Was ist schlimm an privater Eisenbahn? – Noch immer ist die Bahn privat!

Wörter 1535; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten
Der zunehmende CO2-Gehalt der Atmosphäre erfordert nicht nur eine drastische Reduzierung, des CO2-Ausstoßes, sondern sogar eine Reabsorption des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre. Vor diesem Hintergrund ist die Privatisierung und damit Kommerzialisierung der Bahn eine Katastrophe. Wie in »Was ist schlimm an „Privatisierung“?« erläutert, bewirkt die „Privatisierung“ eine Zerstörung der bisherigen gesellschaftlichen Funktion des privatisieren Betriebs. Privatunternehmen sind ausschließlich gewinnorientiert. Gesellschaftliche Forderungen an Privatunternehmen sind unrealistisch. Daher ist eine private Eisenbahn immer unökologisch, wie auch unsozial.

 

Was wären gesellschaftliche Anforderungen an eine ökologische Bahn?

  • Die Bahn muß für „Kunden“ attraktiv – also preiswert gemacht werden.
  • Gewinnorientierung stört da, da Gewinne abgeführt werden.

  • Die Bahn muß mit hohen Taktdichten und neuen Strecken gut verfügbar für alle sein.
  • Hohe Taktdichten und die Erschließung und Versorgung entlegener Gebiete ist nicht gewinnbringend. Das, was Private an Gewinnen abschöpfen, müßte genau hier investiert werden.

  • Die Bahn muß mit andern Verkehrsmitteln verzahnt sein.
  • Das kriegen Privatunternehmen nach öffentlicher Kritik mitunter gerade noch hin, besser ist aber eine öffentliche Planung.

  • Die Bahn muß sicher sein und eine hohe Verfügbarkeitsrate haben.
  • Ausreichendes und gut bezahltes Personal muß die hohe Verfügbarkeit und die Sicherheit der Verkehrsmittel sicher stellen. Das Personal sollte ausgeschlafen und motiviert sein. Überstunden und Ausbeutung durch Gewinnorientierung stören da.

  • Die Bahn muß für Gütertransport attraktiv sein.
  • Für die Preisbildung gilt hier dasselbe, wie für den Personenverkehr.

  • Die Bahn muß die gesamte Bevölkerung versorgen:
  1. Stillgelegte Bahnhöfe und Gleisanlagen müssen instandgesetzt und in Betrieb genommen werden.
  2. Private Konzerne lassen Bahnhöfe und Anlagen verfallen.

  3. Entlegene Ortschaften müssen mit Bahnhöfen versorgt werden.
  4. Nur, wenn ein Bahnbetrieb nicht gewinnorientiert arbeitet, kann dieser Anforderung entsprochen werden. Für den Kampf gegen den Individualverkehr ist dieser Punkt von größter Bedeutung.

  5. Hauptgleise müssen verdichtet – also z. B. durchgeführt oder wiedererrichtet (z. B. Świnoujście-Usedom) werden, Nebengleise wieder in Betrieb genommen und verbunden werden.
  6. .
    Eine feinstrukturierte Versorgung gerade auch abgelegener und abgeschnittener Gegenden kann nur durch öffentliche Verkehrsbetriebe gewährleistet werden.

  • Die Bahn muß auch für kleine Gütertransporte Lösungen haben.
  • Konzentration auf Hauptgeschäfte, von denen nur große oder viele Kunden abhängig sind, widerspricht dieser Anforderung.

  • Das fein verzweigte Streckennetz, das auch mittlere und kleine Betriebe versorgt, muß erhalten bleiben.
  • Genau das verfällt derzeit mit allen Weichen und Anlagen, wie auch viele kleinere Bahnhöfe, die früher genutzt wurden.

    Diese gesellschaftlichen Anforderungen können von einem Privatunternehmen nicht erfüllt werden, weil das Privatunternehmen die Preise für seine Leistungen selbst festlegt und dadurch eben nicht für die Erfüllung gesellschaftlicher Anforderungen bezahlt wird. Der Sinn eines Privatunternehmens ist es Profit zu erwirtschaften und nicht, die Gesellschaft, das Leben der Menschen zu verbessern oder die Umwelt zu schützen. Die Festlegung der Fahrpreise geschieht entsprechend den für Privatunternehmen üblichen Gewinnoptimumberechnungen. Alle Zusatzfunktionen (Fahrpreisermäßigungen, Verkehrsverbünde, …) müssen vom Staat mühsam ausgehandelt und vor allem vergütet werden. Von diesen Vergütungen wird sofort ein Gewinnanteil an die Aktionäre berücksichtigt. Dieses Elend gibt es bei öffentlichen Bahnen nicht.

