Was ist der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur?

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Vielen Schülern und leider auch vielen Erwachsenen – allerdings aus anderen Gründen – ist der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie heute nicht mehr geläufig. Der Unterschied liegt in der Verteilung der Herrschaft.

 

Diktatur kommt von Diktat – jemandem seinen Willen aufzwingen.

Diktaturen erkennt man daran, daß es eine Partikulargewalt gibt, die das Volk beherrscht. Eine solche Partikulargewalt kann ein Fürst, ein König, Kaiser, eine fremdes Land – ein Imperium, eine Kaste, eine Ethnie, eine klerikale Kaste oder eine waffentragende Klasse oder eine reiche Klasse sein. Es kann viele Ausprägungen einer Diktatur geben. (Partikular- – heißt Teil- – hier also Teil des Volkes.) Wenn nur ein Teil des Volkes etwas zu sagen hat oder Gewalt (also Macht) hat, ist das eine Diktatur. Die herrschende Partikularmacht diktiert die Gesetze und Regeln.
In der Regel herrschen unabhängig von der Art der Diktatur die Reichen über die Armen.
Diktatur heißt, daß wenige Macht über viele andere haben.
Diese anderen sind die Mehrheit und besitzen geringere Rechte.
Diktatur erfordert (die Akzeptanz von) Ungleichheit.

 

Arten von Diktaturen

Einige typische Arten von Diktaturen sind schon aufgezählt worden. Es gibt:

  • Monarchien (echte Monarchien, Emirate, Sultanate) Herrschaft von einer oder zwei Personen bzw. Herrschaft des Hochadels.
  • Oligarchien (USA) Herrschaft weniger. Oligarchien sind kapitalistisch und bilden sich durch Akkumulation (Konzentration von Herrschaft in immer weniger Händen) heraus.
  • Quasimonarchien (Rumänien unter Nicolae Ceaușescu, Sowjetunion unter Stalin) Bildung durch Konzentration von Macht auf eine oder zwei Personen durch Entfremdung einer Volkvertretung mit unzureichenden demokratischen Mechanismen oder Entfremdung einer Funktionärsherrschaft, die eigentlich eine Volksherrschaft sein sollte.
  • Kolonialismus Herrschaft einer ausländischen besetzenden Macht (Eroberung armer oder unterentwickelter Länder, militärische Besetzung und Einsetzen von Statthaltern) Eine Schicht extrem privilegierter Ausländer regiert das kolonialisierte Gebiet mit Brutalität und Verachtung der einheimischen. Diese Schicht organisiert Ausbeutung und Unterdrückung und ermöglicht den Abtransport der Güter.
  • Neokolonialismus (Einsetzen von einheimischen Statthaltern auch und besonders nach Befreiungskriegen (gern auch Monarchen) Herausbildung einer einheimischen herrschenden Klasse, die die Unterdrückung für die ausländische Macht unternimmt. Neokolonialismus ist kapitalistisch. Kombination mit Monarchie, Neoliberalismus oder Schulddiktat sind typisch.)
  • (neoliberale) Schulddiktate (typischer Weise vermittelt durch IWF und Weltbank; überschneiden sich häufig mit Neokolonialismus; Viele Staaten sind astronomisch und unrealistisch verschuldet. Da die Schulden nie beglichen werden können, aber bedient werden müssen, kommt es zu regelmäßigen Umschuldungen. Diese sind an drakonische vom Ausland vorgeschriebene Bedingungen, wie Strukturanpassungen, Marktöffnungen und Privatisierungen, die das Land noch stärker versklaven, geknüpft.) Neoliberalismus ist kapitalistisch.
  • Militärdiktaturen (z. B. die früher vom Militär und den USA gelenkte Türkei; die Philippinen unter Ferdinand Marcos, Peru unter Juan Velasco Alvarado und auch Alberto Fujimori; Haiti unter Francois Duvalier) Militärdktaturen überschneiden sich meist mit Kolonialismus und Neokolonialismus und sind daher meist kapitalistisch.
  • Scheindemokratien (Moderne S. zerfressen von Lobbyismus und Korruption, mit Medienmanipulation und kultureller Betäubung) (in der Regel Kapitaldiktaturen bzw. Kapital-Oligarchien) (Auch entwickelte kapitalistische Staaten besitzen Scheindemokratien.) Scheindemokratien besitzen Parlamente und teilweise freie Presse. Die Presse kann kapitalistisch manipuliert oder abhängig sein. Scheindemokratien erkennt man an der Legalität von Lobbyismus. Scheindemokratien entstehen nach dem Ende des Feudalismus, da die Menschen nicht mehr an die angeborene Ungleichheit glauben und von den Unterdrückern getäuscht werden müssen.
  • religiöse Diktaturen Eine klerikale Klasse, Kaste oder Schicht herrscht. (z. B. Kalifat) (Irrationale Diktaturen, die wenigen Macht geben und dummen Extremisten Bedeutung verleihen. Auch Faschismen tragen polit-religiösen Charakter.)

