Was ist Zivilisation? (ELL = 0)

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Wie im Englischen, so hat das Wort auch im Deutschen eine Doppelbedeutung. Zum einen bedeutet Zivilisation – abgeleitet von Bürgerlichkeit – Ziviles – also1 menschliches erbarmendes Verhalten. Zum zweiten bedeutet es Kultur im Gegensatz zu Wildnis. Zurück aus der Wildnis sagte man einerseits: „Wir sind wieder in der Zivilisation zurück“. Da man früher einen Vergleich mit technologisch unentwickelten Kulturen zog, bezeichnete man andererseits fremde Kulturen als unzivilisiert bzw. die entwickelte Kultur als zivilisiert. Der zweite Begriff “Zivilisation“ steht also für technologische Entwicklung. Das Wort „Zivilisation“ schwankt meist unbewußt zwischen diesen beiden Begriffen. Im Englischen bezeichnet das Wort „civilization“ nur noch den zweiten Begriff – der erstere ist in Vergessenheit geraten, was besonders am bekannten gleichnamigen Computerspiel deutlich wird, bei dem es um alles andere, als um Zivilisation geht. Es ist klar, daß wer Technologie für Zivilisation hält, in der Regel die technologisch höchstentwickeltsten für „am zivilisiertesten“ hält. Dabei spielt es keine Rolle, ob man selbst Wissenschaftler, Bettler oder GI ist. Die eigene Barbarei wird als gerecht(fertigt) betrachtet. Damit dies nicht auch in Deutschland (so exzessiv) geschieht, soll hier der erste der beiden Begriffe behandelt werden. Wir sagen mal: „Zivilisation I“. Der zweite Begriff „Zivilisation II“ sagt nur, daß irgend etwas Kultiviert wird. Dazu gehört wissen und Technologie. Kultivieren kann man aber auch Barbarei. Das bedeutet, daß Kulturen barbarisch oder zivilisiert sein können.

 

Definition (Zivilisation I):

Zivilisation ist ein gesellschaftlicher Zustand, in welchem Interessenkonflikte gewaltfrei, einvernehmlich und unter Anwendung des Prinzips der vorauseilenden Rücksicht gelöst werden.
Das bedeutet, daß man Interessenkonflikten zuvorkommt, indem man die Interessen anderer Parteien von vornherein so berücksichtigt, als wären es die eigenen. Konflikte können so gar nicht erst entstehen.
Das Gegenteil dieses Zivilisationsbegriffes heißt Barbarei.

 

Bedeutung

Um Interessen anderer wirklich berücksichtigen zu können, dürfen keine feindlichen Ansichten über diese anderen verbreitet sein. Feindschaft schließt Solidarität aus. Unbewußte Feindschaft erkennt man an Respektlosigkeit und Ressentiments.
Ressentiments und Respektlosigkeit weisen daher darauf hin, daß Zivilisation nicht zu erwarten ist.
Gerade Pogrome und Kriege können anhand der Hetze vorausgesagt werden. In der Regel dient die Hetze der nachfolgenden Verletzung von Bürger-, Menschen- oder Völkerrecht.
Zivilisation bedeutet, nicht nur Fremde zu achten, sondern für Fremde Verantwortung zu übernehmen. Dazu sind weiterentwickelte ethische Standpunkte notwendig. Letztlich kann vorauseilende Rücksicht nur durch Menschenliebe zustande kommen.

 

Wie erreicht man Zivilisation?

Wenn Menschen sich einander zum ersten mal begegnen, gründen sich ihre Beziehungen auf diese erste Begegnung. Daher haben sich sinnvollerweise Regeln und formalisierte Umgangsformen gebildet, die zunächst ein formales Vertrauen gewährleisten. Selbst im kapitalistischsten Kapitalismus wäre Handel ohne ein Minimum an formalem Umgang nicht möglich. Selbstverständlich ist das rein formal. Ohne echtes Vertrauen wird kein Handel zustande kommen. Vertrauen aber wächst aus der Praxis. Der Homo Sapiens hat als Hilfestellung umfangreiche emotionale Werkzeuge bekommen, die ihm helfen, Situationen einzuschätzen und Vertrauen zu leben. Da auch Mißtrauen gelebt werden kann, sind barbarische und zivilisierte Verhaltensweisen – bzw. in Wechselwirkung gedacht – barbarische und zivilisierte Gesellschaften denkbar. Aufgrund dieser Tatsache eskalieren gesellschaftliche Entwicklungen und wer das versteht, kann die Richtung beeinflussen.
Was tun’ wir also, wenn wir ein Volk besuchen, das wir noch nie gesehen haben? – Wir machen ein Geschenk. Das Geschenk, wenn es relevant ist und auf lange Sicht, wenn es ehrlich ist, leitet den Erfolg der Beziehungen ein.

Barbaren sprechen auch von Zivilisation oder von Frieden, statt jedoch Geschenke zu machen, lügen sie oder hintergehen ihr Gegenüber.
 

