„Stalinismus“ – ein Wort im westlichen Sprachgebrauch

Wörter: 505; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke
Das Wort „Stalinismus“ wird seit Jahrzehnten verwandt und sucht seine Bedeutung.

Die erste und wichtigste Bedeutung ist, daß es sich um einen westlichen imperialistischen Kampfbegriff handelt, mit dessen Hilfe jede Art von Kommunismus diffamiert werden soll.

Der Begriff ist also ein antikommunistischer.

Dabei hat kaum jemand dem Kommunismus so viel Schaden zugefügt, wie eben jener Joseph Wissarionnowitsch Stalin, in dessen Namen nach westlicher Lesart Kommunisten, Sozialisten und Linke aus der Linkspartei angeblich handeln.

Der Begriff wird von ewig-Gestrigen, die durch den Verrat an der DDR aufgestiegen sind, und heute noch ein System bekämpfen, das einmal das Elend in der Gesellschaft beseitigt hatte, genauso benutzt, wie von den strategischen Antikommunisten, die heute offen zugeben, Angriffskriege mit geächteten Waffen in Asien, Afrika und Lateinamerika nur deswegen geführt zu haben, weil eine spezielle Idee, die Idee von der Beseitigung des Elends durch Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln sich ausbreitete und nach ihrer Lesart den Erdball zu erobern „drohte“.

 

Es gibt deswegen keinen Stalinismus, weil

  1. Stalin kein bedeutender Theoretiker war und
  2. niemand eine Theorie entwickelt hat, die jemand als Stalinismus bezeichnen könnte

Wir wollen hier nicht behaupten, daß Stalin kein schlaues Kerlchen gewesen ist und keinerlei intelligente oder originelle Werke verfaßt hätte. – Allein ein Beitrag zur Theorie ist nicht zu erkennen. Es gibt keine stalinsche Theorie, die ansatzweise den Suffix „ismus“ rechtfertigen würde.

Es gibt keinen Stalinismus!

 

Kurz zurück zum Kampfbegriff,

da das Wort ja hauptsächlich in dieser Bedeutung gebraucht wird. Auch der Kampfbegriff „Stalinismus“ geht fehl, da das, was Stalin getan hat, sehr spezifisch für Stalin, die Zeit und die Sowjetunion zu dieser Zeit war.
Stalin hat weder eine Gulag-Theorie noch eine Gulag-Anleitung hinterlassen und wir wollen hier entschieden feststellen, daß diejenigen Politiker, die am ehesten von allen, allen heutigen Linken das Wort „Stalinismus“ vorwerfen, politisch am ehesten mit denen verwandt sind, die in diesem Lande KZs errichtet haben. Sollten wir die politischen Kinder und Enkel der Nazis, also diejenigen, die bei diesen Nazis studiert haben und von ihnen in die Politik eingeführt wurden und bei ihnen die Doktorarbeit geschrieben haben, als Hitleristen bezeichnen?

 

Die diffuse Denunziation1

wurde bereits in »Was ist der Unterschied zwischen Rechts und Links?«2 beschrieben. Kampfbegriffe erlauben solche diffusen Denunziationen. Diffuse Denunziationen wirken als Totschlagargumente – sie ersparen die Argumentation.
Zu allen Zeiten waren die edelsten und höchstangesehensten Ideen, die besten Inhalte und die höchsten Absichten für die niederträchtigsten und größten Verbrecher gerade gut genug, um sich mit ihnen zu schmücken. Aus genau diesem Grunde kann man erwarten, daß die größten Verbrecher die edelsten Inhalte entwenden und für sich verwenden. Fehlende Demokratie war die Ursache für die Entstehung eines Quasimonarchen, der rückblickend betrachtet, das Gegenteil dessen verkörpert, was er zeitlebens darzustellen suchte. Genau darin besteht der Schaden, den der sowjetische Quasimonarch in der kommunistischen Bewegung angerichtet hat.
Wir lassen deswegen jedoch nicht zu, daß die Idee des Kommunismus unter dem geheuchelten Vorwand, Menschenrechte zu schützen, von seinen entschiedensten Feinden, die auch die der Menschenrechte sind, denunziert wird.

[Evariste]

1 Siehe »Was ist Demagogie?«: Diffuse Hetze
2 Im Unterabschnitt Antikommunismus

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