Demokratie und Starkult

Wörter: 779; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten
Warum Groopies keine Demokraten sind

Der Starkult wird in »Warum die BRD undemokratisch ist« erwähnt. Dort wird erläutert, daß Wähler teilweise um gewählte Volksvertreter Starkult treiben.
Hier geht es darum, daß Wähler, die Starkult treiben, generell nicht demokratisch sein können.
Ansehen und Nimbus gründen sich in einer unemanzipierten Welt auf Merkmale, die gefälscht oder gekauft werden. Obwohl viele dieser Merkmale blödsinnig sind, funktionieren sie bei bestimmten Zielgruppen. Aus diesem Grunde, wurde Starkult immer auch in der Politik benutzt, haben Politiker, die selbst nicht genug Strahlkraft hatten, zusätzlich gern die Nähe von bekannten Künstlern oder gar Königen, Prinzen und Prinzessinen gesucht.
Die abgeschwächte moderne Variante davon – wenngleich, weil raffinierter, viel gefährlicher – ist der gekaufte Doktortitel oder – besser – der gekaufte Experte.
 

Parlamentarische Monarchien“

Die in Europa übrigen Monarchen und ihre Familien sind ein Relikt der herrschenden Klasse aus der Zeit vor der bürgerlichen Revolution! Sie sind Symbole aus der Zeit vor der Republik. Man kann zu den Maskottchen der Monarchien unterschiedliche Auffassungen haben, aber wer immer ihnen zujubelt, oder sich vor ihnen beugt, ist ein unkritischer Mensch. Er kann nicht demokratisch sein. Die Verehrung ohne Leistung und ohne triftigen Grund wirkt bei gewählten Volksvertretern besonders absurd, da diese ja erst in ihre Position gewählt sind und in ihrer Position auch kontrolliert werden sollen.
Die Monarchien Europas sind heute ohnehin eine Farce, da der Adelspool, aus dem sie sich speisen könnten, ohnehin im Schwinden begriffen ist und außerdem die Frage aufwirft, wodurch der Adel denn überhaupt gerechtfertigt ist. Wie er zustande gekommen ist (durch bewaffnete Gewalt) wissen wir. Beide Probleme werden über kurz oder lang zum wählbaren Monarchen führen, welcher dann als Maskottchen des bürgerlichen Parlamentarismus fungiert und wiederum demokratische Fragen nach seiner Funktion und seinen Verpflichtungen, aber auch danach, inwieweit er/sie noch ein/e König/in ist aufwerfen. Was einen Monarchen nämlich auszeichnet, sind Souveränität, Macht und Herrlichkeit. Diese Eigenschaften widersprechen der Idee der Demokratie. Die bürgerliche Revolution ist unvollständig, solange man an so überkommenen Inhalten, wie Adelstiteln der -ansprüchen festhält.
Politische Urteilsfähigkeit kann man aber nicht nur denjenigen absprechen, die sich Politikern vor die Füße werfen, sondern auch jenen, die andere Stars verehren, denn was bedeutet Personenkult anderes, als eine Trübung des Urteilsvermögens.

Der erste deutsche Superstar war übrigens der Kaiser Wilhelm II, was ihm jedoch nichts nutzte. Er mußte 1918 trotzdem abdanken. Monarchen stabilisieren heute westliche Pseudodemokratien und sind in Drittweltländern ideale Statthalter.

 

Nimbus durch Starkult und Fortpflanzung des Nimbus

Starkult geht von einem Nimbus des Stars aus. Tatsächlich ist die ausbeutbarste Eigenschaft eines Stars aber seine Bekanntheit. Ob jemand Star wird, hängt dabei nicht immer von unfälschbaren Eigenschaften, wie Können, Talent, Originalität oder gutem Aussehen ab. Ein Star, wenn er gut aussieht, kann mithilfe von Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit für immer Star bleiben. Es ist dazu nicht nötig noch weitere Leistungen zu erbringen. In der Regel muß man nur im Gespräch bleiben.
 

Das Zitat

In der Kunst wird in der Regel viel zitiert. Allein im Film, aber auch in der Musik wird viel zitiert. Oft wird auch zitiertes noch mal zitiert und zitiertes Zitiertes noch einmal zitiert. Das kann so weit gehen, daß der Ursprung des Zitierten im Dunkeln liegt. Wenn man das weiß, kann man auch gleich so tun, als zitiere man etwas, obgleich es das gar nicht gibt.

Wenn man also die Propagandamaschine anwirft, um jemand völlig unbekannten zum Star zu machen, dann funktioniert das nach ca. vier Wochen, wenn der Zuschauer den Beginn der Propaganda vergessen hat und ihm das dargestellte vertraut vorkommt. 2008 gab es im dem Fernsehklatsch die Nachricht, Lady Gaga (nie gehört) versuche in Deutschland zu landen, es klappe aber nicht so richtig. Vier Wochen lang wurde eine ziemlich überdurchschnitliche Zahl von Takten von „Pokerface“ auf verschiedenen Fernsehsendern (z. B. Auch VOX) angespielt. Nach vier Wochen intensiver Reklame war die aus Effekten bestehende Musiksimulation auf Platz 1.
Heute läßt sich die Bekanntheit von Lady Gaga ausbeuten. Durch Zitat ihrer „Werke“, Allüren oder Kleidung können andere „Künstler“ ihre Karriere begründen. Von Kleidung und den einigen Auftritten Lady Gagas sagt man, sie seien abgekupfert. So belehrt uns die „Kunst“ – nein das Showbuisines – über die Erzeugung von Vermarktungsfähigkeit und die eigentliche Gehallosigkeit von Nimbus. Trotz der Gehaltlosigkeit ist der Nimbus nicht wertlos. Nimbus ist teuer (Werbekosten) – genau wie Bekanntheit (Siehe »Demokratie und Reklame«). Der Gebrauchswert des Nimbus liegt in der Beeinflussung der Massen, die in der Regel zur Produktvermarktung, jedoch noch dringender in der Politik benötigt wird. Denn in der Meldung, daß die Klamotten, die kein normaler Mensch anziehen würde, abgekupfert seien, ging es nicht um Lady Gaga oder irgend ein Recht an einem Geschmacksmuster, sondern nur um die Verbreitung des Gedankens, daß ein konkreter Schund wertvoll wäre.

[Evariste]
 

Siehe auch
 

Linkes Lexikon: Star
Serie zur Demokratie
»Demokratie und Reklame«
»Warum die BRD undemokratisch ist«

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