Was ist schlimm am Konsumismus? – Konsumismus, Bildung und Demokratie

Wörter 1319; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten

Im Kapitalismus hat der sogenannte kleine Mann zwei Funktionen:

  1. zu arbeiten, seine Ware Arbeitskraft zu Markte zu tragen und sich ausbeuten zu lassen,
  2. zu konsumieren, sein erworbenes Geld auf den Markt zu tragen und für diejenigen Produkte zu opfern, die dort losgeschlagen werden sollen.

Diese zweite Funktion gehört eigentlich zur ideologischen Grundausstatung des Kapitalismus. Aufgrund eines nahezu perfekten Systems der Manipulation zum Konsum haben die dekadenten Kapitalisten heutzutage vergessen, wie wichtig der Konsum für das Funktionieren einer kapitalistischen Wirtschaft ist. Wir werden hier auf die Beeinflussung der Menschen zum und durch den Konsum eingehen und die Folgen für Bildung und Demokratie diskutieren. Die unkritische Haltung zum Konsum nennen wir Konsumismus und dieser wird hier diskutiert.

 

Das Elend – die systematische Erziehung zum Konsum

Das Elend (→ »Was ist Verelendung?«) fängt früh an. Viele uninformierte – vor allem aber sogenannte bildungsferne Eltern lassen ihre Klein- und Kleinstkinder vor dem Fernsehgerät sitzen, statt die Existenz dieses Gerätes vor ihnen geheimzuhalten. Die erste Wirkung, die dieses Gerät erzielt, ist die Erziehung des Kindes vom Interaktiven Agenten zum passiven Konsumenten. Wenn das Kind dem Fernseher zum ersten mal begegnet, wird es zum Schirm gehen und versuchen, die dargestellten Gegenstände zu berühren. Es lernt in weniger als zwei Stunden, daß das vollkommen sinnlos ist. Die zweite – und ebenfalls sehr frühe – Lektion, die das Gerät dem Kleinkind erteilt, ist die, daß es nicht alles versteht und die dritte Lektion die, daß es auch nichts verstehen muß, und die vierte, ist die, daß es auf Knopfdruck jeden Reiz haben kann, den es konsumieren möchte, ohne dafür arbeiten zu müssen. Das Fernsehen ist das erste Betäubungsmittel im Leben. (Das Suchtverhalten,das es auslöst ist charakteristisch für das gesamte Konsumverhalten der kapitalistischen Welt. Ihm verfallen all diejenigen, die zu wenig Bildung und Lebensinhalt, kein erfülltes Berufsleben und zu wenig materielle Absicherung haben.) Es erzieht außerdem zum passiven Konsum von Information bzw. eigentlich nur von Reizen.

In der Schule und vielleicht schon im Kindergarten, stellt das Kind dann fest, daß die Kinder bzw. ihre Eltern unterschiedlich viel Geld haben. Es lernt, daß man dieses Geld besitzen muß, um konsumieren zu können. Fortan wird es ein geldgieriges Kind sein. Es wird versuchen, Geld zu dem Zwecke zu erlangen, um eigener Arbeit aus dem Wege zu gehen. Unterschiedliche Kinder bringen nicht nur unterschiedliches Spielzeug, sondern auch unterschiedliche Kleidung mit. Marken von Markenartikeln dienen als Statussymbole und bilden den gedanklichen Grundbaustein für das Statusdenken. Entsolidarisierung, Unsicherheit, Dünkel und Arroganz bahnen sich ihren Weg in das kindliche Gehirn. Auf diese Weise vergiftet, wird das kapitalistische Kind zu einem festen Bestandteil der konservativen Wertegemeinschaft, deren Werte zusammengefaßt in den Werten bestehen, die sie auf ihrem Konto haben bzw. haben möchten.

Der Wunsch reich zu sein und “sein Geld für sich arbeiten zu lassen” gewinnt Gestalt und wird zum lebenslangen Traum. Asozialität und Kriminalität sind im Kindesalter angelegt worden. (→ auch »Was ist für Linke Asozial?«, »Warum gibt es Kriminalität?«)

Der Konsumismus macht egoistisch und dekadent. Unter ihm leiden vor allem diejenigen, die auf Solidarität angewiesen sind und sich Dekadenz nicht leisten können.

