Was ist schlecht an Ausländerfeindlichkeit? – Sozialchauvinismus als Ursache des Chauvinismus

Wörter: 1902 ; Linkslevel: -4 Rechtsextreme

Was ist schlecht an Ausländerfeindlichkeit? – Sozialchauvinismus als Ursache des Chauvinismus

Ausländerfeindlichkeit ist eine rechtsgerichtete politische Eigenschaft, die mit dem Nationalismus Hand in Hand geht. Das liegt daran, daß ihr Chauvinismus – die Idee besser, als andere Völker (Gruppen, Ethnien, …) zu sein, zugrunde liegt. Deswegen sind Ausländerfeinde auch ein wenig nationalistisch und Nationalisten auch Ausländerfeinde. Beide Eigenschaften nehmen nach rechts hin noch zu.

 

Chauvinismus und Sozialchauvinismus

(Chauvinismus ist die Verachtung anderer Gruppen und meint (meist und hier) insbesondere den Nationalchauvinismus. Sozialchauvinismus ist die Verachtung der Armen.)

Wir können daher sehen, daß beide Eigenschaften – Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus (wie auch der Chauvinismus) von der Misanthropie (der Menschenverachtung) abhängen. Daher verachten die Ausländerfeinde auch andere Gruppen ein wenig. Ausländer – und von diesen die ärmsten Ausländer – gehören jedoch zu den am stärksten verachteten Gruppen. Das liegt daran, daß der Sozialchauvinismus (die Verachtung der Armen) – ein für den Kapitalismus existenziell wichtiges Ressentiment – (obwohl deutlich schwächer als die Ausländerfeindlichkeit) – hier zusätzlich wirkt.

 

Was ist mit diesem Sozialchauvinismus?

Der besonders Rechtsgerichtete (der ostentative Ausländerfeind) verachtet die Armen viel stärker, als der nur leicht konservative falsche Sozialdemokrat. Diese Verachtung erscheint im Kapitalismus sinnvoll, wenn man selbst reich ist, Arme ausbeuten möchte, von ihrer Arbeit leben will und verhindern will, daß die Armen nach oben kommen. Ist man arm erscheint die Übernahme dieser Verachtung nicht sinnvoll. Gegen die für die Ausbeutung notwendige Unterdrückung entwickeln alle beseelten Wesen Widerstand. Es gibt jedoch Leute, die weniger Widerstand leisten bzw. sich von den Reichen zum Haß gegen andere Arme aufstacheln lassen. Diese Leute sind nicht von Geburt an weniger beseelt, sondern ihr Geist ist vergiftet. Das Gift hat die Funktion ihre Solidarisierung zu verhindern. Wenn man andere Menschen verachtet, nimmt man an ihrem Schicksal nicht teil. Man erachtet sie ja als weniger wert. Man nimmt sie kaum (oder weniger) als Menschen wahr. Der Effekt ist desto stärker, je weniger man diesen anderen Menschen(-Gruppen) begegnet. Für die Reichen ist das sehr günstig. Das Ressentiment – die Vergiftung von Geist und Seele – die Vergiftung der Zwischenmenschlichkeit bewirkt nämlich, daß die Verletzung der Würde der Verachteten nicht wahrgenommen wird. Das Ressentiment ist das wirksamste Mittel, Verletzungen von Würde und Menschenrechten zu verschleiern. Das Ressentiment ist derart wirksam, daß man es sogar benutzen kann, um sich selbst zu vergiften, wenn der Wunsch besteht, anderen etwas anzutun. Wer immer vorhat, andere zu bestehlen, zu betrügen oder zu berauben, muß den anderen erst verachten lernen. Er muß sich erst umkonditionieren. Um das vor sich selbst zu tun, erfindet er allerlei Ausreden (auch für sich selbst), die genau dem anderen die Schuld dafür geben.
 

Kommen wir mal langsam zur Sache!

