Was ist der Unterschied zwischen Darwinismus und Sozialdarwinismus?

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Was hat Darwin entdeckt?

Charles Darwin veröffentlichte in seinem bahnbrechenden Werk ‚Vom Ursprung der Arten‘ (On the Origin of Species) eine Theorie der langsamen Veränderung von Art-Merkmalen durch natürliche Selektion, welche die Idee der natürlichen Evolution begründete und erklärte. Diese bahnbrechende Idee erklärt die Vielfalt der Arten, die Spezialisierung von Merkmalen und Fähigkeiten dieser Arten, Symbiosen und Merkmalsbeziehungen von durch die Nahrungskette miteinander verbundenen Arten. Viele Weiterentwicklungen, wie Sinn und Unsinn geschlechtlicher Vermehrung hat es seither gegeben. Durch die Entdeckung der Genetik (und des genetischen Codes) und durch Anwendung von Infomationsmaßen konnte die Theorie Darwins unzweifelhaft bestätigt werden. Heute kann man den Verwandtschaftsgrad von Spezies messen, oder kann die Biodiversität einer Population beschreiben.
Trotz heutiger wissenschaftlicher Erfolge wurde die Evolutionstheorie lange angezweifelt. Die Befürworter der Theorie hießen Darwinisten. Einige religiöse Gegner der Theorie gibt es heute noch. (Einige davon nennen sich Kreationisten und glauben an eine mystische Schöpfung.) Die Gegner dieser Theorie benutzen mitunter moralisierende Argumentationen. Sie behaupten, die Darwinisten wären verdorben und würden amoralische Konzepte aus dem Tierreich auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Dieser Vorwurf ist zunächst religiös und moralistisch begründet.

 

Pseudo-Darvinismus

Tatsächlich gibt es jedoch das Phänomen, daß besondere Menschenverächter wie wir sie weit rechts im politischen Spektrum finden, tatsächlich Konzepte der Selektion passiv oder aktiv aus dem Reich der Natur auf die menschliche Gesellschaft übertragen.
Die passive Übertragung sieht so aus, daß die Menschenverachtung zu Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal von als schwach betrachteten Menschen führt. Nutzt man tatsächlich diesen Pseudo-Darwinismus zur Begründung, ist das eine ideologische Ressentimentverstärkung, die einen sehr rechten Charakter hat. Ein Resentimentträger wird in so einem Falle Maßnahmen treffen (oder nicht treffen), so daß mittelbar oder sogar unmittelbar eine Schädigung der diskriminierten Gruppe bzw. von Schwachen auftritt. Der Pseudo-Darwinismus wird also sowohl als Ausrede für Nichtstun und Gleichgültigkeit, wie auch zur Rechtfertigung diskriminierender Maßnahmen genutzt. Diese halbpassive Handlungsweise wird durch die aktive noch übertroffen, bei der man direkt Schaden anrichtet und somit selbst selektiert. Wenn Menschen diese Auswahl treffen, nennt man das künstliche Selektion. Die künstlichen Selektierer nutzen ebenfalls den Pseudo-Darwinismus als Ausrede.
 

Was genau ist nun dieser Pseudo-Darwinismus?

Im Kapitalismus gibt es notwendiger Weise die Verachtung der Armen. Die Armen sind sozial schwach. Bei sehr weit rechts stehenden Individuen gibt es die Verachtung aller Schwachen.
Dem entspricht genau der falsch verstandene Darwinismus. Er überträgt im Extremfalle einfach das Konzept, daß der Schwächere sterben müsse, auf die menschliche Gesellschaft. Der echte Darwinismus gilt jedoch für das Reich der belebten Natur. Und er behandelt auch nicht das Vorkommen von Schwäche, sondern von (biologischer) Fehlangpaßtheit. Eine solche Fehlangepaßtheit (eines Phänotypen) ist eine sehr komplexe und darüber hinaus zeitlich oft veränderliche Größe. Der Pseudo-Darwinismus ist also zunächst wissenschaftlich falsch.
Warum gibt es ihn dann?
Der Pseudo-Darwinismus entsteht, weil es bei Menschenverächtern das Bedürfnis zu diskriminieren und herabzuwürdigen gibt und weil es im Kapitalismus ökonomische Gründe der Diskriminierung gibt und einige Rechtsextreme derart kriminell sind, daß sie besonders schwere Verbrechen an Menschen begehen wollen. Diese werden dann mit beliebigen Vorwürfen und Konzepten gestützt. Will man eine schwach erscheinende Gruppe diskriminieren, bietet sich die (scheinbare) Schwäche nicht nur der geringeren Wehrhaftigkeit wegen, sondern auch der ideologischen Ausbeutbarkeit wegen an. Die hierzu gehörenden Täter sind (wenn sie aktiv sind) soweit rechts, daß wir sie biologisierende Faschisten nennen. Da der Grund für den Schaden, der an der diskriminierten Gruppe angerichtet wird, nicht die rechtfertigende Theorie (die ja falsch ist), sondern der gegen diese Gruppe gerichtete und biologistisch verbrämte Chauvinismus ist, nennen wir diesen Pseudo-Darwinismus – Sozialdarwinismus.

Der Sozialdarwinismus überträgt Konzepte, die nur in der Biologie Sinn haben, als falsche Analogie auf die menschliche Gesellschaft. Er bedient dabei ein sehr rechtsextremes Bedürfnis. Die Natur wirkt aufgrund objektiver Gesetzmäßigkeiten. – Der Mensch handelt subjektiv und ist für seine Taten verantwortlich. Die Gesellschaft ist in großen Teilen menschengemacht und also künstlich. (Die Menschengemachtheit ist auch der Grund für die Abänderbarkeit der menschlichen Gesellschaft. Dies‘ ist ein linker Gedanke.)
 

