Warum hat der Faschismus Klassencharakter?

Wörter: 4595; Linkslevel: Echte Sozialdemokraten
Will man die DDR verstehen, muß man den 2. Weltkrieg und den Faschismus verstehen. Die DDR ist das Ergebnis eines marxistischen Faschismusverständnis, welches auf der Dimitroff-These vom Klassencharakter des Faschismus beruht. Nur als Abgrenzung von Faschismus und Krieg kann man die DDR verstehen. Andersherum: Nur, weil der Klassencharakter des Faschismus sich im zweiten Weltkrieg überdeutlich gezeigt hat, konnte auf deutschem Boden ein sozialistischer Staat entstehen.

Hier soll nun erläutert werden, was es mit diesem Klassencharakter auf sich hat.
 

Was heißt Klassencharakter?

Wie in »Was ist eine kapitalistische Klassengesellschaft?« erläutert, bedeutet Klassencharakter, daß etwas durch Klassenkampf entstanden und geprägt ist.

 

Merkmale des Faschismus

Verstörendes

1. Die Barbarei der Nazis lädt allzu leicht dazu ein, den Faschismus oberflächlich zu sehen, die Details der Entrechtung und Entmenschlichung zu betrachten und darüber den Charakter des Systems zu vergessen. Auf diese Weise können die Vertreter der Totalitarismusdoktrin unter Fortsetzung der Nazidemagogie ( »Was ist Demagogie?«) so tun, als wenn Terror etwas mit Sozialismus zu tun hätte, und nicht mit Kapitalismus.
Zwar war der größte Teil der KZ-Opfer der Nazis Juden, jedoch waren die ersten Ziele der Nazis Kommunisten, dann Gewerkschaften und Sozialdemokraten. Als die Opposition in Gefängnis und KZ saß, konnte der Terror gegen andere Gruppen losgehen. Prominenteste Gruppe waren die als reich deklarierten Juden. Jedoch nicht, um den Kapitalismus abzuschaffen, sondern um sich selbst an ihnen zu bereichern. Ihre Positionen einzunehmen und sich ihre Besitztümer anzueignen.
2. Die “völkische” Ideologie und die hiermit verbundenen Ausrottungsbestrebungen der deutschen Nazis erscheinen oberflächlich betrachtet ungewöhnlich, da beispielsweise der spanische und der chilenische Faschismus es dabei bewenden ließen, die linke Opposition auszurotten. Hier muß allerdings in Betracht gezogen werden, daß weder der spanische, noch der chilenische Faschismus in der Lage waren, einen Weltkrieg vom Zaune zu brechen und für eine solche “völkische” ideologische Aufrüstung aus Sicht des Kapitals keine Notwendigkeit bestand1.
Betrachten wir als Gegenbeispiel einen Staat, der noch keinen Faschismus entwickelt hat, jedoch in der Lage ist, einen Weltkrieg vom Zaune zu brechen und jede Menge Eroberungsambitionen besitzt: die USA. Die Vereinigten Staaten von Amerika könnten ohne ideologische und religiöse Beeinflussung ihrer Bevölkerung nicht einen einzigen Krieg führen. Trotz der Unterstützung faschistischer und faschistoider (vergangener oder rezenter) Regime (Chile, Südafrika, Argentinien, Paraguay, Griechenland, …) versucht man sich selbst den Anschein von Unbeteiligtsein zu geben. Die momentane ideologische Aufrüstung postuliert daher einen Weltterrorismus, den es so in Wirklichkeit gar nicht gibt. Antikommunismus und Antiislamismus kommen als Werkzeuge optional hinzu.
Fazit: Die biologistischen Ausrottungsbestrebungen der Nazis sind – obwohl bei Liebhabern immer noch im Trend – eine eher plumpe Variante der Manipulation des öffentlichen Bewußtseins. Sie wird daher nach Möglichkeit vermieden. Die Plumpheit der Propaganda jedoch, ist eine Größe, die der Kapitalist nicht beliebig steuern kann. Im Notfall muß die Situation verschärft, und somit die Plumpheit vergrößert werden, da die kapitalistische Herrschaft nun mal ein Gewaltverhältnis darstellt.

 

