Wie politisch ist Wissenschaft?

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Ideologie in den Wirtschaftswissenschaften

1. Heiliger Markt

In den Wirtschaftswissenschaften gibt es ein besonderes Phänomen nämlich die Korruption der gesamten Wissenschaft aus Ideologischen Gründen. Da die Beschäftigten als ökonomisch Abhängige beginnen, und ihre „Wissenschaft“ im Sinne der großen Unternehmer des Landes sein muß, kann die Situation nicht verändert werden. Eine strikte Selektion der Konservativsten über mehrere Jahrzehnte führte zu einer neoliberalen marktradikalen Personalkultur, die selbst Keynesianer nicht mehr akzeptiert. Die Folgen sind in »Was ist schlimm an bürgerlichen Wirtschaftswissenschaften?« beschrieben.

 

2. Korruption — Arbeitslosigkeit und Aufstiegschancen

Leider gibt es Arbeitslosigkeit und einen absichtlich aufrechterhaltenen ökonomischen Erwerbsarbeitszwang. Wer übrig, bleibt rutscht ins Elend. Da das Problem nicht gelöst wird, versuchen die meisten Leute irgendwie an einen Arbeitsplatz in einem regulären sozialversicherungpflichtigen Arbeitsverhältnis zu kommen. Dabei kommen logischer Weise auch unfaire Mittel zum Einsatz. Die Philosophie der Arbeit leidet darunter.

 

Apathie in den Politikwissenschaften

Dogmen

In »Zur Ablehnung der politischen Parteinahme in der bürgerlichen Politikwissenschaft – kleine Kritik des Unpolitischen« unter »Falsche Ideologeme und Informationen« wurden einige Beispielfragen aufgeworfen, die die konservativen Politikwissenschaften nicht beantworten können.

Ähnliches finden wir auf nahezu allen Gebieten.

In den Wissenschaften existieren Dogmen und Moden. Es gibt außerdem Posten und Pfründe zu verteidigen. Wenn wir die materiellen und finanziellen Argumente, die natürlich die primären sind, mal vernachlässigen, kommen wir zu der Frage, warum man Wissenschaft so unterschiedlich betrachten kann und warum sie meistens einseitig betrachtet wird.

Hier ein paar Beispiele, auch aus einer exakten Wissenschaft: Einige Politika der Physik

 

1. Selbsttäuschung durch Wunschdenken

Perpetuum Mobile

Bevor die Hauptsätze der Thermodynamik bekannt waren, war an einem Perpetuum Mobile nichts schlimmes. Man wußte nur nicht, warum sie nicht funktionieren. Heutzutage jedoch scheint gerade die Tatsache, daß es Perpetuum Mobiles nicht geben soll, den Antrieb für eine Vielzahl von Erfindungen zu liefern, die eben jene Hauptsätze verletzen sollen. Immerhin sind davon keine Naturwissenschaftler mehr betroffen. Das Phänomen zeigt jedoch die starke Wirkung des Wunsches.

 

Kalte Fusion

Die kalte Fusion kam noch zu DDR-Zeiten im Westen auf und wurde ein paar Wochen später in der DDR in Dresden „bestätigt“. Kurz darauf war zur Peinlichkeit aller Experimentatoren alles zerschlagen und alles wieder ruhig. Kleinlaut ließ man Gras darüber wachsen. Heute ist die kalte Fusion gegessen und kalter Kaffee – mit dem Unterschied, daß es letzteren wirklich gibt.

 

2. Kollektiver Wahn, Fachidiotie und Unwissenschaftlichkeit

“Quanten-Teleportation”

Wie zur Ergänzung des vorherigen Beispiels wurde postuliert, daß man Materie teleportieren könnte. Tatsächlich können jedoch nur ihre Eigenschaften auf ein exakt vorbereitetes sehr sehr einfaches Target verpflanzt werden.
In Science-Fiction-Filmen wird mittlerweile kommentarlos „gebeamt“ und sogar von „Telekinese“ (Priore in »Stargate«) geschwafelt.
„Entmaterialisierung“, „Sub-“ und „Hyperräume“, sowie Schutzschildtechnologien runden das Filmvergnügen ab. Nur die Physiker, die wir im folgenden wieder betrachten, wissen nicht, wovon die Rede ist. Weitere Beispiele gibt es unter »Was ist schlimm an Mystifizierung?«
Diese Science-Fiction-Ansichten zeigen die Hybris einer ungebildeten verschwenderischen Kultur, die vom unendlichen Energieverbrauch träumt.

