Warum Milliardäre keine Wohltäter sind

Wörter: 1782; Linkslevel: -3 Rechte; Essentieller Artikel

Einordnung

Auf gleichem Linkslevel schrieben wir bereits »Warum die Afrikaner nicht verhungern, wenn man sie in Ruhe läßt«.

 

Einleitung

Der Reiche als Hoffnungsträger I

Einige Milliardäre versuchen Gutes zu tun, engagieren sich wohltätig oder spenden Hilfsorganisationen oder fördern die Erforschung gefährlicher Krankheiten. Diese Milliardäre müssen doch gute Menschen sein! – Oder etwa nicht?

 

Was hat man?

Es gibt Milliardäre, die an die Krebsforschung oder an Kinderhilfswerke spenden und andere nützliche Dinge tun. Tatsächlich erweisen sich diese Spenden oft als sehr nützlich im Sinne ihres Zweckes. So spendet beispielsweise der bekannte Milliardär Bill Gates große Summen der Krebsforschung. Davon profitiert die Krebsforschung in den Vereinigten Staaten durchaus.

Milliardäre können also mit Spenden durchaus einige nützliche Dinge tun, wenn sie es wollen.

 

Erste Kritik – Ineffizientes Mäzenatentum

Leider sind diese Spenden nicht so effizient, wie sie es sein würden, wenn der Staat oder demokratisch kontrollierte öffentliche Institutionen diese Mittel einsetzen würden. Wenn ein Milliardär spendet, um zu helfen, spendet er Lieblingsprojekten oder gebunden an an Lieblingsthemen, Institutionen oder Personen, an denen er einen Narren gefressen hat. Er ist in der Regel nicht in der Lage, fachlich zu beurteilen, was das sinnvollste ist. (Wäre er dazu in der Lage, wäre er nicht Milliardär geworden. (Diese Aussage (hier ohne Beweis) ist auf diesem Linkslevel noch nicht zu verstehen.) Mäzene fördern nach Gutdünken. Deshalb finden Mäzene das Mäzenatentum gut. Sie kommen nie von selbst auf die Idee, daß man es kritisieren könnte. Zum Beispiel kümmern sich Milliardäre um das Elend, das sie in ihrer unmittelbaren Umgebung sehen. Das kann Alzheimer, Krebs oder etwas ähnliches sein. Soziale Engagements sind bereits seltener und eng an bestimmte Gruppen, wie zum Beispiel Kinder gebunden. Wahrscheinlicher ist eine Fördertätigkeit, die von Statusdenken geprägt oder beeinflußt wurde. Zum Beispiel fördern einige Mäzene gern junge Nachwuchswissenschaftler oder Künstler. Allerdings fördern sie hauptsächlich die aus ihrer Sicht besten, weil das ihrer Ideologie entspricht.
Der gesellschaftliche Nutzen letzterer Fördertätigkeit ist gering, denn sie führt maximal zu egoistischen Erfolgsmenschen, was letztlich dem uneingestandenen (in besonders extremen Gesellschaften aber auch dem propagierten) Ideal der kapitalistischen Gesellschaft entspricht.

 

Hauptkritik

Die Grundlage

Hier noch unverständlich

Der Millionär wird reich durch Ausbeutung. Der Milliardär wird reich durch Akkumulation von durch Ausbeutung erlangtem Kapital. Der Millionär muß, um reich zu werden, die Ausgebeuteten verachten. Ausbeutung bedeutet, anderen etwas zu verbieten und anderen etwas wegzunehmen, das Verbot zum persönlichen Vorteil auszunutzen, und das Weggenommene für die Konstruktion des nächsten Verbotes (Kauf von Land, Maschinen oder Patenten, …) einzusetzen. Der Reiche im Kapitalismus muß außerdem seinen Reichtum zusammenhalten, das bedeutet, daß er darauf achtet, daß diejenigen, die er ausbeuten will oder auch die, die er nur vielleicht ausbeuten könnte, nicht zu viel von seinen Gütern bekommen, damit sie in seinem Sinne fleißig bleiben. Er grenzt also seinen Besitz ab, zahlt Steuern für die Polizei, die nach Gesetzen handelt, die er selbst oder seine reichen Vorfahren zu genau diesem Zwecke geschaffen haben. und Damit er ihnen das alles antun kann, muß er sie verachten.
 

Verschleierung vor dem eigenen Bewußtsein

Leider glauben die Kapitalisten das so nicht. Sie wollen nämlich (soweit sie keine Faschisten sind) trotzdem die Guten sein. Deswegen tun einige von ihnen gute Taten und kleinere Werke (Werke schaffen, durch Scheckbuch zücken), damit sie sich selbst einbilden können, gut zu sein.
 

Die Wahrheit

In Wirklichkeit aber sind Reiche deswegen reich, weil ihnen der Kampf um den Reichtum, die Abgrenzung vom Gesocks und seine Abwehr, sowie die Tricks und Gemeinheiten, die notwendig sind, um auch Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen, ins Blut übergegangen ist. Sie sind Menschenfeinde. Ihre Menschlichkeit bezieht sich auf einen kleinen Kreis. Ihre relative Menschenverachtung ist ein Instrument.

