Warum darf Prostitution nicht verboten werden?

Wörter: 1261; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke
Das Problem

Prostitution geht einher mit der Ausbeutung der Frau und mit Gewalt gegen Frauen, ist frauenverachtend und wird im konservativen Spektrum als unanständig betrachtet. Neuere Bestrebungen Prostitution zu verbieten, erstrecken sich von Rechts bis hinein in die Mitte der Gesellschaft.
Hier wird geklärt, was die in vielgestaltiger Form auftretende Prostitution tatsächlich ist. Versuche, die Prostitution rechtlich und menschenrechtlich einzufrieden, sind in der Vergangenheit an unterschiedlichen politischen Interessen und an falscher Analyse gescheitert.
Wir Kommunisten selbst sehen ein Prostitutionsgesetz einzig unter der Prämisse, daß es die betroffenen Frauen schützen soll. Ich erwähne, daß Prostitution bereits im Kommunistischen Manifest erwähnt wird. Wir ergreifen klar Partei und klären hier auch warum.
 

Umgang in der jüngsten Vergangenheit

Da durch Prostitution Milliarden umgesetzt werden, kam in der Politik die Idee auf, Prostitution zu besteuern und sie als staatliche Gegenleistung zu legalisieren. Eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz hatte man sich davon versprochen. Leider ist die Idee gescheitert, da die vier etablierten deutschen Rechtsparteien von Bü90/die Grünen bis CSU die Emanzipation der Frau nicht im Blick hatten, und beispielsweise ein Leistungsverweigerungsrecht, wie es die Linkspartei forderte, nicht implementierten. Gewerbliche Prostitution kann demnach nun auf Vertragsbasis stattfinden, Ausbeutung wurde legalisiert, da auf dem normalen Arbeitsmarkt ja auch Ausbeutung stattfindet. – Ein Grund, warum nur Kommunisten dieses Problem lösen können.
Da weiterhin auch Sklavenprostitution mit Entführten oder betrogenen Migrantinnen und auch von Drogenhabhängigen stattfindet, kann man sagen, daß das Prostitutionsgesetz an der Realität vorbei geht und gescheitert ist.
deswegen wollen Konservative nun nachlegen und Prostitution ganz verbieten, was wir, wie im folgenden dargestellt wird, als Verschärfung des Problems betrachten.

 

Konservative Bestrebungen

Konservative, obgleich sie diejenigen sind, die die Prostitution am häufigsten in Anspruch nehmen, verfallen schnell auf’s Ressentiment gegen Prostitution. Daß gerade sie die Prostitution abschaffen wollen, liegt zum Teil an einer kulturell verwurzelten Frauenfeindlichkeit.

 

Erfahrungen mit Verboten

Pornographieverbote

Von Pornographieverboten weiß man, daß die Zahl der Vergewaltigungen zurückgeht, wenn das Zeigen frauenverachtender Handlungen verboten wird. Die frage ist nun, ob man denselben Effekt bei der Prostitution erreicht.
 

Vorgehen in Schweden und Frankreich

Schweden und Frankreich haben die Prostitution verboten. Das hat Vor- und Nachteile. zunächst gibt es keine Praxis in der sexuellen Ausbeutung der Frau mehr. – Stimmt nicht! Die Prostitution ist durch Illegalisierung auf etwa die Hälfte zurückgegangen. Man kann spekulieren, daß die Frauenverachtung vielleicht ein wenig zurückgegangen ist.
Dem widerspricht jedoch die Praxis der Illegalisierung, die für die betroffenen Frauen größere Unsicherheit für Gesundheit und Leben bedeuten und ihnen auch unkomfortable Arbeitswege beispielsweise zu Verstecken im Wald aufnötigen. Durch längere Arbeitswege sind die Einkommen der betroffenen Frauen stark zurückgegangen. Die Sicherheit ist katastrophal.
Argument der Befürworter ist, daß man nur die Kunden bestraft. Diese Bestrafung nimmt in Schweden absurde Formen an, wo man mit verkleideten Polizistinnen irgendwelche Männer auf der Straße in Fallen zu locken sucht um sie dann zu bestrafen.
Die Fallen sind so konstruiert, daß die Polizei bewaffnet mit einem moralischen Impetus selbst kriminell wird.
Wir erwähnen kurz die starke Zunahme autosexueller Unfälle in Schweden.
 
In Frankreich spielt man mit dem Gedanken „aus Menschenrechtsgründen“ Prostitution zu verbieten. Man argumentiert, daß Prostitution Gewalt gegen Frauen ist und daß Frauen nicht freiwillig zu Huren würden.
 

Warum geht ein Kunde zu einer Prostituierten?

Zu einem gewissen Prozentsatz ist dies tatsächlich das Bedürfnis nach sexuellem Konsum. für einige die einzige Gelegenheit zum Sex. Im Detail sind die Gründe vielfältig.
Wir stellen hier die folgenden Fragen:
Hilft ein Verbot der Prostitution, die Frauenverachtung in der kapitalistischen Gesellschaft zu verringern?
Hilft das Prostitutionsverbot den betroffenen Frauen?
Warum prostituieren sich Frauen?
Wer hat Schuld an der Ausbeutung der Frauen?
Was ist falsch am bisherigen Umgang mit der Problematik?

 

Warum gibt es Prostitution?

