Was ist Zionismus?

Wörter: 1119; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke
Geht man von Theodor Herzl dem Urheber und Gründer des Zionismus aus, so handelt es sich um eine organisierte Selbstverteidigung gegen die Bedrohungen aller Juden auf der Welt, die eine Lehre aus dem Holocaust – dem sehr weitgehenden Ausrottungsversuch durch die Nazis ist.

Fragt man gestandene Linke, heißt es: „.. von Anfang an eine bürgerlich kolonialistische Ideologie“.

Wir machen eine heutige Bestandsaufnahme. Dazu holen wir weit aus.

 

Lehren aus dem zweiten Weltkrieg

Was viele sehr Linke schon früher wußten:

  • Das Kapital macht den Krieg.
  • Der Faschismus kommt vom Finanzkapital.
  • Das Kapital kennt weder Freund noch Feind, aber es ist der Feind des Volkes1.
  • Faschismus ist extrem rechts.

 

Der zweite Weltkrieg hat uns Linke dann einige prinzipielle Sachen gelehrt:

  • Rassismus nützt dem Kapital.
  • Nationalismus nützt dem Kapital.
  • Völkische Gesinnung nützt dem Kapital.
  • Die Gleichberechtigung der Frau ist links und nur links.
  • Faschisten sind Massenmörder, die zunächst den politischen Gegner liquidieren und in der darauf folgenden Terrorherrschaft dann nach Belieben Lieblingsfeinde umbringen. Daher wurden zunächst Kommunisten verhaftet, dann Sozialdemokraten und Gewerkschafter, dann die Gewerkschaften verboten, dann Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle und Behinderte diskriminiert und schließlich – gut oder schlecht versteckt – umgebracht. In den KZs wurden außerdem jede Art von Antifaschisten, aufsässige Christen, gewöhliche Verbrecher und viele andere eingesperrt und umgebracht.
  • Krieg kommt vom Kapitalismus.

 

Was außerdem die Bürgerlichen heute noch wissen

  • Biologismus und Euthanasie sind irgendwie schlecht.
  • In den KZs wurden viele Menschen umgebracht.
  • Juden wurden umgebracht und man wollte sie ausrotten.
  • Religiöse Toleranz ist wichtig.

 

In einer am 20. Januar 2012 gehaltenen Gedenkrede sagte der CDU-Politiker Christian Wulff in den KZs wären Juden umgebracht worden. Andere Opfer nannte er nicht. Diese Verkürzung auf die größte Gruppe der Ermordeten wird immer häufiger.

 

Was die Juden in Deutschland noch wissen

Die deutschen Juden haben als vom Holocaust Betroffene einen in der Regel hohen Bewußtseinsstand. Viele setzen sich gegen Neonazismus ein. Einige, die zum Establishment gehören, oder gehören wollen, stehen rechts und schmeißen mittlerweile rechts und links in einen Topf. Die rechten Juden sind teilweise für Angriffskriege und finden die imperialistische Armee gut.
 

Das Schnittbewußtsein der deutschen Juden ist daher gering:

  • Die Nazis wollten die Juden ausrotten.
  • Die bösen Faschisten sind rassistisch, nationalistisch und antisemitisch.
  • Faschisten sind die direktesten akutesten und schlimmsten Antisemiten.
  • Religiöse Toleranz ist wichtig.
  • Rassismus ist schlecht.
  • Nationalismus hört sich schlecht an und ist ein schlimmer Vorwurf.

 

Dieses Schnittbewußtsein ist jedoch wichtig für die Politik des Zentralrates der Juden, da der nur das tun kann, was Konsens ist.

 

Was israelische Juden wissen

Israelische Juden haben nur im seltenen Einzelfall noch gute Kenntnisse über den Faschismus und seine Ursachen. Gerade rechte Juden mystifizieren „Auschwitz“ gern als „singuläres Ereignis“. Das Schnittbewußtsein sieht daher folgender Maßen aus:

  1. Die deutschen Nazis wollten die Juden ausrotten,
  2. Viele oder alle sind gegen uns Juden. – Es gibt viel Antisemitismus in der Welt
  3. Rassismus hört sich schlecht an und ist ein schlimmer Vorwurf.

 

Was ist den israelischen Juden verloren gegangen?

Die wichtigsten Lehren der Linken, über die Ursachen von Faschismus und Krieg kennen die israelischen Juden nicht. Die Ablehnung von Rassimus, Nationalismus und völkischer Ideologie ist ihnen leider fremd. Der Begriff des Faschismus ist ihnen fremd. Der Unterschied2 zwischen Faschist und Nazi ist ihnen nicht geläufig.

