Faschismus und Wahrheit

Wörter: 789; Linkslevel: -5 Faschisten; OtL: -5,0

Lange noch nach dem zweiten Weltkrieg äußerten alte Leute: „Wir haben damals/zu der Zeit noch an den Endsieg geglaubt.“ Dieses Zitat ist ein Häufiges. Es sagt u. a. aus, daß in der Anschauung der Nazis der Sieg die Überlegenheit und die Richtigkeit (der Ideologie) demonstriert. Durch dieses akausale Denken wurde die Frage nach der Richtigkeit einer Ideologie zu einer Frage der Stärke. Die Stärke entscheidet darin über Richtig und Falsch. Dieses Denken ist ein generell rechtsextremes Denken und es verstärkt sich, je weiter rechts jemand steht.
Ihm zugrunde liegt eine einfache Tatsache, nämlich die, daß der Faschist sich selbst gar nicht für die Richtigkeit seiner Ideologie interessiert. Er will dabei durchaus überlegen sein, er benutzt sogar Argumente bzw. Scheinargumente, die ihm als Argumente erscheinen, prinzipiell setzt er seine Ansichten jedoch mit Gewalt durch. der Faschist kann dabei nicht anders. Er hat kein Verhältnis zur Wahrheit.
Wahrheit als Abstraktion hat für die meisten Selbstwert. Dieser Selbstwert existiert aber nur, wenn es für den Menschen einen Zweck gibt. Diesen Zweck gibt es nur, wenn die Wahrheit irgend jemandem nützen könnte. Um jemandem zu nützen, muß man sich für jemanden interessieren. Wenn man Menschen aber verachtet, gibt es keinen Zweck. – Es gibt dann keine Wahrheit. Wahrheit setzt die Möglichkeit eines konstruktiven Dialoges voraus.

Beispiel
Die neue faschistische Regierung der Ukraine („prowestlich“) ist so nationalistisch, die Geschichte des Zweiten Eltkrieges zu fälschen. Da der deutsche NS-Faschismus einen schlechten Ruf in der Welt hat,streite der faschistische Bildungsminister der Ukraine anläßlich des 71. Jahrestages der Befreiung Europas von der NS-Terrorherrschaft die erwiesene Kollaboration mit den Nazis ab. Bestritten wird, daß die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) (Anführer: Stepan Bandera) und die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) an der Vernichtung von 90 000 Polinnen und Polen beteiligt waren, Kollaborateure der Nazis waren und behaupten, sie hätten für „Unabhängigkeit“ gekämpft. Der faschistische Bildungsminister Wjatrowitsch hatte bereits206 ein Buch über die Haltung der OUN zu den Juden publiziert, indem er den Antisemitismus der OUN bestreitet. Die von ihm sehr selektiv genutzten Quellen werden dabei tendenziös entstellt zitiert (gefälscht).
Die neue im Jahre 2016 zensierte Geschichtsversion, gegen die Historiker bereits protestierten, soll demnächst sogar in Schulbüchern gelehrt werden.
Wir sehen hieran, wenn (hier vom Westen eingesetzte) Faschisten sich des Antisemitismus schämen, bestreiten sie ihn einfach. Die Wahrheit wird zurecht gebogen, wie es gerade paßt.
 

Der Faschist will siegen. Statt der Wahrheit will er nur Recht haben. Recht haben, kann man auch, wenn man die Macht über andere hat. Danach strebt der Faschist. Komfortabler Weise bildet er sich ein, Recht zu haben. Er verfügt jedoch aus Interesselosigkeit nicht einmal über ein Instrument mit dem er feststellen könnte, ob er sich irrt. Die Ansichten anderer interessieren nicht. Was dem Konservativen ein undurchdachtes Vorurteil ist, ist dem Faschisten ein religiöses Bedürfnis. Äußert ein Faschist Schmähungen, Beschuldigungen, Herabwürdigungen gegen einen Lieblingsfeind, dann finden andere Faschisten das richtig. Sie glauben daß es stimmt, weil es ihnen paßt. Sie glauben sogar ihre eigenen Lügen.

Im Faschismus gibt es keine Wahrheit. – Sie hat keine Bedeutung.

 

Der Faschist weiß jedoch um die Wirkung der gegnerischen Argumentation. Er sieht jedoch nur ihre Form und ahmt sie nach. Würde er ihren Inhalt verstehen, müßte er sich schämen. Prinzipiell werden Faschisten durch geistige Inhalte (die sie nicht verstehen) bedroht.
Ein wenig fürchten Faschisten instinktiv die Argumente ihrer Gegner. Sie immunisieren sich dagegen und machen sich dadurch selbst dumm. Wenn doch einmal ein Argument durchdringt, werden sie gewalttätig.

Der Faschist kennt das Wort „Wahrheit“ und kennt seine rhetorische Kraft. Er benutzt es. Er benutzt auch andere Worte, deren Bedeutung er nicht wirklich erfaßt hat. Die Ideologien von Faschisten sind chaotisch, unsystematisch, eklektisch. Das liegt daran, daß dem Faschisten jeder Vorwurf gegen seine Lieblingsfeinde recht ist. Der Faschist klaut auch linke Argumente und vereint sie trotz ihrer Unvereinbarkeit in einer Sammlung mit rechten Argumenten. Die Anwendung linker Rhetorik bzw. linken (unverstandenen) Versatzstücken

  • erfolgt entweder ad hoc und wird wieder vergessen,
  • erfolgt falsch angewandt (z. B. eine Liste von Schmähungen oder Beschuldigungen zu ergänzen), oder
  • erfolgt einfach nur zur Provokation.

Falsche Anwendungen werden nicht bemerkt oder nicht kritisiert, Provokationen gehören zum konfrontativen Selbstverständnis des Faschismus.

Es gibt keine Kritik im Faschismus.

So kann es kommen, daß der Faschist im Internet Diskusionsbeiträge schreibt, die völlig unlogisch sind, ohne, daß er es merkt. Die Logik hat im Faschismus keine Kraft, sie wird vom Bedürfnis beherrscht und unterjocht. In der Praxis erscheint diese Korruption bzw. dieses Abhandensein der Logik z. B. als falsche Prämissen, als unscharfe Logik, als Wertungsschluß oder schlicht als Lüge. Davon merkt der diesbezüglich stumpfe Faschist selbst nichts.

Der Faschist ist zu unkonstruktiv um es zu bemerken. Konstruktivität erfordert ein positives Verhältnis zur Gesellschaft bzw. zu mindestens einem Menschen. Menschenverachtung schließt das genau aus. (Siehe »Es gibt keine isolierte selektive Menschenverachtung«!)
[Evariste]

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