Was sind Ideologeme?

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Definition:
Ideologeme sind Ideologieelemente oder in Phrasen zusammengefaßte Kerne von Ideologien. Dabei kann es sich um charakteristische Worte, Terme oder Wendungen handeln, die mit ideologischer Bedeutung aufgeladen sind.
 

Ideologeme müssen nicht die zentralen Kerne der Ideologien sein. wichtig ist, daß Ideologeme Ideologien anzeigen und daß Ideologien ohne Ideologeme nicht existieren können. Ideologeme sind meist hoch-demagogisch.
Nicht alle Ideologeme verwenden direkte Phrasen. Es gibt Vermeidungs- bzw. Stigmatisierungsideologeme. Ein Stigmatisierungsideologem ist ein negatives Ideologem, dessen Abwesenheit, Nichtexistenz, bzw. Verleugnung oder Negation Teil der Ideologie ist. Oft handelt es sich um stigmatisierte Ausdrücke.
Besonders auffällig sind Ideologeme, wenn sie falsch sind. Ihre Akzeptanz beruht entweder auf Interesse oder auf sozialem Druck.

 

Schlagworte

Ein Schlagwort erspart Argumente.
Der Westen hat aufgrund mangelnder Tiefe ein großes Schlagvortreservoir. Schlagworte dienen der Schlagwortargumentation, ihrer Funktionsweise liegt ein Schlagwortdenken zugrunde. Schlagworte werden in ideologisierten Gesellschaften genutzt, um Wirkungen zu erzielen. Sie bleiben jedoch weit unter dem Ideologem-Status, da sie ihre Ideologie nur interpretieren, nicht jedoch zu ihrer Konstitution beitragen.
In der Praxis kann man sich – insbesondere von Land zu Land – durchaus darüber streiten, was nun ein Schlagwort oder schon ein Ideologem ist.
 

demokratisch, Demokratie – dieses Schlagwort kann sowohl selbstbeweihräuchernd, als auch zur (nachträglichen) Begründung von Kriegen eingesetzt werden. Das geschieht auch und vor allem, wenn es gar keine Demokratie gibt. Politischen Gegnern wird gern vorgeworfen, daß sie undemokratisch wären. Das Schlagwort demokratisch wird am häufigsten in Scheindemokratien benutzt.
 

dynamisch – eigentlich ein kapitalistisches, aber neoliberal häufig aufgewärmtes Ideologem. Es verkörpert unterschwelligen Sozialdarwinismus. Dynamisch zu sein ist zur Floskel geworden, die man in Exposees, Bewebungsschreiben und politischen Reden findet. Es entsteht ein Zwang zur “Flexibilisierung”, der allzu biologisch ausgelegt bis zur Altersdiskriminierung reicht.
 

Ich-AG — neoliberales Schlagwort, das von der absurden und demagogischen Idee der rechtlichen und chancenbezüglichen Gleichberechtigung von Ein-Personen-Dienstleistern und Aktiengesellschaften ausgeht. Das Schlagwort diente nach der Annexion der DDR der Verbreitung der Idee der Selbständigkeit und trieb viele unbesonnene in die Pleite. Nach neoliberalen „Vorstellungen“ kauft der Inhaber der Ich-AG durch Investition gedanklich seine eigenen Aktien und mischt so bereits mit – im großen Spiel.
 

innovativ, Innovation — Forscher, Entwickler, Ingenieure, Architekten und viele mehr müssen Innovativ sein. Dem zugrunde liegt die Vorstellung daß nur die Besten wirklich Würde besitzen. — Also müssen alle die Besten sein. Der Ausdruck Innovation wird lobend, euphemisierend oder werbend genutzt.
 

mobil, Mobilität — (eigentlich) Beweglichkeit; Dem Mobilitätswahn liegt zum einen die Vorstellung zugrunde, daß Gesellschaften mit schnellen Verkehrsmitteln sich am schnellsten bewegen und erfolgreiche Menschen sich am schnellsten und am weitesten bewegen. Der Ausdruck dient aber auch zur Bezeichnung der Bereitschaft für Studium und Beruf weit zu reisen und wird genutzt, um diesbezüglich unauffällig sozialen Druck aufzubauen. Ganz ähnlich wirkt der neoliberale Ausdruck „flexibel“.