Nun gibt es Leute, die ein klares materielles Interesse daran haben, anderen etwas anzutun und Leute, die diesen dienen und von ihnen aufgestachelt werden anderen Armen zu schaden, sie zu verraten, zu kontrollieren, den Ausbeutern bei der Ausbeutung und den Unterdrückern bei der Unterdrückung zu helfen. diese zweite Sorte von Leuten haben kein Eigeninteresse und müssen für ihre Kooperation – eigentlich Kollaboration von den Ausbeutern belohnt werden. Die Belohnung ist meist lächerlich gering im Vergleich zum bei den Ausgebeuteten bzw. Beraubten angerichteten Schaden. Für die Kollaborateure jedoch ist der Betrag meist bemerkenswert. Damit die Kollaborateure mitmachen, müssen sie davon überzeugt sein, daß

  • die Opfer nichtswürdig,
  • minderwertig

… oder

  • fiese Schweine,
  • unanständig,
  • die schlimmsten Verbrecher,

… – also kurz – entweder

  • nichtswürdig oder
  • selbst Schuld

oder

  • eine Mischung aus beidem

sind. In der Praxis mischen Ausbeuter und Kollaborateure (sie wollen glauben) genau Herabwürdigungen mit Vorwürfen. Die Tatsache, daß beides zusammen unlogisch ist, spielt keine Rolle. Ist das Ressentiment erst einmal implantiert, verstärkt es sich. Verteidigungsreden werden gegen die Verteidiger interpretiert.

 

Worum geht’s nun?

Die Unterdrückung, die immer im Dienste der Ausbeutung steht, ist schon eine schlimme Sache. Wer besonders reich ist, wächst jedoch meist mit einem Selbstverständnis auf, das ihm nur schwer andere Betrachtungsweisen ermöglicht, als die, selbst etwas Besonderes zu sein. Die Kollaboration von einfachen Leuten, gegen andere einfache Leute ist aber eine besondere Niederträchtigkeit. Denn selbst, wenn sich die Täter einbilden, die Verachtung wäre richtig, wissen wir jetzt, daß sie sich in Wirklichkeit selbst dazu konditioniert haben. Sie haben eine Psycho-ökonomische Entscheidung getroffen. Daß sie ihren Intellekt betrügen, spielt dabei keine Rolle. Sie haben sich ihrem Wunsch entsprechend auf eine bestimmte Seite geschlagen.

Es geht hier also darum, daß Kollaborateure den Reichen bei Ausbeutung und Unterdrückung helfen. Denn ohne diese Kollaborateure könnten die wenigen Reichen niemals siegen. Um also zu siegen, suchen sie sich unter den Auszubeutenden die Niederträchtigsten und Dümmsten (Denn auch die Dummen helfen ihnen ein wenig.), integrieren sie in ein Belohnungssystem, um mit Gewalt und Legalität Privilegien durchzusetzen.
 

Der Kollaborateur versucht sich nun einzubilden, daß die von den Profiteuren definierte Legalität ihm Recht gibt. – Aber das ist eine andere Geschichte.

Nicht alle Rechtsextremen sind Kollaborateure der Reichen, aber sie verweigern die Solidarisierung mit den Armen weil sie die Verachtung der Armen oder sogar der Schwachen (Das ist noch weiter rechts.) verinnerlicht haben.

 

