Was ist der Unterschied zwischen scharfem und unscharfem Denken?

Wörter: 3808; Linkslevel: -2 Asozialisierte Mitläufer

Zunächst müssen wir Formulierungen von Argumentationen und Argumentationen vom Denken abgrenzen.
 

 

Formen unscharfen Denkens

Abgrenzung des Phänomens

Unscharfes Formulieren – “immer weniger” statt “immer seltener”

Willkürliche Beispielformulierung: “Das (ja-nein-) Kriterium wird immer weniger erfüllt.”

Zunächst könnte man glauben, daß es sich um einen rhetorischen Lapsus handelt, wie wir ihn von der Verwechslung von “die Ganzen” mit “alle” her kennen. Tatsächlich liegt dem Fehler jedoch ein falscher Gedanke zugrunde. Der Gedanke kommt aus der Statistik und ist dort richtig. Hat man aber (statt ja-nein-Kriterien) Kriterien, die außerdem auch noch in verschiedenem Maße erfüllt sein können, entsteht die Notwendigkeit der Unterscheidung. Die unscharfe Formulierung kann zur falschen Formulierung werden.

Unscharfes Formulieren muß noch keine Korruption der Argumentation bedeuten.
 

Unschärfe der Argumentation

Der CDU-Bundestags-Abgeordnete Karl Schiewerling (Sprecher für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ← Haha!*) wiegelte während der Debatte um das Tarifeinheitsgesetz in Bezug auf die Betroffenen der Zeitarbeit: ” … das sind bloß 2,6 Mio.!” ab. Der Konservative machte damit in der Debatte klar, daß die Zahl der von Zeitarbeit betroffenen so klein wäre, daß es (für ihn) keine Veranlassung gibt, daran etwas zu ändern. Das weist auf eine ähnliche Denkstruktur, die in der Debatte um die Arbeitslosigkeit von Bedeutung ist, wo Konservative (SPD und CDU) der Ansicht sind, daß die Arbeitslosigkeit nicht beseitigt, sondern überhaupt höchstens verringert werden müsse. Die hier zu Tage tretende Unschärfe ist eine Unschärfe der Konsequenz. Sie entspricht nicht unbedingt einer Verminderung des Denkens, sondern einer sich unfreiwillig in einem von Fremden humanisierten Diskurs bewegenden Argumentation. Die Arbeitslosigkeit wird nur offiziell als Problem empfunden und nur widerwillig als Problem anerkannt. Allerdings hilft Unschärfe des Denkens auch hier bei der Korruption des vorgetragenen Gedankens durch den eigenen Wunsch. Die Unschärfe besteht in der Mischung der eigenen Meinung in dem als notwendig erachten Maße mit dem als politisch Korrekt Geglaubten. Dabei wurde übergangen, daß der Grund für jede politische Korrektheit ist, daß ein jeder elender Zustand inakzeptabel ist. das aber will der Argumentierende nicht verstehen.
 
Die Unschärfe der Argumentation weist bereits auf den Zusammenhang von Unwilligkeit bzw. (komplementär betrachtet) Opportunismus und der Veränderung der Wahrheit hier durch Mischung. Die für die Unschärfe verantwortliche Mischung ist hier zum Teil noch ein Mittel der unbewußten Wahl.
 