 

3. Industriemäßige kommerzielle Ausbeutung einer Lösungsidee

Stringtheorie

Kurz
Die Stringtheori(en) verstoßen derart verschwenderisch gegen Ockhams Razor, daß man sie eigentlich gar nicht mehr zu diskutieren braucht. Dafür, daß viele Arbeitsgruppen weltweit mit unnötiger Mathematik nach Supersymmetrien suchen und Computersimmulationen durchführen, nur um eines Tages zufällig eine Mathematik zu finden, die die Quadratur dieses Kreises schafft, sind die Grundannahmen der Theorie(en) sehr willkürlich bis beliebig.
 

Die Theorie
Die Stringtheorie soll sehr viel leisten. Sie soll die bisherige sehr erfolgreiche Quantentheorie mit der ebenfalls sehr erfolgreichen Allgemeinen Relativitätstheorie vereinen und dabei Supersymmetrien aufdecken. Symmetrien begründen in der Physik Erhaltungssätze und sind daher von zentraler Bedeutung.

Die String”theorie” begann mit der Idee, daß Elementarteilchen durch extrem kleine Saiten (aus reiner Energie (?!?)) repräsentiert wären, denen unterschiedliche Schwingungsanregungen eigen wären, durch die die Teilchensorte charakterisiert wäre. Sehr schnell merkte man, daß das Konzept eindimensionaler Saiten nicht funktionierte, weil die Vielfalt der Teilchen im Standardmodell durch sie nicht darstellbar ist. Daher begann man das Modell um eine Dimension zu erweitern und Membranen zu betrachten, die noch mehr Schwingungsmoden enthielten. Doch auch dieses Modell scheiterte. Daher wurden in der Folge eine Vielzahl von vieldimensionalen Modellen (M-Branen) entwickelt, von denen jedoch auch keines in der Lage war, den gesamten Teilchenzoo des Standardmodells zu beschreiben. Mittlerweile betrachtet man sogenannte Mannigfaltigkeiten (das sind kompliziert geformte und begrenzte Teilräume (eigentlich topologische Räume), die nur lokal einem euklidischen Raum gleichen), welche man mit brutaler Gewalt (Rechenpower) an den Standardzoo anzupassen sucht. Willkürlich Eingerollte Dimensionen sollen Probleme beheben.
 

Ockham
Der Stringtheorie liegt eine Idee zugrunde, die keineswegs durch das Experiment oder durch eine theoretische Notwendigkeit impliziert wurde. Man muß sogar bemerken, daß sie sich nicht einmal überprüfen läßt. Die Idee, schwingender Objekte, deren Art der Anregung einer Teilchensorte entspricht, mag verführerisch sein. – Sie ist jedoch eine fixe Idee! Wenn man eine fixe Idee nicht zufällig bestätigen kann, sollte man sie auf den Müll werfen. Statt dessen wurde sie erweitert und verkompliziert. Alle getroffenen Annahmen sind dabei prinzipiell unnötig.
 

Fazit
Mittlerweile ist die Mathematik dazu so kompliziert und durch die vielen Parameter so allgemein, daß es eigentlich ein Wunder ist, daß noch keine der M-Theorien die Realität zufällig beschreibt. Das führt direkt zu folgendem Schluß:

Nach nunmehr fast 50 Jahren Stringtheorien kann man eigentlich deutlich sagen, daß “die Stringtheorie” gescheitert ist.

Natürlich könnte man erwarten, daß falls wirklich mal eine der vielen Stringtheorien zutrifft, daß man sie dann vereinfacht, und dann eine völlig andere Theorie dabei herauskommt. Dazu ist zu sagen, daß Theorieentwicklung bei der Modellbildung normaler Weise von Notwendigkeiten ausgeht und daß falsche Ideen auch wenn sie noch so gut adaptiert werden, nichts taugen, da sie schlicht die Realität nicht beschreiben.

