Was ist Imperialismus? (+1)

Wörter: 1261; Linkslevel: +1 Echte Sozialdemokraten

Das Wort „imperialistisch“ wird heute von Menschen der westlichen Kultur gemieden. Es gehört jedoch in anderen Teilen der Welt zum Sprachgebrauch. Leider wird es jedoch selten wirklich verstanden. Wenn Hugo Chaves das Wort benutzte, war das anders, als wenn Machmut Achmadinedschat es benutzte. Das liegt daran, daß der ehemalige Präsident des Iran nicht zwischen „imperial“ und „imperialistisch“ unterschied. Es handelt sich bei „imperialistisch“ nämlich um eine linke Vokabel, die sich entwickelt hat und insbesondere durch Rosa Luxemburg und Wladimir Iljitsch Lenin konkretisiert wurde. Diese Linke Vokabel ist verknüpft mit dem Kapitalismus. Chaves war ein Gegner des Kapitalismus, Achmadinedschat ist es nicht.
 

Worum geht es also?

Die Zeit, in der die „Welt“ noch nicht vollständig entdeckt war und es noch weiße Flecken auf der Landkarte gab, ist vorbei1. Durch Kolonialismus und Neokolonialismus ist die Erde aufgeteilt worden, wodurch sich der Einflußbereich der entwickelten kapitalistischen Staaten insgesamt nicht weiter ausdehnen läßt.
Die marxsche Theorie begründet nun (Hier für Anfänger nicht weiter ausgeführt), daß die Kapitalmärkte um weiter Profit garantieren zu können, stetig erweitert werden müssen, da es an den Kapitalmärkten einen Mangel an Realkapital gibt. Es kommt also im Kapitalismus zu einem intrinsischen Expansionszwang. Dieser Expansionszwang führte zur Eroberung und Unterwerfung der ökonomisch unentwickelten Welt. Diese Unterwerfung war möglich, weil der Kapitalismus längst ein Monopolkapitalismus geworden war und zur Serienproduktion, später dann sogar zur Massenproduktion übergegangen war, so daß alles, was zu Eroberung nötig war, insbesondere bessere Waffen, aber auch ökonomische Druckmittel, die dann im Neokolonialismus eine Rolle spielten, billig zur Verfügung standen. Nachdem also die „Welt“ ökonomisch erschlossen war, trat der Kapitalismus in eine neue Phase. Der weiterhin bestehende Expansionszwang, der auch ein Akkumulations- und Ausbeutungszwang ist, zwingt die entwickelten (d. h. die ausbeutenden) Länder künftig bereits von anderen eroberte Kolonien zu überfallen, wodurch ständig Kriege zur Neuaufteilung der „Welt“ geführt werden. Die dabei eingegangenen Bündnisse führen zu Entstehung konkurrierender Imperien. Das ist Imperialismus! Das Verständnis des Imperialismus ist daher fundamental für die Interpretation der Politik des 20. und 21. Jahrhunderts. Diese ist vor allem eine Kriegspolitik.
Imperialismus bedeutet, daß die zur Massenproduktion übergegangenen Monopolkapitalismen aufgrund der Endlichkeit der Welt gezwungen sind, sich zu Imperien zu organisieren und gegenseitig zu bekämpfen. Imperialismus ist offen reaktionär.
Im Rahmen diese Anfängerartikels kann noch keine Definition gegeben werden, da „Imperialismus“ ein marxistisch-leninistischer Begriff ist.

 

Echtzeitstrategie

RTS-Spieler verstehen das aktuelle Handeln der Imperialisten am besten. In einem RTS-Spiel kommt es darauf an, dem Gegner die Ressourcen wegzunehmen und alles zu erobern. Der Unterschied zur realen Welt ist der, daß man den Gegner nicht total vernichtet, sondern unterwirft und daß man – das ist der Normalfall – auch ökonomische Waffen einsetzen kann. Die Konkurrenz zwischen den Imperien zwingt jedoch zum Krieg um Einflußgebiete, Rohstoffe und den Zugang zu Märkten. Schamlos werden beliebige Kriege geführt, Regierungen aus ihren Ämtern geputscht, Entwicklungsländer, die sich zu schnell entwickeln, überfallen und zerstört, Statthalter installiert und Gewerkschafter, Kommunisten und andere Linke auf der ganzen Welt verfolgt.

 

US-Imperialismus

Beschreibend muß hinzugefügt werden, daß derzeit der US-Imperialismus so dominant ist, daß kein anderer Imperialismus offen gegen ihn auftreten kann. Daher haben sich viele imperialistische Länder dem US-Imperialismus angeschlossen und halten, was den überproportionalen Absatz us-amerikanischer Waren auf dem eigenen Territorium angeht, was Industriespionage oder globale Rohstoffaufteilung angeht, relativ still, da sie durchaus auf ihren Schnitt kommen. Mit heimlicher Freude blicken diese Staaten auf den quälend langsamen Zusammenbruch des US-Imperialismus da sie hoffen, innerhalb des Imperiums aufzusteigen oder gar selbst die Führung zu übernehmen. Gerade weil die Vereinigten Staaten um ihre Führungsrolle im Imperium bangen, rüsten sie wie verrückt und führen einen Krieg nach dem anderen um krampfhaft festzuhalten, was ihnen aufgrund zunehmender Emanzipation der armen Staaten entgleitet. Immer häufiger werden Länder mit schlechter oder ganz ohne Begründung überfallen und immer schlimmere Kriegsverbrechen begangen. Das, was ein Imperialist (z. B. Bush) mit „Glaubwürdigkeit“ meint, ist genau das, was auch ein Mafioso damit meint und genau das wird heute von immer mehr Staaten abgelehnt.
Ein Problem beim kommenden Zusammenbruch der USA könnten daher die Massenvernichtungswaffen sein, die vorbeugend auf das schärfste geächtet werden sollten. Wir können jetzt schon die Verseuchung der Länder, die in den letzten Jahren Kriegsschauplätze waren, feststellen. Einen Wechsel zu anderen Waffen war nicht feststellbar. Stattdessen gehört die Verwendung von Uranwaffen zum Repertoire aller imperialistischer Staaten.