    Auch die Kontrolle von Radreifen und anderem erfordert Personal. Mehr Personal denkt mehr mit und verbessert die Verfügbarkeit des Systems und schafft Reserven bei hohem Krankenstand z. B. im Winter.
    Ein Privatunternehmen wird nur die Not seiner Kunden (wo immer sie herkommt) ausnutzen. Diese Not entsteht nur, indem man Takte ausdünnt und nur Strecken versorgt, auf die Menschen oder Firmen unbedingt angewiesen sind. Wenn eine Lenkungswirkung hiervon ausgeht, geht sie natürlicher Weise in die falsche Richtung. Die Menschen, die zuverlässige Transportmittel benötigen, kaufen sich Autos.

     

    Privatisierung“

    Als die Bahn privatisiert wurde, hat die Bahn 90 % ihrer Geschäftsbereiche abgebaut. Seitdem werden kleine, seltene und entlegene Kunden nicht mehr versorgt. Große Teile des Güterverkehrs werden heute über die Straße abgewickelt. Statt dessen versucht man sich nur auf Bereiche zu konzentrieren, von denen Kunden abhängig sind und die lukrativ sind. Spediteure profitierten von dieser Entwicklung enorm, da durch diese „Privatisierung“ (CDU, CDU, FDP, SPD) enorm viel (Güter-, … -) Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wurde.
    Begleitet wurde die „Privatisierung“ von viel Propaganda, welche von den Lobbyisten mit bezahlt wurde.

     

    Gewinne und Subventionierung

    Der Zweck der „Privatisierung“ ist es natürlich, die Gewinne zu privatisieren. Dabei ist es praktisch weltweit so, daß Eisenbahn, wo sie existiert aufgrund der enorm wichtigen öffentlichen Funktion subventioniert wird. Einen stark subventionierten öffentlichen Betrieb zu privatisieren ist daher unlogisch. Wenn also korrupte Politiker ein Unternehmen mit extrem wichtiger gesellschaftlicher Funktion verhökern, obwohl klar ist, daß auch in Zukunft noch Subventionen fließen, dann ist das eigentlich Veruntreuung. Die Unternehmen — i. d. R. Aktiengesellschaften — entscheiden selbst über die Gewinnausschüttung. Diese kann selbst wenn das offiziell ausdrücklich nicht so sein sollte, aus den Subventionen getätigt werden, da man ja Mittel umschichten kann.
    Es ist nicht einzusehen, daß einige wenige, ohne, daß die subventionierende Öffentlichkeit da etwas mitzureden hätte, sich aus dem Topf der Subventionen bedienen kann.
    Der Grund, warum das so ist, ist die Heiligkeit des Eigentums im Kapitalismus.

     

    Derzeitiger Zustand der Bahn

    Durch den Saboteur Mehdorn wurde soviel Personal abgebaut und soviel an der Bahn selbst eingespart, daß ein gefahrloser Betrieb der mittlerweile nicht mehr möglich ist. Dieser Verfall ist wie schon in »Was ist schlimm an „Privatisierung“?« beschrieben, ein Leben von der Substanz, das um des kurzfristigen Profites willen bis zu totalen Unbrauchbarkeit der finanziell ausbeutbaren Ressource Bahn getrieben wird. Aufgrund der gesellschaftlich wichtigen Funktion der Bahn können die Vorstände und Aktionäre darauf hoffen, daß der (dumme) imperialistische Staat immer wieder Mittel zuschießt um den Betrieb, aus dem ständig Gewinne abgezweigt werden, aufrecht zu erhalten.

    Die Bahn verfällt also. Das zeigt sich auch am Zustand sanitärer Anlagen, von Eisenbahntüren und der Bahnhöfe. Die Konkurrenz hilft hier nicht, sie schadet! Da die Konkurrenz nicht über das Streckennetz verfügt, muß sie einen Preisunterbietungskampf führen. Dadurch muß die Bahn Personal einsparen., was ihren Zustand nicht verbessert.