Perspektive

Der rechtsextreme Kollaborateur muß mitunter physische, rechtliche oder ökonomische Gewalt anwenden. Diese Gewalt macht ihn zum Unmenschen. Es muß sich daher eine Moral zulegen, die sich legalistisch strikt an die durch die herrschenden Profiteure vorgegebenen Regeln anlehnt und so einen Anstand (voller traditioneller Sittlichkeit, Obrigkeitshörigkeit, blinder Rechtsbeflissenheit, voller Statusdenken Nationalismus und religöser Sittlichkeit) kreiert, der jeder Menschlichkeit bar ist. Mit diesem menschenfeindlichen Anstand ausgerüstet ist der Kollaborateur zunächst jemand, der sein eigenes Denken überwacht, aber auch eine Waffe in der Hand der sich in ihrem Überlegenheitsselbstverständnis sonnenden Herrschenden.
So werden einige der Armen zu ihren eigenen Feinden.
Die Perspektive der rechtsextrem Gewordenen ist, wie in »Warum es keine isolierte selektive Menschenverachtenung gibt« (ELL = -5) erläutert, auch andere Menschengruppen zu verachten. Natürlich werden diese anderen Menschengruppen je nach Sorte unterschiedlich stark verachtet. Jedoch kommt der Extremist nicht umhin, auch Frau und Kinder in gewissem Maße zu verachten. Genau das kann man heute feststellen. Die Kinder von Rechtsextremen erhalten weniger Liebe, Frauen werden eher geschlagen.
Ein weiter wichtiger Effekt ist die verringerte Konstruktivität. Konstruktivität läßt uns Werke vollbringen. Konstruktivität beruht auf dem Sinn und Sinn beruht auf dem gesellschaftlichen Charakter des Menschen. Ohne positiven Bezug zu anderen Menschen und zur Gesellschaft insgesamt – und damit ist nicht der selbstbetrügerische Nationalismus – die Annahme eines imaginären höheren Wesens gemeint – gibt es keinen Antrieb, ohne Antrieb keine Wahrheit, ohne Wahrheit keinen Sinn. Ohne Sinn keine Konstruktivität, somit ohne Wahrheit auch keine Wissenschaft.

Die Tatsache, daß Unterdrücker Destruktivität brauchen und fördern, bewirkt, daß irgend jemand für sie abstumpfen muß. Meist stumpft eine ganze Gesellschaft (bzw. große Teile davon) ab und dient den Reichen. Einige jedoch, die die Schmutzarbeit tun, müssen besonders unkonstruktiv sein. Sie können versuchen, Arbeit und Privatleben zu trennen. Sie werden diese Trennung jedoch niemals perfekt erreichen.
Die Perspektive des Rechtsgerichteten und besonders des sehr stark Rechtsgerichteten ist ein inhaltsleeres armes Leben ohne intellektuelle oder schöpferische Freude. Statt der Freude muß der Rechtsgerichtete versuchen, sich am Status zu erfreuen. ist der Status niedrig, bleibt nur noch Überlegenheit und Stärke. Ist es nicht seine eigene Überlegenheit und Stärke, muß er jeden Tag jemanden dafür bestrafen.

In modernen Gesellschaften wird aufgrund kapitalistischer Produktionsverhältnisse eine Mindestkonstruktivität der Gesellschaft benötigt. Man kann also am Wochenende keine Gladiatoren in die Arena schicken (Sonst würde es keine Wissenschaft und Ingenieuerskunst geben.). Statt dessen läßt man virtuelle Straftäter in großer Zahl tag-täglich im Fernsehen bestrafen. Diese Straftäter sind unwahrscheinlich böse, denn sie müssen ja (plakativ) noch deutlich böser sein, als die sich gerecht fühlen wollenden Kollaborateuere der Macht. Daher nimmt man keine fiesen Bürokraten, keine gewaltbereiten Polizisten und keine mobbenden Ausbeuter oder Cheffs, sondern ausgespochen böse oder besonders unanständige (Sexualstraftäter mit den ausgefallendsten und perversesten Neigungen) Verbrecher. Ist das Land in dem diese Sendungen gesendet werden, besonders rechtsextrem, weil die Ausbeutung besonders stark ist, ist es nötig, einige der Filmbösen zum Ende des Drehbuches zum Abschuß freizugeben. Dazu müssen sie gleichzeitig pervers und besonders gefährlich mitunter teuflisch raffiniert (also kurz – total unwahrscheinlich verbrecherisch) sein.

Diese tägliche Dosis Bestrafung hilft nicht nur dem Kollaborateur, sondern auch dem Malocher (jemand, der seine Arbeit nicht mag) sich zu betäuben. Leider brutalisiert sie die Gesellschaft und betäubt den Intellekt, was ihr eigentlicher Zweck ist.

Die Perspektive des Kollaborateurs ist also seelische und intellektuelle Dumpfheit.
Nur, wenn diese Feiglinge sich überwinden, und etwas gegen ihre eigentlichen Feinde tun wollen, können sie dieser Dumpfheit mit der sie sich betäuben müssen, entfliehen. (Dazu müssen sie lernen, Menschen zu achten. – Sie müssen lernen, Menschen zu werden. )

 

Wozu braucht „man“ nun die Ausländerfeindlichkeit?