Aber auch Selbstdisziplin und Interesse entwickelt sich schlecht, wenn Konsum früh im Leben des Kindes eine wichtige Rolle einnimmt. Jede Tätigkeit, die von dem konsumierenden Verhalten abweicht, wird als anstrengend oder unangenehm empfunden. Interesselosigkeit entsteht. (Das sind Zeichen einer Sucht.)
Die Bildung leidet unter dem Konsumismus, da man Bildung nur erlangt, wenn man sich am Anfang ein wenig anstrengt. Das tun unbewußt nur diejenigen, die Interesse haben. Der Konsumismus jedoch tötet das Interesse systematisch ab, so daß der Konsum leicht zugänglicher Reize zum Suchtverhalten erzieht. Der konsumierte Reiz wird nicht als Ergebnis einer Anstrengung wahrgenommen, sondern nur als Resultat des Zuganges zu diesem Reiz. Folglich gibt es auch keine Dosis, sondern der Konsument nimmt von allem diejenige Dosis auf, die er körperlich ertragen kann. Daher gibt es eine Abstumpfung gegenüber diesem Reiz. Der Konsument gerät in einen Reizverstärkungs-Abstumpfungszyklus und wird krank. Wenn er sich anstrengen soll, fragt er nicht, wie interessant es sein könnte, sondern ob es sich lohnt und was er dafür bekommt. Der konsumistisch und marktideologisch asozialisierte Jugendliche hat keine Beziehung zur Bildung. Statussymbole, Markenartikel und Geldgier treiben ihn und seine Umgebung ins Unglück.
Der Konsum des Fernsehens ist nur der Beginn, jedoch selbst schon ursächlich verantwortlich für die heute wieder so geringe Lesefähigkeit der Jugendlichen. Fernsehen ist leichter konsumierbar, als Bücher und sollte bis zum zehnten Lebensjahr vermieden werden.
Aber auch für Erwachsene ist das Fernsehen (so wie vieles andere Im Kapitalismus) gefährlich. Eben weil Fernsehen nicht rezipiert, sondern konsumiert wird, konkurriert Information mit Unterhaltung. Infotainment heißt die Perversion des informativen Fernsehens. Das heißt, daß Information unterhaltsam dargebracht werden muß, um überhaupt verbreitbar zu sein. Die Ursache für diese Verdrängung ist der Markt und die Ursache dafür der Rentabilitätszwang bzw. bei den öffentlich rechtliche Sendern der Quotenzwang für die Sendungen. Erzieherische Aspekte weichen Marktzwängen und allenfalls Manipulationsabsichten.
Diese Pervertierung des Inhaltes führt zu einem kulturellen Verfall und zu einer geistig-intellektuellen Verelendung der Gesellschaft. (→ »Was ist Verelendung?«)

Die Akzeptanz der Reklame entsteht durch unbewußte Wahrnehmung, hauptsächlich aber durch Gewöhnung. Während intellektuelle Ostdeutsche Reklame bewußt wahrnehmen und praktisch kaum zum Konsum verführt werden können, scheitert der früh zum Konsum erzogene in der Wahrnehmung der Absichten der Reklame obgleich sie ihm prinzipiell bekannt sind. Geistige Anstrengung wird ihm durch frühe Konsum-Lange-Weile-Zyklen aberzogen, kritisches Denken kommt gar nicht erst auf.

Eben dieses kritische Denken ist aber notwendig in der Demokratie. Wie schon in »Demokratie und Reklame« erwähnt, bedient sich die Politik praktischer Weise der professionellsten Manipulationsmethoden, welche der Markt zu bieten hat.

 

Was hilft gegen Sucht?

Geistige Konditionierung

Zunächst ist Sucht eine Verhaltensmuster, das sich unter ungünstigen Umständen vertiefen kann. Niemals sollte man Suchtmittel zur Betäubung einsetzen. Betäubung an sich ist bereits ein falscher Gedanke. Betäubung ohne medizinische Indikation führt in die Abhängigkeit.

Biologische Konditionierung

Die menschlichen Sinne sind so angelegt, daß sie einerseits konditioniert werden können, andererseits aber auch einen “Arbeitsbereich” haben. Verlassen bewußte oder unbewußte Konditionierungsmaßnahmen den Arbeitsbereich, tritt Unempfindlichkeit der Sinne oder auch des Erlebens eine. Letzteres nennt man Abstumpfung. Wird diese Abstumpfung nicht bewußt wahrgenommen verfällt der Betroffenen darauf, die den Reiz auslösenden Maßnahmen zu verstärken und stumpft weiter ab. Dabei kann ihm nur durch eine entgegengesetzte Therapie geholfen werden, die auszuhalten er lernen muß. Schlauer Weise bleibt man also im Arbeitsbereich der Sinne. Entgegengesetztes Handeln ist auch möglich, z. B. indem man positive Reize (z. B. Nahrungsaufnahme) immer weiter verringert und somit die Empfindlichkeit gegenüber dem Reiz steigert. Das kann in der Folge zu einem besonderen Erleben des Alltags führen. Viele Buddisten sind Experten in einer solchen Selbstkonditionierung. Man kann es allerdings auch hier übertreiben. Klar ist, wer fühlen will, braucht Schwankungen – ein Auf und ab der Reize gehört zum erlebenden Leben. Wer Sicherheit will, bleibt immer genau in der Mitte und erlebt nichts.

Bewußtsein hilft in jedem Falle die richtige Entscheidung zu treffen.

 

Bedeutung

Wer süchtig ist, wird kein Revolutionär!
Deshalb ist Suchtverhalten in vielerlei Formen in dieser Gesellschaft verankert.

Wer Markenklamotten trägt, wer anderweitig auf Marken steht, dokumentiert damit nicht bloß seine Verführbarkeit, er zeigt an, daß sein Geist von dummem Statusdenken infiziert ist. Man kann – logischer Weise – davon ausgehen, daß er deswegen Ressentiments in sich trägt. Deshalb haben wir oben von „vergiftet“ gesprochen. Unglückliche Folge einer solchen Vergiftung ist die Entsolidarisierung.

Man sieht also, daß verschiedene gesellschaftliche Erscheinungsformen einen Komplex bilden und man so die Gesinnung vieler Leute lesen kann, da sie sie praktisch auf der Haut tragen.

Viele „Sentiments“ und Empathien entstehen dabei durch Vorkoditionierung im Elternhaus und durch Gruppendynamik im Jugendalter, weshalb ihr Inhalt völlig idiotisch ist. So kommt es, daß Jugendlichen Verhaltensweisen, die ihrer Entwicklung zuträglich wären, aus dummen Gründen peinlich sind. Die Anfälligkeit gegenüber diesen dummen Gründen ist bedingt durch eine Asozialisierung der Gesellschaft, die ein Auseinanderfallen der Gesellschaft, fehlende Aufklärung und das Alleinlassen der Jugendlichen mit beinhaltet.

[Evariste]

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