Was ist schlimm am Elektroauto? – Warum das Elektroauto eine technologische Sackgasse ist

Wörter: 818; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke

In dem Artikel »Was ist schlimm am Verbrennungsmotor?« wurde klargestellt, daß der Verbrennungsmotor prinzipiell durch Elektromotoren ersetzt werden muß. Warum aber der Individualverkehr trotzdem nicht mit dem „Elektroauto“ fortgesetzt werden kann, steht hier.

Im Werbefernsehen und auf Automobilmessen, die unkritischer oder schlicht korrupter Weise vom Mainstreamjournalismus unterstützt werden, versucht die Autoindustrie seit Jahren, sich ein Öko-Image zuzulegen. Dabei ist kein Klischee zu stark oder zu ausgelutscht und keine Lüge zu dreist. Eine der schickesten – aber auch lahmsten Säue, die durchs mediale Dorf getrieben werden, ist das Elektroauto.

 

Der Hauptgrund

ist bereits implizit im Artikel »Der energetische Blickwinkel in der Politik – und – Warum der Individualverkehr sterben muß«(Teil 1) erwähnt worden. Simpler Weise gibt es nämlich nicht genug Energie für den Individualverkehr – egal, wie sauber er ist. Daher muß der Artikel »Der energetische Blickwinkel in der Politik – und – Warum der Individualverkehr sterben muß«(Teil 1) zuerst gelesen werden.
 

Noch leicht unzureichende Entwicklungen im Bereich der Energiespeicherung

Natürlich könnte man, wenn man wirklich wollte sofort per Gesetz Elektrotankstellen errichten und derzeitige leichte technische Unzulänglichkeiten durch den Übergang zur Serienproduktion überbrücken. Allein, dies geschieht nicht und das hat Gründe. Die Autoindustrie ist nicht interessiert, die praktisch ausge-reizte und -reifte Entwicklung des Verbrennungsmotors einfach aufzugeben und die derzeitige Energieverschwendungskultur, die Absatz in den Bereichen von Motorsport bis Vollkomfort
ermöglicht, abzubrechen und durch eine Energiespar-Müsliriegelkultur mit Mondauto zu ersetzen in der das meiste am Auto neu zu entwickeln ist und automatische Fensterheber verboten erscheinen. Ein solches Umdenken hätte zwangsläufig einen riesigen Absatzeinbruch zur Folge, weshalb die Autoindustrie unauffällig mauert und lieber futuristische Oberflächendesigns von sogenannten Elektroautos präsentiert, als die Entwicklung wirklich voranzutreiben. Wie es aussieht, wartet man auf eine neue energetische Lösung, egal, ob sie CSS-Technologie oder Kernfusion heißt.
 

Aber die Elektroautos kann man doch derzeit schon fahren – wo liegt denn hier das Problem?

Das Problem liegt nicht in der Energiespeicherung, sondern darin, daß durch den Verbrauch sogenannter fossiler Brennstoffe die Energieerzeugung in der Praxis unrealistisch günstig erscheint. Wollte man die heute genutzte Energie durch Pflanzenanbau also biologisch erzeugen, bräuchte man eine riesige Fläche, die alle anderen Flächen für Nahrungsanbau, Wald, Naturschutzgebiete und Wohnraum fatal reduzieren würde. Dies‘ wurde bereits in »Der energetische Blickwinkel in der Politik – und – Warum der Individualverkehr sterben muß«(Teil 1) beschrieben. Da also für die Erzeugung der Energie nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung steht, und diese wird eines Tages voll durch Photovoltaik ausgenutzt werden, bestimmt sich der Preis der Energie durch das hierdurch definierte Angebot und der entsprechend dem Fortschritt der Einsparung vorliegenden Nachfrage. Je stärker diese Fläche (dazu gehören auch Parkplätze, Dächer und Gebäudefassaden) ausgenutzt wird und je weniger auf brennbare, nicht nachhaltig erzeugte Energieträger zurückgegriffen wird, desto realistischer wird der Strompreis. Dieser realistische Strompreis wird, solange es keine nutzbare Kernfusion gibt, so hoch sein, daß (Elektro-)Autofahren unerschwinglich bzw. planetar nicht verallgemeinerbar ist.

 

Was muß geschehen?

Die Autoindustrie muß vom Individualverkehr zum Massenverkehr d. h. zum öffentlichen Verkehr umschwenken, wogegen sie Widerstand leisten wird, da öffentlicher Verkehr nicht nur im Verbrauch, sondern auch in der Anschaffung um ein Vielfaches billiger ist.
Es gibt nun mehrere Möglichkeiten des Umgangs mit diesem Problem. Die eine Möglichkeit ist eine Vergesellschaftung der Autoindustrie oder von Teilen davon mit anschließender Umstrukturierung und künftiger Produktion von Eisenbahnen, Straßenbahnen (besonders sparsam), Schienenbussen, Bussen, Oberleitungsbussen, Seil- und Einschienenbahnen, und so weiter.
Der größte Teil des Verkehrs muß von der Straße auf die Schiene verlagert werden.
Die andere Möglichkeit, für die wir plädieren, ist angesichts der Verbrechen, die die Autoindustrie in der Vergangenheit begangen hat, einfach den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, den Benzinpreis zu erhöhen, eine realistische CO2-Steuer einzuführen1 und den Individualverkehr und damit die Autoindustrie mit Auflagen zu Lärm, Energieverbrauch, Schadstoffausstoß, Sicherheit und Stellplatzbedarf langsam aber sicher zu erdrosseln.

 

Die Vorteile des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs

Im letzten Satz des vorherigen Unterkapitels wurden Eigenschaften aufgezählt, die es bereits an das Licht bringen.
Öffentlicher Verkehr ist sicherer, schneller, sauberer, bei weitem sparsamer, durch die Einsparung vieler Fahrzeuge auch leiser, bei guter Organisation viel zuverlässiger (man postiert auf jeder Eisenbahnstrecke vorn und hinten Schneepflüge) und wenn man den Individualverkehr komplett abschafft, gibt es extrem viel Platz in den Innenstädten.
Natürlich braucht man noch öffentliche Dienste für Umzüge und Transporte und Straßen für Sonderfahrzeuge.
Für Umzüge braucht man dann neben Straßenbahnhaltestellen Abstellgleise für Umzugswagen, die dort auf Bestellung abgestellt werden. Das Leben ohne exzessiven Energieverbrauch wird am Anfann etwas schwieriger sein. Deshalb ist es so wichtig schnell damit anzufangen.

 

Fazit

Weil nicht genügend Energie nachhaltig für den verschwenderischen und nicht planetar verallgemeinerbaren Individualverkehr produziert werden kann, muß auch das Elektroauto, sofern es sich um Individualverkehr (1 … 5 Personen-Transport) handelt, verboten werden. Bewegung mit so hoher Geschwindigkeit sollte einer besonderen Zulassung, z. B. aufgrund besonderer Sparsamkeit durch Massentransport, bedürfen.
Wenn also jemand künftig von Elektromobilität spricht, sollte wohl also ganz klar öffentlicher Nah- und Fernverkehr gemeint sein.
[Evariste]
 

1 → »Was ist falsch an der CO2-Steuer« (unfertig)

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