Was ist “Kollektivismus”? – Was ist “Individualismus”?

Wörter: 549 ; Linkslevel: -1 Nichtlinke
“Kollektivismus”” ist ein westlicher Kampfbegriff, mit dem letztlich Solidarität zwischen Beschäftigten und ganz allgemein in der Arbeiterklasse verunglimpft werden soll.
 

— Eine Klarstellung —

 

Der westliche Begriff des “Kollektivismus” stellt sich vor, daß Individuen der Allgemeinheit so untergeordnet werden, daß sie bedeutungslos und vor allem wertlos werden. Das geschieht deswegen, weil die Erzeuger dieser demagogischen Denkfigur selbst Individualismus mit Egoismus verwechseln. Der Kapitalist stellt sich gern vor, daß Gesellschaften, die die Solidarität der Ausbeutung entgegensetzen, von einer faschistoiden Unfreiheit gekennzeichnet sind. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. In der DDR wurde niemand dem “Kollektiv” untergeordnet. Das (Arbeits-)Kollektiv hatte dafür jedoch oft die Bedeutung einer zweiten Familie, was im Westen ganz und gar nicht der Fall ist. Hinterhältigkeit, Dünkel, Gemeinheit und Gleichgültigkeit charakterisieren die westliche Arbeitswelt. Im Osten war man solidarisch. Viele waren mit den Familien der Kollegen befreundet.

Solidarität beruht aber eben gerade nicht darauf, daß das Kollektiv über das Einzelindividuum gestellt würde, denn das ist in Wirklichkeit ein rechtsgerichteter Gedanke, sondern sie beruht eben gerade auf der Achtung und Wertschätzung des – und Sorge um – das Einzelindividuum, denn genau das ist links.

Der Westen möchte als Gegensatz zum “Kollektivismus” den “Individualismus” verstehen. Individualismus soll dem Auslebeneigener Ideen, der sogenannten Selbstverwirklichung, der möglichst selbständigen Eigenökonomie dienen. Dabei sol dann allerdings Konkurrenz herrschen, die eben die Existenz dieser Eigenökonomie bedroht. Sichere Eigenökonomie ist nur für die wenigen Gewinner dieser Wirtschaftweise möglich. Damit der unmenschliche Charakter dieser Bedingungen verschleiert wird, romantisiert man die Selbständigkeit, den konkurrierenden Eigennutz und die scheinbare Entscheidungsfreiheit der Kleinen auf den Märkten der Großen als Freiheit und Individualismus.
Der westlich Individualismus bedeutet in Wahrheit jedoch nichts anderes, als Verantwortungslosigkeit, Rücksichtslosigkeit und das Recht Einzelner, sich maßlos zu bereichern und auf Kosten beliebig vieler Menschen zu leben. Wer mit dem Individualismus westlicher Prägung nicht klar kommt, wird als “Loser” betrachtet. Hier zeigt sich der eigentliche sozialchauvinistische Kern der Vokabeln “Individualismus” und “Kollektivismus”. In Wirklichkeit muß man beide Bedeutungen vertauschen, denn die Individualisten kollektivieren die von ihnen Ausgebeuteten in Armut. Die freie Entfaltung des Einzelnen ist eben nur möglich, wenn der Einzelne wirklich frei ist. Ausgebeutete sind unfrei. Sich selbst, soweit sie es schaffen, stellen die westlichen Sozialchauvinisten in eine Klasse von höhergestellten. Die, welche als “Kollektivisten” bezeichnet werden, sind diejenigen, die mit der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln eben gerade die Freiheit des Einzelindividuums im Sinne haben, denn die Unfreiheit entsteht eben durch die Trennung der Arbeiter von den Produktionsmitteln – auf simpel-deutsch – dadurch, daß nicht jeder marktrelevante Produktionsmittel besitzen kann.

Tatsächlich vertreten also die vom Westen so genannten “Kollektivisten” viel mehr individuelle Rechte, als die sogenannten “Individualisten”. Beide “Begriffe” sind daher Gegenteilworte (Siehe »Was ist Demagogie?«)

Den Gedanken, daß “Individualisten” individuell wären, ziehen sie selbst daraus, daß alle Menschen ungleich sein sollen und (daher) ungleiche Rechte besitzen sollen. Das ist im Kapitalismus, wo das Recht vom Geld abhängt1, ideal erfüllt. (Aber nicht, weil sie selbst ungleich wären, sondern weil das Eigentum ungleich verteilt ist.) Alle Menschen haben ungleiche Rechte. Das genau finden die als “Individualisten” getarnten Egoisten gut.

Und nun noch eine Tatsache:
Die „Kollektivisten“ genannten echten Linken pflegen tatsächlich höchste Individualität. Sie sind in der Tat Individualisten. Sie folgen nicht der Massenkultur und kaufen nicht, was in der Werbung kommt. Sie fallen schon als Schüler bei Diskussionen auf und haben höchst individuelle Bildungsprofile. Sie sind die wirklichen Individualisten ohne Anführungsstriche.

[Evariste]
 

1 »Warum das Recht im Kapitalismus veräußerlich ist« (unfertig)

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