Die Perspektive des Verrats

Wörter: 1715; Linkslevel: ±0 Indifferente

Überschneidung der Rezipienten
In der Mitte des Spektrums befinden sich einige Rechtsaußenmitglieder der Partei die Linke, welche eine Affinität zum Verrat ihrer Partei haben. Das äußert sich in diversen Unterwerfungen unter das ideologische Diktat der Herrschenden. An diese Leute wendet sich der Artikel. Linke Mitglieder der Piratenpartei, die offiziell bürgerlich sind, jedoch im Politischen Spektrum auf gleicher Position stehen, werden hierfür wenig Verständnis haben. Piraten des gleichen Linkslevels sind angehalten, über ideologischen Druck in der Gesellschaft nachzudenken. Genau diesem sind rechte Linksparteimitglieder nicht gewachsen. Deswegen beschäftigen sich westliche Medien nicht mit den Linken aus der Linkspartei, sondern hetzen auf die rechten Linksparteimitglieder. Diese brechen leicht zusammen und üben gern Verrat in Einzelfragen, da ihnen Kenntnisse und Haltung abgehen.

 

Worum geht es?

Verräter werden verachtet. – Jedoch werden sie meistens auch belohnt. Schon von daher beruht Verrat immer auf einer psycho- und sozioökonomischen Entscheidung.
Verrat kann aus Angst geschehen oder aufgrund von Erpressung. Der niedrigste Beweggrund ist der nicht-notwendige persönliche Vorteil.
Hier geht es um den Verrat von ehemals Linken nach rechts, es geht jedoch auch um den Verrat am Volk1.
Wir interessieren uns hier für die politische Perspektive des linken politischen Verrats.

 

Warum werden Verräter gebraucht?

Hat man einen Gegner, so hat dieser in der Regel ein Selbstverständnis. Ein entschiedener Kämpfer bekämpft die Ideologie des politischen Gegners – insbesondere, wenn es sich um einen Gegner handelt, der als Feind betrachtet wird. Daher sind politische Verräter beim Gegner als propagandistische Verstärkung stets willkommen.
Diese Verräter werden hergezeigt, der Verrat ausgebeutet und der Verräter wird belohnt.

 

Für den Verräter stellt sich allerdings die Frage, ob der Verrat gut genug bezahlt ist. Im alten Lager wird der Verräter verachtet, änderte er doch seine Ansichten und seine Haltung. Die Haltung ist immer mit der Verachtung der gegnerischen Position verknüpft. Eine Aufgabe dieser Position muß folglich (und insbesondere im linken Lager) begründet werden. Wenn statt einer Begründung nur Denunziationen erfolgen, ist die Verachtung besonders groß. Die Ausführungen eines Verräters werden genauestens beobachtet.

 

Die zukünftige Perspektive des Verräters

Der Verräter wird – das weiß er zunächst nicht – von allen Lagern verachtet. Er hat seine Ansichten beim Übertritt geändert und Eingeweihte wissen, daß er in ein Belohnungssystem integriert wurde oder einfach nur eine geringere Strafe erhalten hat. Bewegt er sich weiterhin auf dem Felde der Politik, wird er immer beweisen müssen, daß er kein Linker mehr ist, denn Verräter werden im neuen Lager verdächtigt, der alten Denkrichtung anzugehören. Sie sehen sich daher ständig gezwungen, ihre neue Loyalität unter Beweis zu stellen. So kommt es, daß aus ihnen besonders scharfe Gegner werden, daß sie besonders fanatische Hasser ihrer früheren Freunde werden und es auch mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen. Einige lassen sich sogar für besonders schmutzige Aufgaben benutzen. Dazu gehört natürlich die Hetze und die Denunziation, in einigen Fällen aber auch der Angriff.
Der Verräter – wenn er in der Politik bleiben möchte – muß versuchen, in der neuen Struktur aufzusteigen. Er benötigt Werkzeugressentiments. Die Linken, von denen er herkommt, und die, für die sie eintreten, muß er verachten. So kommt es, daß er sich schnell nach rechts entwickelt. Seine politische Entwicklung gleicht einem Sprung im Spektrum, den ihm niemand vollständig abnimmt.

In der Regel muß der Verräter sich nun in einer propagandistisch von der früheren Umgebung abgekoppelten Öffentlichkeit bewegen. Da aber die neue Öffentlichkeit von seiner alten viel mehr abgekoppelt ist, als die linken Leser von seiner neuen, werden alle seine Lügen rezipiert. Er kann nicht mehr zurück und ist auf die neue Anerkennung angewiesen.
Der Verräter verliert sein politische Würde und arbeitet sein Leben lang an der Rechtfertigung für diesen Schritt. Dabei kann es dem etablierten Verräter helfen, sich einzubilden, daß die früheren Anschauungen falsch waren. Jedoch genießt der Verräter dann die Belohnungen und Meriten des neuen Systems.

