Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?

Wörter: 957; Linkslevel: -2 Asozialisierte Mitläufer
Ein Ressentiment ist im Umgang mit Menschen das, was man im Essen ein Gift nennen würde. Die Ursache des Ressentiments (wenn es nicht rein als Instrument gebraucht wird) liegt im Statusdenken. Das Statusdenken hat zwei Seiten – den Dünkel und die Erniedrigung. Für die Verbreitung des Statusdenkens spielt das jedoch keine Rolle. Allein die Bewußtheit des Erlebens spielt eine Rolle für die Verbreitung.

 

Was ist ein Ressentiment?

Ein Ressentiment ist eine Diskriminierung auf der Ebene der Vorstellung. Sie richtet sich gegen Menschen oder Gruppen von Menschen und enthält die Idee der Bösartigkeit, Gefährlichkeit oder Minderwertigkeit dieser Gruppe. Das Wesen des Ressentiments ist die Ablehnung und die geistige Verweigerung der Gleichwertigkeit. Eine geistige Diskriminierung nur aufgrund der Zugehörigkeit zu dieser Gruppe entsteht.

 

Warum gibt es Ressentiments?

Ressentiments sind psychische Abwehrreflexe, die bei einer Schwächung des Selbstbewußtseins oder gar bei Minderwertigkeitsempfindungen für Kompensation sorgen sollen. Der Erfolg ist gering, da das Ressentiment das schwache Individuum nicht vor Mißerfolgserlebnissen schützt. Es ist jedoch möglich, daß das Individuum fataler Weise lernt, beim Ressentiment Zuflucht zu suchen, wie bei einer Religion. Berufliche Entwicklung, die Erlangung einer Sexualpartnerschaft, vor allem aber die dadurch bedingten Fortschritte in der Persönlichkeitsentwicklung helfen, die Bereitschaft zum Ressentiment zu überwinden. Prinzipiell ist jedoch das verachtete Objekt des Ressentiments entscheidend, denn es ist dem Ressentiment-träger meist persönlich unbekannt.

 

Erzeugung und Weitergabe von Ressentiments?

Um ein Ressentiment zu kreieren braucht man drei bis vier Dinge:
1. Ein Merkmal, an dem die zu diskriminierende Gruppe zweifelsfrei erkannt werden kann,
2. Eine von dieser Gruppe ausgehende Bedrohung, die anhand oberflächlicher Argumente, die nicht von der Hand zuweisen sind, festgemacht werden kann,
3. Evtl. Zeitdruck, man kann zum Beispiel behaupten, daß die Gefahr wächst oder sich vermehrt (Hierdurch wird die Bedrohung akuter, das Denken unter Druck gesetzt.),
4. (am wichtigsten) den Trägern der Bedrohung werden unlautere Absichten oder Verdorbenheit, vor allem aber Unehrlichkeit und Arglist unterstellt.
 

Mit diesen Werkzeugen ist das Ressentiment so gut wie implantiert.
Zunächst braucht man also Empörung oder Angst um ein Ressentiment zu säen. Das Ressentiment vertieft sich dann schrittweise. Wenn man die Bedrohung anspricht und die Unehrlichkeit und die schlechten Absichten erwähnt, erreicht man zwei Dinge, man fürchtet sich und man glaubt den anderen nicht mehr.

In der nächsten Runde des Denkens werden alle eventuellen Argumente des Gegners schwach mit dem Glauben über seine schlechten Absichten vor allem aber der fehlenden Glaubwürdigkeit gewichtet. Dadurch können sich die Aussagen des Gegners, da sie nicht mehr geglaubt werden, teilweise gegen ihn selbst richten. Die Bedrohung erscheint wiederum erhöht.
Aufgrund unscharfen Denkens1 wird nicht mehr über die Herkunft der einzelnen Informationen nachgedacht. Das Merkmal, das die zu diskriminierende Gruppe charakterisiert, wird zu einem negativen Merkmal. Zeitdruck läßt die Bedrohung akuter erscheinen. In der dritten Runde des Denkens erscheint die Unehrlichkeit aufgrund der akuten Bedrohung als folgerichtiges Verhalten. Aufgrund dieser angenommenen Unehrlichkeit können die dem Ressentiment unterliegenden sagen, was sie wollen, es wird alles zu ihren Ungunsten interpretiert. Jede weitere Runde dieses unkritischen Denkens vertieft das Ressentiment.