 

Die Diktatur dient der Ausbeutung und der Aufrechterhaltung von Privilegien. Typischer Weise werden dabei systematisch Menschenrechte verletzt und zu diesem Zwecke die Bürgerrechte der nicht-Privilegierten verringert.
 

 

Demokratie kommt von Volksherrschaft.

Eine Demokratie zeichnet sich durch Volksherrschaft aus. Das ist gerade das Gegenteil der Diktatur. Der Begriff „Volk“ meint hier „Volk 2“ aus »Einige Probleme mit der Übersetzung von politischen Begriffen ((Artikel ist in der Wiederherstellung)) « (Es herrscht also nicht ein Volk über das andere, sondern niemand über das Volk.)
Demokratie bedeutet, daß das Volk als ganzes nach der Macht greift und die Partikulargewalt hinwegfegt und verbietet. Sind alle möglichen Partikulargewalten verboten und verhindert, herrscht das Volk und alle können ihre Interessen artikulieren und vertreten.
In der wirklichen Volksherrschaft, kann es Arm und Reich nicht geben.
Demokratie heißt, daß niemand Macht über andere hat.

 

Unterschied

Beherrschen die einen die anderen (z. B. die Reichen die Armen), kommt es automatisch zu einem „oben“ und „unten“.
Selbstverständlich funktioniert Demokratie anders, als Diktatur. In der Diktatur kommt es darauf an, die Herrschaft nicht zu verlieren. Zwang und Gewalt sind die Regel.
In der Demokratie kommt es darauf an, daß alle auch an alle denken, denn eine Demokratie muß anders funktionieren, als eine Diktatur.
Um den Charakter einer Diktatur zu verschleiern, muß die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit beschränkt sein.
Demokratie benötigt ein kritisches, ein demokratisches Volk – Diktatur ein gehorsames, das weiß, “was sich gehört”.
In der Diktatur herrscht nicht die Masse. Das hat den Zweck, Privilegien zu schützen.
In der Demokratie hingegen kann man die Interessen der breiten Masse wirkungsvoll vertreten. Partikularinteressen dürfen nicht über denen der Masse stehen.
In einer Diktatur werden Partikularinteressen durchgesetzt. Diese sind die einer herrschenden Klasse.
In der Monarchie sind es die Interessen des Adels und des Hochadels,
im Kolonialismus sind es die Interessen der Besatzung und der beherrschenden Staaten,
im Neokolonialismus, die der korrupten einheimischen herrschenden Klasse und der davon profitierenden Staaten, die in der Regel zu einem Imperium gehören,
Im Kapitalismus sind es die der Reichen, denen die Unternehmen, die Banken, Versicherungen, Mineralöl- Pharma- und Nahrungsmittelkonzerne und andere gehören. Durch das Eigentum an Produktionsmitteln haben sie die Herrschaft des Adels abgelöst. Sie besitzen nun das Privileg Arbeitskraft kaufen zu können, und herrschen ihrerseits erneut.