Werden Verräter in der neuen Struktur aufgenommen, kommt es trotzdem, daß sie besonders scharf werden oder besonders harte Hunde werden oder besonders schmutzige Dinge tun. Die Belohnung ist eine Bestechung und erzieht zur Menschenverachtung.

 

Beispiele

Einigen wurde der Verrat durch wegeckeln oder gar Unrecht leicht gemacht.

Der aus der DDR-Staatsbürgerschaft zu Unrecht entlassene Wolf Biermann ist ein Beispiel für jemanden, der von Anfang an vom Gegner benutzt wurde. So mußte aus Wolf Biermann, der zu DDR-Zeiten ein linker Liedermacher war, im Westen ein DDR-Hetzer werden. Sein Pech war, daß politische Lieder vor allem im linken Lager rezipiert bzw. gar konsumiert werden. In der Unterhaltungsindustrie des Westens war hierfür nur Platz, wenn anläßlich von besonderen Ereignissen oder Jahrestagen gehetzt werden sollte. Aus dem einstigen linken Künstler wurde ein rechter Berufspropagandist.

Gleiches gilt für den früheren2 Chefredakteur der jungen Welt Hans-Dieter Schütt, der Journalist geblieben ist und heute Hetzfilme für das öffentlich-rechtliche Fernsehen produziert. Ein Hetz-Film über Wladimir Iljitsch Lenin heißt: „Drama eines Diktators“.

Wer mit Gefängnis bedroht wird, hat eher Gründe zum Verräter seiner früheren Sache zu werden. Der langjährige FDGB-Vorsitzende Günter Schabowski gehörte zum Politbüro und fiel nach dem kalten Krieg der Siegerjustiz anheim. Für nichts und wieder nichts sollte er ins Gefängnis. Er wurde zum Verräter, kroch zu Kreuze und sparte mehrere Jahre Haft. Was man erreichen wollte? – Äußerungen, daß alles, was er früher wollte, Unsinn war.
Man kann von normalen Leuten nicht verlangen, daß sie für eine Überzeugung ins Gefängnis gehen, Günter Schabowski jedoch war Redakteur der Gewerkschaftszeitung und des neuen Deutschlands und Mitglied des Politbüros. (Einige jedoch taten es im Faschismus und einige in der BRD (Egon Krenz) Einige saßen sogar im Faschismus und in der BRD im Gefängnis.) Die Denunziation des Staates DDR und die Denunziation einer früheren Überzeugung ist eine so aktive Handlung, daß man von einem würdelosen Verhalten sprechen muß. Günther Schabowski hat seine Würde nicht durch die ungerechtfertigte Haftstrafe verloren, sondern dadurch, daß er denen, die ihn einsperrten, nach dem Munde redete.

Einigen geht es als Verräter gut. Das hängt davon ab, ob Verräter gerade Mangelware sind und ob diese Tatsache für eine Karriere ausgenutzt werden kann. Der kürzlich verstorbene Propagandaprofessor Wolfgang Leonhardt hatte als Verräter das Glück der frühen Geburt. Seine Leistung: Die DDR war von Beginn an undemokratisch. – Sie sollte nur demokratisch aussehen. Für solche Zeugnisse gibt es eine C4-Stelle.
 

Einige Leute verraten „nur“ ihre

  • Parteien,
  • Parteiprogramme,
  • Wahlprogramme oder auch nur
  • Strategien oder nur
  • Taktiken.

Dann ist der Verrat nicht sehr weitgehend. Die Folgen können jedoch insbesondere aufgrund der bereits weit rechtsgerichteten Stellung im politischen Spektrum desto dramatischer sein.

 

Die Parteipolitiker Gerhard Schröder (SPD) Rudolf Scharping (SPD) und Joseph Martin Fischer (B’90/Die Grünen) verrieten die bis dahin praktisch geltende Friedenspolitik ihrer Parteien. Leider sind ihre opportunistischen Parteien ihnen größtenteils gefolgt. Die SPD ist nun selbst zur Verräterorganisation geworden3.
Der Ex-Sponti Fischer hatte vorher bereits eine Entwicklung nach rechts durchgemacht, wurde jedoch trotzdem immer für seine Vergangenheit angegriffen. Der ehemalige RAF-Anwalt Schröder konnte vor dem konservativen Lager nach seinem ersten Angriffskrieg endgültig vom Linkssein freigesprochen werden. Der ebenfalls ehemalige RAF-Anwalt Schily hat sich ebenfalls weit nach rechts bewegt und wurde zum fanatischen Innen- und Überwachungspolitiker.
Schröder, Fischer und Scharping haben es wirtschaftlich geschafft. Wenn sie nicht mit einem Flugzeug über Jugoslawien abstürzen, wo sie zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt wurden, wird ihnen wohl kaum etwas geschehen, außer daß wir wissen, daß sie die drei ersten Angriffskriege nach 1945 begonnen haben.
Diese Angriffskriege erfolgten in us-amerikanischem Kalkül und im Rahmen der damals neuen NATO-Charta. Sie beendeten eine Ära des Friedens und leiteten eine Epoche ein, in der deutsche Angriffskriege wieder normal sind.
Über eine Million Menschen starben seitdem, mehrere Millionen Flüchtlinge sind ein weiteres Resultat.

