Warum ist Glücksspiel amoralisch?

Wörter: 1516 ; Linkslevel: -2 Asoziale Mitläufer
Wenn der Sportsender Pokern überträgt, dann tun Sender, Mitspieler und Zuschauer so, als würde es sich um eine Sportart handeln. Tatsache ist, daß eine solche Unsitte in vielen Ländern verboten ist und in den Ländern, in denen sie nicht verboten ist, verarmen Leute durch Spiel oder geraten durch die vorgespiegelte Aussicht auf mehr Gewinn noch tiefer ins Elend. Dabei ist die Sucht noch gar nicht betrachtet.

Glückspielähnliche Situationen treten im Kapitalismus immer wieder auf. Es ist daher von prinzipieller Bedeutung mal zu klären, warum das reale Spiel um Geld amoralisch ist. (Eigentlich sollte das selbst Kindern klar sein. Es hängt jedoch von der Position im politischen Spektrum ab, wie man dazu steht.)

 

Was bedeutet Glücksspiel?

Glücksspiel kann Skat um Geld oder Poker oder ein Automatenspiel um Geld sein. In jedem Falle kommen Leute zusammen, die jeweils hoffen, mit Hilfe dieses Glücksspiels den jeweils anderen ihre Einsätze abzunehmen. Viele Glücksspiele sind asymmetrisch. Das heißt es gibt eine Bank oder einen Automatenhersteller, so daß es einen mitverdienenden „Veranstalter“ gibt, der immer verdient und dessen Geschäft darin besteht, das Glücksspiel auszubeuten.

Beim Glücksspiel wird etwas Reichtum umverteilt. An der Stelle, an der dieser umverteilte Reichtum Dimensionen annimmt, die für die Spieler ökonomisch relevant sind, betreffen sie auch die Sozialsysteme und die Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Verschärfend kommt der Suchtcharakter vieler Glücksspiele hinzu.

 

Asymmetrisches Glücksspiel

Die Bank gewinnt

Das asymmetrische Glücksspiel ist so gestaltet, daß die Bank langfristig – und meist schon mittelfristig – gewinnt. Betrachten wir das Roulette-Spiel, haben wir schon deswegen ein ungerechtes Spiel, weil es eine Null gibt. Wenn wir unter diesen Umständen eine Strategie suchen, mit der wir (den Spielregeln gemäß) die Bank ausnehmen wollen, so finden wir durch Analyse nur Systeme, bei denen wir aufgrund der Wahrscheinlichkeiten und dem Gesetz der großen Zahl selbst viel mehr Geld mitbringen müssen, als die Bank insgesamt besitzt. Damit solche Strategien nicht fruchten, hat die Bank ein Limit eingeführt, das die Strategien so kompliziert und langwierig macht, daß ein Arbeitsleben nicht ausreicht um erfolgreich zu sein. Die Null tut hier den Rest. Asymmetrische Glücksspiele sind nur für diejenigen Spaß, die Geld – wie Heu – haben.

 

Glücksspiel im Rechtssystem

Das asymmetrische Glücksspiel lebt zu großen Teilen vom Suchtcharakter vieler Spiele. Hier ist der Staat gefordert, das Geschäftsprinzip als nicht sinnvoll bzw. asozial zu erkennen und diesem Glücksspiel einfach die Zulassung zu verweigern.
Derzeit gibt es einen Mittelweg, bei dem die Glücksspielbetreiber öffentlich und (zum Ausgleich für den Schaden) gemeinnützig sein müssen. Das ist unlogisch und inkonsequent.
Die Forderung nach der Gemeinnützigkeit von Lotto- und Casino-Betreibern zeigt die implizite Anerkennung der Schädlichkeit des asymmetrischen Glücksspiels.

 

Symmetrisches Glücksspiel

Das symmetrische Glücksspiel wird nicht so sehr von Institutionen ausgebeutet, obgleich es auch hier spätestens mit der Etablierung von Wettkämpfen und Fernsehübertragungen auch eine gewisse Lobby und auch Veranstalter gibt, die die Preisgelder aus Mitgliedseinsätzen oder anders zusammensetzen und ganz allgemein mit Übertragungsrechten oder Eintrittsgeldern handeln – in jedem Falle aber gewinnorientiert arbeiten.

