Was ist Nationalismus? – Zusätzliche Erläuterungen

Wörter: 781; Linkslevel: Sozialdemokratisierte Linke
In »Was ist Nationalismus? – Was ist schlimm am Nationalismus«wurde Grundlegendes geschrieben. Alle Fortgeschrittenen sollten zunächst diesen Artikel lesen.

In »Was ist Nationalismus? – Was ist schlimm am Nationalismus« wurde grundlegendes geschrieben. Alle Anfänger sollten zunächst diesen Artikel lesen! Der Text ist sonst unverständlich und sinnentstellend. Auch »Einige Probleme mit der Übersetzung von politischen Begriffen« sollte zuerst gelesen werden, da der vorliegende Text sonst unverständlich wird.

Es sei hier darauf hingewiesen, daß wie schon in »Einige Probleme mit der Übersetzung von politischen Begriffen« bemerkt, das Wort Nationalismus unterschiedliche Bedeutungen hat, wovon in Deutschland und den entwickelten kapitalistischen Ländern eine, in Lateinamerika hingegen eine andere vorrangig bekannt ist und benutzt wird.

Anders ausgedrückt: Wird das Wort “Nationalismus” von einer europäischen Sprache in eine Lateinamerikanische Sprache übertragen oder umgekehrt, kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Übersetzungsfehler.

 

Was bedeutet Nation/Nationalismus

Vorbemerkung

“Nationalismus” I (europäisch) geht auf Nation gegenüber anderen Nationen zurück.
“Nationalismus” II (Südliche Hemisphäre bzw. falsch übersetzt) geht auf Gemeinschaft gegenüber privaten Interessen zurück.

Es ist klar, daß der Bedeutungsunterschied eben weil er das genaue Gegenteil bedeuten kann, bei der Übersetzung nicht unterschlagen werden darf.
 

Jetzt aber wirklich – der europäische reaktionäre Begriff

Den Herrschern Europas ist es in den letzten Jahrhunderten gelungen, den reaktionären Begriff des Nationalismus bzw. auch den, der Nation fest in den Köpfen ihrer Untertanen zu verankern um sie so leichter beherrschen zu können. Krieg, Unterdrückung und Ausbeutung sind mit einer nationalistischen Bevölkerung kein Problem mehr. Dies ist die eigentliche Bedeutung des Nationalismus. Die Nation wird demagogisch zu einem Wesen stilisiert. Die Verehrung diese nichtexistenten Wesens muß, wenn sie die Massen ergreifen soll, folglich religiöse Züge annehmen.

Wir weisen daher auf den religiösen Nationalismus hin, wie er von Ernst-Moritz-Arndt und anderen kreiert und von den Herrschenden freudig aufgegriffen wurde.

Mit dem religiösen Nationalismus hat es folgende Bewandtnis (→ »Was ist Religion?«(Wiederherstellung)):
Wenn die Kontrolle des öffentlichen Bewußtseins eine solche Performance angenommen hat, entsteht ohne weiteres Zutun ein (quasi religiöser) öffentlicher Druck, Opfer zu bringen. Diese Opfer selbst anzubieten, wird wie selbstverständlich erwartet. Und natürlich bringt niemand diese Opfer wirklich der (nichtexistenten) “Nation”, sondern der herrschenden Klasse, welche dadurch alle ihre Ziele erreicht.

Der Nationalismus ist daher eine von vielen Weiterentwicklungen der Religion unter den Bedingungen der Aufklärung.1

 

Wann war Nationalismus je gut?

Nationalismus ist dann, und nur dann ein relativer Fortschritt, wenn Fürstentümer (abstrakt) oder Tribalismus überwunden werden müssen. Sobald dies geschehen ist, und eine sogenannte Nation (welche natürlich auch wieder eine demagogische Konstruktion ist) etabliert ist, wird der Nationalismus sofort reaktionär, da er sein Ziel erreicht hat, und nun nur noch in regressivem Sinne – also gegen andere “Nationen” – ausgerichtet ist.

Jeder Zusammenschluß schließt aus. Das heißt jede Inklusion geht mit einer Exklusion schwanger.

Ein Nationalstaat schließt letztlich genauso aus, wie Stämme oder Fürstentümer. Die Schaffung der Nationalstaaten in Europa war daher nicht wirklich ein Fortschritt, da die Auseinandersetzungen zwischen den viel mächtigeren Staaten weit größere Verheerungen bedeuten, als zwischen Fürstentümern. Die Einführung einheitlicher Nomen, Maße und Gewichte bedeutete einen technischen Fortschritt.

Daher ist der Nationalismus nie wirklich ein Fortschritt gewesen.

 

Mißverständnisse

  • Viele afrikanische, amerikanische und auch asiatische Befreiungsbewegungen haben das Wort “national” in ihrem Namen. Zur Zeit ihres Befreiungskampfes war keine von ihnen nationalistisch! Des Wort national bezeichnet letztlich die Ebene der Organisation, führt aber zu schlimmen Mißverständnissen. Es gibt aber auch Mißverständnisse auf Seiten der Linken.
  • Hugo Chaves, welcher in Lateinamerika zu den bekanntesten und herausragendsten linken Persönlichkeiten zählt, bezeichnet sich selbst als “Nationalist”en, obwohl alle Linken wissen, daß er eben genau das Gegenteil – nämlich ein sehr solidarischer Internationalist – ist.2 Dieser “Mißgriff” (europäische Interpretation) kann nur dadurch erklärt werden, daß der Begriff Nationalismus in Latein-Amerika anders interpretiert wird. → hierzu »Einige Probleme bei der Übersetzung von politischen Begriffen«
  • In Kuba wird seit der Zeit der verbrecherischen us-amerikanischen Wirtschaftsblockade die Losung „Patria o Muerte„ verbreitet. Das heißt „Vaterland oder Tod „. Damit kann man nicht zufrieden sein, weil der Konflikt zwischen der Republik Kuba und den Vereinigten Staaten von Amerika damit auf die Ebene einer nationalen Auseinandersetzung herabgezogen wird. Das wäre aber eine krasse Fehlinterpretation, da die Blockade sich in Inhalt und Form gegen die Revolution wendet und somit eine klassische Klassenauseinandersetzung ist. Wir schlagen daher in Anlehnung an Rosa Luxemburg die Losung „Sozialismus oder Barbarei!“ vor. Denn bei der Revolution in Kuba ging es nicht um eine Nation, sondern um die Befreiung der Menschen. Wie in »“Nationalsozialismus“– ein Wort im westdeutschen Sprachgebrauch« beschrieben, sind Sozialismus und Nationalismus Gegensätze!

Socialismo o barbarie!

[Evariste]

1 hierzu »Was ist Religion?«

2 Hugo Chaves hat beispielsweise dem neoliberal gebeutelten Argentinien geholfen, die Staatsschulden zu bezahlen.

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