Warum die Afrikaner nicht verhungern, wenn man sie in Ruhe läßt

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Eine häufig beobachtete Ansicht von Konservative und Unpolitischen, die in der BRD leben, ist die, daß sie aufgrund der Propaganda von Parteistiftungen, Hilfsorganisationen, kirchlichen Organisationen und wirtschaftlichen Interessenverbänden glauben, daß „Europa“ oder „der Westen“ oder der „Norden“ oder daß „die demokratischen Länder“ in Afrika intervenieren müßten, daß man dort wirtschaftlich oder gar militärisch eingreifen müßte, um zu verhindern, daß es den Afrikanern schlecht geht und daß sie ansonsten auf keinen grünen Zweig kommen würden.

Der Forderung der Linken, Afrika in Ruhe zu lassen, begegnet man mit der Vorstellung, daß „die Afrikaner“ dann verhungern würden. Dabei wird unterschlagen, daß Afrikaner schon in Afrika gelebt haben, bevor die Römer dort Sklaven gejagt haben.
 

Was sind „Westen“ und „Norden“

In diesem Artikel werden mit „Westen“ vor allem die NATO-Mitgliedsstaaten, sowie die assoziierten imperialistischen Staaten bezeichnet. Mit „Norden“ werden jedoch alle im Vergleich zu Afrika, Südasien, und Südamerika reichen Länder des Nordens bezeichnet.

 

Warum geht es Afrika schlecht? – ganz kurze Geschichte des Kolonialismus

Die Geschichte Afrikas ist eine Geschichte des Kolonialismus und des Neokolonialismus (Als Fortsetzung eignet sich hier: »Was sind Kolonialismus, Neokolonialismus und Neoliberalismus?«)
Seefahrer, die zunächst Gewürze aus Indien holen wollten, machten immer öfter an der afrikanischen Küste halt, um Früchte und frisches Trinkwasser zu besorgen. Dabei wurden immer mehr Ressourcen entdeckt. Eine der ersten Ressourcen,die man entdeckte war die menschliche Arbeitskraft, die man sich der relativen militärischen Wehrlosigkeit der Afrikaner, aber auch der rassistischen Verachtung wegen einfach durch Versklavung aneignete und nach Amerika verschiffte. Später entdeckte man Bodenschätze, wie Diamanten. Im Ölzeitalter entdeckte man auch Öl in Afrika. Die lokale Bevölkerung wurde entweder als billige Arbeitskraft eingesetzt, oder störte, wenn sie eigene Interessen artikulierte. Aufstände, die sich gegen die Herrschaft der Weißen richteten, wurden blutig niedergeschlagen. Die mittlerweile als sehr reichhaltig angesehenen Bodenschätze Afrikas haben den Afrikanern jedoch kein Glück gebracht. Blutige Kriege um Diamanten und um Öl fanden und finden statt. Selbst in Friedenszeiten ist die Gewinnspanne der Afrikaner selbst extrem gering. Ausbeutung findet durch Handel und durch Aneignung des Mehrwertes statt. Um das tun zu können, mußte der Westen in Afrika Rechte erwerben. Um Rechte erwerben zu können, mußten erst gewaltsam ein Rechtssysteme installiert werden, die den Afrikanern feindlich gegenüberstehen und die Interessen der neuen weißen Herren schützten. Diese Rechtssysteme bedeuteten jedoch eine Diskriminierung auf vielen Gebieten, z. B. beim Erwerb von Land und Besitz. Weiße Kolonialisten bildeten sich ein, die relativ ungebildeten Afrikaner würden nichts taugen, weil sie Schwarze wären. Mit solchen Überzeugungen fällt Ausbeutung leicht und die Legende vom dummen Afrikaner, dem geholfen werden muß, hat im konservativen Spektrum bis heute überlebt.
Als die afrikanischen Völker sich ihrer Diskriminierung bewußt wurden, begannen sie sich zu befreien. Danach kam jedoch der Neokolonialismus, der genauso gut funktionierte, wie der Kolonialismus (Siehe »Was sind Kolonialismus, Neokolonialismus und Neoliberalismus?«) Eine Verschärfung fand durch den Neoliberalismus satt, der weltweit dazu dient es den Herrschenden, die Entwicklung demokratischer Strukturen auf ihren formalen Kern zu reduzieren – das heißt Demokratie, wo immer sie wirklich entsteht, zu beseitigen.

Heute wird die ganze Palette an Rohstoffen in Afrika gesucht und abgebaut. Besonders schlimm ist der Abbau von Uran. Besonders blutig der Abbau von Diamanten, Kriege gibt es um Ölquellen und seltene Erden. Bei all dieser Ausbeutung bleibt Afrika arm, weil es politisch und militärisch an einer eigenständigen Entwicklung gehindert wird. (Siehe »Was ist Entwicklungsfeindlichkeit?« (unfertig))

 

Wie kommt es zu dem Entwicklungsvorsprung Europas?

