Warum es im Sozialismus kein genossenschaftliches Eigentum geben darf

Wörter: 723; Linkslevel: +4 Sozialistisch
Genossenschaftliches Eigentum gilt vielen Linken von Feuerland über Europa bis Kamtschatka als das Non-plus-ultra des Kampfes gegen das Privateigentum an Produktionsmitteln. Insbesondere werden die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR als Fortschritt gesehen.
Bevor wir jedoch zur eigentlichen Frage kommen, was schlecht an Genossenschaften im Sozialismus ist, kommen wir zu der, was gut an ihnen ist, was außerhalb der linken Bewegung und teilweise innerhalb nicht unbedingt klar ist. Dabei wird bereits das richtige Thema angesprochen:

 

Das richtige Thema …; Linkslevel: Fortgeschrittene
Die Endlichkeit von verfügbarem Grund und Boden – Was war richtig an der Enteignung der Bauern? (in der DDR)

Die Begrenztheit von Grund und Boden wurde bereits klar in »Links und Eigentum – Warum die Linken die Eigentumsfrage stellen«(Anfänger) unter »Boden« behandelt. Sie ist der Grund, warum die Enteignung der Junker und Großgrundbesitzer und die Aufteilung des Landes an die Bauern richtig war. Über Grund und Boden konnten nun diejenigen entscheiden, die ihn bestellten, viele Köpfe statt weniger von ihm profitieren.

 

führt schließlich zum richtigen Argument; Linkslevel: Sozialisten/Kommunisten
Enteignung der Bauern in der DDR und die Überführung in genossenschaftliches Eigentum war ein Fehler! – Aber was für einer genau?

Die Begrenztheit von Grund und Boden und ihr Wert für die Gesellschaftist aber auch der Grund, warum die Aufteilung von Grund und Boden nach der demokratischen Bodenreform am Beginn der DDR-Zeit falsch war. Wenn Boden zum Privateigentum gemacht wird, ist er privat aufgeteilt und wird vererbt. Die Zahl der Bauern ist damit in gewisser Weise festgelegt, denn der Endlichkeit der Ressource Boden und seiner gesellschaftlichen Bedeutung wurde nicht Rechnung getragen. Was daraus resultiert, wurde in dem oben zitierten Artikel beschrieben. Bisher wurde meist das Argument (für Fortgeschrittene) der Enteignung von Großgrundbesitz {und die Aufteilung von Land auf viele Köpfe verwandt} – was irgendwie links ist.
 

Diese Argumentation ist jedoch ungenau, weil nicht berücksichtigt wird, daß auch Köpfe übrigbleiben (können).
Die Pseudo-Enteignung der Bauern und der Zusammenschluß zu Genossenschaften ist zunächst ein Fortschritt gegenüber der kapitalistischen Marktwirtschaft, da ja immer noch die Junker und Großgrundbesitzer enteignet wurden, aber ein Opportunismus, der genau den oben angeführten beiden Tatsachen (rot) ebenfalls nicht Rechnung trägt. Das sieht anders aus, wenn diese Genossenschaften per Gesetz gezwungen sind beliebige Mitglieder (nach Schlüssel) aufzunehmen. Das man sich dabei in die Genossenschaft einkaufen muß und im Prinzip noch eine Zwischeneigentumsform mit Gewinnen, Verlusten, Verantwortung und Besitzverfügungsrechten hat, ist ein alter Zopf. Selbstverständlich wird damit oberflächlich die alte Forderung erfüllt, daß diejenigen über die Produktionsmittel verfügen, die damit arbeiten. Sie werden das natürlich auch verantwortungsvoll tun. Es bleiben aber welche (Landlose) übrig und in dem oben erwähnten Artikel ist beschrieben, daß dies spätestens beim Generationswechsel der Fall ist, wenn es nicht explizit durch Gesetze verhindert wird.

 

Genossenschaftliches Eigentum im Sozialismus?

Trotzdem ist dies nicht der ganze Fortschritt, da das Eigentum als Ideologie weiter wirken kann. Dieses kann negative Konsequenzen haben. Die negativste ist die der konterrevolutionären Rückführung in den Kapitalismus. Eine solche Rückführung genossenschaftlichen Eigentums – teilweise nahtlos was die Eigentumsform angeht – haben wir erlebt. Eine Genossenschaft im Kapitalismus nimmt, wenn sie konkurrenzfähig ist, am Akkumulationsprozeß teil. Wer will entscheiden, ob eine Genossenschaft, die zwar viele Köpfe ernährt, jedoch gegenüber einem Arbeitslosen im Kapitalismus privilegiert ist, aus schlechteren Linken oder besseren Kapitalisten besteht.
Wir wollen daher klar formulieren, daß genossenschaftliches Eigentum keine voll vergesellschaftete Eigentumsform ist, sondern eine für den Kapitalismus konzipierte Notlösung. Ein Kind, das im Kapitalismus in eine LPG geboren wird, wächst anders auf, als eins, das mit Alg 2 aufwächst. Mit ihrem Auftreten können Ausgrenzung, Akkumulation und Dünkel einhergehen. Im Falle von gesellschaftlich organisierter Not wird das sogar zwangsläufig der Fall sein.
Ein solches Kind wächst allerdings auch anders auf, als das Kind reicher Manager, das mit hoher Wahrscheinlichkeit Dünkel und Überheblichkeit quasi mit der Muttermilch aufnimmt. Genossenschaften sind zunächst gut für den Kapitalismus.

Aber auch im Sozialismus, Ist eine Genossenschaft, wie eine Krücke, eine Krücke, die das ersetzt, was Linke von Rechten unterscheidet – eine Krücke, die das ersetzt, was im Sozialismus zu seiner Erhaltung notwendiger Weise von allen erlernt werden muß – :
 

die Verantwortung

 
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Jedoch kann eine Genossenschaft im Sozialismus nicht mehr sein, als eine Krücke.
Im Sozialismus würde Eigentum an Produktionsmitteln immer den intrinsischen Drang zur Akkumulation in der Gesellschaft konservieren. Privateigentum an Produktionsmitteln ist eine Rückfallserscheinung des Sozialismus. Ihre (Wieder-)Einführung weist auf Revisionismus hin.
Wir Kommunisten sind für eine volle Vergesellschaftung und das heißt Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln.
[Evariste]

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