Leute, die politisch rechts stehen, versuchen menschliche Beziehungen mit Zwang und Strafe zu regulieren. Linke tun das anders. Sie arbeiten mit Freundschaft und Belohnung.
Ein Regelsystem, das nur positive Sanktionen kennt, ist wirkungsvoller, als eines, das nur straft. Zwang und Strafe beinhalten Menschenverachtung.
Zivilisation entsteht durch Erziehung in einer sozial sicheren und konstruktiven Umgebung. In einem durch Krieg zerrütteten Land kann keine Zivilisation entstehen. In einem sehr kapitalistischen Land, in dem einer der Feind des anderen ist, geht Zivilisation verloren.
Um zivilisiert zu werden , muß ein Mensch in Frieden und Sicherheit aufwachsen. Frieden und Sicherheit werden nur durch Linke garantiert.
Nur wer politisch links steht, ist zivilisiert!
 

Elend des Kapitalismus

In der BRD werden Arbeitslose ohne Richterbeschluß von Sachbearbeitern bestraft, Flüchtlinge durch Inhaftierung und Elend abgeschreckt. Die Strafen verringern das das Einkommen unter das Existenzminimum. Lohnabhängig Beschäftigte sollen durch Hartz IV abgeschreckt werden.
Die BRD ist unzivilisiert.
Kapitalisten stehen rechts, weil sie für Ungleichheit sind.
 

Elend des Imperialismus

Sie überfallen sie den Irak. Zwei Billionen US-Dollar hat sie dieser Krieg gekostet. Hätten die Vereinigten Staaten die vielen Hunderte von Milliarden Dollar, die sie in den Krieg investiert haben, verschenkt, hätten sie dafür den Irak, Saddam Hussein und Afghanistan geschenkt bekommen.
Es ging jedoch nicht um Völkerfreundschaft.

 

Ein schönes Beispiel dafür, was Zivilisation nicht ist, zeigt die radioaktive Kriegführung, die die NATO an den Tag legt, wenn sie bombardieren darf (»Was ist schlimm an DU-Munition?«). In diesen Kriegen, die immer selbstverständlicher geführt werden und gerade auch die BRD immer mehr in einen dauerhaften Kriegszustand verwickeln, der (dort) Krieg und (hier) Frieden gleichzeitig ist, werden immer mehr extralegale Tötungen organisiert, die mit den Regeln des Krieges nichts mehr zu tun haben. Der Einsatz von Drohnen über Ländergrenzen hinweg ist für die skrupellosen imperialistischen Militärs sehr verführerisch – insbesondere, wenn die betroffenen Länder keine hochentwickelten Radarsysteme besitzen. Drohneneinsatz ist Staatsterrorismus2.
Ebenfalls ein Phänomen der letzten zehn Jahre ist der Einsatz abgereicherten Urans in Geschossen und bunkerbrechenden Bomben. Hat man die „Feinde“ in den70er Jahren (biszur Jahrtausendwende) noch chemisch vergiftet3, so werden sie seit den 90ern radioaktiv verseucht. Imperialisten sind Massenmörder.
Zivilisation erreicht man, indem man den Kapitalismus abschafft.

 

Was ist (alles) zivilisiert?

In einer zivilisierten Welt, wird so gehandelt, daß die Handlungen auch zum Nutzen der anderen sind. Es wird insbesondere der Nutzen für einen selbst nicht über den Nutzen für alle gestellt. Niemand zivilisiertes verschafft sich also einen Vorteil auf Kosten anderer.
Zivilisation bedeutet, das Zusammenleben vieler Menschen ganz selbstverständlich zum Nutzen aller zu organisieren. Das ist so zu verstehen: wenn man es nur so organisiert, daß dabei niemandem etwas passiert, reicht dabei nicht aus! Der Einzelne wäre dann weiterhin auf seinen Vorteil bedacht und einige würden sich durchsetzen. Vorteil bedeutet: Ein vor-Teil vor einem anderen. Nur wenn der andere auch an mich denkt, bin ich sicher! Im Kapitalismus gehört der Vorteil (das Übervorteilen) zur Ideologie, zum common sense zum guten Ton. Jemanden zu übervorteilen bedeutet erfolgreich zu sein. Daher ist der Kapitalismus unzivilisiert. Die Barbarei entspringt dem Partikularinteresse. Partikularinteresse ist im Kapitalismus eine heilige Kuh. Zivilisation und Kapitalismus vertragen sich nicht!