Wenn nun die Unterdrückten sich trotz organisierter Vergiftung miteinander solidarisieren und organisieren, dann benötigt man eine Haßgruppe, die in der Achtung noch weit unter den Armen steht. Man braucht eine Opfergruppe von außen, die man zum Feind aufbauen kann. Dieser Feind wird zunächst mittels Signalen, die indirekt seine Rechte infrage stellen, herabgewürdigt. Dabei werden ihnen implizit böse Absichten unterstellt. Dies‘ wird mehrfach von (relativ) anerkannten Persönlichkeiten (z. B. CSU-Politikern) getan. Dann finden sich andere Gruppen (Pegida, AfD), die etwas direkter Hetzen und den eigentlich bedürftigen Opfern ohne Angabe vernünftiger Gründe explizit böse Absichten unterstellen. Will man das erreichen, stellt man sich einige Zeit hilflos und beklagt scheinheilig die schlechte Stimmung. Die Ausländerfeindlichkeit wird durch die Medien gefördert, indem man systematisch zitierend verbreitet, daß man die Sorgen der Bürger (und den Rassismus derer, die sich feindlich äußern) ernst nehmen müsse.

Die Ausländerfeindlichkeit bringt wieder Feinddenken unter die Menschen. Dieses verhindert die Solidarisierung mit den Opfern, die nämlich eigentlich genau auch die Opfer derer sind, zu denen sie fliehen. (Konkret im Falle der syrischen Flüchtlinge fliehen die Opfer vor Krieg und Hunger. Scheinheilig wendet sich das reiche Europa von den „Sozialschmarotzern“ ab und vergißt dabei, daß es drei Jahre lang den Krieg gegen Syrien unterstützt hat, mit Terrorunterstützern weiterhin zusammenarbeitet und bis zum heutigen Tage Sanktionen gegen Syrien aufrechterhält, die auch Lebensmittel betreffen. Auch hier wird die Wirkung des Feinddenkens demonstriert. CDU-Politiker schämen sich nicht, öffentlich eine Luftbrücke (für die eigenen Truppen) zu fordern und das als „humanitär“ zu feiern, während sie die Gegenseite (den weit größeren Teil Syriens) konsequent auszuhungern suchen.
 

Wozu brauchen die Unterdrücker nun die Ausländerfeindlichkeit?

Die Ausländerfeindlicheit lenkt von realen und inneren Problemen ab. Die Unzufriedenheit wird auf Leute abgewälzt, die an der Situation in der BRD nicht schuld sein können. Die Ausländer haben den sozialen Wohnungsbau nicht vernachlässigt. Sie haben keine Gesetze verabschiedet, die Banken und Versicherungen begünstigen. Sie haben die gesetzliche Rente nicht abgeschafft, haben keine Schuld an den Gesundheitsreformen und sich auch die Hartzgesetze nicht ausgedacht. Sie haben keine Schuld am Lehrermangel oder am Mangel an Fachärzten, Therapeuten und Pflegern.
Die Wut gegen sie betäubt aber das Denken und nimmt den Wütenden die Entscheidung ab, sich gegen die wahren Schuldigen aufzulehnen. Außerdem fühlt man sich besser, wenn scheinbare Minderwertigkeit mit im Spiel ist, so daß man sich überlegen fühlen kann. Solange also noch Haß in der Welt ist und ganz besonders, wenn irrationaler (nicht durch Realität begründbarer) Haß in der Welt ist, können die Ausbeuter sich sicher sein.
Über die Frage der Ausländerfeindlichkeit streiten sich rechts und links – die Linke ist beschäftigt.
Statt sich für sozialere Politik zu organisieren, befassen sich alle mit rechtsgerichteten Demonstrationen.

Wer den Sozialchauvinismus akzeptiert, kann die Ausländerfeindlichkeit erst recht nicht ablegen. Es gibt nur eine Feindlichkeit. Sie ist als Sozialchauvinismus vorgeschrieben und wird durch das Feindbild Ausländer trainiert und hat für den weiteren Umgang mit anderen Gruppen verheerende Folgen.
[Evariste]

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