Kausalitätstäuschung

Eine Pegida-“Demonstrantin” wird nach einer Kundgebung gefragt. “Was hat Ihnen gefallen?” Antwort: “Alles.”; Warum: “Weil’s stimmt!”
Hier liegt ein Irrtum vor. Zunächst wissen wir, die wir wesentliche Teile der Kundgebung in Ausschnitten gesehen haben, mehr als die alte Dame, nämlich das nichts stimmt. Trotzdem wollen wir mal fragen, was der Dame nun gefallen hat. Es wurden Vorurteile bestätigt (zum Beispiel das, daß Ausländer sofort Geld und Arbeit bekommen oder besonders kriminell wären; “Die kriegen alles.”) Das alles (und mehr) stimmt nicht. Gefallen haben ihr also alle Behauptungen, in denen Ausländer schlecht gemacht und bezichtigt wurden. Sehen wir uns die Gedanken an! Die Dame hört schlechtes über dievon ihr verhaßten Gruppen, was sonst so kaum gesagt wird und fühlt sich bestätigt. Es gefällt ihr, daß sie bestätigt wurde. Sie findet es richtig. Sie glaubt, daß es ihr gefallen hat weil es richtig ist. tatsächlich aber findet sie es aber richtig, weil es ihr gefällt. Da sie Anhängerin von Populismen ist dreht sie die Kausalität unbewußt um. Anhänger von Populismen haben kein Organ für die Richtung von Kausalität. (Siehe »a href=”../?p=1596″>Was ist Populismus?«) – Das ist wichtig! Ohne Richtung der Kausalität kann Denken nur assoziativ sein. (Siehe »Wie soll man denken?« (unfertig))
Hier im Beispiel liegt eine spezielle aber aber wichtige Kausalitätstäuschug über die eigene Meinung vor. Diese ist in der Politik von enormer Bedeutung.
 
Die Kausalitätstäuschung ist bereits eine echte Korruption des Denkens. Auch hier gibt es einen klaren Zusammenhang mit (Un-)Willigkeit zw. (un)konstruktiver Motivation — an dieser Stelle einer rechtsextrem bedingten Motivation.
 



 

 

Die Wertungsmischung

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung läßt sich das Denken1 nicht formal darstellen. Einzig das logische Schließen läßt sich formal darstellen. Auf welche Weise dabei Vorstellungen und Prämissen zustande kommen, entzieht sich derzeit einem formalisierbaren Zugang.

Wir schreiben also eigentlich über scharfes und unscharfes Schließen. (Dabei passiert etwas, das wir ohne all zu sehr in die mathematischen Details zu gehen, als algebraische Erweiterung bezeichnen.) Wir fügen den Werten weitere Bewertungen hinzu, so daß eine Wichtung der Gesamtbedeutung der Aussage auf einer Metaebene entsteht, die oberhalb der booleschen2 Algebra angesiedelt ist. Diese Metaebene kann in der Praxis sehr verschieden sein. Sie kann eine schwer formalisierbare Meta-Wertung wie {“Arbeitshypothese”, “Prämisse”, “Zwischenergebnis” oder “Resultat”, …} enthalten oder einen weiteren Zahlenwert für die Wichtigkeit, des Wertes oder der Gesamtfragestellung oder schlicht einen Fehler für den eigentlichen logischen Wert darstellen. Eine weitere Möglichkeit unscharfer Werte ist die Verstetigung des ja-nein-Spektrums (Wahrscheinlichkeitslogik). Sie ergibt nur in extrem seltenen Fällen überhaupt Sinn. In diesem Artikel wird zusätzlich eine Größe betrachtet, die aus Multiplikation eines Wertes mit seine Wahrscheinlichkeit oder mit einer darüber stehenden Bewertung ergibt. (Fuzzylogic) Wenn man dieses Produkt mit dem Wert selbst verwechselt, ist das unscharf gedacht.
 

 

Worum geht es hier?

Zunächst ist der unscharfe Denker nicht in der Lage das Maximum eines Wahrscheinlichkeitswertes als 1 („Eins“) zu begreifen. In seinem Verständnis erscheinen Produkte aus Faktoren mit Wahrscheinlichkeiten, die größer als die Faktoren sind.
Wichtiger jedoch ist, daß der unscharfe Denker nicht weiß, wann eine Aussage mit welchen Wahrscheinlichkeiten gewichtet werden darf.

Ein scharfer Denker wird nur plausible richtige Aussagen für scharfe (binäre) Logik zulassen. Daher kann man Plausibilitätsüberlegungen vorschalten. Wenn diese jedoch zu keinen sicheren Resultaten kommen, ist ein unscharfer Denker versucht, als Entscheidungskriterium reellen Wahrscheinlickeitswert p(Ai) zur Aussage Ai zu betrachten. Dabei fließt die (z. B. moralische) Bewertung Bi(Ai) einer solchen Aussage als Faktor ein, so daß das Produkt aus der Wahrscheinlichkeit pi und der Bewertung betrachtet wird:

pi * Bi(Ai)