Wesentliches

Der besondere Militarismus faschistischer Systeme liegt nicht einfach im Geschmack der Faschisten am militärischen begründet, obgleich dieser Geschmack einer ihrer Wesenszüge ist. Der Militarismus ist vor allem ein Instrument des Staates, das sich gegen äußere und innere Feinde wendet bzw. gegen Menschen, die man als solche betrachtet. Eine der wesentlichsten Funktionen des Militarismus ist dabei die Unterdrückung der Arbeiterklasse. Durch den Militarismus werden alle Unterdrückten sich selbst entfremdet, zur Opferbereitschaft für Partikularinteressen erzogen. Die militaristisch dressierte Masse glaubt für die Interessen des Staates Opfer zu bringen. Die Interessen des Staates jedoch sind die der herrschenden Klasse! Der Militarismus erlaubt es, Opfer zu fordern. Militarismus ist immer undemokratisch!
Ein wesentliches Merkmal faschistischer Systeme ist der Kampf des Staates gegen soziale Bewegungen, gegen Gewerkschaften und Arbeitskämpfe. Die brutale Unterbindung sozialen Engagements durch öffentlichen Terror erlaubt es dem Kapital die Ausbeutung extrem zu intensivieren. Dadurch steigt die Profitrate. Die für kapitalistische Systeme typischen Phänomene, wie Streikverbot, Gewerkschaftsverbot und Zwangsarbeit sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Sie dienen der “Flexibilisierung”2 der Arbeitskräfte. Das bedeutet, daß für weniger Lohn mehr, länger unter schlechteren Bedingungen und mit weniger Sicherheiten gearbeitet werden muß. Zwangsarbeit drückt dabei auf das Lohnniveau.
Ein besonderes Merkmal faschistischer Staaten ist der Polizeistaat, welcher einen großen Teil des Terrors ausübt. Daneben gibt es jede Menge Geheimpolizei und Sondergerichte. Diese sind zunächst damit beschäftigt, die wirksamsten politischen Gegner zu bekämpfen. Die blutige Niederschlagung oppositioneller Tätigkeit und letztlich die Ausrottung linker Bewegungen ist ihr Ziel.

 

Verschiedene Faschismen

Der deutsche Faschismus

Die Charakterisierung des Faschismus durch Dimitroff in seiner berühmten Rede von 1935

Der Faschismus an der Macht, Genossen, ist, wie ihn das 13. Plenum des EKKI richtig charakterisiert hat, die [6] offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.
Die reaktionärste Spielart des Faschismus ist der Faschismus deutschen Schlages. Er hat die Dreistigkeit, sich Nationalsozialismus zu nennen, obwohl er nichts mit Sozialismus gemein hat. Der Hitlerfaschismus ist nicht bloß bürgerlicher Nationalismus, er ist ein tierischer Chauvinismus. Das ist ein Regierungssystem des politischen Banditentums, ein System der Provokationen und Folterungen gegenüber der Arbeiterklasse und den revolutionären Elementen der Bauernschaft, des Kleinbürgertums und der Intelligenz. Das ist mittelalterliche Barbarei und Grausamkeit, zügellose Aggressivität gegenüber den anderen Völkern und Ländern.

Da der faschisierte Staat im Negativen nicht mehr zu bremsen ist, wird das ganze Land auf den Krieg vorbereitet. Nach der Intensivierung muß die Extensivierung der Ausbeutung kommen, da das Loyalitätsgefälle sonst nicht auf das Reichtumsgefälle abgestimmt werden kann. D. h. um unbeherrschbaren Widerstand zu vermeiden, muß der kapitalistische Staat andere Länder ausplündern, die dortigen Bevölkerungen also noch weit mehr leiden lassen. (Das jedoch wissen die Faschisten nicht.) Der für die Faschisten bestimmende Grund ist idiotischer nationalistischer, chauvinistischer, “völkischer”, rassistischer und biologistischer Art. Die aller wesentlichsten Gründe aber sind die des Monopolkapitals, sowie die unglaubliche Profitraten bei der Waffenproduktion, dem Waffenhandel und dem Raub. Die Intensivierung der Ausbeutung durch Zwangsarbeit, von der auch die Lohnarbeit betroffen ist. Geraubt wurden im zweiten Weltkrieg durch das deutsche Monopolkapital nicht nur Rohstofffelder im kontinentalen Ausmaß, sondern ganze Industriezweige. Dabei wurde gemäß dem in der Ökonomie umgekehrten Gesetz der Entropie (→ »Was ist Akkumulation? – Warum der Kapitalismus tödlich ist«) der größte Teil der Industrien durch Demontage und Raub zerstört.
Die Kriegsgewinne haben sich größtenteils große, vor allem aber größte Unternehmen eingesteckt. Für einfache Leute (deutsche Faschisten) blieben nur Brosamen übrig. Bei der Verteilung von Land, und eroberten Gebäuden wurden reiche Leute, aber auch Mitglieder der Hierarchie des Systems bevorzugt. Die Allerersten jedoch – auch bei der sogenannten “Arisierung“ waren immer die Monopolkonzerne. Das heißt, daß Kriegsgewinne vor allem privatisiert wurden. Hierbei spielten die Banken eine bedeutende Rolle. Sie „informierten ihre Stammkunden aus Kreisen der Rüstungswirtschaft regelmäßig über die Vermögensbeschlagnahme von „Staatsfeinden“ und sogenannten „Nichtariern“3 . Das bedeutet, daß die oben für „ungewöhnlich“ befundene Praxis biologistischer und antisemitischer Verfolgung durchaus wesentlich von den Monopolkonzernen ausging, die wesentlich davon profitierten. Die Vorstellung von einem sozialen “Nationalsozialismus” erweist sich auch hier, als faschistische Romantik.

