Demokratie und Reklame

Wörter: 689; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten
Reklame belästigt uns allenthalben und die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt, obwohl jedem klar ist, daß Werbung manipuliert. Die Manipulation findet auf einer Ebene statt, die es dem Manipulierten, wenn er die Methode nicht kennt, erstens nicht ermöglicht dem Ziel der Werbung (Manipulation) zu entgehen und zweitens nicht ermöglicht, sich dagegen zu wehren. Einzig die Kenntnis der Methode ermöglicht Gegenwehr.

Reklame versucht in der Regel durch unterschwellige (unbewußte) Bekanntmachung eine Vertrautheit zu simulieren. Dabei werden die Anliegen praktisch niemals direkt vorgetragen, sondern mit unterschiedlichen Reizen verbunden. Bewußten Hörern kommt Werbung blöd vor – effiziente Werbung ist immer unsachlich. Die durch die Reklame erreichte Bekanntheit ist teuer und wertvoll. So hat die Union1 an dem als Doktorarbeitsfälscher gescheiterten Kriegsminister Guttenberg deswegen solange festgehalten, weil es lange gedauert hat und teuer war, ihn als Glamour-Politiker aufzubauen.

Weil Reklame diese komfortablen Möglichkeiten der Massenmanipulation bietet, werden ihre Methoden auch in der Politik eingesetzt.
So kann eine Partei, wenn sie eine gewisse Stärke hat, aus dieser schöpfen und sich als selbstverständliche Regierungspartei darstellen ohne sich dabei mit echten politischen Aussagen zu exponieren. Andere Tricks, die das Image einer Partei aufpolieren oder in eine bestimmte Richtung drücken, werden ständig angewandt.
Der Wähler sollte sich der Tatsache bewußt sein, daß Reklame und ihre Methoden immer manipulieren, also etwas in einer verfälschten Weise darstellen, man also übers Ohr gehauen wird.
Selbst die Linkspartei bedient sich heute teilweise dieser Methoden. (Die Wahlzeitung »Klar« ahmt das Boulevardformat »Bild« grob nach.) Innerparteilichen Kritikern entgegnet man “Das muß man heute so machen.”, was im Prinzip stimmt, wenn man sich auf die parlamentarische Demokratie unter den intellektuellen Rahmenbedingungen (→ »Zum geistigen Zustand der deutschen Bevölkerung« (unfertig)) der Bundesrepublik einläßt.
Es gibt daher den unschönen Spruch: “Der Wähler will betrogen sein.”. – Aber will er das wirklich?

 

Die Akzeptanz der Reklame

beruht auf jahrelanger und heute frühkindlicher Gewöhnung. Dazu kommen die verheerenden Wirkungen des Konsumismus. Wer sein Kind mit fünf oder gar drei Jahren vor den Fernseher setzt, braucht sich um schlechte Erziehung nicht mehr zu kümmern. (→ »Was ist schlimm am Konsumismus? – Konsumismus, Bildung und Demokratie«) Wer mit Reklame aufwächst, wird unempfindlich gegenüber der Idee der Manipulation. – Auch das Verwerfliche dieser Idee erscheint nur noch stark abgeschwächt. Daher sind „Werbefachleute“ heute noch normal angesehene Bürger.

 

Warum man nicht kauft, was in der Werbung kommt

  1. Wer bei Leuten kauft, die mit Reklame werben, unterstützt die Werbung. Diese Kunden sind mit Schuld an der millionenhaften Belästigung durch Werbung.
  2. Produkte, für die Werbung gemacht werden muß, sind entweder schlecht oder schlicht unnütz. D. h. daß dem Kunden mit diesen Produkten das Geld aus der Tasche gezogen wird.
  3. Besonders bekannt (und daher wirksam) ist die Fernseh- und Plakatwerbung. Wer hier investiert, will Marktanteile erobern. Diese Eroberungsstrategien werden fast ausschließlich im Zusammenhang mit Markenprodukten genutzt. Marken sind an sich bereits ein Zeichen dafür, daß der Kunde verkohlt wird. Markenprodukte sind entweder sinnlose oder überteuerte Produkte. Will jemand mit solchen Produkten mithilfe von Marketing und exzessiver Reklame Marktanteile erobern, dann bedeutet das, daß der Markt von einem völlig überflüssigen Produkt überschwemmt und erobert wird. Es bedeutet nichts weniger, als die Ausbreitung von Dummheit.

 

Warum man nicht das Produkt des Marktführers kauft

Wer das Produkt des Marktführers kauft, folgt blind der economy of scales. Das heißt, er unterstützt blind das Wachstum des größten, die dieser mittels eben solcher unfairen Methoden erlangt hat. In »Was ist Akkumulation? – warum der Kapitalismus tödlich ist« wurde beschrieben, warum die großen im Kapitalismus wachsen. Wer das verstanden hat, und weiter die Produkte des Marktführers kauft, unterstützt die Akkumulation. Die Akkumulation zu unterstützen ist nur sinnvoll, wenn man Hauptaktionär ist, da die Spielräume der Marktwirtschaft sich für Normalbürger mit zunehmender Akkumulation stetig verringern.

 

Demokratie und Reklame

Wer nicht gelernt hat, der kommerziellen Produktreklame zu widerstehen, wird sich folglich auch in der Politik über’s Ohr hauen lassen. – Mit dem Unterschied aber, daß ihm hier wirklich die ‘Butter vom Brot genommen wird.
Reklame ist unemanzipativ. Folglich ist Reklame auch undemokratisch.
Gläubigkeit kann organisiert werden, weil viele unemanzipierte Menschen im Kapitalismus intellektuell dahinvegieren und schädlich Produkte kaufen. Sie wollen Betäubung.
Gläubige sind keine Demokraten.

[Evariste]
 

1 Die CDU/CSU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hilfe

WordPress theme: Kippis 1.15