Was ist schlimm an privatisierter Bundespost?

Wörter: 587; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten

Geschichtliches

Durch Betreiben der Kaiser Maximilian I (1490) und Rudolf des II (1595) entstand in Deutschland ein privates Postmonopol, über das schnell Streit aufkam, da viele deutsche Länder ihre eigene Post organisierten. Erst seit 1871 gibt es eine einheitliche öffentliche Post. Diese hat sich hundert Jahre lang bewährt und wurde am Beginn der neoliberalen Ära (Ende der Kohlregierungen) zugunsten privater Unternehmen abgeschafft. Seitdem gibt es Postdienstleistungen sehr inhomogener und sich stetig verringernder Qualität.

Prinzipielles

Geschichtlich wurde gelernt, daß private Monopole nicht sein dürfen und daß ein Postbetrieb demokratisch kontrolliert sein muß. Mithilfe neoliberaler Ideologie wurde all das vergessen gemacht. – Zurecht?
Eine privatisierte Post verliert ihre öffentlichen Funktionen. Sie muß stattdessen nun Gewinne erwirtschaften. Daher werden öffentliche Aufgaben aufgegeben und nur noch Aufgaben ausgeführt, die Gewinne versprechen, weil Menschen darauf angewiesen sind.
Personal wird entlassen. Von den Beamten, die früher an der Post angestellt waren, sind kaum noch welche übrig. Die Post hört auf, ein hoheitliches Selbstverständnis zu haben. Alle Arbeiten werden billig.
Die „Privatisierung“ der Post ist Resultat von Intrigen, der wie bei der Bahn und dem Hochschulsystem eine generelle Zerschlagungstrategie zugrundeliegt die mithilfe der konservativen Parteien umgesetzt wird. Viel Schaden entsteht durch „Privatisierung“.

 

Die einzelnen Erscheinungen

Arbeitskräfte werden für weniger Geld angestellt. Die Arbeitskräfte werden stärker ausgebeutet (müssen mehr in weniger Zeit schaffen) und bekommen weniger Geld. Ihr Selbstverständnis ist ein anderes, als das der früheren Postangestelten.

Dabei steigen die Preise. Mehrfach wurden die Preise angehoben.

Die Post selbst verkauft ihre Verteilerstruktur zur Reklame. Werbung wird verteilt. Die Werbung hat derart zugenommen, daß die Post extra Depost auf der Straße anlegen mußte, weil die Postboten gar nicht mehr alles mit einem Mal verteilen können.

Päckchen gehen verloren. Die Zuverlässigkeit des neuen Personals ist schlecht. Briefe und Päckchen gehen schon mal verloren und tauchen auch nicht wieder auf.
Das Postgeheimnis, das weiterhin von den Geheimdiensten gebrochen wird, ist nun zusätzlich in den Händen einer privaten Firma.

Postämter werden geschlossen und verfallen. Die Wege werden weiter.
Statt Postämtern gibt es jetzt Annahme- und Vertriebsstellen. Die Annahmestellen sind oft normale Lottoläden, Tabakgeschäfte oder Nähdienstleister, die sich mit der Post etwas nebenbei verdienen, oder sich die Ladenmiete mit weiteren Dienstleistern teilen. Die Zuverlässigkeit muß auch dadurch sinken.

 

Spezielle deutsche Probleme

Aufgrund neoliberaler Ideologie, hat man bei den Zustellfirmen Konkurrenzfirmen zugelassen, die teils weit unter Tarif bezahlen. Sie machen denen, die noch vernünftig bezahlen das Leben schwer und lassen auch dort die Löhne sinken.
An der Durchlöcherung von Flächentarifen haben diejenigen Zustellfirmen, die sich durch die „Privatisierung“ der Post gründen konnten, einen nicht unbedeutenden Anteil. Viele von ihnen sind so schlimm, daß sie von einer Einführung eines Mindestlohns betroffen wären. Um sie wäre es nicht schade.

Die Privatisierung eines so großen Teils der deutschen Infrastruktur hat auch Auswirkungen auf das Lohngefüge.

 

Sinnvolles

Ausbeutung kann nicht der Sinn der Privatisierung sein. – Billligarbeitskräfte identifizieren sich nicht mit dem Betrieb. Die Verteilung von Werbung ist ein Mißbrauch der Vertriebsstruktur.
Die „Privatisierung“ dient nur dem Profit sehr weniger Unternehmen. Dafür wurden wichtige öffentliche Funktionen aufgegeben.

 

Überwachung

Briefe zu öffnen, ist aufwendiger, als das Internet zu überwachen. Deswegen wäre eine Post sicherer als das Internet. Das Briefgeheimnis wäre in einer öffentlichen Post allerdings immer noch sicherer, als in einem Privatunternehmen, zumal viele Einzelleistungen an Subunternehmer ausgelagert werden.

 

Fazit

Die „Privatisierung“ der Post geschieht aus sehr partikulären Profitgründen und führt zur Unzuverlässigkeit, Verteuerung, der Dienste und dabei zur Verringerung der Löhne und Verlängerung der Arbeitszeiten. Die ursprüngliche Substanz der Post erodiert langsam.
[Evariste]
 

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Siehe auch: »Warum gibt es „Privatisierung“?«

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