 

Internationale Beziehungen (Vergleich DDR – BRD)

Währende der Kapitalismus fremde Länder ausplündert und Kulturen zerstört, hat man im Sozialismus die Idee, es ganz anders zu machen. Der RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe; westdeutsch auch vulgär: „Warschauer Pakt“) war gegründet auf die Idee des Handels zum gegenseitigen Vorteil. Während also die BRD bereits zur Zeit des deutschen Reiches die Doktrin einer positiven Außenhandelsbilanz verfolgte und dies bis heute tut, hat die DDR stets Handel zum gegenseitigen Vorteil getrieben. Die DDR half Entwicklungsländern und zahlte regelmäßig den völkerrechtlich festgelegten Obolus von 0,7 % des BIP. Sie half bei der Ausbildung von Arbeitern und Ingenieuren aus Entwicklungsländern und hätte der Imperialismus deren Entwicklung nicht hintertrieben, dann hätte sie in Afrika, Asien und Lateinamerika Früchte getragen – so, wie in Kuba. Die DDR war ein Friedensstaat. Die DDR – ein sozialistischer Staat war zivilisiert!
Die BRD (Bundesrepublik Deutschland) hingegen ist ein vollkommen unzivilisiertes Land. Sie verursacht allein durch Handel, Wirtschafts- und Patentrecht Hunger und Krankheiten in großen Teilen der Welt. Die Außenhandelsbilanz führt zu einer verbrecherischen Verschuldung vieler Länder. Waffenproduktion und -handel vergrößern Instabilität und Elend in der Welt. Jedoch läßt es die mörderische BRD nicht beim Waffenhandel bewenden. Nach der Vereinigung und der Entlassung aus der Kontrolle der Alliierten, führt sie nun auch wieder Krieg. Davor gab es ausländische Tote durch Staatsgewalt „lediglich“ an der deutsch-polnischen Grenze, in Abschiebehaft und nach Auslieferung durch Abschiebung an gefährliche Länder. Ca 330 starben so in den etwa zehn Jahren, bis durch das Schengen-Abkommen die Außengrenze verlegt und die schmutzigen Verbrechen (an die Peripherie Europas) verlagert wurden. Durch die Vorverlegung der Grenze um einige tausend Kilometer sterben heute eintausend bis eintausend-fünfhundert Menschen jährlich durch Ertrinken. Legt man diese Zahl der Toten auf alle EU-Mitglieder um, kommt man für die BRD auf einen neuen Rekord an ausländerfeindlich zu Tode gekommenen. Der FRONTEX-Einsatz, der das Ertrinken zum größten Teil verursacht, war eine deutsche Idee. Die neuen Kriege seit 1999 fordern derzeit mindestens noch einmal so viele Opfer durch deutsche Soldaten.
Die BRD hat den Irakkrieg, der inzwischen 1, 5 Millionen Opfer gefordert hat, von Anfang an unterstützt.
Die DDR hat niemals Krieg geführt.
Ein sozialistischer Staat, wie die DDR hat niemals Flüchtlinge erschossen, die vor Elend und Gewalt flohen, und ein unschuldiges Leben führen wollten.

 

Kultur und Soziales

Die Erbarmungslosigkeit der westdeutschen Gesellschaft wird nicht nur am Umgang mit Flüchtlingen deutlich, sondern auch an der Obdachlosigkeit, der Arbeitslosigkeit und dem Umgang mit Mietschuldnern. Die institutionalisierte Gleichgültigkeit wird kenntlich durch Analphabetenrate, Lehrstellenmangel, Frauen- und Kinderarmut, einem ständigen Drang zum Sozialabbau4, vielem mehr und neuerdings dem Drang alles, was der öffentlichen Daseinsvorsorge dient, zu privatisieren bis hin zur Behinderung gesetzlicher Krankenkassen. Diese unfaßbare (westdeutsche – weil kapitalistische) Barbarei ist vor allem für Frauen und Kinder aus ehemaligen sozialistischen Staaten ein Kulturschock. Die Schließung von Bibliotheken und Schwimmbädern, die Verringerung der Bildung und der Lesefähigkeit der Bevölkerung in der BRD zeigen klar, daß Zivilisation nicht Sache der kapitalistischen Bundesrepublik, sondern nur Sache der sozialistischen DDR ist. Kapitalismus und Zivilisation schließen sich aus – bzw. eine Zivilisierung der BRD – wenn sie stattfindet, wird den Kapitalismus beenden.

 

Denn wie sagte bereits Rosa Luxemburg:

 

Sozialismus oder Barbarei!

 

 

Siehe auch

»Was ist Zivilisation?« (ELL = -2)
 
[Evariste]
 

1 … im Unterschied zu militärisch
3 Vietnam Agent Orange (Dioxin); Jugoslawien Vinylchlorid/Phosgen, Dioxin; Irak Phosphor
4 Nur um den Textfluß nicht zu behindern, erinnern wir hier per Fußnote an die üble „Rentenreform“ der Schröder-Legislaturperiode, die die bisherige staatliche Rente des bisherigen Schaufensterkapitalismus auf eine z. T. private Basis stellte, an die sogenannte „Gesundheitsreform“, die Hartz-Gesetze und wei tere erfolgreiche Maßnahmen, zur Vergrößerung des Elends im Kapitalismus ankoppelte.

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