Kultur der Dummheit – Zur politischen Dimension der Faschingszeit

Wörter: 580; Linkslevel: +2 Sozialdemokratisierte Linke
Am 16.02.2012 meldete d-radio, in den Städten sowieso + sowieso hätte der Karneval begonnen. Eine bunte Volksmenge stürmte die Rathäuser und die Frauen (Wie lustig – die Frauen!!!) übernahmen das Regiment.
 

Interessant daran ist für uns, daß wie in einem Theaterstück Revolution geprobt wird, — jedoch ohne Revolutionäre. Eine Menge von Jecken stürmt die Rathäuser! Jedoch nicht, um das Volk an der Macht zu beteiligen, sondern nur, um so zu tun! Die selben Medien, die die Kriege gegen Libyen und in Syrien verschweigen, berichten bereitwillig über das lustige Treiben der Jecken, den Sturm auf die Rathäuser und die scheinbare Machtergreifung der Frauen. (Haha Frauen!! — Das sind die mit der Küchenschürze und dem Kochlöffel in der Hand!)
 

Historie — Wie konnte dieser Quatsch entstehen?

In der Entstehungszeit des Karnevals gab es wirkliche Bestrebungen des Volkes sich zu beschweren, oder sogar den Griff zur Macht. Da jedoch die Unterdrückerseite über Mittel der Gewalt verfügt und die Untertanen es sich zur Gewohnheit werden ließen, Macht als Autorität zu betrachten, wurden sie schnell gehorsam und veralberten in Zusammenarbeit mit den Herrschenden ihre eigenen Demokratiebestrebungen. Genau das ist mit tatkräftiger Unterstützung der Herrschenden nun deutsche Kultur geworden. Lustig ist erlaubt und Revolution-spielen ist nur erlaubt, wenn es lustig geschieht. Irgendwann erstarrte der abgebrochene Aufstand als Tradition. Konservative wurden zu Trägern der Tradition. Schließlich wurde die Tradition die der Dummen und nicht erwachsen gewordenen. Ganz vorn mit dabei bei der Veralberung der ehemals demokratischen Bestrebungen sind die Unternehmerparteien CDU und CSU.
 

Bloß keinen Ernst !

Eine Kultur der Selbstveralberung des Volkes der Veralberung von Revolution, der Veralberung von Demokratie und Emanzipation entspricht dem Klassenbewußtsein der herrschenden Klasse. Da das Volk der BRD kein eigenes Klassenbewußtsein hat, feiert es seine eigene Blödheit.
Untertan sein, kann Spaß machen! Und wer die Arbeit noch nicht vergessen hat, kann mit den offiziellen Staatsbetäubungsmitteln Alkohol und Fernsehen nachhelfen.
Die Inszenierung der lustigen Volksdemokratie geht so weit, daß in den Umzügen sogar pseudopolitische Inhalte vorkommen. Ernstes ist nicht erlaubt, denn es muß lustig sein und Ernstes ist nicht lustig!
 

Bloß keine Emanzipation !

Eine wirklich lustige Sitte (vor allem für diejenigen Männer, die den Karneval vergessen haben) ist das Abschneiden der Krawatten. Ungeachtet des Preises werden Krawatten von weiblichen Jecken erbarmungslos abgeschnitten. Dies’ geschieht jedoch nicht, um die Blutzirkulation der betreffenden Patienten zu verbessern und leider auch nicht, um dieses Zeichen des Untertanentums zu beseitigen, sondern um ihnen den Ernst auszutreiben. Und all dies’ ist entstanden, um die Herrschenden der Vergangenheit mithilfe demonstrierter Unzurechnungsfähigkeit gnädig zu stimmen. Daß diese Schande des Volkes nun jedes Jahr inszeniert wird, bedeutet eine uneingestandene Niederlage. Das Volk feiert die Kanalisierung seiner eigenen politischen Potenzen. Es feiert die eigene Unterdrückung, es unterwirft sich mit dem Schlachtruf “Wir sind dumm – also harmlos!” Es feiert die Dummheit – die eigene Schande.

Wahrlich eine Kultur der Dummheit!
 

Ist das Abschneiden von Schlipsen oder Krawatten weibliche Emanzipation?
Es ist ein rudimentäres Zugeständnis der Herrschenden an die Unterdrückten, am Narrentag in die Kleiderordnung hineinzureden. Für uns ist es Symbol der Kulturwerdung von Opportunismus und Blödheit.

 

Spaß gegen Ernst — Unterhaltung gegen Revolution

Mit dem Ernst stirbt die Verantwortlichkeit. Den Ernst überläßt man denen, denen er gebührt. Daher ist das Ablegen des Ernstes ein Zeichen kultureller Unterwerfung denn wenn zur Faschingszeit die Rathäuser gestürmt werden, können die Herrschenden aufatmen, denn — Haha! — es ist nur Spaß. Narren sind eben keine Revolutionäre.

Selbstveralberung ist Selbstverachtung — alles, was man von Untertanen erwartet.
[Evariste]

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