Dimitroff weiter:

Der Faschismus ist nicht eine Form der Staatsmacht, die angeblich »über beiden Klassen, dem Proletariat und der Bourgeoisie steht«, wie das z.B. Otto Bauer behauptet hat. Das ist nicht das »aufständische Kleinbürgertum, das von der Staatsmaschine Besitz ergriffen hat«, wie der englische Sozialist Brailsford erklärt. Nein, der Faschismus ist keine über den Klassen stehende Macht und keine Macht des Kleinbürgertums oder des Lumpenproletariats über das Finanzkapital. Der Faschismus ist die Macht des Finanzkapitals selbst. Das ist die Organisierung der terroristischen Abrechnung mit der Arbeiterklasse und dem revolutionären Teil der Bauernschaft und der Intelligenz. Der Faschismus in der Außenpolitik ist der Chauvinismus in seiner brutalsten Form, der einen tierischen Haß gegen die anderen Völker kultiviert.

Von besonderer Bedeutung bei der Betrachtung des Faschismus ist die kapitalistische Verwertung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen bis hin zur Verwertung ihrer Körper. Diese war nur durch eine geeignete ideologische Bearbeitung der Öffentlichkeit durchsetzbar. Propagiert wurde eine fein abgestufte Hierarchie, die ganz unten Menschengruppen ohne Recht auf Leben vorsahen. Das war für viele Arbeiter verführerisch. Die Arbeiterklasse übersah hierbei jedoch den Umstand, daß für sie selbst der Zweck im faschistischen Staat bereits festgelegt war: Arbeit zu allen Konditionen ohne zu murren. Wer dagegen verstieß, konnte leicht ein paar Stufen degradiert werden. Es ist klar, daß auch dieses Arrangement, zusammen mit der Angst vor allem der Kapitalistenklasse nützte. Die Gewinne aber, die die, der Autoindustrie, der Textil- und Stahlindustrie genauso waren, wie die, der mit den Konzentrationslagern verbundenen Unternehmen, waren bei weitem die der herrschenden Klasse.
 

“Nationalsozialismus” bedeutet Imperialismus, bedeutet Kapitalismus
 

Der Theorie nach gilt der deutsche Kapitalismus der Nazizeit als Monopolkapitalismus. Der Monopolkalitalismus ist ein Kapitalismus, in welchem die Monopolisierung aller Industriezweige durch Kartellbildung abgeschlossen ist und die Monopole die Wirtschaft beherrschen. Dieser Monopolkapitalismus führt in den führenden Industrieländern automatisch zum Imperialismus. Im Imperialismus versteht sich der Staat als Dienstleister des Monopolkapitals. Seine gesamte (Arbeitsmarkt- Repressions,- Kriegs,- usw. -) Politik dient der herrschenden Klasse. Der Staat ist wie jeder Staat auf die Bedürfnisse der herrschenden Klasse zugeschnitten. Dies trifft in vollem Umfange auch auf das sogenannte deutsche Reich zu. Weiterführend wird hierzu Lenins »Einführung in »Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus«« empfohlen.
 

Imperialismus bedeutet Krieg

Die Vorbereitung eines Angriffskrieges war einer der zentralen Anklagepunkte der Nürnberger Prozesse. Verurteilt wurden nicht nur Nazifunktionäre, sondern vor allem auch Rüstungsindustrielle, die an der Vorbereitung beteiligt waren und vom Krieg profitiert hatten. Zu den Kriegstreibern gehörten die IG Farben, Krupp, Flick, Thyssen, Siemens, AEG und andere.
Ein weiterer wichtiger Anklagepunkt war die Deindustrialisierung der überfallenen Volkswirtschaften. Jedes Land das erobert wurde, wurde zuerst unter den führenden deutschen Konzernen aufgeteilt. Dabei wurden nicht nur Industrieanlagen aufgeteilt, demontiert oder zerstört, sondern alle Rohstoffe des Landes vom Abbau über die Verhüttung bis zur Stahlproduktion den Konzernen übereignet. Wesentlicher Punkt war die Tatsache, daß die Konzerne immer versuchten, auf die Pläne zu Eroberung neuer Gebiete Einfluß zu nehmen.

 

Warum die sektiererische Splittergruppe NSDAP zur Volkspartei wurde

Frühe Förderung durch Großunternehmer und Finanzkapitalisten

Faschisten gibt es heute in allen Ländern und es gibt auch Gründe, warum der Biologismus, der Antisemitismus und andere spezielle ideologische Seltsamkeiten des deutschen Faschismus gerade am Anfang des 19. Jahrhunderts auftraten. Wesentlich an dieser Stelle sind Nationalismus, Militarismus, Chauvinismus, Revanchismus, Sozialstaatsfeindlichkeit und Linkenfeindlichkeit. Diese Eigenschaften der NSDAP prädestinierten sie in den Augen des Monopolkapitals, und hier insbesondere der Stahl- und Rüstungsindustrie ihre Interessen zu vertreten. Mit frühen (abgesehen von der ganz frühen Förderung, durch gehobenen Mittelstand,) und großzügigen Spenden förderten Ernst von Borsig, Fritz Thyssen, Gustav und Alfried Krupp, Friedrich Flick, … die NSDAP, welche daraufhin ihre Propaganda ausweiten und früh professionalisieren konnte. die Einbindung neuer Medien half dieser asozialsten aller Bewegungen ihre Ansichten zu verbreiten und geschickt als Erkenntnisse zu verkaufen. Die Nazis haben diese frühe Förderung nie vergessen und sich ihren Gönnern immer (– selbst im Zusammenbruch) dankbar erwiesen. So konnten führende monopolkapitalistische Familien ihr Vermögen rechtzeitig in der Schweiz vor den Alliierten in Sicherheit bringen.