.
Das kann sinnvoll sein, wenn man sehr viele Entscheidungen zu treffen hat, bei denen nur die Summe aller Entscheidungen, nicht jedoch die konkrete Einzelentscheidung einen Erfolg bewirkt. Wenn es jedoch um politische Einzelentscheidungen geht, ist unscharfe Logik immer falsch.
Schlimmer noch kann es kommen, wenn noch die Stärke S(Ai) der Aussage Ai oder noch ein anderes Kriterium (Spektakularität oder Emotionalität der Bedeutung) hinzukommen. Als Stärke einer Aussage bezeichnet man in der Regel ihre Allgemeingültigkeit.
Man hätte dann z. B.

pi * S(Ai) * B(Ai)

.
Wenn man nun ein solches Produkt fälschlich anstelle des reinen Wahrheitswertes für die Aussage Ai betrachtet, wird der an sich mehrdimensional abhängige Wert meist für diesen Wert W gehalten, in der Rückrechnung die Herkunft des Produktwertes aber nicht mehr beachtet.
Wichtig sind solche Fälle in Situationen, in denen Quantitäten für Entscheidungen wichtig sind. Prädestiniert dafür sind Gefahren, da bei vielen Gefahren – gerade im Falle des (imperativen) Minimierungsgebotes (Asbest, Dioxin, Radioaktivität, MRSA, …) Fuzzylogic falsch ist, da es zu einer nur verringernden Kompromißlösung mit anderen Zielen führt. Eine Strategie der Vermeidung ist bei extrem gefährlichen Substanzen notwendig. Das erfordert jedoch eine scharfe Entscheidung.
Unscharfe Logik erhält ihre Chance, wenn nur ein Wert optimiert werden muß, der durch die Statistik von Entscheidungen oder durch Betrachten eines statistischen Ensembles zustande kommt. (z. B. Kaufkraft der Menschen, Zahl der Besucher im Kino oder Zahl der Kunden bei einer Standortentscheidung. Spielt die Summe vieler Bewertungen eine Rolle, erhält unscharfe Logik in geeignetem Kontext Bedeutung.
Hat die Einzelentscheidung jedoch politisches oder ethisches Gewicht, muß eine unscharf getroffene Entscheidung mit höchster Wahrscheinlichkeit falsch sein.

Unscharfes Denken unterscheidet nicht zwischen einem Wert und seinem Produkt mit seiner Wichtung. Beim unscharfen Denken kommt es also zu einer Konfusion zwischen einem Inhalt und der Metaebene (der Beurteilung) dieses Wertes. Unscharfe Logik ist nicht normiert. (Unscharfe „Logik“ ist daher unlogisch.)3

 

Einschub{
Die Wahrnehmung der Wahrscheinlichkeit

Dieser Einschub hat nichts mit der Argumentationslinie des Artikels zu tun, sondern beleuchtet einen zusätzlichen Effekt, bzw. begründet, warum der unscharfe Denker die Wahrscheinlichkeit nicht normieren kann.
Der scharfe Denker betrachtet eine Wahrscheinlichkeit,als Teil aller Möglichkeiten. Auf diese Weise kommt er bei der Verarbeitung der Wahrscheinlichkeiten zu bestimmten Zwecken auch zu einer Normierung. (Normiert werden Wahrscheinlichkeiten durch die Summe aller Wahrscheinlichkeiten 1). Der unscharfe Denker jedoch ist emotional beeinflußt. Betrachten wir die Aussage

Ai „Die Karthager fressen Kinder.“

!
Es sei

  • pi . . . . . . . die Wahrscheinlichkeit oder je nach Anwendungsfall die subjektive Plausibilität,
  • S(Ai) . . . . . . z. B. die Stärke, die Spektakularität oder eine Mischung daraus.

Dann ist der unscharfe Denker bezüglich der Wahrscheinlichkeit korrumpiert. Er betrachtet nicht den Wert der Wahrscheinlichkeit gegenüber allen Möglichkeiten, sondern gegen über dem gegenteiligen Wert. Er stellt sich also aufgrund emotionaler Befangenheit

pi als pi /(1 – pi) vor.