 

Geostrategie des US-Imperialismus

Der US-Imperialismus ist so verbrecherisch, weil er so dominant ist. Obwohl seit zwölf Jahren ein Land nach dem anderen überfallen und zerstört wird, wagt es fast niemand, die NATO-Staaten dafür öffentlich zu kritisieren. Das liegt auch an einer fast weltweit koordinierten Propaganda, die die von“Amerika“ vorgegebenen Interpretationen aktueller Politik in allen NATO-assoziierten Staatenverbreitet.
Festzustellen ist in den letzten Jahren, daß alle Länder, die Öl besitzen, alle Länder, die sich geostrategisch auf dem weg dorthin befinden und alle Länder, die sich unabhängig von der NATO bzw. vom US-Imperium entwickeln wollen, überfallen und zerstört werden oder, daß sie auf der Liste der noch zu überfallenden Länder stehen:
Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Elfenbeinküste, Libyen, Sudan, Syrien, Somalia, Libanon, Iran, Venezuela, Kuba, Nordkorea, …, Lateinamerika, …, Indien, China, Rußland. Diese Liste enthält Rohstoffquellen und auch Lieblingsgegner und am Ende die starken Endgegner. Das Horn von Afrika – Äthiopien, Eritrea und Somalia wird seit Jahrzehnten destabilisiert, so wie auch die Staaten Aden und Jemen auf der arabischen Halbinsel, damit es keine starken Staaten am Golf gibt, die die Erdöltransporte über ihr Seeterritorium behindern. Die Entwicklung dieser Staaten wird systematisch aufgehalten. Deswegen wird auch Libyen überfallen. Der strategische Wert Libyens wird sogar offiziell zugegeben. Wenn Ägypten eine unabhängige Demokratie errichtet, kommt es auch auf die Liste, da man nicht auf den Suezkanal verzichten wollen wird. Es wäre möglich, daß Ägypten mitten im Krieg gegen den Iran den Suezkanal für amerikanische oder französische Flugzeugträger schließt … diese müßten dann um Afrika herum fahren.
Außerdem würde Ägypten automatisch auf die Liste der zu überfallenden Staaten geraten, wenn in Saudi-Arabien eine Revolution stattfindet. Nur mit der Verbindung Israel-Saudi-Arabien kann eine Erdölpipeline zwischen Afrika und Asien verhindert werden. Fiele Saudi-Arabien weg, wäre Ägypten an der Reihe, das jetzt allerdings immer noch sehr korrupt ist. Um die Erdölreserven letztlich zu sichern hat man also schnell und unbürokratisch Libyen überfallen und massakriert dort jetzt die Bevölkerung, die mehrheitlich auf der Seite des antikolonialen Revolutionsführers Muammar Gaddafi steht. Um Schwergewichte, wie Indien, China und Rußland unter Kontrolle zu kriegen braucht man erst das Öl der Kaspi-Region2. Man hetzt vorbereitend seit Jahrzehnten auf den Iran, fürchtet sich aber vor dem notwendigen Bodenkrieg in dem bergigen Land. Mit Argwohn verfolgt man jede Entwicklung und jedes Erstarken des künftigen Gegners. In dem Artikel »Der lange Weg zum Iran-Krieg« ist mehr darüber geschrieben.

 

EU-Imperialismus

Die Europäische Union gehört zur NATO und daher zum US-Imperialismus. Heimlich träumen EU-Politiker davon, im US-Imperium die Führung zu übernehmen und es zu einem EU-Imperium zu machen. Um die Führung zu behaupten, rüsten die USA mehr als jedes Land auf dem Planeten, – sogar weit mehr als die ganze EU zusammen und mehr, als sie es sich leisten können. Genau genommen ist das US-Imperium also ein NATO-Imperium. Ich spreche vom US-geführten NATO-Imperium. Es handelt primär im Interesse von einigen wenigen Mineralölkonzernen und der in Nordamerika, der EU und Israel ansässigen Rüstungsindustrie. Natürlich sind auch Energiekonzerne, Rohstoffkonzerne und davon abhängige Industrien mit von der Partie. Die Mineralölkonzerne sind jedoch so mächtig, daß sie selbst über einen Krieg beschließen können. Warum das so ist, steht im weiter fortgeschrittenen Artikel für Linke. Denn über aller Realwirtschaft thront das Finanzkapital.
 
Für Linke gibt es eine Fortsetzung des Artikels. (unfertig)
[Evariste]

 

1 Frei nach W. I. Lenin »Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus«
2 Rund um das Kaspische Meer.

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