Weitere finanzielle Förderer (ohne Vollständigkeit) sind hier aufgezählt:
AEG
Albert Vögler (SSW),
Alfred Hugenberg,
August von Finck(Sr.),
Edwin, Helene Bechstein (Klavierfabrikanten),
Elsa Bruckmann (Verleger),
Carl Duisberg (IG Farben),
Carl Eduard von Sachsen-Coburg,
Carl Friedrich von Siemens,
DPAG,
Eduard Scharrer,
Edmund Hugo Stinnes,
Emil Kirdorf (Gelsenkirchener Bergwerks-AG),
Emil Tscheulin, (Aluminiumunternehmen Tscheulin),
Ewald Otto E. Hecker,
Familie Carstens (Porzellanfabrik),
Franz Martin Hämmerle,
Franz Ritter von Epp (früher Förderer),
Fritz Kiehn (Efka-Werke),
Fritz Springorum (Hoesch-Konzern),
Georg Emil von Stauß (Deutsche Bank),
Heinrich Becker,
Hjalmar Schacht (Präsident des Reichsbankdirektoriums),
Sir Henry Deterding (Royal Dutch Shell Company),
Henry Ford,
Hugo Bruckmann (Verleger),
(Hermann) Hugo Stinnes (Stinnes GmbH, RWE, Mühlheimer Bergwerksverein, Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten AG),
Karl Alexaner v. Müller
Kurt Schmitt (Allianz),
Leopold Peill (Peill & Sohn),
Max Ilgner (IG Farben),
Otto Wolf,
Paul Reusch (Haniel-Konzerns), Ruhrlade,
Richard Kaselowsky (Oetker),
Robert Bosch,
Wilhelm Keppler (Odin-Werke, Gründer des Keppler-Kreises)
Wilhelm Zangen (Manesmann),

Die hier aufgezählten Förderer sind nicht unbedingt frühe Förderer der NSDAP. Die demagogische Bezeichnung „Nationalsozialisten“ machte nämlich nicht nur auf Arbeiter, sondern auch auf viele Kapitalisten Eindruck. Daß es sich hierbei nicht um Sozialismus handelte, sondern um reaktionärsten Kapitalismus, wußten die meisten Unternehmer seit 1931 – spätestens 32. So waren dann auch fast alle Mitglieder der Ruhrlade, die traditionell bürgerliche Parteien, wie DDP, DVP, Zentrum und DNVP unterstützte, bis auf ihre jüdischen Mitglieder, irgendwann Spender.
Besonders entlarvend ist die sogenannte Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft. Sie wurde während der gesamten NS-Zeit regelmäßig auf Initiative von führenden Konzernen eingesammelt. Die NSDAP war die Partei des Monopolkapitals.
Die wichtigsten Vertreter4 dieser Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft waren (ohne Vollständigkeit): Schacht, Krupp, IG Farben, Flick, Thyssen, Hugenberg.

 

Machtergreifung der NSDAP

Im Januar 1934 schreibt der oben erwähnten Emil Kirdorf in der „Preußischen Zeitung“5 :
 


In der Erkenntnis, daß nur die Politik Adolf Hitlers zum Ziele führen werde, habe ich mich in der Folgezeit ganz seiner Bewegung zur Verfügung gestellt. Kurz nach der Münchener Unterredung fanden dann als Auswirkung der vom Führer verfaßten und von mir verbreiteten Broschüre mehrere Zusammenkünfte des Führers mit leitenden Persönlichkeiten des Industriereviers statt, in denen dann Adolf Hitler in knappen und klaren Worten seine Ansicht darlegte. …

 

Das von Emil Kirdorf mitbegründete Rheinisch-Wesfälischen Kohlesyndikat zahlte der NSDAP schon vor 1933 jährlich 6 150 000 RM.5
Am 26. Februar 1932 redete Hitler in Begleitung von H. Göring vor dem Industrieklub Düsseldorf, wo er großen Eindruck hinterließ. Schon damals äußerte Hitler, daß er eine staatlich gelenkte Wirtschaft (Planwirtschaft) ablehne, versprach die Zerschlagung der Gewerkschaften, das Verbot der KPD, die Abschaffung demokratischer Wahlen, eine massive Aufrüstung der Reichswehr und sprach über sein Konzept des Lebensraumes im Osten. Hitler warnte vor den „Bolschewisten“.
Der ebenfalls oben erwähnte Fritz Thyssen schrieb später in seinem Buch „Ich bezahlte Hitler“, daß die Rede einen tiefen Eindruck auf die versammelten Industriellen gemacht hätte. Nach dieser Veranstaltung flossen die Industriespenden sehr reichlich.
Später, am 12. November 1932 schrieb Fritz Thyssen an Hitler:


Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß die gegenwärtige Entwicklung der Dinge nur das eine Ende haben kann, und das ist ihre Kanzlerschaft. Es scheint, als ob der Versuch, eine Reihe von Unterschriften aus der Wirtschaft dafür zu bekommen, doch nicht ganz umsonst ist …
6