Prostitution gibt es seit Jahrtausenden. Und seit Jahrtausenden wird die Frau von Männern sexuell und finanziell ausgebeutet. In der Vergangenheit hat man wenigstens einen Teil dessen verstanden und Zuhälterei verboten (wenn auch nicht sehr effektiv).
Wenn wir untersuchen, wo Prostitution auftritt, verstehen wir, warum es sie gibt.
Prostitution tritt an Wohlstandsgrenzen auf. Je größer das Wohlstandsgefälle, desto mehr Prostitution gibt es. Dieses Wohlstandsgefällte findet man in armen Ländern mit reichen Touristen ebenso, wie an der deutsch-tschechischen Grenze oder in Bahnhofsvierteln.
Durch Drogenkonsum verelendete und ansonsten auf Beschaffungskriminalität angewiesene sind daher auch betroffen.
 
Ursache für die Prostitution ist daher die Ungleichverteilung des Reichtums und die Undurchlässigkeit der Klassengrenzen.
Das ist ein Resultat! Deswegen läßt sich Prostitution nicht verbieten.

 

Wer gewinnt, wer verliert?

Sex gegen Geld ist ein asymmetrischer Handel.
Konservative tun so, als würde der Kunde die Frauen zur Prostitution zwingen. Es ist jedoch das Elend. Der Kunde nutzt dieses bloß aus. – Ein Handel bei dem beide etwas gewinnen, die Frauen jedoch zu sehr schlechten Konditionen bzw. gezwungenermaßen. Immerhin ist die (offizielle) Haltung der Konservativen nicht mehr die, daß die Frauen unanständig handeln würden.
 
Durch Verbote wird immer derjenige bestraft, der ausgebeutet wird. Das liegt daran, daß Prostitution auf einem Markt angeboten wird, auf dem Druck auch wenn er etwa auf Zuhälter oder Kunden angewandt wird, auf eben jenem Markt mindestens über den Marktpreis, aber auch über die Wahl des Arbeitsortes, die Sicherheit und Komfortabilität an eben jene Ausgebeuteten weitergegeben wird.
Konservative verstehen nicht, daß Prostitution zu den Produktionsverhältnissen der Ausbeutergesellschaft gehört und eben denselben Marktgesetzen gehorcht.
Verlierer aller Verbote sind daher die betroffenen Frauen. Sie werden so in den Untergrund gedrängt und noch stärker ausgebeutet.

 

Fazit

Die Frauenverachtung ist zunächst ein kapitalistisches Problem, denn alle Ausbeutergesellschaften haben die Tendenz zu Diskriminierung und Patriarchat. Elend und Erwerbsarbeitszwang führen zur Diskriminierung auch anderer Gruppen. Wenn also argumentiert wird, Frauen würden von ihren Kunden ausgebeutet, ist das nur ein Teil der Wahrheit. Gut bezahlte Arbeitsplätze haben die Konservativen diesen Frauen nicht angeboten.
Aus kommunistischer Sicht können wir sagen, daß zunächst die ökonomische Gleichstellung der Frau und die allgemeine Abschaffung der Arbeitslosigkeit und ein Mindestlohn das beste Mittel gegen sexuelle Ausbeutung ist. Dazu müssen einfach alle Menschen ein menschenwürdiges Einkommen besitzen. Die Prostitution, die dann noch übrig bleibt, ist wirklich freiwillig.

 

Zukunft der Prostitution

Welche Zukunft hat die Prostitution, wenn Wohlstandsgefälle und Erwerbsarbeitszwang eines Tages abgeschafft sind?
Prostitution hat auch für die Kunden große Nachteile. Wer Prostitution konsumiert, kann durch den Reizverstärkungs-Abstumpfungszyklus von Praktiken abhängig werden, die bestenfalls exotisch, die frauenverachtend, oder gefährlich und dabei noch sehr teuer sind. Die Abhängigkeit eines Kunden von nur durch Prostituton zu erbringende Leistungen ist eine Form der Verelendung (siehe Was ist Verelendung?«).

Es ist in gewisser Weise wie eine Rache der ausgebeuteten Prostituierten, an ihren Kunden, daß sie sie verderben lassen und abhängig machen.
 
An dieser Stelle abstrahieren wir mal vom klassischen Katalog der sexuellen Dienstleistungen und stellen uns vor, was wäre, wenn Prostituierte genau das Gegenteil dessen anbieten würden. Wenn Prostituierte jungen Männern zeigen würden,wie man sich einer Frau gegenüber verhält, wie man Orgasmusprobleme überwindet, oder wenn sie bei der Therapie von Sexualstraftätern mithelfen würden.
Verdorbene Frauenfeinde könnten so durch Entzug therapiert werden, Rabiatoren könnte man den Sinn für Feingefühl vermitteln und fehlgeprägten Pädophilen könnte frau das Interesse an erwachsenen Frauen vermitteln.
Die Idee, der Berufsanerkennung bekommt nämlich nicht einen Sinn, wenn die Tätigkeit nur ein suchtartiges Bedürfnis erfüllt, sondern erst, wenn eine gesellschaftlich nützliche Funktion damit verbunden ist. Das Mitverdienen des Staates an der Prostitution macht sonst den Staat zum Zuhälter. Das sehen wir insbesondere vor dem Hintergrund des sogenannten Schutzes der Ehe durch Diskriminierung von Alleinerziehenden und Homosexuellen, da die steuerliche Diskriminierung im Zusammenwirken mit der Idee ehelicher Pflichten auch schon die Ehe selbst zu Prostitution und den Staat zum größten Zuhälter macht. Die Zuhälterei der imperialistischen Staates ist in der Vergangenheit auch schon im Zusammenhang mit der Illegalisierung von Migrantinnen diskutiert wurden.
[Evariste]

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