Das liegt daran, daß Wahrscheinlichkeiten von 0,5 neutral sind. Würde man eine Wahrscheinlichkeit von 0,8 mit irgend einem Wert multiplizieren, käme ein verkleinerter Wert heraus.
Tatsächlich ist es noch komplizierter. In Anlehnung an das weiter oben Gesagte stellt er sich

pi als S(Ai) pi / (1 – pi) vor.

Der hier aufgeführte Wichtungsfaktor Si ist wiederum ein Mischung aus Spektakularität, Betroffenheit und Stärke der Aussage Ai. Ein unscharfer Denker kann also schon mal nicht zu einer Normierung kommen. Ohne Normierung der Wahrscheinlichkeit macht auch Logik keinen Sinn mehr.
Wahrscheinlich kommt es bei starker emotionaler Befangenheit (z. B. rechtsextremen Straf- und Gewalt-wünschen) sogar in Umkehrung des Thomsonschen Biophysischen Gesetzes zu einer Exponentierung des Wertes.

pi → exp(S(Ai) pi / (1 – pi))

Für den unscharfen Denker hat diese Darstellung höchste Priorität. – Karthago muß vernichtet werden. (Auf diese Weise erklärt sich die Existenz rechtspopulistischer Parteien, die sich nur noch mit irrealen Problemen herumschlagen und überhaupt nicht mehr mit realer Politik – also mit Problemlösungen.)
} Ende des Einschubs

 

Warum?

Unscharfes Denken ist unlogisches Denken. Wenn unscharfes Denken auftritt, gibt es in der Regel eine starke emotionale Beeinflussung. Diese führt zu einer überproportionalen Bewertung eines der beiden Faktoren. Die Emotionalität kann dazu führen, daß nicht mehr die Eins (100 %-ige Gewißheit) die obere Grenze für die maximale Wahrscheinlichkeit ist, sondern im Denken des Betroffenen ein weit höherer Wert empfunden wird. Wird die Wahrscheinlichkeit des Zutreffens einer schlimmen Vermutung mit einer extrem empfundenen Gefährlichkeit verknüpft, dann gebietet das Risikoempfinden beide miteinander zu multiplizieren4. Der extrem empfundene Wert der Gefährlichkeit kann jedoch die Eins bei weitem übersteigen, wodurch eine unlogische Entscheidung entsteht.
Die eigentliche Verfälschung entsteht daher vor allem dadurch, daß der empfundene Wichtungswert. pi oder auch S(A) viel größer als Eins wird. Auch Spektakularität und Emotionalität können Entscheidungen beeinflussen.

Daher geschehen Fehler gerade dann, wenn der zu beurteilende Fakt selbst eine Wahrscheinlichkeit ist, während der wichtende Fakt eine äußerst plastische Angelegenheit ist.
Wenn eine Entscheidung z. b. Gerechtigkeit erfordert, ein Richter jedoch anstelle des Faktes Wahrscheinlichkeit der Schuld, die Schwere der Schuld multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit ihrer Plausibilität betrachtet, kann das Produkt höhere Werte erreichen, als die Wahrscheinlichkeit ohne Schwere der Schuld. Ein Strafrichter hat zweierlei zu tun: Er muß aus der durch den Prozeß extrahierten Wahrscheinlichkeit der Schuld einen diskreten Ein-Bit-Wert generieren: Strafe-Ja-oder-Nein, und er muß aus der Schwere der Schuld einen analogen Wert für die Strafe generieren. Beide Probleme dürfen nicht miteinander vermengt werden. (Bei professionellem Personal ist das meist nicht das größte Problem. Bei amerikanischen Geschworenengerichten durchaus. (Deswegen legen dort die Richter das Strafmaß fest, während die Geschworenen nur über die Schuld befinden sollen. Trotzdem kommt es in den Gedanken rechtsextremer Geschworener zu einer Vermengung von Wertung und Plausibilität. Leider steht die us-amerikanische Gesellschaft weit rechts im politischen Spektrum. (Zur US-“Demokratie“ gehört dazu, daß Geschworene quasi demokratisch über Schuld befinden können. Damit geht der Traum jedes Extremisten in Erfüllung, denn dort darf man nach Nase entscheiden. Leidtragende sind Indigene und Schwarze. Man sieht daran, daß Denkunschärfe in der Regel ein Bedürfnis erfüllt.)))
 