Die Machtergreifung der Nazis, die im deutschen Reichstag bei weitem nicht die Mehrheit hatten, kam zustande, weil die ausbeutende Klasse bzw. ihre reaktionärsten und kriminellsten Vertreter ihren Einfluß nutzten um sie direkt und undemokratisch an die Macht zu bringen.
Dazu wurde ein Brief von Groß- und Rüstungs-industriellen an Hindenburg gesandt, der auch als „Industrielleneingabe“ (Wikipedia) bekannt ist. Dieser Brief, bezog sich direkt auf die Reichstagswahl und die daraus resultierenden Mehrheiten (Hier das von F. Thyssen unterzeichnete Exemplar):
 

20. November 1932

Ew. Exzellenz,

Hochzuverehrender Herr Reichspräsident,

Gleich Eurer Exzellenz durchdrungen von heißer Liebe zum deutschen Volk und Vaterland, haben die Unterzeichneten die grundsätzliche Wandlung, die Eure Exzellenz in der Führung der Staatsgeschäfte angebahnt haben, mit Hoffnung begrüßt. Mit Eurer Exzellenz bejahen wir die Notwendigkeit einer vom parlamentarischen_ Parteiwesen unabhängigen Regierung, wie sie in den von Eurer Exzellenz formulierten Gedanken eines Präsidialkabinetts zum Ausdruck kommt.
Der Ausgang der Reichstagswahl vom 6. November d. J. hat gezeigt, dass das derzeitige Kabinett, dessen aufrechten Willen niemand im deutschen Volk bezweifelt, für den von ihm eingeschlagenen Weg keine ausreichende Stütze im deutschen Volk gefunden hat, dass aber das von Eurer Exzellenz gezeigte Ziel eine volle Mehrheit im deutschen Volk besitzt, wenn man – wie es geschehen muss – von der staatsverneinenden Kommunistischen Partei absieht. Gegen das bisherige parlamentarische Parteiregime sind nicht nur die Deutschnationale Volkspartei und die ihr nahestehenden kleinen Gruppen, sondern auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei grundsätzlich eingestellt und haben damit das Ziel Eurer Exzellenz bejaht. Wir halten dieses Ergebnis für außerordentlich erfreulich und können uns nicht vorstellen, dass die Verwirklichung dieses Zieles nunmehr an der Beibehaltung einer unwirksamen Methode scheitern sollte.
Es ist klar, dass eine des öfteren wiederholte Reichstagsauflösung mit sich häufenden, den Parteikampf immer mehr zuspitzenden Neuwahlen nicht nur einer politischen, sondern auch jeder wirtschaftlichen Beruhigung und Festigung entgegenwirken muss. Es ist aber auch klar, dass jede Verfassungsänderung, die nicht von breitester Volksströmung getragen ist, noch schlimmere wirtschaftliche, politische und seelische Wirkungen auslösen wird.
Wir erachten es deshalb für unsere Gewissenspflicht, Eure Exzellenz ehrerbietigst zu bitten, dass zur Erreichung des von uns allen unterstützten Zieles Eurer Exzellenz die Umgestaltung des Reichskabinetts in einer Weise erfolgen möge, die die größtmögliche Volkskraft hinter das Kabinett bringt.
Wir bekennen uns frei von jeder engen parteipolitischen Einstellung. Wir erkennen in der nationalen Bewegung, die durch unser Volk geht, den verheißungsvollen Beginn einer Zeit, die durch Überwindung des Klassengegensatzes die unerlässliche Grundlage für einen Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft erst schafft. Wir wissen, dass dieser Aufstieg noch viele Opfer erfordert. Wir glauben, dass diese Opfer nur dann willig gebracht werden können, wenn die größte Gruppe dieser nationalen Bewegung führend an der Regierung beteiligt wird.
Die Übertragung der verantwortlichen Leitung eines mit den besten sachlichen und persönlichen Kräften ausgestatteten Präsidialkabinetts an den Führer der größten nationalen Gruppe wird die Schwächen und Fehler, die jeder Massenbewegung notgedrungen anhaften, ausmerzen und Millionen Menschen, die heute abseits stehen, zu bejahender Kraft mitreißen.

In vollem Vertrauen zu Eurer Exzellenz Weisheit und Eurer Exzellenz Gefühl der Volksverbundenheit begrüßen wir Euer Exzellenz
mit größter Ehrerbietung

Fritz Thyssen

 

Außerdem unterzeichnet wurde das Schreiben von:

August Rosterg, Generaldirektor der Wintershall AG, Mitglied im Keppler-Kreis
Carl Vincent Krogmann
, Mitinhaber der Hamburger Bank, Reederei und Handelshauses Wachsmuth und Krogmann, Hamburg, Vorstandsmitglied des Hamburger Nationalklubs, Bürgermeister von Hamburg von 1933 bis 1945, Mitglied der Handelskammer Hamburg und Mitglied im Keppler-Kreis
Dr. Erwin Lübbert, Berlin

Dr. Hjalmar Schacht, Berlin, ehemaliger Reichsbankpräsident
Erich Lübbert, Generaldirektor der Dywidag, Vorsitzender der AG für Verkehrswesen, Mitglied im Wirtschaftsrat des Stahlhelm
Erwin Merck, Hamburg, H.J. Merck & Co.