Wissenschaft ist Luxus und die ersten Länder, die Wissenschaft entwickelten, waren Ausbeuterstaaten, die vor allem massiv andere Länder ausbeuteten, dann später Energiequellen ausbeuteten und heute diesen Entwicklungsvorsprung weiter ausbauen, indem sie Energiequellen ausbeuten,die ihnen nicht zustehen.

(Ausführlich in eigenem Artikel: »Warum haben sich die europäischen Sprachen über den Planeten verbreitet? – Woher kommt der europäische Entwicklungsvorsprung?« )

Dieser Entwicklungsvorsprung hätte sich unter günstigen Bedingungen auch anderswo ausbilden können.

 

Welchen Einfluß übt der Westen auf Afrika aus, wenn er mal Frieden hält?

Erschließung von Gebieten

Gebiete werden durch Schiffe, Straßen und Schienen erschlossen. Das hat zwei Seiten. Handel mit Gütern und Nahrungsmitteln wird möglich. Kultureller Austausch wird möglich.
Jedoch hängt die Kultur eines Landes auf’s engste mit den Produktionsmethoden zusammen (Produktionsverhältnisse). Das bedeutet, daß eine wesentliche Änderung der Produktionsverhältnisse zum Zusammenbruch der Kultur führt. Außerdem ist die handelstechnische Erschließung eines Gebietes für dieses Gebiet meistens schlecht, da Waren aus Massen- und Serienproduktion in das Gebiet strömen, während das so überflutete Gebiet keine adäquate Warenmasse exportieren kann. Das mit hochentwickelten Waren überflutete Land ist nun gezwungen Landwirtschaftsprodukte und Rohstoffe zu exportieren, die vergleichsweise ineffizient hergestellt oder abgebaut werden. Die Folge davon ist viel Elend und eine allgemeine Verschuldung. Die Außenhandelsbilanz einer unentwickelten Region muß bei (verkehrstechnischem) Anschluß an den Weltmarkt negativ sein.
Da die armen Länder durch Kolonialismus und Neokolonialismus wirtschaftlich funktionalisiert und auf niedrigem Niveau extrem spezialisiert wurden, sind sie abhängig vom Export weniger Produkte, die der Norden dafür in großer Menge und besonders billig importieren kann. Die Arbeitskräfte dieser armen Länder sind also gezwungen, für niedrigste Löhne schwerste Arbeiten zu verrichten. So kommt es gerade da, wo Maschinenkraft durch Manpower ersetzt wird (Diamantminen, Baumwollernte, …) zu Erscheinungen wie Kinderarbeit.

Rohstoffausbeutung
Das Interesse des Westens an Afrika beschränkt sich größtenteils auf die Rohstoffausbeutung. An erster Stelle stehen Energieträger, wie Uran, Erdöl, Kohle und Erdgas, Dann kommen seltene Erden, Diamant und weiter Rohstoffe, wie Erze und andere Materialien. Schließlich kommen die kleinen Posten, wie spezielle angebaute Produkte oder Wild, Safaritourismus (Elfenbein) usw.
 

Markterschließung
Ein sehr wichtiger Punkt ist immer die Erschließung von Märkten. Auch in Afrika gibt es reiche Ausbeuter. Diese haben Kaufkraft. Kauft ein Afrikaner ein Auto, dann kauft er seit Libyen 2011 zerstört wurde, ein Produkt, das nicht in Afrika hergestellt wurde. (Gaddafis Libyen verfügte über eine eigene Autoproduktion.) Kauft also ein Afrikaner ein Auto, geht Afrika eine Geldmenge verloren, von der man mehrere Arbeitsplätze hätte schaffen können.
 

Agrarausbeutung
Die Landwirtschaften der kolonialisierten Länder sind besonders funktionalisiert (spezialisiert). Nicht Waren des eigenen Bedarfes, sondern Bananen, Zucker, Kaffee und Tabak können ihre Produkte sein. Sie produzieren also planmäßig für den Export. So exportieren sie oft Waren, die ihre Importeure nicht so sehr benötigen, während sie selbst oft zu wenige Nahrungsmittel besitzen, oder diese mitunter auch noch exportieren.
 

Unterdrückung
In kolonialisierten oder neokolonialisierten Ländern werden Herrschaftssysteme errichtet, die die die Arme einheimische Bevölkerungen unterdrücken und und in weit geringerem Maße bilden.

 

Krieg

Insbesondere die für den Westen wertvollen Rohstoffe und Energieträger führen regelmäßig zu Krieg. Dabei führt der Westen nicht immer selbst Krieg. Gerade das Beispiel Diamanten zeigt, daß sich sogar die Afrikaner selbst untereinander bekriegen, um den reichen Weißen ihre Rohstoffe verkaufen zu können. Die reichen Weißen müssen nur bei organisiertem antikolonialem Widerstand richtig Krieg führen (rezent: Libyen). Im Allgemeinen reicht es einen Putsch zu unterstützen (rezent: Der wirkliche Wahlfälscher Ouattara wurde anstelle des rechtmäßigen Präsidenten Gbagbo als Präsident der Elfenbeinküste eingesetzt.) Nachdem die Weißen gesiegt haben, wird in der Regel ein übles unterdrückerisches Regime installiert. Das ist nicht nur für Afrika typisch.