 

Verleumdung und Entscheidung

Gibt es eine echte Demokratie, wird sie sofort von allen Diktaturen als Diktatur verleumdet, denn jedes System behauptet heute selbst gerecht und frei zu sein.
Um zu entscheiden, ob man in einer Diktatur oder Demokratie lebt,
muß man sich fragen, ob man mitentscheiden kann,

  • ob Krieg geführt wird,
  • ob es sozialen Wohnungsbau gibt,
  • wie hoch die Rente sein soll,
  • ob ein Haushalt angenommen wird,
  • ob es Rüstungsexporte geben soll,
  • ob man beim Arzt Geld bezahlen soll,
  • ob ein Betrieb eröffnet oder geschlossen werden soll,
  • ob einer der Verwandten oder Nachbarn jemals mitentschieden haben,
  • ob das Volk überhaupt informiert ist.
  • ob das Volk mündig und interessiert ist.

 

Spezielles

Im Feudalismus herrschten die Adligen über die Gemeinen. Im Kapitalismus herrschen die Reichen über die Armen.
Eine Monarchie ist der häufigste Fall eines feudalen Systems, da es zwischen Fürsten keine wirkliche Gleichberechtigung gibt, muß es einen ersten geben. Infolge dessen wird immer um die Herrschaft gekämpft. Auch im Kapitalismus wird (heute von transnationalen Konzernen) ständig um die Vormachtstellung und letztlich um die totale (globale) Herrschaft gekämpft. Da transnationale Konzerne heute ganze Imperien für sich einspannen, die für sie Krieg führen, nennen Linke diese Periode der Kapitalismus „Imperialismus“.

 

Beispiele

Kuba

Auf der Insel Kuba wurde der Diktator Batista, welcher grausam war und das Land im Elend verwaltete, vom Volke gestürzt. Sofort wurden Bildung und medizinische Leistungen für alle verfügbar. Danach wurde langsam eine Demokratie errichtet, die sich bis heute entwickelt. Heute hat die Insel Kuba die höchste Ärztedichte der Welt. Seit dieser Zeit bekämpfen andere Diktaturen, die das Beispiel Kuba fürchten, das ganze kubanische Volk.
 

BRD

Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist ein kapitalistisches Land In diesem Lande herrschen die Reichen über die Armen. Reiche haben viel mehr Rechte als Arme. Daher ist die BRD eine Diktatur.
Es verhält sich jedoch noch etwas komplizierter. Seit dem Ende der Kolonien gibt es Neokolonialismus und seit einigen Jahrzehnten gibt es sogar einen Prozeß, den wir wirtschaftliche Globalisierung nennen. Aufgrund des Neokolonialismus herrschen die Reichen global über die Armen. Aufgrund der erwähnten Globalisierung entsteht ein weltweites Rechtssystem, das die Herrschaft eben dieser Reichen über alle Armen d. h. der reichen Länder über die armen Länder, der großen Konzerne über die kleinen Unternehmen und aller Reichen über alle Armen sichern soll. Die, die am weitesten oben sind versuchen diesem Rechtssystem einen abstrakten Ausdruck zu verleihen. Sie sagen „Markt“. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um die Herrschaft des Kapitals, denn selbst Kapitalisten sind theoretisch austauschbar. Die Diktatur des Kapitals wird in der BRD verschleiert, da das dadurch notwendiger Weise entstehende Elend exportiert wird.

(So, wie die natürliche Evolution auch keine des Phänotyps oder des Genotyps ist, sondern eine der Gene selbst, so ist die Herrschaft im Imperialismus – der höchsten Stufe des Kapitalismus keine der Kapitalisten, sondern die, des Kapitals selbst. Das Kapital ist abstrakter sich selbst ständig umwandelnder Wert.) (Siehe auch: »Warum die BRD undemokratisch ist«) Dieses Kapital herrscht.

Im Kapitalismus gibt es eine Diktatur des Kapitals. Alle Politiker und selbst die Kapitalisten gehorchen dem Kapital bei Strafe des ökonomischen Untergangs.
 