Das symmetrische Glücksspiel wird wie oben beschrieben, gesellschaftlich relevant, wenn die Einsätze eine für den Einzelnen ökonomisch relevante Höhe erreichen. An dieser Stelle wird es automatisch unmoralisch. In der kapitalistischen Kultur tut man so, als würde dieser Teil der Geschichte nur die persönliche Verantwortung des Einzelnen betreffen und wenn jemand so unerwachsen ist, das zu verspielen, was er dringend braucht, oder sogar das, was er nicht hat, tut man so, als ginge es die anderen Teilnehmer nichts an. Es handelt sich hierbei jedoch um die Kultivierung von Verantwortungslosigkeit.

 

Allgemein

Asozialität

Ganz allgemein fördert das Glücksspiel die Habgier und die Idee schnell zu Geld zu kommen und dafür auch gefährliche Risiken einzugehen. Das Glücksspiel ist bereits kultureller Ausdruck dieses in kapitalistischen Gesellschaften weit verbreiteten Gedankens. Dabei spielt natürlich eine Rolle, daß man in der Praxis durch ehrliche Arbeit kaum reich werden kann. Viele träumen jedoch trotzdem den Traum vom Reichtum, welcher das Bedürfnis nach Wohlstand bei weitem überkompensieren würde. Der Traum vom Reichtum ist jedoch ein asozialer Traum. (Extraartikel: »Der Traum vom Reichtum« (unfertig))
Ganz allgemein hoffen die Teilnehmer des Glücksspiels, sich die Einsätze der anderen Teilnehmer anzueignen. Das Schicksal der anderen muß ihnen dazu egal sein. Daher ist Glücksspiel prinzipiell asozial. Um andere zu schädigen, muß man sie verachten. Genau das ist Asozialität. Verachtung ist ein Werkzeug. Hat man diese Verachtung erlernt, steht man rechts im politischen Spektrum.
 

Akkumulation

Der Gewinn eines Glücksspielers hängt vom Verlust anderer ab. Das hat das Glücksspiel mit dem Kapitalismus gemeinsam. Es ist daher ein Stück kapitalistischer Kultur. Was es mit dem Kapitalismus hingegen nicht gemeinsam hat, ist, daß im Kapitalismus mitunter auch Wachstum auftreten kann, der allen nützt. Beim Glücksspiel gibt es nur AkkumulationGewinne beruhen also immer auf den Verlusten anderer. Werte werden nicht geschaffen.
 

Praxis und Kultur

In der Praxis des Glücksspiels kommt es daher natürlicher Weise zu Betrug. Für viele ist es eine Schule des Betrugs und wenn wir das Pokerspiel betrachten, das in der kapitalistischen Kultur sogar im Fernsehen übertragen und als „Sport“ betrachtet wird, so besichtigen wir originär eine Kultur des Betruges – denn das Pokerspiel spielt intrinsisch mit der Täuschung und erhebt sie zu einer kulturellen Fertigkeit.
Selbst beim „Wetten“ gibt es das Problem, daß man betrügen will. Hier gibt es einen Graubereich, nämlich den des Systemspiels. Ein Systemspieler versucht bewußt unbewußtes systematisches Tippverhalten anderer auszubeuten. Wenn man dieses System nur groß genug wählt – also die unscharfe Größe Gewinn mal Wahrscheinlichkeit in auseichender Größe kontrolliert, funktioniert das auch. Die Systemspieler beuten daher die Nichtsystemspieler aus. Leute, die im politischen Spektrum rechts stehen (0 < ELL < -5,5) würden sagen, daß das doch ein geschicktes Verhalten ist und die anderen Spieler dumm sind, wenn sie so dumm tippen. Das liegt daran, daß der Gedanke, andere auszubeuten in dieser rechtsgerichteten Gesellschaft verbreitet und nicht geächtet ist.
Der sozialchauvinistische Kult der Reichen, daß wer andere ausnimmt, ein „winner“ ist, daß die Fähigkeit andere zu überlisten als Fertigkeit betrachtet, und daß Reichtum, der durch Ausbeutung entstanden ist, als „es zu etwas gebracht zu haben“, interpretiert wird, wird mit dem Glücksspiel in die ausgebeutete Masse getragen, die damit die für sie feindliche Ideologie der Reichen, mit der Reiche Reichtum und Ausbeutung rechtfertigen, übernimmt.