 

Herrschaft

Die kapitalistische Rechtsordnung

wird von Milliardären gesteuert. Das liegt daran, daß sie selbst in den Parlamenten sitzen oder ihre Leute dort haben. In den USA sitzen nur Multimillionäre und Milliardäre im Kongreß (in beiden Kammern der amerikanischen Gesetzgebung). Die Reichen schaffen sich also ihr eigenes Recht und lassen sich dafür vom als Stimmvieh betrachteten Volk wählen.
Dazu kommt das Eigentum an produktiven Unternehmen, Dienstleistungsunternehmen, Nahrungs-, Pharma-, Energie- unternehmen, an großen Landwirtschaftskonzernen, sowie dem Boden, der ebenfalls einer Akkumulation unterliegt. Der Lebensmitteleinzelhandel ist bereits so stark fusioniert ist, daß nicht mehr die Ketten die Läden fressen, oder die Superketten die Ketten, sondern kontinentale Superketten sich die Superketten einverleiben. Auf diese Weise sind Konzerne transnational organisiert, während Kartellgesetze noch auf nationaler Ebene bleiben und immer mehr zu Papiertigern werden. Die Reichen können also auch ohne Gesetzgebung bestimmen, was in ihrem Lande passiert.
 

Abgrenzung – Klassenbildung

Reiche bestimmen also und grenzen sich ab. Weil das so ist, wohnen Reiche in Reichenvierteln. In der BRD wurde diese Klassenbildung lange verschleiert. Da Ausländern diese Verschleiernung in der deutschen Kultur egal ist, schafft die Gentrifizierungswelle der letzten zehn Jahre allerdings in der BRD eine neue Sichtbarkeit der Klassengesellschaft, wie man sie aus Amerika (von Feuerland bis zu den Sverdrup Islands – nicht nur die USA) kennt, wo es Favelas und fast militärisch abgeschirmte Reichenviertel gibt. Die Polizei, die für die Bewachung dieser Reichenviertel eingesetzt wird, muß, um ihre Aufgabe erledigen zu können, ein ausreichend starkes sozialchauvinistisches Ressentiment pflegen. (Weil das so ist, gibt es z. B. auch Rassismus und Frauenfeindlichkeit. (Auch diese Aussage (hier ohne Beweis) ist auf diesem Linkslevel noch nicht zu verstehen.)) Letztlich nimmt diese Polizei den Reichen die Drecksarbeit ab und ermöglicht es ihnen, die Gewalt an Anwälte, Richter, staatliche Bürokratie aller Art und an sie, die Polizei, zu delegieren.

 

Akkumulation

Der Reiche als Hoffnungsträger II

Vor einigen Jahren machte eine Kaufhauskette beinahe pleite und die Politik konnte sich nicht aufraffen, sie (öffentlich)zu retten. „Man“ hoffte, daß ein reicher privater Investor sich finden würde, die Kette, mit geschwächter Konkurrenzfähigkeit zu retten. Seltsamer Weise vertraute man einem Herrn Berggrün, welche die insolvenzgefährdete Kette günstig erwarb. Warum Menschen, die im Kapitalismus aufgewachsen sind, glauben, daß Reiche Retter wären, ist noch ein anderes Thema. Kapitalisten geben ihr Geld jedenfalls nicht zum Spaß aus, sondern erwarten auf die eine oder andere Art Gewinne. Daher sind eiche keine Hoffnungsträger. Viele spezialisieren sich sogar darauf aus dem Zerfall von Firmensubstanz Gewinn zu ziehen.
 

Wie geht nun die Akkumulation?

Aufgrund des Kaufes von Arbeitskraft kann ein Kapitalist sich durch einfache Ausbeutung bereichern. Wenn er jedoch mehrere Unternehmen besitzt oder eine Beteiligung an einem Konzern, spielt die Akkumulation des Kapitals aufgrund von Wachstum und von Handel mit Aktien eine Rolle. Werden Gewinne größtenteils reinvestiert, weil der persönliche Verbrauch zu vernachlässigen ist, gehorcht die Akkumulation einem Skalengesetz. Der Superreiche, der sich persönlich um die Ausbeutung nicht mehr kümmern muß, überläßt die Drecksarbeit damit eigentlich anderen und kann sogar die Augen davor verschließen, die Hände in den Schoß legen und gleichzeitig in Unschuld waschen. Die Akkumulationfindet auchdeshalb statt, weil ab einer bestimmten Größe selbst ohne Okkupation von Schlüsselpositionen in der Wirtschaft Marktmacht auftritt. Der Reichere kann bei einem Handel die Bedingungen stärker diktieren, als seine Handelspartner. Ab einer bestimmten Größe wächst der Reichtum von alleine, wenn man keine großen Fehler macht.
 