Emil Helfferich, Hamburg, Vorstandsmitglied der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft, Aufsichtsratsvorsitzender der HAPAG, Mitglied im Keppler-Kreis
Engelbert Beckmann, Vorsitzender der Rheinischen Landesbank
Ewald Hecker, Hannover
, Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank, Präsident der Industrie- und Handelskammer Hannover, Mitglied im Keppler-Kreis, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ilseder Hütte
Eberhard Graf von Kalckreuth, Berlin, Präsident des
Reichslandbundes, Mitglied des Deutschen Herrenklubs

Fritz Beindorff, Hamburg, Direktor und Besitzer der Pelikan AG, im Aufsichtsrat der Deutschen Bank
Franz Heinrich Witthoefft, Hamburg, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank,
Friedrich Reinhart, Berlin, Direktor der Commerzbank,
Joachim von Oppen, Dannenwalde, Präsident der brandenburgischen Landwirtschaftskammer
Kurt Freiherr von Schroeder, Köln, Bankier, Mitglied im Keppler-Kreis, Mitglied des
Deutschen Herrenklubs

Kurt Gustav Ernst von Rohr-Manze, Vertreter der Landwirtschaft
Kurt von Eichborn, Breslau,

Kurt Woermann, Hamburg, Aufsichtsratsmitglied der Commerzbank
Robert Graf von Keyserlingk-Cammerau, Vertreter der Landwirtschaft, Geheimer Oberregierungsrat, Mitglied des Deutschen Herrenklubs
Rudolf Ventzki, Generaldirektor der Maschinenfabrik Esslingen
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Es wird klar, daß die unterzeichnenden die Industrie bzw. die Interessen des Großkapitals repräsentieren. Sie setzen sich großzügig über parlamentarische Mehrheiten, ja über das „parlamentarische Parteiwesen“ selbst hinweg, „sehen von der kommunistischen Partei ab“. Das Großkapital und die Industrie setzt sich hier für eine „nationale Bewegung“ ein. Demagogisch beschwört man „die Überwindung des Klassengegensatzes“ und daß Opfer mithilfe dieser nationalistischen Bewegung „willig gebracht“ werden würden. Genau dieses ist der Sinn des Nationalismus. Der wirkliche Klassengegensatz ist ein faktischer, der ein klassenspezifisches Recht in der Praxis, eine Ungleichverteilung von Produktionsmitteln, Macht, Reichtum, Einfluß und Bildungsmöglichkeiten bedeutet. F. Thyssen wollte hier nur den empfundenen Klassengegensatz bei den Arbeitern überwinden. Die Chance dazu bot genau die Demagogie der NSDAP den Industriellen an.
Dieser Brief führte zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch den Reichspräsidenten Hindenburg.
Erwähnt werden soll hier, daß die DKP, die mit 16,9 % 100 Reichstagssitze inne hatte und von der oben so großzügig „abgesehen“ wurde, nur zwei Monate nach der Machtergreifung Hitlers verboten wurde.
 

Das Ende der Weimarer Republik

Der wichtigste Schritt für Hitler war sicherlich die Ernennung zum Reichskanzler durch Hindenburg. Ein weiterer jedoch ist die Ermächtigung. Diese Ermächtigungsgesetze kamen pseudodemokratisch zustande, nachdem die KPD bereits fast vollständig aufgerieben und wenn nicht verhaftet, gar ermordet, dann abgetaucht war und ein Viertel der SPD-Fraktion bereits im Gefängnis saß. Die SPD, die nach dem Wahlergebnis von 1932 die zweitstärkste Partei war stimmte mit den verbliebenen 94 Stimmen dagegen. Die anderen konservativen Parteien (nationalistische, bürgerliche und religiöse) stimmten dann mit einer Zweidrittelmehrheit für die Ermächtigungsgesetze, die Hitler ermächtigten Krieg zu führen und die Massen zu unterdrücken. Eingeschüchtert waren die Gegner der NSDAP ohnehin bereits. Man darf daher nicht vergessen, daß es die bürgerlichen Parteien waren, die in einem parlamentarischen Akt die Diktatur schufen und die bürgerliche Demokratie abschafften. Die Wahlergebnisse vom 6. November 19328 für alle Parteien mit Reichstagssitz waren: NSDAP 33,1 %, SPD 20,4 %, KPD 16,9 %, Zentrum 11,9 %, DNVP 8,5 %, BVP 3,1%, DVP 1,9 %, CSVD 1,1 %, DStP 1,0 %, DBP 0,4 %, Landbund 0,3 %, Wirtschaftspartei 0,3 %, DHP 0,2%.