DDR

Die DDR, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Abgrenzung zu den im Imperialismus (Kapitalismus) begangenen schlimmen Verbrechen gegründet wurde, wollte eine herrschaftslose1 Demokratie aufbauen. Diese Demokratie war jedoch nicht vom Volke gekommen, da damals noch eine recht große Anzahl von Nazis im Volke war, die mit Demokratie nichts anfangen konnten. Daher bekam das DDR-Volk die Demokratie von der Sowjetunion geschenkt. Leider war das Volk der DDR, das seine eigene Revolution nicht selbst gemacht hatte, nicht in der Lage, mit diesem Geschenk etwas anzufangen. Die Demokratie verkam.

Demokratie kann man nicht schenken – sie muß erkämpft werden. Sie bleibt nur erhalten, wenn das Volk Verlangen nach Demokratie verspürt.
 

In der Sowjetunion

hatte man eine eigene Revolution gemacht. Leider glaubte man, daß alles erledigt wäre, wenn nur das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft sei. Das reicht aber nicht aus. Wenn man keine effektiven Strukturen der Volksherrschaft und der Kontrolle der Macht schafft, kommt es zuerst zu einer Oligarchisierung der Macht, in der sich die Macht bei wenigen konzentriert und dann zu einer Quasimonarchisierung. Stalin und Ceaucescu waren solche Quasimonarchen.
 

USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein besonders undemokratischer Industriestaat, welcher eine Sklavenhalterverfassung, ein sehr mittelbare Wahlsystem, altmodische Geschworenengerichte hat und dessen Kongreß (beide Kammern) zu 100 % aus Multimillionären besteht. In den USA führt der normale Weg zu studieren über private Universitäten, die elitaristische Eliten „erziehen“. Staatliche Universitäten werden finanziell ausgetrocknet. Nur Reiche und Stipendiaten können die Privat-Unis besuchen. In den USA gibt es eine reich herrschende Klasse geführt von wenigen Superreichen, die alles bestimmen. Die Vereinigten Staaten sind eine Diktatur des Kapitals und als solche eine Oligarchie. Ist man dort nicht krankenversichert, wird man nicht behandelt. (Alles genauer in: »USA und Demokratie«.)
 

Syrien und Libyen

Die Staaten Libyen unter Muammar al-Gaddafi und Syrien unter Baschar al-Assad kommen den Mitteleuropäern – insbesondere auch aufgrund der imperialistischen Propaganda nicht besonders demokratisch vor. Tatsächlich handelte es sich jedoch mit dem (neuen) Tunesien um die demokratischsten arabischen Staaten. Mit der Volksjammahirija schuf Muammar al Ghaddaffi eine einmalige Form der Demokratie, die allerdings unter Personenkult litt. Ausgerechnet im Bündnis mit den feudalen GCC-Staaten versucht(e) die NATO die relativ demokratischen Regierungen von Libyen und Syrien zu stürzen. Mitteleuropäer lernen hier, daß sie über Demokratie tatsächlich nicht viel wissen. Sie lernen aber auch, daß der Imperialismus die Demokratie bekämpft.
 

Demokratie ist sehr relativ.

 

Sozialismus und Kapitalismus

Viel wurde und wird gegen den Sozialismus gehetzt. Die Kapitalisten behaupten in allen Zeitungen, Fernseh- und Radiosendern, daß Sozialismus undemokratisch wäre. Das ist eine Lüge, die genau die Wahrheit verdecken soll.
Die Wahrheit ist:

Erst durch Volksherrschaft entsteht Sozialismus!

(und nicht umgekehrt. )

Im Kapitalismus gibt es keine Volksherrschaft. Es gibt dafür Kriege zwischen unterschiedlichen Völkern. (Im Sozialismus gibt es niemals Krieg. – Aber das ist ein anderes Thema.)
Der Kapitalist muß die Demokratie natürlicher Weise bekämpfen.
 

[Evariste]
 
verbessert und erweitert am 07.11.2014 und am 02.03.2015
verbessert und erweitert am 07.04.2018 (Version 1.2)

1 Genau genommen, stimmt das nicht ganz, denn es handelte sich um die Diktatur des Proletariats, Das heißt um die Herrschaft der Arbeiterklasse. Aufgrund der prinzipiellen Mitbestimmungsmöglichkeiten war die DDR demokratischer, als die BRD konstruiert.

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