 

Zionismus in der Entwicklung

Der Zionismus, der sich zunächst gegen Faschismus, dann gegen Antisemitismus richtete richtete sich später gegen arabische Staaten, in derer vielen sich leider durch die Konfrontation Antisemitismus zur echten Gesellschaftsfähigkeit ausweiten konnte, und ist heute ein Mittel zur Bekämpfung äußerer und innerer Nicht-Juden bzw. neuerdings auch nicht völkisch gesinnter Juden.

Der moderne Zionismus ist völkisch, nationalistisch und religiös fundamentalistisch.
 

Wie ist das zu erklären?

Die Idee, daß die Juden ein Volk sind, ist von den Nazis induziert worden. Gegen diesen Gedanken hätten die Juden Widerstand leisten müssen. Nachdem die friedlichsten und intelligentesten Juden ausgerottet waren, wurde aus einer Religionsgemeinschaft ein Volk. Durch Angst, den ständigen Kampf ums Land und durch die Versteifung einiger Fundamentalisten auf entsprechende religiöse Glaubenssätze hat die Idee das Volk zu schützen sich verwandelt in eine Landnahme- und Eroberungsideologie. Der „völkische“ Gedanke breitete sich durch seine praktische Bedeutung in der täglichen Politik von der Religion auf die Politik aus. Auf diese Weise ist eine rechtsextreme Gesinnung entstanden – bzw. hat sich ausgebreitet.
 

Hegemonialer Rechtsextremismus

Seit ca. zwei Jahrzehnten wird in Israel mehrheitlich rechtsextrem gewählt. Palästinenser werden diskriminiert, und ethnisch vertrieben. Man kann aufgrund der systematisch geringeren Menschenrechte von einem Apartheidstaat reden. Die systematische ethnische Vertreibung der Palästinenser erinnert an die Lebensraum-im-Osten-Srategie der Nazis. Der sich entwickelnde Rechtsextremismus ist naturgemäß militant, militaristisch und erbarmungslos.

Am 10.01.2012 hat das israelische Parlament ein strenges Gesetz gegen illegale Einwanderung verabschiedet, das sich gegen afrikanische Flüchtlinge richtet. Flüchtlinge ohne Aufenthaltsgenehmigung können künftig bis zu drei Jahre ohne Prozeß festgehalten werden3. Wer Flüchtlingen hilft, kann mit Freiheitsstrafen zwischen fünf und fünfzehn(!!) Jahren bestraft werden. Das ist völkischer Nationalismus! Benjamin Netanjahu nannte den Anstieg der illegalen Einwanderung „eine Geißel des Landes“.

Die Regression geht soweit, daß mittlerweile in Landesteilen sogar jüdische Frauen diskriminiert werden und nicht mehr mit Männern zusammen im Bus fahren dürfen.
 

Jahrzehntelange schlimme Politik

Viele Palästinenser, die vertrieben wurden, leben in Flüchtlingslagern. Sie sind dort den Lebensgesetzen, die in einem Flüchtlingslager herrschen, unterworfen. Kriege und die Zerstörung fremder Kulturen prägen die Geschichte Israels, der letzte Krieg gegen Libanon fand ohne erkennbaren Grund statt. Derzeit interveniert Israel mit Söldnern in Syrien und hetzt zum Krieg gegen den Iran, weil dieser Palästinenser, Hamas und Hisbollah unterstützt. Die fortgesetzte ethnische Vertreibung der Palästinenser erfolgt gegen alle UNO-Resolutionen und fußt auf einem rechtsextremen Selbstverständnis, das die eigene militärische Stärke ausnutzt und von Fundamentalisten religiös begründet wird.
 

Was unterscheidet das rechtsextreme Judentum in Israel noch von den Nazis?

  • Verhaftung aller Linken,
  • Biologismus,
  • Weltkrieg und
  • Vernichtungslager.

 

Vergleich DDR-BRD-Israel

In der DDR war außer dem Krieg auch Hetze gegen andere Völker verboten. In der BRD ist immerhin noch die Hetze zum Krieg (theoretisch) verboten. In Israel ist völkische Ideologie gesetzlich verankert und Werkzeug im Krieg.
Entsprechend den (praktisch gezogenen) Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg kann man das Selbstverständns der drei Staaten so ausdrücken:
 

DDR: Für Frieden und Sozialismus!
BRD: Für Kapitalismus und Freiheit zum Krieg um Märkte und Rohstoffe!
Israel: Das gelobte Land gehört nur uns!
 

Der Staat Israel hat keine Lehren aus dem zweiten Weltkrieg gezogen, obgleich er eine Konsequenz der Naziherrschaft sein will.

 

Was ist Zionismus heute?

Zionismus ist religiös verbrämter völkischer Nationalismus!

[Evariste]

 

1 Volk = Volk2 ist Volk im lateinamerikanischen Sinne → hierzu kurz »Einige Probleme mit der Übersetzung von politischen Begriffen« ganz oben.
2 → »Was ist Faschismus?« Ganz unten in »Was sind Nazis?«.
3 jW vom 11.01.2012, S.6

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