Definition:
Sozialdarwinismus bedeutet biologistische Rechtfertigung der Gefährdung oder sogar Vernichtung Schwacher.
 

Definition:
Als Biologismus bezeichnen wir in der Politik (abschätzig) eine falsche Analogie zur Biologie.
 

Der NS-faschistische Gedanke des „lebensunwerten Lebens“ ist ein Beispiel für starken Sozialdarwinismus.

Antwort auf die Hauptfrage:
Im Gegensatz zum ‚Darwinismus‘ ist der Sozialdarwinismus also keine Wissenschaft, sondern rechtsextreme Ideologie.
Der Darwinismus beschreibt natürliche Selektion und ihre Folgen in der belebten Welt. – Der Sozialdarwinismus bezieht sich auf künstliche Selektion und benötigt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die natürliche Selektion ist eine objektive Gesetzmäßigkeit, die künstliche – ein Verbrechen. Eine objektive Gesetzmäßigkeit ist unabhängig vom Menschen wirksam.

 

Sozialdarvinismus als Ressentiment

Der Sozialdarwinismus gehört zum rechtsextremsten Ende des Sozialchauvinismus. Er ist tödlich-tierischer Chauvinismus gegen die Schwachen.
Der schwächste Sozialdarvinismus (SPD-Spektrum) sieht über das Elend Obdachloser mitleidig hinweg. Der schwache Sozialdarvinismus (CDU-Spektrum) akzeptiert Obdachlosigkeit und findet das Elend der Arbeitslosen richtig. Etwas weiter rechts (USA) spricht man bereits (wertend) von Gewinnern und Verlierern. Noch weiter rechts macht man scheinheilig Gesetzte, an denen einige Verlierer systematisch zugrunde gehen, Ganz rechts tötet man sie aus Verachtung.

 

Schlimme Folgen

Faschismus

Im deutschen Faschismus, der sich demagogisch „Nationalsozialismus“ nannte, herrschte die Idee, man müsse in Bezug auf Menschen die („grausame Mutter“) Natur in der Selektion unterstützen. Das ist erstens Blödsinn und zweitens unmenschlich. Tatsächlich versuchten die Faschisten nur ihre Vorurteile zu begründen. Ihre schlimmen Taten taten sie aus Haß. Dieser untergräbt genau das menschliche Gemeinwesen, das die Stärke der Gattung Homo Sapiens ausmacht.

Duldung und Passivität im Konservatismus

Der Konservatismus nutzt mitunter von Faschisten propagierte Ideen. Das geschieht zum großen Teil sogar unbewußt. Denn wie oben erläutert, liefert der Sozialdarwinismus eine willkommene Ausrede für Gleichgültigkeit gegenüber sozial schwachen Gruppen. Es handelt sich also um eine Erscheinung im politischen Spektrum, die von der Position im Spektrum abhängt. (Siehe Skizze!)

Backlash für die Wissenschaft

Die Existenz des Sozialdarwinismus wird von religiösen Menschen, die den Pseudodarwinismus genau, wie die Sozialdarwinisten selbst nicht entlarven (können), als Vorwurf gegen alle Darwinisten gerichtet, die ja normaler Weise keineswegs Rechtsextreme sind, gerichtet.

In der Skizze ist der Sozialdarwinismus in fünf politische Eigenschaften aufgeteilt. Er ist eine Eigenschaft, die nach rechts hin gilt.
Es gibt also zwei Problembereiche. Der erste ist rechtsextrem und für Sozialdarwinismus und glaubt an die falsche Analogie und der zweite ist ablehnend, glaubt aber auch an die falsche Analogie, weil er nicht an die Wissenschaft glaubt. Die gemeinsame Frage mit der Wissenschaft ist unpolitisch. In der Skizze sind unten die Anschauungsgruppen dieser beiden Problembereiche eingetragen. Für den ersten extremistischen Problembereich ist ein Extra-Beitrag (»Was ist richtig und falsch am Darwinismus?« (ELL(utS) = -5)) geschrieben worden, da man rechtsextremer Motivation nicht mit Wissenschaft beikommen kann.


Politische Eigenschaft:                                                     
Sozialdarwinismus                                                                        akzep-  passiv
   /|\           A     b     l     e     h     n     u     n     g               duldend tierend      aktiv extrem
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utS ''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|'''''''''|''''
ELL     5         4         3         2         1         0        -1        -2        -3        -4        -5
            sozialistisch            echt sozialdemokratisch    falsch sozialdemokratisch     Rechtsextrem
                       l  i  n  k  s                                           k o n s e r v a t i v    faschist.
                                          ←  proletarisch |  bürgerlich   →

 erster Problembereich (befürwortend)                                                    ↑   ↑  ↑  ↑ ↑ ↑ ↑ ↑↑↑↑↑↑
 zweiter Problembereich (ablehnend)          ↑     ↑    ↑    ↑   ↑  ↑  ↑  ↑ ↑ ↑ ↑  ↑   ↑     

Skizze: Sozialdarwinismus im Spektrum; Das Komplement der Duldung (vertikale Spiegelung im Wendepunkt) stellt die Ablehnung dar, welche von da an Konsens bis ganz links findet. Unten finden wir Bereiche des Spektrums, die die angesprochene Frage um den Darwinismus/Pseudo-Darwinismus falsch beantworten. Dieser Beitrag wurde mehr für den zweiten Bereich (um -2) geschrieben

Das Komplement des Sozialdarwinismus ist genau das Komplement der Duldung (nach rechts hin geltend) – eine nach links hin geltende Eigenschaft.
[Evariste]

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