     

    Beispiel {
    Berliner S-Bahn

    Ganz ähnlich verhält es sich bei der Berliner S-Bahn, die allerdings auch zu einem großen Teil noch in öffentlicher Hand ist. Bekannt ist bereits das eklatante Sicherheits- und Reparaturdefizit, das auch auf mangelnde öffentliche Kontrolle, vor allem aber auf den privaten Charakter des Unternehmens zurückzuführen ist. Durch die Einsparung von Weichen und Triebwagen ist außerdem ein Zustand entstanden, in welchem der Mangel schlecht aufgefangen werden kann, und Züge nicht mehr in die Werkstätten fahren können. Die BVG hat sich selbst matt gesetzt.
    Vor der Zusammenlegung von BVB und BVG hat die CDU Werbung für eine Privatisierung gemacht und versprochen, daß Privatunternehmen alles besser und billiger machen würden. Es wurde sinngemäß behauptet, daß Privatunternehmen alles besser machen würden und bei Staatsunternehmen „Schlendrian“ herrschen würde. Wer »Was ist schlimm an „Privatisierung“?« gelesen hat, weiß, daß das von einem theoretischen Standpunkt her, schon lachhaft ist. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die BVG wird seither betrieben, wie ein privates Unternehmen und wird statt gefördert zu werden, vom verschuldeten Land ausgebeutet. In Berlin sind die Fahrpreise seither immer nur teurer geworden. In der DDR hat eine Fahrkarte für eine einmalige Fahrt durch das gesamte Netz 20 Pfennige gekostet. Nach der Konterrevolution gab es „Umweltkarten“ (Monatskarten), die im Monat 5,- DM gekostet haben. Heute kostet eine Umweltkarte ohne Abo ab 74,- € bis 120,- €. Die BVG ist wie die private DB „schweineteuer“! Die S-Bahn ist seit 1990 verfallen. Die Qualität ist der Theorie gemäß durch Verfall und „Ökonomisierung“ schlechter, das S-Bahnfahren gefährlicher geworden.
    }

     

    2014
    Kontinuität der Verschlechterung

    Die als Vorstandsvorsitzende getarnten Saboteure Mehdorn und Grube verschlechter(te)n die Geschäftsfelder und das Angebot der Bahn jedes Jahr. Im Jahre 2014 wurde die letzte Automitnahmemöglichkeit gestrichen. Eine Automitnahme ist öklogisch eine CO2-Ersparnis. Sie ist insbesondere dann (relativ1) sinnvoll, wenn bergiges Gebiet überwunden werden soll.
    2014 ist auch die Abschaffung der Schlafwagen im Bahnkonzern in der Diskussion.

     

    Einsparungen

    Insbesondere die Einsparung von Personal und die Einsparung vorgehaltener Reserven sind typisch für „privatisierte“ Betriebe und wirken sich in der Regel katastrophal aus. In öffentlich kontrollierten Betrieben, welche über eine definierte öffentliche Funktion verfügen, kann so etwas nicht vorkommen, da nicht der Profit, sondern die öffentliche Funktion des Betriebes im Mittelpunkt steht.

     

    Fazit

    Vor allem für die Umwelt, das Klima und die Entwicklung von Effizienz im Verkehr sind Privatunternehmen mit Gewinninteressen Gift. Folglich sind „Privatisierungen“ im Verkehrsbereich absurd.
    Die Qualität der Leistungen wird bei „Privatisierung“ nicht besser, sondern immer schlechter, die Leistungen teurer. Wie bei anderen „Privatisierungen“ auch, kommt es zum Verfall der vorher öffentlich aufgebauten Infrastruktur. Wegfall öffentlicher und gesellschaftlicher Funktionalität prägt die „privatisierte“ Bahn. Streckenstillegungen und die Konzentration auf Strecken, auf die viele Menschen angewiesen sind und der Weiterbetrieb dieser mit sehr wenigen Zügen und unkomfortabler Taktdichte (sehr vollen Zügen auf nur wenigen Strecken) sind so typisch wie Entlassungen und stärkere Ausbeutung des Personals.
    Gepflegte Einrichtungen gibt es im Privatbereich nur da wo man für ein sehr begütertes Publikum einen Restbetrieb aufrecht erhält.
    Ganz typisch ist der Wegfall wichtiger Leistungen für die Allgemeinheit gegenüber dekadenten Luxusangeboten für enge Zielgruppen.

    Aus Klimaschutzgründen sollte die Bahn sofort verstaatlicht werden!
    Sowohl bei DB als auch bei der BVG liegt ein Teil der Aktien noch in öffentlichen Händen. Der private Teil muß zurückgewonnen werden!
    [Evariste]
     

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