 

Ganz allgemein – die Vereinigung der ART bzw. der Gravitation mit der QM zur Quantengravitation

Zunächst ist die Gravitation keine Kraft, sondern nach der ART eine geometrische Eigenschaft des Raumes. Somit ist die Vier-Kräfte-Idee, die im Standard-Modell strapaziert wird, Blödsinn. Damit gilt das Gesagte auch für die Quantenschleifengravitation.
Daher ist auch das

 

Postulieren von Higgs-Teilchen

Blödsinn, weil man keinen Higgs-Mechanismus mehr braucht.

 

4. Meßfehler und Irrtümer nicht zugeben wollen

Superluminales Tunneln

Ende der 90er meldete ein Dr. Nimtz, er hätte beim Tunneln von Mikrowellen in einem Wellenleiter die Lichtgeschwindigkeit überschritten. Sofort gab es Liebhaber dieser Idee und Gegner. Schnell wurde eine Veranstaltung im berliner Magnus-Haus, das damals noch der DPG gehörte(1), einberufen.
Dr. Nimtz erklärte, mit einer starken Querschnittsverringerung eine Hindernis im Wellenleiter geschaffen zu haben, an welchem die ausgesandten Wellen reflektiert würden. Ein Vergleichskanal ohne Hindernis wurde als Referenz genommen. Das Ergebnis war, daß der Mittelwert der Mikrowellenfunktion des getunnelten Anteils um winzige Sekundenbruchteile eher eintraf, als der Mittelwert der, der Referenzwelle. Die Zeitdifferenz lag innerhalb der Heisenberg-Unschärfe.
Der Referent Dr. Nimtz behauptete, daß das “Signal” mit Überlichtgeschwindigkeit getunnelt wäre. Sofort gab es Kritiker und Anhänger der These. Es ging hoch her. Eine Phrase von den unkritischen Befürwortern es “superluminalen” Tunnelns habe ich mir gemerkt: ” … weil nicht sein kann, was nicht sein darf …” .
Ein kritischer Theoretiker erklärte ihm, daß es sich um eine Fehlinterpretation handeln würde, weil nur der vordere Teil der Wellenfunktion tunneln würde und dieser Teil noch innerhalb der Unschärfe lediglich einen verschobenen Mittelwert hätte. Das sei außerdem plausibel, da der erste Teil der Welle den Widerstand erst aufbauen würde, der dann zur Reflexion führt. Schon während dieser frühen Veranstaltung wurde Dr. Nimtz von Theoretikern erklärt, daß nur der vordere Teil der Welle das Hindernis überwinden würde, der Rest jedoch reflektiert wurde. Weil es um den Mittelwert der gemessenen Verteilung ging, argumentierte Dr. Nimtz rabulistisch, daß man das Ergebnis quantenmechanisch interpretieren müßte, da jeder Detektor ein quantenmechanischer Detektor wäre.
Mein Einwand, daß das Ergebnis tunneln nur beweisen würde, wenn das getunnelte Signal dieselbe Form hätte, wie das im Referenzkanal, wurde nicht befriedigend beantwortet.
Einige Monate später noch ging die Geschichte durch verschiedene Tageszeitungen und Journale. Dr. Nimtz war mittlerweile bekannt, wie ein bunter Hund. Die Physik war immer skeptischer, in den Medien aber war der Mann immer beliebter. Das Experiment wurde mit anderen Gegenständen des Tunnelns (anderen Wellen) wiederholt.
Viele Wissenschaftler erklärten Dr. Nimtz Irrtum. Es wurde der Unterschied von Phasen- und Gruppengeschwindigkeit diskutiert, sowie die Tatsache, daß der Effekt immer innerhalb der Verteilung des Einganssignals auftrat. Da griff Dr. Nimtz wieder zu einem seiner selbstbetrügerischen Tricks und modulierte eine Sinfonie von W. A. Mozart auf ein Mikrowellensignal und ließ dieses tunneln. Seine Argumentation: “Die Sinfonie ist ein Signal!”
Diese “getunnelte” Sinfonie ließ der Dr. etwa zwei Jahre später öffentlichkeitswirksam als Kassette im Auto laufen, als ein Fernsehteam eine Sendung über ihn machte. Was der Mann nicht bedachte, war die Tatsache, daß seine Mikrowellensignal um sehr viele Größenordnungen hochfrequenter war, als die für das menschliche Ohr in der Sinfonie enthaltenen “Signale”, so daß selbst, wenn man die höchste Shannon-Frequenz der Sinfonie als Signal den Mikrowellen aufmodulierte, das Experiment gar nicht geeignet war, eine Entscheidung über das Tunneln mit Überlichtgeschwindigkeit herbeizuführen, da die Sinfonie aus rein statistischen Gründen mit für das menschliche Ohr ausreichender Information zusammenkam.
Dieser Dr. Nimtz ist heute erstaunlicher Weise Professor. Und wenn dieser Mensch, der jahrelang trotz vieler, vieler Belehrungen an einer falschen Interpretation festhielt, die sich reißerisch in der Boulevardpresse verwerten ließ, doch noch zum Professor berufen wurde, dann zeigt das, daß verrückte Ideen immer eine Menge Anhänger finden und daß Kritik keineswegs zu allen durchdringt bzw. mißachtet wird.
Diejenigen, die Argumente nicht beachten, gibt es nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wissenschaft und einige von ihnen werden sogar Professor. Falsche Interpretationen von Meßergebnissen können vorkommen, Unbelehrbarkeit aber ist eine (wissenschaftliche) Katastrophe. Gleichwohl ist sie Realität und Gegenstand dieses Artikels.
Die Fehlinterpretation ist Wunschdenken und weist auf unscharfe Logik. Je größer der Tabubruch (Ausbreitungsgesetz des Lichtes) desto größer der Wunsch. Je größer der Wunsch, desto schwächer – die Bedenken.