 

Kapitalistische Ideologeme

Arbeitgeber – Im Kapitalismus wird der Ausbeuter zum Arbeitgeber, wenn der ideologische Überbau der Produktionsverhältnisse diese als normal erscheinen läßt. Als normal erscheint dabei dem Ausgebeuteten, der Mangel an Arbeit, das zur Ausbeutung der Arbeitskraft notwendige Elend, die besondere Fähigkeit (ihre ungleiche Verteilung) der Ausbeuter Unternehmen zu öffnen und zu schließen und das dem zugrunde liegende Privateigentum an Produktionsmitteln.
 

Arbeitnehmer – Wie unter Arbeitgeber schon erläutert, läßt der ideologische Überbau der Produktionsverhältnisse diese als normal erscheinen. Der Arbeitnehmer, der seine Arbeitskraft verkaufen muß, weil er sich in einer von ihm nicht wahrgenommenen Inszenierung des Elends wiederfindet, wird vom schöpferisch tätigen Produzenten, ideologisch zum nehmenden Parasiten. Wie das Christentum demagogisch die Erbsünde konstruiert, so konstruiert der Kapitalist die Schuld arm zu sein. Sie kann nur vermittels eines direkten Ressentiments (des sozial-chauvinistischen Ressentiments) am Leben erhalten werden.
 

nützlich, Nützlichkeit – in Bezug auf Flüchtlinge – In Bezug auf Menschen bzw. Arbeitskräfte angewandt, hat dieser Term bereits einen festen Platz im Kapitalismus. Leider wird er explizit auch auf Flüchtlinge angewandt, was diese ihrer Menschenrechte beraubt, denn Nützlichkeit wird für Flüchtlinge zur Pflicht. Was soll ein Flüchtling tun, der nicht “nützlich” ist.
 

Privateigentum an Produktionsmitteln – Stigmatisierungsideologem; Obwohl es sich um ein Element kapitalistischer Ideologie handelt, wird der Term kapitalistisch vermieden. Seine von radikal links geforderte Abschaffung ist hingegen kapitalistisch stigmatisiert. Die Verwendung des Terms selbst ist stigmatisiert. Das hat wichtige Gründe. Konnte sich der Adel der Feudalzeit auf ideologisch Hochgeborenheit stützen, Monarchen sich auf göttlichen Willen berufen, können Kapitalisten ihr Eigentum nur durch Akkumulation begründen. Über die ursprüngliche Akkumulation und selbst über die Mechanismen der Akkumulation des Reichtums können sie nicht reden (wollen). Daß sich das Privateigentum an Produktionsmitteln nicht rechtfertigen läßt, weil sie (die Kapitalisten) es auch nicht selbst erzeugt (gebaut) haben können und daß sie es nur mit geraubtem Geld kaufen, oder mit mit geraubtem Geld gekaufter Arbeitskraft erzeugen, konnten, soll nicht zum Thema werden. Effizienteste Verteidungungsmaßnmnahme ist hier das Stigma.
 

Privatisierung — dieser eigentlich fundamental kapitalistische Ausdruck hat im Neoliberalismus eine besondere Bedeutung. Der Raub öffentlichen Eigentums muß dringend euphemisierend bezeichnet werden, da der Neoliberalismus diesen als alternativlos predigt, seinen Charakter jedoch verschleiern muß. Charakteristisch für den Neoliberalismus als ideologische Strategie ist die Herrschaft des Finanzkapitals und (im Gegensatz zur Realwirtschaft) ein dauernd gefährlicher Überschuß an Kaufkraft bzw. (marxistisch:) an fiktivem Kapital. (»Was ist schlimm an Privatisierung?«)
 

Selbstverwirklichung — westlicher – meist euphemisch gebrauchter Ausdruck für berufliches Einzelkämpfertum, Selbtausbeutung und kulturelles Sektiertum.
 

wettbewerbsfähig, Wettbewerbsfähigkeit — dieses wichtige Ideologem ist ein ständig genutztes Schlagwort. Es bezeichnet die (als politische Notverordnung) euphemisierte wirtschaftliche Überlegenheit. Seine Verwendung ist unehrlich. Angesichts der Doktrin der positiven Außenhandelsbilanz erscheint seine Verwendung in der BRD infam. (»Warum eine positive Außenhandelsbilanz ein großes Verbrechen ist«) Wenn die Bundesrepublik Deutschland nicht wettbewerbsfähig wäre, was sollten dann Nigeria, Mongolei, Kambodscha und Belize oder gar Niger, Äthiopien oder Süd-Sudan dazu sagen?