Träger des Ressentiments sind aufgrund der unterschiedlichen Eingänge in dieses Schema oft Leute mit geringer Bildung, Leute, die auch andere Ressentiments “pflegen” und Leute, die obrigkeits- oder autoritätshörig sind und von eben jenen “Autoritäten” das Ressentiment als Keim eingepflanzt bekamen.

 

Verbreitung

Verbreitet werden Ressentiments durch Erziehung. Sie werden in der Regel von den Eltern geerbt. Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus u. a. sind in der Regel unkritisch von dummen Eltern übernommen worden. Gruppendynamik und Scham können weitere Ursachen sein.
Wer unsolidarisch ist, nimmt Ressentiments leichter auf (und umgekehrt → »Cui bono?«).

 

Cui bono?

Wer sich bereichern, andere ausbeuten will und sie zu diesem Zwecke unterdrücken will, muß sie dazu verachten, sonst kann er ihnen keinen Schaden zufügen. Dabei hilft das Ressentiment. Das Ressentiment ist ein wertvolles Werkzeug der Unterdrücker. Ohne dieses Werkzeug wird Gewaltausübung schwierig. (So kommt es immer wieder vor, daß z. B. US-Soldaten, die nicht ordentlich verhetzt sind, von den Folgen des Krieges entsetzt sind, Verrat begehen und desertieren.) Ist ein Ressentiment erst einmal eingepflanzt, ist (andersherum) Solidarität mit den Zielen des Ressentiments nicht mehr verträglich. Ressentiments nützen den Herrschenden also nicht nur im Krieg, sondern sind allgemein unverzichtbare Werkzeuge bei der Anwendung physischer, psychischer, ökonomischer oder bürokratischer Gewalt und somit der Unterdrückung.
Das wichtigste Werkzeug ist der Sozialchauvinismus – er konditioniert die Herrschenden selbst. Das Mitleid ist der Konkurrent des Sozialchauvinismus. In jeder konkreten politischen Angelegenheit schließen sie sich gegenseitig aus.

Daher gehört der Kampf gegen das Ressentiment gerade für Linke und am meisten für die linkesten Linken zum grundlegenden Repertoire ihres Wirkens!

 

Welche Folgen hat es?

>Wenn die Saat massenhaft aufgeht, können die Ziele dieser Ressentiments durchaus um ihre Grundrechte gebracht werden, da Angst – Wut und Wut – Gewalt hervorruft2. Ressentiments bereiten also nicht nur Diskriminierung, sondern auch Gewalt vor.
Diejenigen, vor denen man sich fürchtet, werden nicht mehr als Menschen wahrgenommen. Das ist die große Gefahr des Ressentiments. Wo das Ressentiment herrscht, gibt es keine Solidarität.

 

Fazit

Das Ressentiment ist ein Gift, das keimen, wachsen und furchtbar gedeihen kann.
 

Daher muß man sich möglichst gegen Ressentiments stellen und das bedeutet, daß selbst der kleinste Mangel an Akzeptanz, wenn er sich aufgrund einer Eigenschaft, für die eine Person nichts kann oder auf welche (– die Eigenschaft) sie ein Recht3 hat, gegen diese Person richtet, nicht übergangen werden darf, sondern mit aller Entschiedenheit bekämpft werden muß, daß die Saat also gar nicht erst keimen darf.4

[Evariste]
 

2 – wie Meister Yoda einmal korrekt bemerkte –
3 Zum Beispiel ethnische Zugehörigkeit oder Gewerkschaftsmitgliedschaft, …
4 Wer diesen Schachtelsatz nicht versteht, sollte die innersten Farben (am stärksten geschachtelt) von innen nach außen weglassen und dann von außen nach innen wieder schrittweise hinzufügen. Dieser Satz ist das Fazit des Artikels.

Ein Kommentar zu “Was ist ein Ressentiment? – Wie funktioniert ein Ressentiment?

  1. Statt Yoda hättest du vielleicht Nietzsche zietieren können, das würde etwas seriöser wirken.
    Der hat das nämlich ganz gut beschrieben mit dem Ressentiment. Ansonsten aber: Gut.

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