 

Beispiele

Bewertung von Absichten und Schuld

Bedrohungslage emotional

Wird eine Gruppe von Menschen beschuldigt, schlechte Absichten zu haben, so bewirkt unscharfes Denken eine Rückkopplung zwischen der Ebene der Behauptung und der Ebene auf der über die Wahrscheinlichkeit der Information nachgedacht wird. Erscheint die Information als Bedrohung, entsteht ein plastisches Bild von der Niederträchtigkeit dieser Gruppe. Da Wahrnehmung und Denken des Menschen so angelegt sind, daß das Gehirn sich nach einer Erkenntnis immer einem neuen Fokus zuwendet, kann es bei gegenseitiger Beeinflussung dieser beiden Ebenen zu einer Wahrnehmungsoszillation zwischen beiden Ebenen kommen, wobei sich eine Rückkopplung etabliert. Wenn die Gruppe schlechte Absichten hat, muß sie böse sein und lügen. Lügt sie, erscheint die Beschuldigung plausibler. Mehr Plausibilität verleiht der Idee der Lüge wiederum mehr Plausibilität. Dreht sich das Denken derart im Kreis, erscheint die beschuldigte Gruppe nach wenigen Denkoszillationen schuldig und ein Mitglied der betroffenen Gruppe gänzlich unglaubwürdig. Die Betroffenen können einwenden, was sie wollen, solange der Gläubige nicht auf die Idee kommt, Herkunft und Wahrscheinlichkeit zu betrachten oder gar eine Verifizierung der Behauptung vorzunehmen.
 

Utopie emotional
Ähnliches kann mit Utopien geschehen. Eine positive Information kann unkritisch machen, wenn man die Information selbst auf die Wahrscheinlichkeit ihrer Plausibilität zurückwirken läßt.
 

Spektakularität
In dem bekannten Gerichts-Prozeß gegen Michael Jackson spielte dieser die Star-Karte, was weit über die Schmerzgrenze ging, aus seiner Sicht jedoch nur logisch war. Nach kurzer Zeit war kein Medium, kein Zeuge und auch kein Geschworener mehr unbeeinflußt. Der Star tanzte auf dem Weg zum Saal zu seiner Musik. Eine Verurteilung hätte die Öffentlichkeit geschmerzt. – Noch wichtiger aber – niemand konnte am Ende ein objektives Urteil fällen.

 

Parolen

“Kriminelle Ausländer abschieben!” (Forderung Rechtsextremer verschiedener Organisationen)
Diese Parole ist eine Parole rechtsextremer Politiker. Sie ist im eigentlichen Sinne kriminell, erscheint jedoch vielen Leuten opportun. Warum ist das so? Zunächst haben auch Ausländer Grundrechte, da die wichtigsten Grundrechte auf den Menschenrechten beruhen (– obgleich auch in der Bundesrepublik bei weitem nicht alle Menschenrechte umgesetzt wurden). Ein logisch denkender Mensch würde also sagen, für Kriminalität ist die Polizei und die Justiz zuständig. Linke sagen zusätzlich: “Kriminelle müssen erzogen werden!” Wer jedoch weit rechts steht, möchte die Grundrechte dieser Kriminellen verletzten, weil es ihm ein Bedürfnis ist.
Was ist nun unscharf? Der Extremist vermischt die Ebene der Menschenrechte mit der des Strafrechts. Er sagt gern: “Sie haben ihre Grundrechte verwirkt.” Das liegt daran, daß Menschenrechte für den Extremisten keine Bedeutung haben – er steht weit rechts im Spektrum. (Rechte sind für ungleiche Rechte. Rechtsextreme möchten spezifische Minderheiten von Rechten ausschließen, Faschisten sehen die Zuteilung von Rechten als ihre Aufgabe an. Für Faschisten gibt es keine Menschenrechte, sondern nur das Kalkül des instrumentellen Rechts.)
Daß Grundrechte Grundrechte sind, gilt für diese Extremisten nicht. Der Gedanke der Unveräußerlichkeit der Menschenrechte ist dem Extremisten fremd. Dem Linken hingegen ist klar, daß Menschenrechte über dem Strafrecht stehen. Wem es also ein Bedürfnis ist, zu strafen, wird diese Ebenen gern vermischen5.
Wir erkennen das für Rechte so typische Bedürfnis daran, daß Menschen asozialen Losungen folgen. Sie sammeln sich als Nichtbetroffene vor Gerichtssälen und vor den Häusern von Sexualstraftätern oder demonstrieren gegen Moscheen.