 

Das Kapital und die faschistischen Verbrechen

Vernutzung menschlichen „Materials“

Bekannter Weise war die Gewalt des deutsche Faschismus in so besonderem Maße exzessiv, daß der Verbrauch von Menschen, die für nicht „lebenswert“, oder „schädlich“ gehalten wurden, programmatisch und systematisch vorangetrieben wurde, da – oberflächlich betrachtet – die Nazis davon besessen waren, daß man die zu vernichtenden (als Schädlinge bezeichneten), irgendwie noch ausnutzen müsse. So entstand das für den deutschen Faschismus so typische „Programm der Vernichtung durch Arbeit“. Wenn wir jedoch genauer hinsehen, erkennen wir, daß von dieser Zwangsarbeit der die mittlerweile unterernährten Menschen unterworfen wurden, überhaupt nur auf organisierte Weise und meist in einem industriellen Zusammenhang profitiert werden kann. So waren Zwangsarbeiter in der Regel bei großen Unternehmen, staatlichen oder öffentlichen Einrichtungen „beschäftigt“. Es herrschte staatlicher Sklavenhandel und vernutzte – d. h. verbrauchte Arbeitskräfte wurden den KZs zur Vernichtung „zurücküberstellt“. Hierbei ist wichtig, daß all das in großem Stil erfolgte, und irgendwann am Ende des Krieges sogar die Zwangsarbeiter knapp wurden, weshalb man einigen Ortes dazu überging wahllos zusammengetriebene Bevölkerung zu versklaven. Aus diesem Grunde kann man davon ausgehen, daß die eng mit der SS zusammenarbeitenden Konzerne keineswegs davon ausgingen, daß die den KZs „zurücküberstellten“ Zwangsarbeiter dort wieder aufgepäppelt würden. Es war allen klar, daß sie vernichtet werden würden. Es ist auch anschaulich klar, daß man diejenigen, die man beraubt hat, nicht wiedersehen möchte. Dies war ein weiterer wichtiger Anklagepunkt bei den Nürnberger Prozessen.
Profitiert haben von dieser „Besonderheit“ des deutschen Faschismus vor allem die größten Konzerne, die die Ausbeutung auch renitenter Arbeitssklaven auf profitable Weise einrichten konnten. Krupp errichtete zu diesem Zwecke extra ein Straflager für renitente Zwangsarbeiter und Saboteure. (→ »Offizielle Ehrung eines Kriegsverbrechers in Greifswald«)

 

Freundschaft der Herren der Industriekonzerne und der Banken mit der SS

Eine Schar von Großkonzernen und Großbanken, aufgezählt im Braunbuch der Kriegs- und Naziverbrecher organisierte sich im „Freundeskreis des Reichsführers SS“ der auf ihre Initiative geschaffen wurde.9 Viele Großindustrielle waren auch gleich selbst Mitglieder der SS, so z. B. Alfried Krupp von Bohlen und Hallbach. Die SS wurde in allen Lagern mit Zwangsarbeitern und in der Industrie quasi als Werkschutz eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit den Herren der Konzerne war sehr eng und für die Konzerne höchst Profitabel. Um die Ausbeutung zu steigern und renitente Zwangsarbeiter, sowie Saboteure zu bestrafen hatten viele Konzerne extra werkseigene Gestapo-Gefängnisse und Straflager in denen die Häftlinge der Brutalität der Werks-SS und einem noch brutaleren Hunger ausgesetzt waren.

 

Chilenischer Faschismus

Über den chilenischen Faschismus ist bekannt, daß ein sich demokratisch entwickelnder Sozialismus von der herrschenden Klasse im Keim erstickt wurde. Danach wurden alle linken Bewegungen ausgelöscht. Alle, die man für politisch gefährlich hielt wurden umgebracht. Nur wenige Linke konnten fliehen. Dies alles geschah mithilfe der US-Geheimdienste und natürlich der CIA – einer der kriminellsten Organisationen des Planeten. Der Diktator Augusto Pinochet war lange Zeit ein Freund des Westens. Regelmäßig fuhr er zu Margaret Thatcher zum Tee. Als er eines Tages mit dem US-Außenminister Kissinger zusammentraf, sagte dieser: „Wir finden sympathisch, was Sie tun!“ Was tat dieser Pinochet in Chile, das ihn den Regierungen der imperialistischen Staaten sympathisch machte?
Er setzte Eigentumsrechte durch – unter anderem, die von 3000 us-amerikanischen Firmen.
Nach dem Verständnis Pinochets waren die Menschenrechte von den Eigentumsrechten abgeleitet – also ihnen untergeordnet. Leben als Eigentum des Lebenden! So war es ihm natürlich, das Eigentum der herrschenden Klasse gegen das Leben der Linken abzuwägen.10 Das fand Henry Kissinger sympathisch.
 

 

Welche Bedeutung hat der Klassencharakter des Faschismus?