 

Verbot!

Warum ist es verboten?

Derzeit ist wie oben erwähnt, das Glücksspiel nur halb verboten. Öffentliche und „gemeinnützige“ Glücksspiele sind gestattet.
Dem Verbot zugrunde liegt der Gedanke, daß Glücksspiel Betrug fördert, ausbeutbar ist und Spielsucht ausbeutbar macht.

Es gibt wie wir gesehen haben, auch ganz allgemeine moralische Bedenken, die für ein Verbot sprechen. Es handelt sich hierbei jedoch um eine links-rechts-Frage.
Im Sozialismus ist Glücksspiel natürlich verboten.

 

Warum sollte es verboten sein?

Wer wettet, der betrügt!

Wie wir sehen, ist Teil des Glücksspiels die Ausbeutung anderer, Die Täuschung und der Betrug. Arglist wird zur legalen kulturellen Tugend. Es ist klar, daß man anderen etwas wegnehmen will, während diese ihrerseits auf Gewinn hoffen. Daher geht es darum anderen etwas gegen ihren Willen abzunehmen. Wer immer das (symmetrische) Glücksspiel rechtfertigen möchte, kann einwenden, daß ja alle Mitspieler mit der Situation und den Regeln vertraut sind, jedoch ist die soziale Situation der Mitspieler in der Regel sehr unterschiedlich. Sie steht extra nicht zur Debatte. Das Glücksspiel bildet eigentlich den Rechtsrahmen, andere auszubeuten. Dieser Rechtsrahmen ist ad hoc konstruiert. In jedem Pocker-Western sprechen die Gewinner von „Spielregeln“ und auch im Europa der vergangenen Jahrhunderte hat sich der dämliche Spruch: „Spielschulden sind Ehrenschulden“ verbreitet. Menschenverachtung kann die Farm von Regeln, aber auch von Gesetzen annehmen.
Wenn immer also ein Glücksspiel stattfindet, müssen die Mitspieler sich gegenseitig verachten, da sie sich gegenseitig ausplündern wollen. Glücksspiel kultiviert die Verantwortungslosigkeit. Wer immer das Glücksspiel verteidigt, steht deswegen rechts im politischen Spektrum.
Der Volksmund sagt: „Wer wettet der betrügt.“ Das bedeutet, nicht, daß bei jeder Wette, betrogen wird, sondern, daß Menschen, die mit einander um Geld spielen (soweit es sich um für die Existenz relevante Beträge handelt) auch bereit zum Betrug sind, weil sie sich um das Schicksal der anderer Menschen nicht kümmern. – Weil sie sie ausplündern. Das Glücksspiel legalisiert den Betrug.
 

Spielsucht

Wer dumm genug ist, das zu verspielen, was er selbst nötig braucht, tauscht im Spiel sein Geld gegen die Chance auf mehr Geld. Das ist nicht logisch, wenn die Chancen so schlecht sind, daß eine Bank die Differenz zwischen der Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeit ausbeuten kann. Der starke Wunsch und ein bisschen Dummheit führt jedoch zu unscharfem Denken1, das der Situation nicht gewachsen ist. Dazu kommt noch die Sucht. Erwachsene, die ihr Geld verspielen, müssen geschützt werden!
 

Verantwortungslosigkeit

Wer mit Glücksspiel reich werden will, verhält sich verantwortungslos gegenüber den Mitspielern. Der asoziale Wunsch andere auszunehmen, entsteht. Wenn Gewinn für fremden Schaden zu bekommen, zum Wunsch wird, ist Amoralität die Folge.

 

Fazit

Glücksspiel sollte verboten sein, weil es verantwortungslos und dumm ist, und weil viele sich durch die Unvernunft andauernd daran teilzunehmen, selbst schädigen, aber auch, weil der Gewinn eines solchen Spiels amoralisch ist, sollte Glücksspiel prinzipiell verboten sein. Glücksspiel ist gewissenlose Aneignung.
Die Spekulation auf Gewinne, die vom Verlust anderer abhängen, ist amoralisch!
Glücksspiel verdirbt die Gesellschaft, beschädigt die Zivilisation und verringert die Solidarität und die Widerstandskraft gegen Ausbeutung. (Link auf Ausbeutung einfügen)

[Evariste]

 

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