 

Aberglaube und Religion

Der Mensch ist ein lernfähiges Wesen. In seinem Wesen ist angelegt, nach Ursachen von Problemen zu suchen. Kann er die Ursache nicht erkennen, behilft er sich oft mit einer Ersatzerklärung. Dabei kann es vorkommen, daß die Ersatzerklärung in keinem logischen oder in einem scheinbaren Zusammenhang mit der betrachteten Erscheinung steht. Dieses Phänomen bezeichnen wir als akausal, – Es ist ist vorwissenschaftlich. da Wissenschaft von einer (relativen) Erkennbarkeit der Welt und von kausalen Zusammenhängen ausgeht. Wer vorwissenschaftlich denkt, wird also Dinge nicht-kausal miteinander in Zusammenhang bringen und da die Idee der Verifizierbarkeit und insbesondere der Falsifizierbarkeit von Information fremd ist, an diese falschen Zusammenhänge glauben. Wer religiös ist, läßt durchaus Informationen zu, die zum Glauben passen. Andere blendet er aus. (Religion wird individuell zur intellektuellen Bedürfnisbefriedigung eingesetzt.) Ein Resultat davon ist der Aberglaube. Dabei kann es zu einer Personifizierung kommen. Eine Personifizierung ist im menschlichen Wesen angelegt, da der Homo Sapiens nicht nur einen Gesichtssinn und die Fähigkeit zu Sprache, sondern vor allem Empathie einen Gemeinschaftssinn, die Fähigkeit zur Kommunikation und die Fähigkeit sich fremde Absichten vorzustellen mitbekommen hat, welcher mitunter in die akausale Betrachtung einbezogen wird. Dieser Gemeinschaftssinn ist kommunikativ angelegt und in der Lage so etwas wie Absicht auch in alltägliche Erscheinungen hineinzudenken. Denkt man Absicht in akausale Zusammenhänge hinein, entsteht Religion. Gott ist die menschliche Projektion von Absicht.
Religion und Aberglaube sind damit automatisch Feinde der Wissenschaft. (Zurück zu »Was ist schlimm an Religion?«)

 

Politisch bedingte Unschärfen

Wenn einem Politiker Einzelschicksale nicht am Herzen liegen, sondern er eine Gesamtoptimierung vornehmen möchte, kann Unschärfe in seinem Interesse liegen. So kann z. B. eine spezielle Untergruppe von Migranten, die als gefährlich betrachtet wird, diskriminiert werden, weil man einen Anteil an politischen Aktivisten oder Straftätern darin vermutet. Durch Verringern des Asylrechts für diese Gruppe kann man das befürchtete Potential dann zwar tatsächlich verringern, diskriminiert jedoch alle Unschuldigen mit und verstößt – was tägliche Praxis ist – gegen das Asylrecht.

 

Versicherungen

Besonders schlimm verhält es sich mit Versicherungen und Krankenkassen. Wenn sich viele Menschen zu einem Solidarsystem zusammenschließen, bedeutet das, daß ein konkreter Schadensfall, der bei vielen Menschen zusammen mit höherer Wahrscheinlichkeit eintritt, desto leichter bezahlt werden kann, denn:

Risiko = Wahrscheinlichkeit * Gefährlichkeit

Aufgrund des Gesetzes der großen Zahl kann so auf leichte Weise ein Risiko unter vielen aufgeteilt werden. Unschärfe hilft hier bei solidarischer Teilung.
Leider ist es im Kapitalismus jedoch legal, Versicherungen mit Gewinninteresse zu gründen. Dadurch kommt es zu einem Interessenkonflikt zwischen dem Versicherer und dem Versicherten6. Und das kommt so:
Zunächst bemerkt der Versicherer daß einige Gruppen von Versicherten, die er an bestimmten Merkmalen (z. B. dem Geschlecht, Berufsgruppe Bildung, …) unterscheiden kann, ein unterschiedliches Risiko für einen Schaden besitzen. Er geht der Sache nach und findet heraus, daß die betreffende Gruppe entweder eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit oder eine erhöhte Schadenshöhe für ein solches Ereignis besitzt. Darauf kann der Versicherer mit zweierlei Maßnahmen reagieren. Im Falle einer Schadensversicherung wird er versuchen das erhöhte Risiko in die Verträge einfließen zu lassen und die kapitalistische Rechtsordnung erlaubt ihm das. Im Falle einer Krankenversicherung wird er versuchen, die „schlechten“ Patienten an eine andere Krankenkasse loszuwerden und die kapitalistische Rechtsordnung erlaubt ihm auch das. Beide Maßnahmen sind profitorientiert und verletzt natürlicher Weise das Solidarprinzip.
Im Falle eines solidarischen Systems würde man im Einzelfalle Schärfe anwenden und den entstandenen Schaden bezahlen. In einem unsolidarischen (kapitalistischen) Versicherungssystem wendet der „Versicherer“ Tricks an, die bei einem großen Teil der Versicherten verfangen und ihm Geld sparen, da er dem Versicherten gegenüber im Vorteil ist. Der Versicherer arbeitet also unter anderem daran, den Prozentsatz subtilen Betruges zu erhöhen oder er erfindet Gründe für einen Eigenanteil. Außerdem wird die Inanspruchnahme der Versicherung bestraft. Genau das alles folgt ebenfalls der Unschärfe seiner Betrachtung des Ensembles aller ähnlich gearteten „Versicherten“. Mit der Formel

Risiko = Wahrscheinlichkeit * Gefährlichkeit

läßt sich daher auch viel Geld verdienen. Unschärfe hilft hier bei Ausbeutung.
Aufgrund der zunehmenden Verkommenheit der deutschen Politik versuchen mittlerweile auch Krankenkassen Daten über eventuelle Risiken ihrer Patienten zu erheben, obgleich das illegal ist.
Dem „Versicherer“ darf das Einzelschicksal egal sein. Er wird im Kapitalismus für unscharfes Denken belohnt. Die sinnlose Konkurrenz zwischen verschiedenen „Versicherern“ (oder z. B. Krankenkassen) verschärft die Situation zusätzlich.
 

 

Unschärfe bei Demagogie

Kürzlich (April 2014) verfolgte Barack Obama im Falle der bekannt gewordenen Internet-Sicherheitslücke »Heartbleed« die Strategie, einerseits das Dementi die Sicherheitslücke wäre von der NSA ausgenutzt worden, aufrecht zu erhalten, gleichzeitig aber zu behaupten, der Geheimdienst hätte diese Sicherheitslücke ausnutzen dürfen. Eine solche Doppelstrategie ist immer ein Hinweis auf unlautere Absichten.
In den Jahren der Annexion der DDR durch die BRD gab es einen Neonazi (Thomas Dienel) der vor laufenden Fernseh-Kameras behauptete, in Auschwitz wäre niemand vergast worden. Er korrigierte sich und sagte: „Leider ist niemand vergast worden!“.
Im Falle Obamas entlarvt die logische Doppelstruktur den Lügner sofort. Der Lügner bewertet etwas, das nicht stattgefunden haben soll. Im Falle des Neonazis ist eine Negation in der Aussage enthalten. Die wertende Aussage entlarvt jedoch das Bedürfnis, das der ersten Aussage – der Auschwitzlüge zugrunde liegt.
 

