Was ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

Wörter: 596; Linkslevel: ±0 Indifferente
Im Freitag vom 16.12.2010 schrieb der Schriftsteller Gerhard Henschel in „Ein Rassist bleibt ein Rassist“ über den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Aus irgendeinem Grunde verrennt sich der Schriftsteller in die Ablehnung dieses neuen praktischen Begriffes. Er fürchtet eine Aufweichung des Rassismusbegriffes. Wir präzisieren daher für alle, die sich auf diesen Schriftsteller berufen wollen, die Bedeutung dieses wichtigen neuen Begriffes.

 

Der Kern

Der Begriff gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (gbMf) faßt eine Menge von gesellschaftlichen Erscheinungen zusammen, er beschreibt eigentlich verallgemeinernd das Ressentiment.
Wir zählen mal auf, was häufigstens alles dazugehört: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sozialchauuvinismus, Nationalismus, Antiziganismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, religiöse und ethnische Feindbestimmungen, … . Seltener sind Nationalchauvinismus, Antiintellektualismus, Milieufeindlichkeiten, …
Bei Wikipedia findet sich noch der Sozialdarvinismus, was eher eine Ideologie ist – nämlich biologistisch begründeter Sozialchauvinismus.

Die neue Vokabel ist praktisch, weil sie alle Sorten harter Ressentiments (eben von Menschenfeindlichkeit) zusammenfaßt, wofür man bisher lange und immer irgendwie unvollständige Aufzählungen brauchte.
→ auch »Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?«.
 

Verachtungen und Feindlichkeiten

Die bisher benutzten Begriffe sind etwas unscharf. So beschreibt der Begriff „Frauenfeindlichkeit“ eigentlich meistens Frauenverachtung. Frauenverachtung setzt bei Linkslevel 1 ein und verschärft sich nach rechts. Bei Rechtsextremen (ELL = -4) hat man dann eine ausgeprägte Frauenfeindlichkeit, die Frauen nicht mehr akzeptiert. Faschisten (ELL ca. -5) wollen Frauen an den Herd verbannen und auch Helmut Kohl (ELL ca. -4) äußerte früher einmal über Frauen in der Politik, daß Frauen nicht weiter, als bis zum Vorzimmer kommen sollten.

Der Begriff gbMf faßt Verachtungen und die weit schärferen Feindlichkeiten, die für bestimmte Gruppen existieren in einem Wort zusammen.

 

Gerhard Henschels Artikel

Gerhard Henschelverwässert den neuen Begriff, indem er unbegründet eine Verwässerung des Begriffes Rassismus behauptet, Antipathien als zu diesem Begriff zugehörig betrachtet, sich selbst (durch das Studium der Menschheitsgeschichte dahin gelangend) als potentiellen Menschenfeind „outet“ und wirklich schlimmes Zeug schreibt („verbiesterter Kampflesben“ und „Rochus mancher Langzeitarbeitsloser“).
Gerhard Henschel bedauert die Einführung des Begriffes und drückt sein Bedauern darüber aus, daß für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft kein Platz sei und schreibt am Ende sogar, wir sollten damit leben, „dass es Leute gibt, die Obdachlose nicht mögen, Langzeitarbeitslose verhöhnen, den Islam verachten, sich vor Schwulen grausen und „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ für den schlechtgewählten Namen einer Band debiler Deutsch­rapper halten“ – womit er hoffentlich nur das Leben mit den dazugehörigen Begriffen meinte.
Insgesamt outet sich Gerhard Henschel selbst als Ressentimentträger, wenn er die Worte „verbiesterte Kampflesbe“ benutzt oder selbiges und den „Rochus mancher Langzeitarbeitsloser auf Industriekapitäne“ und „die generelle Abneigung pazifistischer ­Geschichtslehrer gegen rechte Skinheads“ mit der „Antipathie zwischen Kölnern und Düsseldorfern“, dem „Hass zwischen Dortmund- und Schalke-Fans“ gleichsetzt.
Prinzipiell ist die Abneigung gegen Rechts bzw. rechtsextreme Gesinnungen keine Menschenfeindlichkeit, sondern Menschenfreundlichkeit! Die Abneigung gegen Rechtsextreme ist keine Diskriminierung und kein Ressentiment, da der Rechtsextreme selbst nicht als Rechtsextremer geboren wurde, sondern durch eigene Wahl (schuldhaft gegen politische Korrektheit) rechtsextrem wurde und es für seine kriminellen Absichten auch keine Legitimität gibt. Siehe hier zu das bunte Fazit von »Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?« (ganz unten) lesen . Außerdem werden die Rechtsextremen dafür in der Praxis auch nicht so schlimm behandelt, wie sie andere behandeln und behandeln wollen.
Gegen den „Rochus von Langzeitarbeitslosen gegen Industriekapitäne“ kann ich nichts haben. Eine Verwässerung oder Relativierung dieses „Rochus“ erscheint mir sozialchauvinistisch. Warum eine „Kampflesbe“ „verbiestert“ sein muß, erschließt sich mir ebensowenig. Es ist schon traurig, daß heute so wenige echte Feministinnen übrig sind, daß der Eindruck entsteht, daß es sich nur noch um Lesben handeln könnte – ein frauenfeindliches Urteil.

Insgesamt ist der Artikel eine sehr schwache Leistung des Schriftstellers.
Weblink: //www.freitag.de/kultur/1050-kommentar
 
Evariste

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