Der Klassencharakter des Faschismus beweist, daß die NS-Barbarei nicht stattfand, weil es eine Idee des Adolf Hitler oder Joseph Göbbels war, sondern, daß Faschismus lediglich Resultat einer Verschärfung und Brutalisierung der Klassenauseinandersetzung just in dem Augenblick war, in dem deutsche Unternehmen um ihre Vormachtstellung fürchteten und auch nicht genug Kapital über die wenigen deutschen Kolonien akkumulieren konnten, um der internationalen Konkurrenz standhalten zu können bzw. – marxistisch gesprochen – die unteren Klassen durch Ausbeutung von Kolonien bei wenigstens gleichbleibender Profitrate noch ruhig zu stellen. Die Verschärfung der Klassenauseinandersetzungen ist eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. In Chile brach der Faschismus in dem Moment aus, in dem sich auf demokratische Weise eine sozialistische Regierung zu etablieren suchte. D. h. in dem Moment der Geschichte, in dem das Volk die Herrschaft zu übernehmen drohte. In Deutschland wurde das mehrfach verhindert – zuletzt – durch die „deutsche Einheit“.
Der Klassencharakter des Faschismus zeigt aber noch mehr: Er zeigt, daß der Faschismus ein Werk der Herrschenden ist, der einerseits die Arbeiterklasse spaltet, andererseits die Wut auf die herrschenden umleitet in Ressentiments gegen Ausländer, andere Rassen oder spezielle Lieblingsgruppen (Juden, Homosexuelle, …) – heute oft gegen Arbeitslose oder – auch angestrebt – gegen „Unnütze“ aller Art. Der Klassencharakter zeigt uns den wahren Gegner. Er wird daher von den Herrschenden mit aller Entschiedenheit und mit Inanspruchnahme fast aller Medien und bezahlter Wissenschaftler geleugnet und verschleiert. Mittel dieser Verschleierung sind folglich Nationalismus, Militarismus, Rassismus, Sozialchauvinismus, Antikommunismus, Utilitarismus, devotes Untertanentum und Klassen(aus)bildung.
Der Klassencharakter des Faschismus beweist, daß der Terminus „Nationalsozialismus“ (→ auch »“Nationalsozialismus“ – ein Wort im westdeutschen Sprachgebrauch«), der von den Kapitalisten zur Stützung der Totalitarismusdoktrin im Sinne der Nazis aufrecht erhalten wird, ein demagogischer ist. Es ist den faschistoiden Theoretikern (z. B. Fest) des bundesrepublikanischen Konservatismus wichtig, die „Verwandtschaft von Sozialismus und Nationalsozialismus“ zu behaupten um den Gedanken der totalen Gegensätzlichkeit zu verschleiern. Dieses Beharren auf dem totalen Gegenteil ist typisch für die konservative Demagogie.
In dem oben vollständig zitierten Schreiben der Industriellen wird genau dieser Sinn des Nationalismus offengelegt: die Verschleierung der Klassengegensätze und die Beförderung der Bereitschaft Opfer zu bringen, die den Profit erhöhen oder der Realisierung der Eroberungspläne dienen.
Da die gewissenlosesten Kapitalisten sich eine Verschärfung der Repression offen halten wollen, fürchten sie den Antifaschismus und die Erkenntnis von der Ausbeutung und vom Klassencharakter des Faschismus.

In der Anfangszeit der Bundesrepublik bestand die Mehrheit der Westdeutschen aus Nazis und Menschen, die von den Nazis ideologisch beeinflußt wurden. Daher ist der Klassencharakter des Faschismus auch der Grund, aus welchem die DKP verboten wurde und aus welchem auch heute noch linke verfolgt werden.

Alle Linken, die den Klassencharakter des Faschismus verstanden haben, wissen daher, daß jede Beschränkung sozialer Rechte, des Streikrechts, des Bildungsrechts, des Widerspruchsrechts, des Verbots von Zwangsarbeit, jede Einschränkung der Verhandlungssouveränität der Arbeitssuchenden und Lohnabhängigen, aber auch jeglicher Sozialabbau und sowieso jede Form der Repression, der Überwachung, der Einschränkung der Demonstrations-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, ja selbst die Beförderung der Ausländerfeindlichkeit – also zusammengefaßt – jedwede erfolgreiche kapitalistische Politik kleine Schritte auf einem geraden Weg zu KZ sind. Das, was organisierte Kapitalisten wollen, ist Ausbeutung und mehr Ausbeutung.

[Evariste]

 

Weiterführende Links:

ML-Werke
http://www.mlwerke.de/gd/gd_001.htm
 

Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Großindustrie_und_NSDAP
http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_November_1932

Zum Klassencharakter siehe
»Was ist eine kapitalistische Klassengesellschaft?«
»Warum ist die BRD eine Klassengesellschaft?«
 

1 In dem Artikel »Welche Arten von Faschismus gibt es? – klassischer und verdeckter Faschismus« (unfertig) wird erläutert, daß die Art der Barbarei immer auch davon abhängt, welche Art von Extremisten dem Monopolkapital zur Verfügung stehen.
2 Der Begriff “Flexibilisierung” (→ »Was ist Demagogie?«) wurde erst in den 80er und 90er Jahren des 20. Jh. von neoliberalen Ideologen in die Politik eingeführt. Es ist der Versuch, die Ausbeutung nicht durch öffentlichen Terror, sondern durch Ideologie zu intensivieren.
3 Braunbuch der Kriegs und Naziverbrecher, edition ost, 3. Auflage, S. 16
4 Braunbuch der Kriegs und Naziverbrecher, edition ost, 3. Auflage, S. 14
5 Braunbuch der Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin, dritte Auflage, S. 13,14
6 ebenda
7 Zusammenstellung aus dem zitierten Braunbuch und Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe)
8 → http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_November_1932
9 Braunbuch der Kriegs- und Naziverbrecher, edition ost, 3. Auflage, S. 22
10 Interpretation nach F. J. Hinkelammert

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