 

Verrat ganzer Organisationen

Daß ganze Organisationen Verrat üben, liegt oft an Hetz-Exzessen, die die ursprünglichen Positionen dieser Organisationen in konkreten Fällen als nicht mehr opportun erscheinen lassen. So beteiligten sich die Friedenskooperative und das Komitee für Grundrechte und Demokratie unter dem Eindruck der Assad-Hetze an der kriegsunerstützenden NATO-Kampagne Adopt-a-revolution.
Verrät eine fortschrittliche Organisation wesentliche Teile ihrer Prinzipien ist sie vom Gegner wesentlich beschädigt worden. Sie verliert ihre Nützlichkeit indem sie sich zu einer opportunistischen Mainstream-Organisation entwickelt. Ist sie solcherart unnütz, kann sie als Rhetorikzirkel oder sogar als Karrieresprungbrett dienen.
Findet ein Verrat solcherart statt, daß Angst die eigene Position zu vertreten, bestimmend wird, wird das meist nicht zugegeben. Der rechte Diskurs hat die Hegemonie übernommen. Desto bedeutsamer sind in diesem Falle diejenigen, die das Schweigen brechen. Gerade, wenn Angst im Spiel ist, bezieht sich der Verrat, wenn er das erste mal stattfindet, nur auf einen Teil des politischen Programms. Daher kann man in diesem Stadium noch eingreifen. Neben der Angst befindet sich (ca. zwei Level weiter links im Spektrum) noch die Scham. Sie entsteht durch die Hegemonie der offiziellen Version und wird durch Lächerlichmachung (schwache Form der Verächtlichmachung), Akzeptanzverweigerung, Striktheit von Kampagnen, Feinddenken, oder offene Verachtung vermittelt. Wird diese externe Scham für die eigene Position intern nicht offen verarbeitet, vollbringt sie ein asoziales zerstörerisches Werk. Der Weg in die Selbstlüge hat begonnen. Dieser Weg führt im Spektrum nach rechts. Die Selbstlüge meint sich selbst zu belügen, ist also ein Verrat an sich selbst.

 

Kann es sich lohnen? – Welche Forderungen müssen erfüllt werden?

Wirtschaftlich kann Verrat nach rechts sich lohnen. Allerdings muß der Verräter um das Linke endgültig abzuwaschen, schlimme und schlimmste Dinge tun, denn für den Konservativen adelt einen Politiker seine Unnachgiebigkeit gegenüber Sozialem, Ökologischem, gegenüber den kleinen Leuten, den Linken, – kurz es adelt ihn seine Unmenschlichkeit, seine erfolgreiche Gemeinheit. Nicht mehr links zu sein, bedeutet Menschen zu verachten. Diese Menschenverachtung wirksam zu demonstrieren, fordert ein noch weitgehenderes Verhalten. Dieses muß dann durch „Erfolg“ und Einkommen betäubt werden.

Kürzlich war Güter Schabowski anläßlich den nahen 3. Oktober wieder mit DDR-Hetze im Fernsehen. (V)Erbittert trug er seine Hetze vor. – Im Vergleich zu Wolfgang Leonhard hat er sich schlecht verkauft. Jener ist gerade als im Ausbeutersystem hoch geachteter Professor gestorben. Offenbar ist es Verhandlungssache, ob Verrat sich lohnt.

 

Zusammenfassung

Der Verräter ist ein verachtetes, ausgebeutetes, beobachtetes, belohntes, abhängiges, denunzierendes und verdächtigtes Wesen.
Oft ist er ein hassendes – ein hetzendes Wesen.
Wenn sein/e Lebenspartner/in den Verrat nicht mitträgt, braucht er viel Geld.

[Evariste]
 

1 Hier geht es wieder nicht um die von den Deutschen bevorzugte Bedeutung von Volk (Volk gegenüber anderen Völkern), sondern um den lateinamerikanischen Begriff Volk (Volk im Gegensatz zu den Reichen).
2 Zu DDR-Zeiten
3 Das war sie schon immer! – Nun ist sie es aber auch in der Kriegsfrage geworden.

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