Bewußtes Raffen

Trotzdem profitiert, dieser Reiche mit den in Unschuld gewaschenen Händen von der Ausbeutung vieler Menschen. Er lebt von ihrer Arbeit. Da andere im Hotel seine Sachen waschen und sein Essen bereiten, hat er viel freie Zeit. Er hat durchaus schon verstanden, daß, damit er und seine anderen reichen Freunde gut leben können, viele andere dafür arbeiten müssen. Da er sein Vermögen nicht den Armen schenkt, ist ihm diese Besitzdifferenz durchaus wichtig. Da er an Fusionen Teil hat, ist er auch an der Schließung von Betrieben und der Entlassung von Belegschaften beteiligt. Er ist in die Strategien zur Täuschung von Belegschaften eingeweiht. Er hat in der Regel das Bewußtsein, daß die Masse arm sein muß, damit er reich sein kann.

 

Was ist bei gutem Willen?

Stellen wir uns nur vor, ein Milliardär, der den Reichtum geerbt hat oder durch unglaublich geniale Erfindungen zu ihm gekommen ist, möchte gern etwas nützliches tun. – Ein wahrhaft guter Milliardär also, der zu Geld wie Heu gekommen ist, wie die Jungfrau zum Kinde. Dann könnte dieser Milliardär Bedürftigen spenden oder intelligenter Weise strukturelle Hilfen anbieten, Bildungsferne oder Sucht bekämpfen, Kampagnen gegen Rüstung und Krieg finanzieren. Stellen wir uns vor, er hätte die für Milliardäre ungewöhnliche Idee sozial Bedürftigen zu helfen. Dann würde er vielleicht einen großen Teil seines Gewinnes abzweigen, um diesen Bedürftigen zu helfen.
 

Aber dieser Gewinn stammt doch aus Ausbeutung!
 

Könnte der gute Milliardär dann nicht einfach die Ausbeutung verringern?

Nehmen wir an, die Ausbeutung wird unter den Bedingungen des Konkurrenzkampfes verringert, dann muß der Milliardär auf seine Gewinne verzichten. Hat er so viel, daß das nicht ins Gewicht fällt, kann er immer noch gewisse Gewinne einstreichen und in Saus und Braus leben. – Aber halt! – So denken doch genau alle Ausbeuter. Sie glauben, daß sie Wohltäter sind, obwohl sie schmarotzen. Sie glauben, daß der Anteil vom durch Arbeit erzeugten Wert, den sie den Arbeitern lassen, ausreichend ist und der Rest ihnen einfach zusteht. – Andere wären viel schlimmer. Die Grenze zwischen beidem verschiebt sich durch psychologische Abwehr.
 

Noch etwas tiefer!
Aber zurück zum Problem! – Ein guter Milliardär erkundigt sich also bei der Kommunistischen Partei, was er mit seinem Reichtum Gutes tun kann. – Kann er guten Gewissens aus seinen Gewinnen Geld für gute Werke abzweigen, um insgesamt Elend zu verringern?
Das kann er nicht. Wenn er das tut, muß genau dieses Geld durch Ausbeutung „erwirtschaftet“ werden und er muß, um wenigen Bedürftigen zu helfen, eine vielfache Zahl an Arbeitern ausbeuten. Da alle Kapitalisten das eigentlich wissen, achten sie darauf, daß sie stets eine ausreichende Zahl ausreichend stark ausbeuten. Sie wissen, daß der Kapitalismus so funktioniert, daß viele für den Wohlstand weniger schuften müssen. Wer das nicht will, ist nicht Milliardär.
Damit es im Kapitalismus wenigen sehr gut geht, müssen viele im Elend leben.
Damit es im Kapitalismus vielen gut geht, müssen ganze Völker ermordet und Kontinente zerstört werden.

Wer also im Kapitalismus tatsächlich Gutes tun will, kümmert sich darum, daß über Vermögen, Betriebe, Förderungen und Zuwendungen möglichst öffentlich diskutiert und möglichst demokratisch entschieden wird. Dafür dürfen sie dann aber nicht in privater Hand sein. Deswegen braucht man Sozialwöhnungen, öffentliche Wasserwerke und öffentliche Müllentsorgung.

 

Was ist Gesamtelend?

Das Elend fällt vor allem denen auf, die mit ihm konfrontiert werden. Leider lernen im Kapitalismus viele, über das Elend, das in ihrer Nähe auftritt, hinweg zu sehen. So bleibt erst recht eine Größe, die wir Gesamtelend nennen, im Dunkeln. Dieses Gesamtelend kann nur gemessen werden. Sozialisten sind die einzigen die sich dieses Gesamten (restlichen) Elends annehmen. Sozialistische Milliardäre gibt es nicht.
Das Gesamtelend steigt im Kapitalismus durch Privilegien wie z. B. Ausbeutung und Akkumulation.

 

Fazit

Wenn also ein Milliardär wirklich Nützliches tut, beutet er gleichzeitig unverhältnismäßig viele aus und erzeugt in der Bilanz mehr Elend. Er nützt damit in der Regel seinem Ruf bei Leuten, die etwa so weit rechts sind wie er und so dumm sind, Reiche für ihren Reichtum (oder sogar ihre Rücksichtslosigkeit) zu verehren.

[Evariste]

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