 

Unscharfes Denken und Bedürfnis

In der obigen Argumentation unter „Worum geht es hier?“ und anderswo ist von “Emotionalität“ und unter „Beispiele“/“Parolen“ bereits von “Bedürfnis“ die Rede. Emotionalität und Bedürfnis müssen mit der Logik der Unschärfe noch schnell in den richtigen Zusammenhang gestellt werden.
Wenn z. B. Rechtsextreme „emotional“ werden, oder, wenn sie politisch oder pseudologisch argumentieren, dann bemänteln sie ihr Strafbedürfnis, das sie aufgrund ihrer Stellung im politischen Spektrum haben7. Der politische Bedarf, dieses Bedürfnis zu bemänteln ist hoch. Dem Rechtsextremen ist es jedoch egal, ob sein Argument erlogen oder erirrt ist. Entscheidend ist hier, ob der Rezipient die Wahrheit erkennt.
Unscharfe Logik ist in der Regel ein unbewußter Fehler. Er hilft Grundrechteverletzern und unterschiedlich extremen Rechten jedoch, Fehler zu verschleiern oder Verbrechen zu begründen.
Man kann sogar sagen, daß unscharfe Logik wenn sie organisiert vorgetragen wird, ein Indikator für ein unlauteres Bedürfnis ist.
 

 

Triebkraft

Wann ist unscharfes Denken richtig?

Unscharfes Denken ist dann richtig, wenn es nicht auf den Einzelfall ankommt, sondern auf die Synergie der statistischen Gesamtheit. – Konkret – Wenn der Einzelfall unwichtig ist. Das sollte in der Politik aber niemals der Fall sein! – Jedenfalls sehen wir Linken das so, (womit wir beim politischen Spektrum angelangt sind). Der Grund für die Unwichtigkeit des Einzelfalles in der Politik ist Menschenverachtung. Unscharfes Denken ist folgerichtig ein Phänomen des rechten Spektrums.
Wenn das Einzelschicksal egal ist, findet das Denken auch keine Werkzeuge um Probleme zu lösen oder überhaupt zu erkennen.

Wir finden unterhalb von gewissen Linksleveln entsprechende Werkzeuge des Selbstbetruges:

  • LL . . . . . . . . . Argumentative Unschärfen (nach rechts zunehmend)
  • LL . . . . . . . . . Wertungsmischungen
  • LL . . . . . . . . . Kausalitätstäuschungen (Man glaubt passende Lügen gern.).

Bei

  • LL . . . . . . . . . glaubt der Vortragende seine eigenen Lügen. (Wahrheitsnihilismus) (Darum ging es in diesem Beitrag nicht.)

Im Faschismus spielt der Selbstbetrug keine Rolle mehr, da es keinen Trieb mehr zur Wahrheit gibt. — Alles ist Assoziation — Wunsch ist Wahrheit.

Triebkraft zur Wahrheit ist in der Politik die Liebe zu den Menschen. Menschenverachtung führt über die Wertungsunschärfe zur Kausalitätstäuschung, danach zum Kausalitätsnihilismus.

[Evariste]

 

Nachfolgeartikel für sehr hohe Linkslevel

»Wie soll man denken?« (unfertig)

 

angelegt am 14.07.2010, fertiggestellt am 14.04.2014; dieVersion 2.0 ist vom 27.05.2015

* Die CDU sieht Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik als Einheit — findet ja im selben Amt statt. Folglich braucht man nur einen Sprecher. So ökonomisch macht die CDU Politik. Mögliche Losung für den nächsten CDU-Parteitag: „Es lebe die Einheit von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik!“
1 Die De Morgan’schen Gesetze, mit denen konjunktive und disjunktive Normalformen ineinander umgewandelt werden können, werden mitunter als “Gesetze des Denkens” bezeichnet. Das ist natürlich Unsinn! Es geht nur um’s logische Schließen. Das kann auch ein Rechner!
2 Die boolesche Algebra ist isomorph zu formalen Aussagenlogik.
3 Fuzzy logic, ist natürlich durchaus normiert, sonst könnte man sie nicht benutzen.
4 Versicherungen rechnen;
Risiko = Wahrscheinlichkeit * Gefährlichkeit ,
was im normalen Leben falsch ist, ist für die verbrecherischen Versicherungen eines kapitalistischen Wirtschaftssystems goldrichtig, da sie ihre Regeln nicht für den Einzelfall, sondern für ein Ensemble statistischer Ereignisse optimieren.
5 Für Fortgeschrittene (LL = +2) wird diese Vermischung hier zum Thema gemacht: »Was ist eine Rechtsinversion?«

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