einer anderen gegenüberliegenden Gruppe ein entgegengesetztes Ressentiment induzieren, wie eine Bildladung induziert wird.
Die ursprünglichen Diskriminierer nehmen die Nachricht von der neuen Identität freudig auf, da sie sie in ihren Ansichten bestärkt. Durch wechselseitige Verstärkung vertieft sich das gegenseitige Ressentiment.
Im Falle der Maischberger-Sendung kam die Rolle desjenigen, der von einer Gegenwehr der Moslems sprach, dem SPD-Mann Buschkowsky zu, der über die muslimische Distanz zu Toleranz und Demokratie und die Diskriminierung von “Deutschen” durch “Muslime” auf dem Schulhof schwadronierte.

Es müßte durch die höchsten verfügbaren Autoritäten eingeschritten werden! Leider gibt es in diesem Lande keine antifaschiistischen, antirassistischen Autoritäten.

 

Wofür werden diese Ressentiments gebraucht?

Im Kopftuchstreit wird das gegen den Islam gerichtete Ressentiment verschleiert. Deswegen wird für ein Thema, das eigentlich ein’s der NPD ist, eine Feministin in die Schlacht geschickt, die allen Frauenfeinden an den Bildschirmen erklärt, “warum der Islam Scheiße ist”.4

Der Kopftuchstreit ist nicht Ausdruck der Rückständigkeit des Islam. Das Kopftuch hat es gar nicht immer gegeben. Der Kopftuchstreit ist wie das Kopftuch selbst, Ausdruck einer grassierenden europäischen Fremdenfeindlichkeit – konkret eines akuten westlichen Antiislamismus.
Aus diesem Grunde ist des den Antiislamischen “Frauenfreunden” egal, wenn durch Kopftuchverbote ausgerechnet die diskriminierten Frauen bestraft und somit weibliche Mitglieder einer diskriminierten Minderheit von einer Berufsausübung ferngehalten werden.

Es ist klar, daß das fundamentalistische muslimische Kopftuch prädestiniert ist, Ressentiments gegen den Islam zu schüren, da man hier ein schönes sichtbares Merkmal hat, zum Zweiten eine Renitenz von Moslems, die mal wieder als “Integrationsunwilligkeit” detektiert (→ »Was ist der Unterschied zwischen Integration und Assimilation«) werden und das Kopftuch zum Dritten für alle Ausländerfeinde ein Fest der islamischen Frauenfeindlichkeit ist, als wenn sie selbst besondere Frauenfreunde wären.

Die Ausländerfeindlichkeit – insbesondere die Islamfeindlichkeit ist in letzter Zeit enorm gewachsen. Offen stellen neuerdings sogar Fernsehsendungen den Islam zur Disposition.

Für alle Ausbeuter ist Fremdenfeindlichkeit eine schöne Sache. Die Wut der Geknechteten hat so einen Ableiter gefunden. Außerdem solidarisieren sich Fremdenfeindliche nicht mit ausländischen Kollegen.

 

Plädoyer

Wir treten hier gegen Verbote ein, die die Kleiderordnung betreffen. Nonnen tragen auch Kopftücher und diese sind aus atheistischer Sicht auch nichts anderes als Symbol ihrer Unterdrückung – sie haben genau genommen sogar exakt dieselbe Funktion wie die Kopftücher der modernen Islamisten – nämlich die Nonnen die ja mit Jesus verheiratet sein sollen, anderen Männern uninteressant zu machen.

Ganz nebenbei soll für alle, denen das nicht klar ist, hier noch erwähnt werden, daß hier zwar gegen Antiislamismus und gegen Kopftuchverbot argumentiert wird, daß aber andersherum, das freiwillige Tragen des Kopftuches genauso, wie die Verweigerung des Erlernens der Amtssprache eine große Dummheit ist – nicht mehr und nicht weniger. Eine Trotzreaktion auf die Diskriminierung ist zwar verständlich, aber nicht emanzipativ. Wer sich befreien will, muß die Ursachen der Diskriminierung kennen. Wenn praktisch alle Vertreter des Islams in Deutschland schlecht deutsch sprechen, erzeugt das einen Eindruck, den Islamfeinde leicht ausnutzen können. (Nicht ohne Grund war wesentlicher Inhalt des Sarrazinschen Resentiments gerade daß Muslime ungebildet seien und durch ihre Vermehrung das Intelligenzniveau drücken würden.) Außerdem ist jeder, der die Sprache des Landes, in dem er lebt schlecht beherrscht, in der Verteidigung hilflos.

 

Fazit

Ausländerfeindlichkeit tritt in der Regel nicht offen auf.
#c5000b;">Der Tenor dieses Artikels sollte daher sein, daß wir nicht glauben, daß die jenigen, die gegen Kopftücher argumentieren, damit den islamischen Frauen helfen wollen.
#c5000b;">Wer Frauen an der Berufsausübung hindert, nimmt Ihnen gerade das für die Emanzipation Entscheidende – die ökonomische Unabhängigkeit. (Linke wissen das.) #c5000b;">Geschieht dies’ vorgeblich zum Schutze der Frau, ist das typischer Rechtsextremismus.
Selbst die offen ausländerfeindlichen Einlassungen Sarrazins verdecken nur einen viel schlimmeren Biologismus der in der Wiedergabe der Intelligenz-Fruchbarkeits-Hypothese steckt: Nicht die Senkung des Intelligenz-Niveaus stört Herrn Sarrazin, sondern die Vermehrung der Muslime.

#c5000b;">Nichtdeutsche Identitäten, über die Ausländerfeinde dankbar herfallen, sind, das zeigt gerade der vorliegende Fall, eine Folge lang andauernder Akzeptanzprobleme. Auch wenn die hypersensibilisierten Migranten mitunter überreagieren, sind sie primär einer lebenslangen Diskriminierung ausgesetzt, die oftmals ihr Selbstbewußtsein annagt. Identitätsstiftung kann dann eine Frage des Überlebens sein. Ausländerfeinde finden das Undeutsch und fallen infamer Weise darüber her.

[Evariste]
 

1 Das einzige hervorhebenswerte Engagement von H.-Ch. Ströbele an diesem Abend war der Vorschag einen muslimischen Feiertag einzuführen. Von der Verteidigung von Multikulti, das als von prominenten Ausländerfeinden als gescheitert bezeichnet wird, oder von einem Opponieren gegen den antiislamischen, fremdenfeindlichen Geist war bei dem Kreuzberger Direktmandatsträger nichts zu spüren.
2 Sandra Maischberger (Moderatorin der bekloppten Sendung), Güner Yasemin Balci (Filmemacherin), Hans-Christian-Ströbele (Bü90-DieGrünen), Zehra Yilmaz Bildungs- und Integrationsbeauftragte an der größten Moschee Deutschlands
3 Obwohl wir Linken das Wort Identität in der Politik ablehnen, entsteht eine solche Identität eben gerade, wenn man ausgegrenzt wird und eine neue geistige Heimat suchen muß. Eine Identität ist daher etwas unnatürliches aus einem bestimmten Zweck angenommenes.
>4 Hier soll noch erwähnt werden, daß Alice Schwarzer die (nicht wirklich) »feministische Vorzeigefrau« Angela Merkel ganz toll findet und wegen soviel Frauenbefreiung nun die CDU wählt. Zum Dank dafür erhält sie das Mutterkreuz – ähh – Bundesverdienstkreuz.

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