 

Wann und warum hungern die Afrikaner?

Jeder Kontinent produziert zunächst die Nahrungsmittel, die seine Bewohner benötigen selbst. Durch die Globalisierung des kapitalistischen Handels kommt es zu einem Austausch von Nahrungsmitteln. Da der Kapitalismus vom Gebrauchswert zum Tauschwert abstrahiert, kommt es dazu, daß unterschiedlich entwickelte Kulturen industriell hergestellte Waren z. B. gegen Rohstoffe oder Agrarprodukte tauschen. Aus diesem Grunde geschieht es, daß einige Kulturen mehr Lebensmittel erzeugen,alssie brauchen und andere weniger als sie selbst brauchen. Das wäre nicht schlimm, wenn durch Handel ein Ausgleich geschaffen werde könnte. Leider produzieren arme Länder jedoch Produkte geringeren Wertes oder können den eigentlichen Wert ihrer Produkte auf den von großen Konzernen kontrollierten Märkten nicht realisieren. Daher passiert es, daß einige Länder soviel exportieren müssen,wie sie nur können, während andere Länder ihre Marktmacht kalkuliert einsetzen können.
 

Realwirtschaft

Marktmacht erhält der Norden klassisch zunächst,in dem er einem Land die kapitalistischen Rechtsverhältnisse aufzwingt, Land kauft, Förderkonzessionen erwirbt, Leute ausbeutet. Das Rechtssystem wurde meist mit Krieg aufgezwungen oder von korrupten Herrschern errichtet. Die ausgebeuteten Einwohner des Landes hatten nicht die Chance, das zum Zwecke ihrer Ausbeutung errichtete Rechtssystem zu nutzen und nicht das Geld riesige Kaffeplantagen zu errichten. — Im Gegenteil! — Eine Klasse von Herrschenden hält sie davon ab, Land zu besitzen. Pistoleros – heute ersetzt durch Polizei — sorgten für den nötigen Abstand um die Ausbeutbarkeit zu gewährleisten. So kommt es in Lateinamerika zu Großgrundbesitz mit echten Großgrundbesitzern und landlosen Tagelöhnern und in vielen afrikanischen Staaten zu kolonialem Adel und zu statthalterischen Monarchien.
 

Kapitalmarkt

Eine besondere Erscheinung des Kapitalismus sind die Kapitalmärkte. An den Kapitalmärkten spielt der wahre Wert einer Ware keine Rolle mehr. Der aktuelle Preis setzt sich aus einer marktideologischen Preisvorstellung, der langfristigen Wette auf Gewinn, der kurzfristigen Wette auf Gewinn und einer geballten Ladung Psychologie zusammen. Dazu kommen Manipulationen und Steuerungsmechanismen. An diesen Kapitalmärkten kann prinzipiell alles gehandelt werden, was ein erforderliches Marktvolumen hat. Da alle Marktteilnehmer an den Kapitalmärkten Glücksritter sind, gibt es eine Vielzahl von Tricks, denen ein Realunternehmen nicht gewachsen ist.
Natürlich wird an diesen Kapitalmärkten auch mit dem gehandelt, was von den Menschen notwendiger Weise jeden Tag konsumiert werden muß, mit Lebensmitteln. Das besondere an Lebensmitteln braucht kaum erwähnt zu werden: Sind sie knapp steigt der Preis, da sie auf jeden Fall in geringer Menge konsumiert werden müssen. Wenn also eine Knappheit entsteht, steigt der Preis. Knappheit läßt sich ausbeuten. Daher sind die Glücksritter dazu übergegangen mithilfe der Rechtsform Aktiengesellschaft, mithilfe der Ideologie vom heiligen Markt scheinbar neutral, so, wie man das von anderen Märkten her auch kennt, künstliche Knappheiten zu erzeugen, um diese dann auszubeuten.
Spekulation mit Getreide und anderen Lebensmitteln wurde lange als normale Betätigung an der Börse betrachtet.
Jedoch haben die Glücksritter heute Hintergedanken.
So kommt es zur planmäßigen Eroberung von Märkten und zwangsläufig zur Zerstörung von Subsistenzwirtschaften.
Einen Markt zu zerstören ist leicht. Man bietet billig Getreide an und wenn die Subsistenzwirtschaften zerstört sind (die Bauern Selbstmord begehen oder in die Städte ziehen, wo sich riesige Slums bilden) erhöht man die Preise und kauft das Land der Bauern systematisch auf.

[Evariste]

 

Empfehlung:
Ganz allgemein empfehlen wir hier das Buch von Jean Ziegler: »Wie kommt der Hunger in die Welt?«

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