 

5. Euphorie

Superluminale Neutrinos

Fast war die Interpretation allgemein akzeptiert, als sich herausstellte, daß es sich um einen Meßfehler handelte. Nun kann wieder angenommen werden, daß ein bedeutender Teil der Masse von Galaxien von Neutrinos stammt.

 

Fazit

Die Ansicht, daß richtige Wissenschaft unpolitisch sein muß, ändert nichts daran, daß laufend unrichtige Wissenschaft aufgrund von Ideologie, Dogmen, Moden, Sicherung von Pfründen und banaler politisher Beinflusung auf nahezu allen Gebieten praktiziert wird.

Als Marxisten wissen wir, daß der Gegenstand von Wissenschaft sehr politisch sein kann. Immer stärker wird der Gegenstand von Forschung durch privates Kapital bestimmt. Hier sehen wir, daß selbst in der Wahrhaftigkeit der Wissenschaft politisches Potential liegt und daß Politik auch innerhalb der Wissenschaft stattfindet.
Das ist desto mehr der Fall, wenn die Forschungsfinanzierung oder gar die eigene Karriere davon abhängt.
Wenn selbst akademische Moden das Forschungsgeschehen beeinflussen, sind die Manipulationsmöglichkeiten für das Kapital paradiesisch.
Es gab eine Zeit, als das Wort „Drittmittelprof.“ ein Schimpfwort war. Heute brüsten sich Forscher ihrer eingeworbenen Drittmittel, denn der neoliberale Staat fördert gerade diese Einwerbung von Drittmitteln zusätzlich. Auf diese Weise ist eine schlimme moralische Verkommenheit fast der gesamten Forschungslandschaft zustande gekommen. Diese zeigt sich in der Zunahme von rüstungsrelevanten Projekten an Universitäten und Hochschulen.

Ein sehr wesentlicher Grund für die derzeitige Situation ist die Knappheit öffentlicher Arbeitsplätze. Alles, was knapp ist, geht unter der Hand weg. Die Trickserei bringt viele Karrieristen bereits in ihre Positionen. Wer als Schüler bereits Punkte sammelt, wird als Forscher zum Antragschreiber.
Wo Akademikerarbeitslosigkeit herrscht, wird Wissenschaft nicht mit dem Herzen betrieben.

[Evariste]

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