 

Neoliberale Ideologeme

effizient, Effizienz, mehr Effizienz – Wenn Verwaltungen “effiziente” gemacht werden sollen, heißt das auf neoliberal, daß Beschäftigte entlassen werden und künftig wenige die Arbeit vieler machen.
 

flexibel, Flexibilisierung – „Flexibel“ bedeutet biegsam. Länger arbeiten, mehr Überstunden, weniger Bezahlung, weiter zu Arbeit fahren, weiter weg ziehen, Wochenend-Ehe, schlechte Kinderversorgung, mehr Sprachen können, Kurzarbeit bei langen Wegen – all das verstehen Ausbeuter unter dem Euphemismus “Flexibilisierung”. “Flexibler” werden, sollen also die Ausgebeuteten. Diese Ideologem ist Teil neoliberaler Kultur. Es negiert wie der gesamte Neoliberalismus systematisch die Menschenwürde.
 

Kompettitiv – euphemistisch für (besonders) konkurrierend (Siehe Wettbewerb)
 

Rationalisierung – ein besonders zynischer Euphemismus für Entlassungen oder “Einsparungen” von Arbeitsplätzen, da hier die Ratio selbst euphemisch für Menschenverachtung herhalten muß. Rationalisierung meint Ökonomisierung von Produktionsprozessen, Einsparungen von Zeit, Material, Energie und Beschäftigten. Unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen bedeutet meist die Entlassung von Beschäftigten, “Rationalisierung”. Erst im Sozialismus bekommt der Term Rationalisierung seine wahre Bedeutung, da auch Arbeitskräfte, die in einem speziellen Produktionsprozeß als solche freigesetzt werden, anderweitig eingesetzt werden können, womit sich ein Nutzen für die Gesamtgesellschaft ergibt.
 

Standort — Wirtschaftsstandort
 

Wettbewerb – kapitalistischer, aber neoliberal stark verwandter Euphemismus für Konkurrenz. (»Was ist der Unterschied zwischen Konkurrenz und Wettbewerb?«)
 

Wirtschaftsstandort, Standort – Dieses neoliberale Ideologem setzt die Verankerung des konkurrierenden Kampfes um Investoren bereits voraus. Es ist kapitalistisch, weil es das Privateigentum an Produktionsmitteln voraussetzt. Es ist Monopokapitalistische, weil es den Staat und die Öffentlichkeit dem Kapital unterwirft. Es ist neoliberal, weil es das Kapital in besonderer Weise zum Richter über die Tauglichkeit öffentlicher Politik macht und die öffentliche Politik, die Öffentlichkeit selbst und auch die öffentlichen Funktionen der Politik dem Kapital bzw. in der Praxis einzelnen habgierigen Individuen(gruppen) vor die Füße wirft. Es ist antidemokratisch und seine Existenz charakterisiert die geistige Unfreiheit des Volkes.

 

Faschistische Ideologeme

sind so primitiv, daß sie das Kriterium demagogisch zu sein, reißen. Sie bleiben in den Niederungen des beleidigenden Ressentiments und erfüllen die Funktion, eine Ideologie zu begründen oder nur als Term dazu beizutragen, oberflächlich nur für diejenigen, die aufgrund mangelhaften Realitätsemfindens zu den vom Populismus Beeinflußbaren gerechnet werden.
Faschistische Ideologien warten daher mit eklektisch (unpassend zusammengesammelten) dem Hetztarget zugeordneten schlechten und verleumdenden Eigenschaften oder mit schlicht falschen Pseudotheorien auf.

[Evariste]

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